Die Generation Deutschland (GD) ist die Jugendorganisation der rechtspopulistischen und rechtsextremen Partei Alternative für Deutschland (AfD). Sie wurde am 29. November 2025 in Gießen gegründet. Die Vorgängerorganisation Junge Alternative für Deutschland (JA) hatte sich am 31. März 2025 selbst aufgelöst.
Geschichte Vorgeschichte
Im Januar 2025 trennte sich die AfD auf dem Parteitag in Riesa von ihrer Jugendorganisation Junge Alternative für Deutschland (JA). Diese wurde seit 2023 vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als gesichert rechtsextremistisch geführt. Gleichzeitig wurde die Gründung einer neuen Jugendorganisation vorgeschlagen, die enger an die Partei angebunden werden sollte, damals unter dem Namen „Patriotische Jugend“. Laut Aussage der Parteispitze sollte die Reform mehr Durchgriffsmöglichkeiten schaffen, etwa bei Fehlverhalten. Im Februar beschloss die JA ihre Auflösung zum 31. März 2025, begründet wurde dies auch mit einem möglicherweise drohenden Vereinsverbot.
Dem Politikwissenschaftler Reiner Becker zufolge versuchte die AfD-Spitze, durch die Neugründung mehr Kontrolle über die Jugendorganisation zu gewinnen, auch um mögliche Skandale vor den 2026 anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, bei denen sich die AfD Wahlsiege erhofft, zu verhindern.
Gründung im November 2025 Bereits etwa zwei Monate vor der Gründung wurde von den Jugendkoordinatoren der AfD-Landesvorstände gemeinsam mit Jean-Pascal Hohm, Wunschkandidat des AfD-Parteivorstands für den Bundesvorsitz, eine „Konsensliste“ mit den designierten Mitgliedern des 15-köpfigen Bundesvorstands der Jugendorganisation geschaffen. Viele Personalien auf der Liste waren ehemalige JA-Funktionäre, einige wurden auch mit mehreren ehemaligen Bundesvorsitzenden der JA abgesprochen. Die Landesverbände Bayern sowie Nordrhein-Westfalen hatten sich wegen interner Streitigkeiten nicht einigen können.
Die neue Jugendorganisation der AfD wurde am 29. November 2025 in Gießen in den Hessenhallen gegründet. Dazu wurden etwa 1000 Mitglieder erwartet. 26 Organisationen und Personen wurden offiziell eingeladen und durften somit einen Infostand aufstellen. Dazu zählen auch die Zeitschrift Sezession, der Jungeuropa Verlag und der Verlag Antaios, die vom BfV dem Rechtsextremismus zugeordnet werden. Laut Recherchen des Spiegel waren viele Delegierte für rechtsextreme oder neonazistische Organisationen auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD aktiv oder aktiv gewesen. Mit Ausnahme des Baden-Württembergers Mio Trautner, der gegen die kurzfristig kandidierende Julia Gehrckens verlor, wurden die Kandidaten der „Konsensliste“ auch in den Bundesvorstand gewählt. Auch Jean-Pascal Hohm wurde ohne Gegenkandidat als Vorsitzender bestätigt.
Der Burschenschafter Kevin Dorow forderte in seiner Bewerbungsrede auf dem Gründungskongress, anstelle von Abgrenzung gegen sogenannte Vorfeldorganisationen und gleichgesinnte Gruppierungen außerhalb der etablierten Parteistrukturen müsse man auf die Verschiebung des Overton-Fensters setzen. Die neue Jugendorganisation solle „die Speerspitze der jungen Rechten in Deutschland sein“. Außerdem zitierte er mit Bezug auf einen (im August 2025 wieder gelöschten) Social-Media-Post Björn Höckes den Spruch „Jugend muss durch Jugend geführt werden“, dies müsse der „Leitstern“ der GD sein. Da diese Parole neben der Nutzung durch die Bündische Jugend auch als zentraler Leitsatz der Hitlerjugend im Nationalsozialismus verwendet wurde, wird der Vorfall von der Staatsanwaltschaft Gießen wegen Verdacht auf Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen geprüft. Dorow selbst erklärte, ihm sei bekannt, dass die Parole von der Hitlerjugend genutzt wurde, sie stamme aber aus der Wandervogelbewegung und er sehe keinen Grund, sich von einer „inhaltlich in keiner Weise verwerflichen Aussage“ zu distanzieren. Das von der Parteispitze sehr schnell eingeleitete Parteiausschlussverfahren gegen ihn wurde nach deutlicher Kritik aus dem radikalen Lager der AfD, dem Umfeld und einer Anhörung des GD-Vorsitzenden Jean-Pascal Holm im März 2026 durch den AfD-Bundesvorstand wieder zurückgenommen. Dorow muss aber als Kompromiss seine Parteiämter im Bundesvorstand der GD und im Landesvorstand der AfD Schleswig-Holstein niederlegen, zusätzlich ist eine zweijährige Ämtersperre vereinbart.
