mini|Westfassade des Palazzo della Fraternita dei Laici, Arezzo Der Palazzo della Fraternita dei Laici (deutsch: Palast der Laienbruderschaft) von Arezzo liegt in der mittelitalienischen Region Toscana. Mit einer Bauzeit von 1375 bis 1560 gilt seine Fassade als harmonische Synthese aus Gotik und Renaissance. Heute beherbergt der Palazzo das Museo Palazzo di Fraternita.
Vorgeschichte Die Aretiner Laienbruderschaft (Aretino heißt „aus Arezzo“) wurde 1261 von mehreren Laienbrüdern mit dem Ziel gegründet, Armen, Kranken und Bedürftigen zu helfen. Die Bruderschaft standen den Dominikanerorden nahe. 1262 wurde das Statut der Kongregation von Bischof Guglielmo degli Ubertini anerkannt. Sie nannte sich fortan Bruderschaft der Heiligen Maria der Barmherzigkeit. Damals bestand die Hauptaufgabe der Bruderschaft darin, zweimal wöchentlich Almosen an Bedürftige zu verteilen, die sie vorher in der Stadt eingesammelt hatte. Bei ihrer Gründung zählte sie etwa 1700 Bürger.
Anfangs wurden auf der Straße hauptsächlich Brot und Geldspenden entgegengenommen. Mit der Zeit hinterließen immer mehr Aretiner, häufig in Ungnade gefallene Adlige, der Bruderschaft größere Schenkungen und Spenden. Die Bruderschaft beendete daraufhin die Straßensammlung und widmete sich der Anlage und Verwaltung ihrer neu erworbenen Güter. Hierzu benötigten sie Arbeitszimmer, Archive und Lager. Zum 100-jährigen Bestehen der Kongregation entstand 1363 der Entwurf eines Gebäudes, für welches von der Stadt ein Grundstück an der Piazza Grande erworben wurde, dem damaligen Zentrum des politischen und wirtschaftlichen Lebens der Stadt. Die Bruderschaft zählt zu den ältesten städtischen Institutionen, die sich bis heute für wohltätige Zwecke einsetzt.
Palazzo della Fraternita dei Laici mini|Christus in Pièta von Spinello Aretino in der Lünette des zentralen Portals des Palazzos Der Palazzo della Fraternita dei Laici steht in der nordwestlichen Ecke der Piazza Grande, einem zentralen Platz von Arezzo. Er steht in der Verlängerung des Palazzo del Tribunale. Der Bau des Palastes begann 1375 mit der Errichtung der Fassade. Nach zwei Jahren Bauzeit war das erste Stockwerk 1377 bezugsfertig. Kurz darauf wurden die Bauarbeiten wegen der Streitigkeiten zwischen Ghibellinen und Guelfen unterbrochen. Das ghibellinentreue Arezzo fiel nach mehreren Plünderungen schließlich unter den Einfluss des guelphentreuen Florenz und verlor seine Unabhängigkeit. Im Jahr 1395 malte Spinello Aretino, der bedeutendste Aretiner Maler jener Zeit, in der Außenlünette des zentralen Portals das Bildnis Christus in Pietà. Das Original befindet sich heute im Museo Nazionale d’Arte Medievale e Moderna (Nationalmuseum für mittelalterliche und moderne Kunst), während über dem Portal in den 1870er Jahren eine Kopie angebracht wurde. mini|Bernardo Rossellino: Madonna della Misericordia, die von den knienden Schutzpatronen der Laienbruderschaft flankiert wird Erst 1433 wurden die Bauarbeiten fortgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war die Bruderschaft nach den Kriegshandlungen wieder vermögend und besaß ausgedehnte Ländereien, Werkstätten, Häuser, Mühlen und Krankenhäuser. Zur selben Zeit wurde von Bernardo Rossellino an der Hauptfassade aus Terrakotta ein Flachrelief geschaffen, das die Skulpturengruppe der Madonna della Misericordia (Schutzmantelmadonna) zeigt. Die zentrale Madonna mit Kind ist links und rechts gesäumt von den knienden Schutzpatronen der Bruderschaft (erkennbar an den Monogrammen), den Heiligen Pergentinus und Laurentinus. Die Gruppe wird von den Heiligen Donatus von Arezzo und Georg flankiert, den Schutzpatronen der Stadt und der christlichen Gemeinde von Arezzo. 1460 schließlich vollendeten Giuliano e Algozzo da Settignano das Gebäude mit der prächtigen Loggia. mini|Parri di Spinello: Madonna della Misericordia flankiert von den Heiligen Donatus von Arezzo und Georg mini|Astrologische Uhr im Glockenturm Der Palazzo wurde auch nach hinten vergrößert, das heißt weg von der Piazza Grande. So entstand zum Beispiel ein neuer Audienzsaal, den Parri di Spinello mit einem Fresko verzierte, das die Madonna della Misericordia mit den Heiligen Donatus von Arezzo und Georg zeigt. Zwischen 1550 und 1560 wurde die Fassade mit dem Bau des Turms fertiggestellt, welcher von dem Architekten Giorgio Vasari entworfenen und unter seiner Leitung erbaut wurde.
