|} Der Eisenbahnunfall bei Jablonov nad Turňou war ein Frontalzusammenstoß zwischen zwei Reisezügen in der Ausweiche („Výhybna“) Tunel bei Jablonov nad Turňou in der Slowakei auf der Bahnstrecke Barca–Rožňava am 13. Oktober 2025. 113 Menschen wurden teils schwer verletzt.
Ausgangslage
Die Bahnstrecke Barca–Rožňava ist als Teil der Südslowakischen Magistrale mehrheitlich zweigleisig ausgebaut. Der über drei Kilometer lange Jablonovský tunel zwischen Jablonov nad Turňou und Lipovník unter einem Bergrücken im Slowakischen Karst ist dagegen nur eingleisig. Die Betriebsstelle Výhybna Tunel liegt unmittelbar vor dem Tunnel am Ende eines zweigleisigen Abschnittes. Die Streckengeschwindigkeit beträgt 100 km/h.
Die Bahnhöfe Jablonov nad Turňou und Lipovník besitzen Relaisstellwerke des Herstellers AŽD der Kategorie 3 mit Lichtsignalen, zwischen beiden Bahnhöfen ist ein Automatischer Streckenblock Bauart AŽD AH83 eingebaut. Die Betriebsstelle Výhybna Tunel ist sicherungstechnisch in das Stellwerk des Bahnhofes Jablonov nad Turňou eingebunden und wird von dort ferngesteuert. Eine Zugbeeinflussung existiert nicht.
Der Schnellzug R914 „Gemeran“ der Železničná spoločnosť Slovensko (ZSSK) war von Košice nach Bratislava unterwegs. Im Fahrplan ist die Begegnung mit dem R913 in der Gegenrichtung zur üblichen Symmetrieminute kurz vor 10 Uhr im zweigleisigen Abschnitt zwischen Výhybňa Dvorníky-Zádiel und Výhybňa Tunel vorgesehen.Fahrplan der Kursbuchstrecke 160 - gültig ab 29. September 2025 Der R914 verkehrte pünktlich, R913 hatte dagegen eine Verspätung.
Beide Schnellzüge waren mit Diesellokomotiven der ZSSK-Baureihe 757 bespannt, die Wagenzüge bestanden aus jeweils drei modernisierten Großraumwagen des UIC-Typs Z von Vagónka Studénka.
Unfallhergang
Der Lokomotivführer des R914 missachtete das haltzeigende Hauptsignal an der Abzweigstelle Výhybňa Tunel.„Kontroly, opakované poznání a budování odvratných výhybek. Slováci řeší, jak zamezit srážkám vlaků“ auf zdopravy.cz Damit geriet der Zug in den Fahrweg des entgegenkommenden R913. Auf der Abzweigweiche vor dem Tunnel stießen beide Züge dann um 10:11 Uhr frontal zusammen. Die Lokomotive und die ersten beiden Wagen des R913 entgleisten in der Ablenkung der Weiche nach rechts. Die Lokomotive kam dort im Abhang auf der Seite zu liegen, der erste Wagen blieb im rechten Winkel zum Gleis aufrecht stehen. Die Fahrzeuge des R914 wurden dagegen im Gleis nur einige Meter zurückgeschoben.
Folgen
Infolge des Aufpralls wurden 113 Menschen verletzt, darunter acht schwer. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der Lokomotivführer des R913, der im Führerstand der abgestürzten Lokomotive eingeklemmt war.
Die Lokomotiven und die jeweils folgenden Wagen beider Züge wurden irreparabel beschädigt. Der nach der Lokomotive des R914 laufende Wagen wurde gestaucht und verformt, seine Wagenkastenstruktur hielt dem Aufprall aber weitgehend stand. Der Wagenkasten des ersten Wagens von R914 blieb hingegen trotz der Entgleisung und der Endlage in einem Steilhang weitgehend intakt. Der Sachschaden an den Fahrzeugen und Anlagen wird mit etwa zwei Millionen Euro beziffert.„Slovenští policisté zadrželi jednoho ze strojvedoucích havarovaných vlaků, železničáři odstraňují následky nehody“ auf zdopravy.cz
Zwischen Turňa nad Bodvou und Rožňava wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Güterzüge wurden weiträumig umgeleitet.
