mini|rechts|200px|Blick auf Jebel Mudawwar aus süd-ost

Gara Medouar, auch bekannt als Jebel Mudawwar („runder Berg“), Gara Mdouar oder Mdoura, ist eine hufeisenförmige geologische Formation (Talkessel) in der Nähe von Sidschilmasa, Marokko. Im 11. Jahrhundert wurde sie zu einer Festung mit militärischer Garnison ausgebaut, die wahrscheinlich die nahegelegene Handelsstadt Sidschilmasa, wo Goldmünzen geprägt wurden, und die Handelsrouten aus dem Süden schützte. Vertreter der Almoraviden-Dynastie ließen vermutlich die Befestigungsanlagen errichten, zu denen eine bis zu 12 Meter hohe Mauer gehörte, die die einzige Öffnung zum Bergmassiv verschloss, weiters zwei Mauern und Verteidigungsanlagen entlang der Berge, Staudämme in den Schluchten zur Wassersammlung sowie verschiedene Bauwerke auf den Hochebenen.

Das Bergmassiv wurde vom marokkanischen Soziologen Paul Pascon erforscht. Beginnend mit dem Film Die Mumie von 1999 wurde es auch als Drehort genutzt, später auch für den James-Bond-Film Spectre, und hat sich zu einer Touristenattraktion entwickelt, insbesondere für Geländewagenfahrer.

Geographie Gara Medouar liegt 12 km westlich des Haupthügels (Tell) von Sidschilmasa in der Tafilalet-Region. Es handelt sich um ein Massiv aus Kalkstein, das sich 50 m über die Wüste erhebt und aus fossilführenden Schichten aus dem Pragium bis Frasnium besteht. Das gesamte Gebiet umfasst etwa 50 Hektar. Der größte Teil des Umfangs besteht aus senkrechten Felsen mit Geröllhalden am Fuß. Im Süden/Südwesten wird die kreisförmige Formation durch eine Schlucht unterbrochen, die sich als Wadi in die Formation fortsetzt und einen Zugang ins Herz des Massivs bietet. Das Wadi beginnt nach dem Zusammenfluss von vier Schluchten, die das höhere Gelände in fünf Hochebenen teilen; an diesem Zusammenfluss befindet sich ein großer Felskreis, umgeben von den überhängenden Hochebenen. Es gibt keine Wasserquelle. Die Erosion hat alles lockere Material weggespült und nur Bergsporne zurückgelassen, und die Gara präsentiert sich im Wesentlichen als Trichter, dessen Schluchten zu einem einzigen Ausgang führen.Jaques Gandini: Pistes du Maroc à travers l'Histoire: Tome 2, Le Sud, du Tafilalet à l'Atlantique. Band 2. Serre 2007, ISBN 978-2-86410-476-6, S. 524

Befestigungsanlagen mini|rechts|200px|Zwei Dämme in einer der Schluchten Die Formation, ähnlich wie die Festung Tasghîmût bei Marrakesch, ist strategisch gelegen und bildet von Natur aus eine fast vollständige Festung. Gara Medouar hat nur eine große Öffnung, eine Schlucht im Süden; etwa ein Drittel des Bergumfangs wurde durch Mauern befestigt, von denen die wichtigste jene ist, die direkt über die Schlucht im Süden verläuft. Diese gut erhaltene Mauer (die „untere Mauer“) ist 8 m hoch, wo sie an die Felsen stößt, sie erreicht an einigen Stellen 12 m; sie ist 80 m lang und etwa 4 m dick und besteht aus Kalksteinblöcken, die mit Kalkmörtel zusammengehalten werden.

Zwei „höhere“ Mauern befinden sich an den Hängen. Die kürzere der beiden liegt im Süden und verbindet sich am östlichen Ende mit der unteren Mauer, wo sich ein Tor befand; die längste höhere Mauer verläuft vom westlichen Ende (an einer Bastion) fast bis zur nördlichen Spitze des Massivs. Möglicherweise gab es eine Pforte, etwa in der Mitte der westlichen Mauer. Die höheren Mauern sind bis zu 1,5 m dick und zwischen 1,5 und 2 m hoch. Diese höhere Mauer ermöglicht die Überwachung des gesamten Gebiets südlich des Massivs, und Lücken zwischen den Felsen sind mit Mauerwerk ausgefüllt. Hier glaubte Paul Pascon, vier Türme erkannt zu haben – in Wirklichkeit gibt es nur ein Bauwerk, das als Turm bezeichnet werden kann, die Bastion am nördlichen Ende der unteren Mauer. Eine separate Mauer umgibt das Gebiet vor der unteren Mauer in einem Abstand von etwa 100 m; die meisten Fundamente dieser Mauer sind verschwunden. Sie hatte eine V-Form mit einem Deich und einem Graben. Insgesamt zeugen die Verteidigungsanlagen von sorgfältiger Planung, architektonisches Können und ein gutes Gespür, wie natürliche Gegebenheiten am besten genutzt werden können. Neben einer gut geschützten Festung bietet die Höhenlage eine weitreichende Kontrolle über die Umgebung – von den Höhen von Mudawwar aus ist ein Gebiet mit einem Radius von etwa 50 km überblickbar.