Auf dem Turm befinden sich drei Glocken sowie die aristotelisch-ptolemäische Uhr mit Mondphasen, die 1552 im Auftrag der Rektoren der Bruderschaft von Felice di Salvatore da Fossato gebaut wurde. Gemäß dem ptolemäischen, das heißt des geozentrischen (Erde im Zentrum) Weltbild befindet sich die Erde in der Mitte der Uhr. Der Sonnenstand wird durch die goldene Sonne angezeigt, die sich um die Erde herum bewegt. Die zwölf römischen Ziffern dienen der Anzeige der Uhrzeit. Der halb schwarze/halb weiße Mond kreist entlang der 29 Arabischen Ziffern um die Erde und zeigt dabei den Tag im Mondkalender an.
Die nach fast 200 Jahren Bauzeit fertig gestellte Fassade des Palazzo di Fraternita gilt als harmonische Synthese aus Gotik und Renaissance. Als Zeugnis der Kunst des 14. Jahrhunderts gilt das Fresko Christi in Pièta über dem Steinportal und des 15. Jahrhunderts die Gruppe der Schutzmantelmadonna. Das 16. Jahrhundert ist durch das Glockenspiel der Mondphasenuhr und dem Glockengiebel vertreten. mini|Pallas Athene, Angelo Ricci Der Großherzog Leopold II (Pietro Leopoldo di Lorena) setzte sich für die ab 1781 erfolgte Renovierung des Palazzo di Fraternita ein. In deren Verlauf wurden viele Räume neu dekoriert. Ein Beispiel hierfür ist das Wandgemälde der Pallas Athene von Angelo Ricci. Nach der Renovierung war auch die Biblioteca di Fraternita für die Öffentlichkeit zugänglich und die Kunstakademie Scuola Libera di disegno e modellazione (Freie Schule für Zeichnen und Modellieren) wurde gegründet. Leopold II zwang die Bruderschaft, 1786 das Gebäude an das Zivilgericht von Arezzo zu vermieten, woraufhin die Bruderschaft ihre Verwaltung in den Palazzo del Comune verlegte.
Im Palazzo befindet sich heute das Museo Palazzo di Fraternita. Dessen Vorgänger bewahrte bis 1935 die Sammlungen der Kongregation auf, die vom 14.–19. Jahrhundert aus Schenkungen, Erbnachlässen und öffentlichen Aufträgen aufgebaut wurde. Die Sammlung ging dann in Staatsbesitz über und bildet den Kern der Bibliothek und der Stadtmuseen. Ein Großteil der Werke der Sammlung aus Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen, Drucke und antiken Möbeln verblieb jedoch bis heute im Palazzo.
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Einzelnachweise
Fraternita dei Laici Kategorie:Arezzo Kategorie:Bauwerk der Gotik in der Toskana Kategorie:Erbaut im 14. Jahrhundert Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Renaissancebauwerk in der Toskana