Nach der Räumung der Unfallstelle konnte der Verkehr am 14. Oktober auf einem Gleis wieder aufgenommen werden. Am Folgetag wurde auch das zweite Streckengleis wieder freigeben. Die Bergung der abgestürzten Fahrzeuge von R913 war zunächst nicht möglich. Es wurde lediglich die Profilfreiheit am Gleis hergestellt, in dem der querstehende erste Wagen des Zuges kontrolliert in den Abhang geschoben wurde. (slowakisch)
Die verletzten Reisenden wurden vom slowakischen Staat finanziell entschädigt. Leichtverletzte erhielten 3000 Euro, mittelschwer Verletzte 10.000 Euro und Schwerverletzte 30.000 Euro. Grundlage der Bewertung war die am Unfallort durchgeführte Triage.„Zranění z železničních nehod u Rožňavy a Pezinku získají odškodnění až půl milionu“ auf zdopravy.cz
Nach einem weiteren schweren Unfall am 9. November 2025 in Pezinok entließ der slowakische Premierminister Robert Fico die komplette Geschäftsführung der ZSSK. Verkehrsminister Jozef Ráž fordert eine kontinuierliche Überwachung der Triebfahrzeugführer durch Kameras im Führerstand. Er unterstellt den Lokomotivführern, dass sie im Dienst durch die Nutzung von Smartphones von ihrer eigentlichen Arbeit abgelenkt seien. Er argumentiert, dass Mitarbeiter in Banken auch unter Kameraüberwachung arbeiten würden.„Návěstidla v Pezinku se v oblouku překrývají, upozorňoval dávno před srážkou vlaků dopravní úřad“ auf zdopravy.cz
Am 18. November legte das slowakische Verkehrsministerium einen Untersuchungsbericht zum Unfall vor. Er forderte von den ZSSK als Betreiber der Züge verstärkte Kontrollen und eine bessere Unterweisung der Lokomotivführer bezüglich der Streckenkenntnis. Die staatliche Infrastrukturverwaltung wurde angewiesen, bei allen Überleitstellen von zwei- auf eingleisigen Betrieb zukünftig Schutzweichen vorzusehen.„Kontroly, opakované poznání a budování odvratných výhybek. Slováci řeší, jak zamezit srážkám vlaků“ auf zdopravy.cz
Der im Hang liegende Reisezugwagen und der Kraftstofftank der abgestürzten Lokomotive wurden am 11. Dezember 2025 mit zwei Eisenbahndrehkränen geborgen und zum Bahnhof Jablonov nad Turňou verbracht.„Ze svahu u Jablonova odstranili vůz havarovaného vlaku, o dalším osudu lokomotivy se teprve rozhodne“ auf zdopravy.cz Die Lokomotive wurde am 15. und 16. Mai 2026 mit straßengebundenen Bergekränen zur Verschrottung aus dem Hang gezogen.„Sedm měsíců po nehodě. U Rožňavy začíná náročné vyprošťování lokomotivy“ auf zdopravy.cz„Obrazem: Poslední vrak po srážce u Jablonova. Podívejte se na vyprošťování lokomotivy ze svahu“ auf zdopravy.cz
Der Lokomotivführer des unfallverursachenden R914 wurde im August 2026 wegen „allgemeiner Gefährdung“ angeklagt. Die Ermittlungen ergaben, dass er während der Fahrt YouTube-Videos geschaut habe und damit abgelenkt gewesen sei. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.„Za srážku rychlíků u Rožňavy policie obvinila strojvedoucího. Hrozí mu až deset let“ auf zdopravy.cz
Siehe auch Eisenbahnunfall von Pezinok
Weblinks
„Slowakei: Zusammenstoß zweier Schnellzüge bei Jablonov nad Turňou“ auf lokreport.de „Hrozivá srážka dvou rychlíků na Slovensku, téměř 100 zraněných“ auf zdopravy.cz (tschechisch)
Einzelnachweise
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