Die Verteidigungsanlagen umfassen auch vier gut erhaltene Staudämme in den größten Schluchten. Die Dämme sind zwischen 1,5 und 2,3 m dick und bis zu 5 m hoch. Dass es sich um Dämme und nicht um Mauern handelt, belegen ihre Position sowie die Bauweise. Bergseitig sind sie mit einer Mörtelschicht als Wassersperre bedeckt. Die während der Regenzeit gefüllten Wasserbecken scheinen keine Landwirtschaft unterstützt zu haben, da es keine Bewässerungskanäle gibt. Dennoch könnten hydraulische Anlagen existiert haben. Die kombinierte Evidenz von Mauern und Dämmen und möglicherweise zugehörigen Bauten deutet darauf hin, dass das Massiv eine einer Festung war, die einer mehrmonatigen Belagerung standhalten konnte.

Bauwerke mini|rechts|200px|Luftaufnahme der Häuser auf den Höhen des Gara Medouar mini|rechts|200px|Skizzen einiger der Häuser Neben den Mauern und Dämmen gibt es eine Reihe weiterer von Menschenhand geschaffener Strukturen, die meisten davon auf den Hochebenen und auf der Nord- oder Westseite steiler Gipfel. Die meisten der 27 Bauwerke sind voneinander getrennt. Sechs von ihnen sind so ruiniert, dass ihr Zweck nicht festgestellt werden kann, obwohl es möglich ist, dass eines von ihnen eine Musallā war. Fünfzehn der verbleibenden Gebäude sind sich ziemlich ähnlich (eine Einheitlichkeit oder Standardisierung, die auch eine Hierarchie und Organisation der Räume signalisiert) und bestehen aus einem zentralen, offenen Raum, der von separaten Räumen umgeben ist, die sich zum Zentralraum öffnen, aber nicht zueinander. Ohne archäologische Ausgrabungen kann der Zweck dieser Gebäude nicht festgestellt werden. Ihre Organisation mit einem zentralen Raum, der die anderen umgebenden Räume dominiert und der einzige Raum in der Struktur ist, der sich nach außen öffnet, ähnelt der mittelalterlichen islamischen Architektur sowohl ländlicher als auch städtischer Gebiete. Eine vorläufige Einschätzung ist, dass die meisten Gebäude auf den Hochebenen Wohnhäuser waren, die innerhalb kurzer Zeit gebaut wurden, möglicherweise im Rahmen einer großen staatlichen Kampagne.

Sechs der Gebäude sind anders. Eines der beiden auf der südlichsten Hochebene besteht aus zwei angrenzenden Strukturen sowie einem Raum für Tiere und hatte eine Latrine (ermöglicht durch seine Platzierung am Rand der Hochebene). Das einzige andere Gebäude auf der Hochebene bestand aus ungebrannten Lehmziegeln (im Gegensatz zu Bruchstein aus Kalkstein); es könnte als Wohnung für höherrangige Personen gedient haben. Sein Grundriss war ganz anders als bei allen anderen Gebäuden und hatte eine Reihe von drei Räumen, die voneinander aus zugänglich waren, anstatt vom zentralen Raum aus, in einem Architekturstil, der im Osten selten, aber im Westen oft zu finden ist, insbesondere im Irak des Abbasiden-Kalifats. Die Gebäude deuten in ihrem Grundriss, ihrer Bauweise und ihrem Abstand darauf hin, dass eine Elite diesen Teil des Massivs bewohnte; die Hochebene selbst hat bereits Merkmale, die sie von den anderen unterscheiden: Höher als die anderen bietet sie einen Blick auf die Verteidigungsanlagen (die untere Mauer), die anderen Strukturen in der Gegend, die Oase von Tafilalet und den Gipfel des Tizi/Mkhazni. Auch auf einen besonderen Status weisen die Reste von Zugangswegen hin, einschließlich Stufen in steilem Fels, die direkten Zugang zur Hochebene vom unteren Bereich und zu einer anderen Hochebene bieten. Die Kombination aus einer Reihe von Wohnungen, deren Vielfalt auf soziale Hierarchie hinweist, legt nahe, dass Gara Medouar nicht nur eine Verteidigungsanlage war, sondern auch eine wichtige Siedlung.