Besondere mediale Beachtung erfuhr der Auftritt Alexander Eichwalds, der sich um einen Vorstandsposten bewarb. Seine Rede erinnerte inhaltlich und stilistisch an Adolf Hitler und führte zu Spekulationen, es könnte sich bei ihm um einen eingeschleusten Satiriker oder V-Mann handeln. Eichwald äußerte sich zunächst nicht dazu, beteuerte später jedoch, seine Rede sei ernst gemeint gewesen.AfD-Redner erklärt Auftritt im Hitler-Stil – und bleibt widersprüchlich. In: Stern.de. 16. Dezember 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.Frank Beutner: Kommentar zu Alexander Eichwald & der Generation Deutschland: ein radikaler Weckruf.: In: Leipziger Zeitung. 23. Dezember 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025. Ende April 2026 wurde Eichwald aus der Partei ausgeschlossen.
Zur Neugründung hatte unter anderem das Aktionsbündnis widersetzen zu Gegenprotest aufgerufen. Widersetzen hatte bereits bei den Parteitagen der AfD in Riesa und Essen Blockadeaktionen und Demonstrationen organisiert. Ein Bündnis aus Parteien von Linke bis FDP, Vertretern der Religionsgemeinschaften sowie sozialen Organisationen rief ebenfalls zu Demonstrationen auf. Hinzu kam ein Demokratiefest vor dem Rathaus. Am Tag der Neugründung kam es in Gießen zu Demonstrationen und Blockadeaktionen, wodurch die Veranstaltung erst mit zwei Stunden Verspätung beginnen konnte. Laut Angaben der Veranstalter der Demonstrationen erschienen über 50.000, laut Polizeiangaben 25.000 Menschen. Die Proteste verliefen überwiegend friedlich, es kam jedoch teilweise zu Auseinandersetzungen an Blockaden. Etwa 50 Polizisten sowie mindestens 36 Demonstrierende erlitten größtenteils leichte Verletzungen. Vertreter von Polizei und Demonstranten warfen sich gegenseitig Gewalttätigkeiten vor. Bei einer Schlägerei mit Gegendemonstranten wurde der AfD-Politiker Julian Schmidt leicht verletzt.
Struktur Die Generation Deutschland ist – anders als die JA, die als eigenständiger Verein unabhängig von der Mutterpartei war – als „rechtlich unselbständige Teilorganisation“ direkt der Partei unterstellt. Als Zweck der Generation Deutschland ist laut den derzeitigen Statuten die Verbreitung von AfD-Parteiprogramm und -Gedankengut definiert. Organisatorische oder „sonstige Loyalitätsbindungen“ zu anderen Organisationen werden untersagt.
Bundeskongresse Der Bundeskongress der Generation Deutschland ist das höchste Gremium der Organisation. Nachdem der Gründungskongress noch als Mitgliederversammlung durchgeführt wurde, sollen die künftigen Bundeskongresse als Delegiertenversammlungen stattfinden.
+ Bundeskongresse der Generation Deutschland Nr. Datum Ort Land Ereignisse 1. 29. November 2025 Gießen Gründung und Wahl des Vorstandes
Bundesvorstand Der Bundesvorstand der Generation Deutschland besteht gemäß dem Jugendstatut aus einem Vorsitzenden, bis zu drei stellvertretenden Vorsitzenden, je einem Finanzbeauftragten, stellvertretendem Finanzbeauftragten und Schriftführer sowie bis zu acht Beisitzern.
