mini|Denkmal für Lisea in Tarent (2025) Lisea († 209 v. Chr.) war gemäß einer frühneuzeitlichen Sage eine der Göttin Athene geweihte Jungfrau im antiken Tarent, die im Angesicht der römischen Bedrohung den Freitod wählte.
Sage Die Sage ist zur Zeit des Zweiten Punischen Krieges (218–201 v. Chr.) angesiedelt, in dem das ursprünglich von Spartanern gegründete jahrhundertelang griechisch dominierte Tarent (Taras) zwischen den Karthagern unter Hannibal und den Römern heftig umkämpft war. 209 v. Chr. gelang es dem römischen Feldherrn Fabius Maximus, die Stadt durch den Verrat des Anführers der bruttischen Kohorte endgültig einzunehmen. Nach ihrem Sieg plünderten die Römer die Stadt und versklavten angeblich 30'000 Einwohner.
Obwohl Titus LiviusTitus Livius, Ab urbe condita 27, 15 f. und PlutarchPlutarch, Fabius Maximus, 21 f. ausführlich über die Einnahme Tarents berichten, findet sich die Lisea-Episode in keiner antiken Quelle. Ambrogio (Ambrosio) Merodio erwähnte sie im 17. Jahrhundert in seiner Historia Tarentina („Geschichte Tarents“), in den 1870er Jahren gestalteten sie Francesco Sferra und Domenico Ludovico De Vincentiis in ihren Stadtgeschichten aus: Bei der Erstürmung drangen römische Soldaten in den Tempel der Minerva (Athene) ein und wollten die hiesigen Jungfrauen vergewaltigen. Um dieser Schande zu entgehen, stürzte sich eine von ihnen mit dem Namen Lisea vom höchsten Punkt des Tempels in den Tod und die anderen folgten ihrem Beispiel.Francesco Sferra: Compendio della storia di Taranto. Latronico, Taranto 1873, S. 41, 55 (Google Books).Domenico Ludovico De Vincentiis: Lisea e le vergini di Minerva. In: Storia di Taranto. Parte Politica. Volume 2. Latronico, Taranto 1878, S. 71 (Google Books). Tief beeindruckt von ihrem Heroismus bereiteten die Römer ihnen ein ehrenvolles Begräbnis.
Denkmal 2009 wurde in Tarent ein Denkmal zu Liseas Ehren platziert. Geschaffen wurde es von Fransesco Trani, einem lokalen Handwerker, der auch die drei Sirenen auf den Felsen des Mar Grande fertigte.Enzo Ferrari: Se questa è Taranto. In: Buonasera 24. 13. Oktober 2024, abgerufen am 13. Oktober 2025. Es steht am östlichen Rand der Altstadtinsel, auf der Piazza Castello vor dem Castello Aragonese, und zeigt ein Standbild der nackten, nur mit einer Schärpe umhüllten Jungfrau auf einem Baumstumpf, der rückseitig die Signatur trägt: „LISEA / Fsco TRANI / 2009“. Die Statue ersetzte eine Holzskulptur der stadtbekannten Prostituierten Cinzella, weswegen viele Einheimische sie nach wie vor für diese halten.Rosa Cavallo: Lisea oppure Cinzella?. In: International Post. 15. Januar 2016, abgerufen am 13. Oktober 2025. 2024 wurde die ursprünglich ganz in klassischem Weiß gehaltene Statue bemalt. Die Schärpe ist seither gelb und der Baumstumpf schwarz.
mini|Gedenktafel für Lisea Neben dem Denkmal steht eine hölzerne Gedenktafel, in die folgende pathetische, mit Gräzismen durchzogene Inschrift eingeritzt ist:
Das Lisea-Denkmal wurde 2022 als besonders eklatantes Beispiel für die starke Sexualisierung von Frauen in der Denkmalkultur Italiens kritisiert. Die erotische Konnotation werte das porträtierte Subjekt ab und beraube es zusammen mit seiner Kleidung seiner Geschichte.
Literatur Francesco Sferra: Compendio della storia di Taranto. Latronico, Taranto 1873, S. 41, 55 (Google Books). Domenico Ludovico De Vincentiis: Lisea e le vergini di Minerva. In: Storia di Taranto. Parte Politica. Volume 2. Latronico, Taranto 1878, S. 71 (Google Books).
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Tarent) Kategorie:Politischer Mythos Kategorie:Frau Kategorie:Skulptur (2022) Kategorie:Ersterwähnung im 17. Jahrhundert Kategorie:Fiktive Person (weiblich) Kategorie:Geschichte von Tarent Kategorie:Frauenskulptur Kategorie:Skulptur (Italien) Kategorie:Kultur (Tarent) Kategorie:Rezeption der römischen Mythologie