Datierung und Geschichte Die Archäologin Chloé Capel argumentiert, dass die Anlage in die frühmittelalterliche Zeit der Karawanenrouten, 11.–12. Jahrhundert, datiert werden sollte. Die Verteidigungsanlagen und Gebäude stammen aus der Zeit, als Sidschilmasa und seine Umgebung in die Almoraviden-Dynastie eingegliedert wurden, deren Vertreter wahrscheinlich den Bau in Auftrag gaben, wie die standardisierten Grundrisse belegen. Die bei Gara Medouar gefundenen Keramikreste sind mit zeitgenössischer Keramik aus Sidschilmasa vergleichbar. Im Massiv konnte eine Garnison stationiert sein, denn eine Zeit lang war Sidschilmasa der einzige Ort, an dem die Goldmünzen des Reiches geprägt wurden. Die Festung schützte gleichzeitig die Handelsroute aus dem Süden. Gara Medouar könnte auch das Tasagdalt sein, das von einem der Emire der Midrariden-Dynastie, Muhammad ibn Wasul, erwähnt wurde, der aus Sidschilmasa nach „Tasagdalt, einer Steinfestung etwa zwölf Meilen von Sidschilmasa entfernt“ floh. mini|rechts|200px|Die untere Mauer mit der Rampe für das Set von The Mummy

Erforschung Die Stätte wurde vom marokkanischen Soziologen Paul Pascon erstmalig erforscht, der 1956 eine kurze Notiz darüber in der marokkanischen Zeitschrift Hespéris schrieb und im selben Jahr eine Monographie La Gara Medouar veröffentlichte.• Pascon, Paul: La Gara Medouar. In: Hespéris. Band 43, 1956, S. 226–228 Pascon besuchte die Stätte erstmals 1952, verfasste eine Beschreibung der einen Verteidigungsmauer, von vier Türmen, vier Dämmen und verschiedene andere Bauten; er betrachtete den Ort als Festung. Die lokale mündliche Überlieferung besagte, dass der Ort vor Jahrhunderten von portugiesischen Sklavenhändlern genutzt wurde, die den Ort als Lagerhaus verwendet hatten. Im Jahr 2011 wurde eine umfassende Studie von Chloé Capel, Mitglied des MAPS (Moroccan–American Project at Sijilmasa), durchgeführt.Messier, Ronald A.; Miller, James A. (Hrsg.): The Last Civilized Place: Sijilmasa and Its Saharan Destiny. University of Texas Press 2015, ISBN 978-0-292-76665-5, S. 85

Tourismus und Film Die zeitgenössische Rolle als Touristenziel begann mit einem Film: Der Ort wurde für Kino, Geländefahrten und Tourismus geöffnet, weil dort der Film Die Mumie von 1999 gedreht wurde. Die Stätte selbst wurde erschlossen, weil die Filmcrew eine Betonrampe durch eine Bresche in der unteren Mauer in der südwestlichen Öffnung der Formation baute, und einer der zentralen Drehorte des Films wurde im Inneren errichtet.Capel, Chloé: Jebel Mudawwar: une montagne fortifiée au Sahara. Site étatique ou site communautaire? In: Antoine Bourrouilh, Pierre-Emmanuel Paris, Nairusz Haidar Vela (Hrsg.): Appréhension et qualification des espaces au sein du site archéologique. Sorbonne, Paris 2016, ISBN 979-10-351-0009-4, S. 101–122 Im Jahr 1999 deuteten Putzreste darauf hin, wo Filmsets gebaut worden waren, und das Gebiet war übersät mit Plastikflaschen.Susan Searight: Maverick Guide to Morocco. Pelican 1999, ISBN 978-1-4556-0864-5, S. 466 Der Ort wurde auch in anderen Filmen verwendet, darunter als Kulisse für das Hauptquartier von SPECTRE im James-Bond-Film Spectre (2015). Diese Aktivitäten haben die jüngsten archäologischen Untersuchungen behindert: Innerhalb der Mauer störte der Bau und die anschließende Entfernung des Filmsets von Die Mumie das Gebiet; außerhalb der Mauer wurden keine Ausgrabungen durchgeführt, da es durch das Militär, die Filmindustrie und den Tourismus, insbesondere im Zusammenhang mit Geländefahrten, zu erheblichen Störungen kam.

Weblinks

https://www.dangerousroads.org/africa/morocco/5879-gara-de-medouar.html

Einzelnachweise

Kategorie:Befestigungsanlage in Marokko Kategorie:Erbaut im 11. Jahrhundert Kategorie:Geographie (Marokko) Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Marokko Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Afrika Kategorie:Drâa-Tafilalet