+Mitglieder des Bundesvorstandes der Generation Deutschland Name Funktion Landesverband Jean-Pascal Hohm Bundesvorsitzender Brandenburg Jan Richard Behr stv. Bundesvorsitzender Rheinland-Pfalz Adrian Maxhuni stv. Bundesvorsitzender Niedersachsen Patrick Heinz stv. Bundesvorsitzender Nordrhein-Westfalen Lennard Scharpe Finanzbeauftragter Sachsen Reinhild Goes stv. Finanzbeauftragte Niedersachsen Christopher Wiedenhaupt Schriftführer Berlin Alexander Claus Beisitzer Thüringen Julia Gehrckens Beisitzerin Niedersachsen Nafiur Rahman Beisitzer Hessen Florian Ruß Beisitzer Sachsen-Anhalt Wendelin Fessl Beisitzer Mecklenburg-Vorpommern Cedric Krippner Beisitzer Nordrhein-Westfalen Helmut Strauf Beisitzer Bayern
Landesverbände Landesverband GründungsdatumVorsitzende25px|Baden-Württemberg 14. Juni 2026 Benjamin Götz25px|Bayern 20. Dezember 2025 Franz Schmid25px|Berlin 7. Februar 2026 Martin Kohler25px|Brandenburg 7. Februar 2026 Fabian Jank25px|Bremen 31. Januar 2026 Marcel Fetke25px|Hamburg 25. Januar 2026 Michael Schumann25px|Hessen 28. März 2026 Nafiur Rahman25px|Mecklenburg-Vorpommern 10. Januar 2026 Alexander Tschich25px|Niedersachsen 21. Februar 2026 Micha Fehre25px|Nordrhein-Westfalen 17. Januar 2026 Luca Hofrath25px|Rheinland-Pfalz 14. Dezember 2025 Bailey Wollenweber, Jan Richard Behr25px|Saarland 28. Februar 2026 Benjamin Jung25px|Sachsen 31. Januar 2026 Lennard Scharpe25px|Sachsen-Anhalt 17. Januar 2026 Florian Ruß25px|Schleswig-Holstein 18. Januar 2026 Jasper Griebel25px|Thüringen 17. Januar 2026 Carolin Lichtenheld
Mitglieder Die Organisation richtet sich an 14- bis 35-Jährige. Anders als zuvor bei der JA ist eine gleichzeitige Mitgliedschaft in der AfD erforderlich, Ausnahmen gibt es nur für Mitglieder unter 16 Jahren. Stand Februar 2026 hatte die GD nach eigenen Angaben 2.410 Mitglieder.
Politische Einordnung Der Bundesvorsitzende der GD, Jean-Pascal Hohm, sagte gegenüber dem RBB aus, dass es bei der GD nur um eine neue Form gehe. Inhaltlich solle es keine Unterschiede zur JA geben. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Landesverbands Bayern, Franz Schmid. Auch dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz Sinan Selen zufolge besteht eine personelle und ideelle Kontinuität zwischen der JA und der GD. Inhaltliche Paradigmenwechsel seien nicht zu erwarten. Im August 2026 waren gut ein Drittel der GD-Funktionäre auf Landesebene nachweisbar ehemalige Vorstandsmitglieder der JA.
Der Spiegel ging anhand der Kandidatenliste für den Bundesvorstand eher davon aus, dass die GD noch radikaler als die JA ausgerichtet sein wird. Laut dem Politikwissenschaftler Benjamin Höhne werde sich die GD trotz anfänglich „schriller Töne“ womöglich eher gemäßigter geben, da ihr sonst das gleiche Schicksal wie der JA drohe. Der Politikwissenschaftler Wilhelm Knelangen sieht anhand der Personalien und von der GD genutzten Schlagworte keine Anzeichen für eine Mäßigung oder Demokratisierung im Vergleich zur JA. Die „Kampfsignale“ zeigten klar, dass es sich nicht um eine Tarnorganisation handle, sondern um Rechtsextreme, die auch als solche aufträten. Laut der tagesschau setze die GD den von der JA eingeschlagenen Weg der Radikalisierung fort und fungiere weiterhin als „wichtiges Scharnier ins sogenannte Vorfeld“.
Die Beisitzerin des Bundesvorstands der „Generation Deutschland“ Julia Gehrckens nannte Pforzheim eine „gottlose Kanaken-Stadt“ und bezeichnete Linke als „geisteskrank“. Weiterhin behauptete sie, die Banken in Amerika würden den Juden gehören. Ihr wurde für ihre Äußerungen eine Rüge erteilt, die sie akzeptierte.Rüge für AfD-Jugendvorständin: Sie nannte Pforzheim eine „gottlose Kanaken-Stadt“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. März 2026, S. 4.Jugendorganisation der AfD: AfD-Landesverband rügt Vorständin der Generation Deutschland, zeit.de vom 30. März 2026.
Verhältnis zur Identitären Bewegung und zum Vorfeld