Das Harbour Front Literaturfestival ist ein jährlich stattfindendes Literaturfestival in Hamburg, das 2009 zum ersten Mal stattfand. Geschichte Das Harbour Front Literaturfestival wurde 2008 von den Verlegern Nikolaus Hansen und Peter Lohmann gegründet, die zusammen mit Heinz Lehmann bis Ende 2018 auch die Festivalleitung stellten. 2019 wechselte diese zu Petra Bamberger, Nikolaus Hansen und Heinz Lehmann. Nach der Absage des Festivals 2024 übernahm Joachim Lux für 2025 die künstlerische Leitung. Seit 2025 ist MSK-Meistersinger mit Sitz in Berlin Veranstalter.
Im ersten Jahr verzeichnete das Festival 16.000 Besucher, im zweiten bereits 20.000.20.000 Besucher beim zweiten Harbour Front Literaturfestival in Hamburg auf buchmarkt.de, 20. September 2010 Von 2009 bis 2023 zählte das Literaturfestival insgesamt mehr als 280.000 Zuschauer. 2024 setzte das Festival aus, um sich – laut Angaben der Verantwortlichen – organisatorisch, personell und finanziell neu aufzustellen. Im Vordergrund standen Probleme mit der Finanzierung des Publikumsfestivals, die (nach Rückzug der Kühne-Stiftung 2022) 2023 mit Zuschüssen der Hamburger Kulturbehörde (Förderung:100.000 €), der Clouds Hill Group und der Hapag-Lloyd-Stiftung ermöglicht worden war.
Beim umfassenden Neustart 2025 wurde schon vor Programmbeginn mit 30.000 verkauften Tickets ein neuer Besucherrekord aufgestellt, am Ende waren 33.000 Zuschauer dabei. Habour Front war damit nach der Lit. Cologne das zweitgrößte Literaturfestival Deutschlands. Das Festival fand 2025 an 23 Spielstätten statt und umfasste über 60 Veranstaltungen. Neben neuen Veranstaltungsorten und Themenbereichen wurde auch ein neuer Preis eingeführt, der Felix-Jud-Preis für Widerständiges Denken. Erste Preisträgerin war Chimamanda Ngozi Adichie, die ihn im Rahmen der Eröffnungsfeier des Festivals in der Elbphilharmonie verliehen bekam. Die Laudatio wurde von der kenianischen Autorin Auma Obama gehalten. Der mit 10.000 Euro dotierte Debütpreis wurde 2025 erstmals von einer Jury aus Buchhändlern live auf der Bühne verliehen. Preisträgerin war Annegret Liepold mit ihrem Roman Unter Grund. Zusätzlich wurde bei der Veranstaltung ein Publikumspreis vergeben. Hier gewann Lina Schwenk mit ihrem Roman Blinde Geister.
Programm Das Festival findet jedes Jahr im Herbst (September/Oktober) statt. Veranstaltungsorte sind u. a. die Elbphilharmonie, das Thalia Theater, die Laeiszhalle, die Speicherstadt sowie die Rathauspassage, die 2025 erstmals als Festivalzentrum diente.
Das Programm gliedert sich in mehrere thematische Sektionen:
NOW: zeitgenössische Literatur und aktuelle Themen FUTURE: Zukunftsfragen SOUNDS: Literatur und Musik im Zusammenspiel (z. B. 2025 mit Heroes in der Elbphilharmonie) FOREVER: Klassiker, Jubiläen, literarische Rückblicke NEXT.GEN: junge Stimmen, New-Adult-Literatur und Debütpreis
Zu den Gästen zählten in den vergangenen Jahren unter anderem internationale Autorinnen und Autoren wie Isabel Allende, John Grisham, Kazuo Ishiguro, Donna Leon, Ian McEwan, Swetlana Alexijewitsch, Stephen King, Salman Rushdie, T. C. Boyle, George R. R. Martin, Édouard Louis, Liao Yiwu, Dan Brown, Chimamanda Ngozi Adichie; John Irving und Mieko Kawakami, sowie aus dem deutschsprachigen Raum Günter Grass, Martin Suter, Juli Zeh, Ferdinand von Schirach, Cornelia Funke, Heinz Strunk, Dörte Hansen, Joachim Meyerhoff, Judith Hermann, Frank Schätzing, Daniel Kehlmann und Caroline Wahl.
Neben Lesungen gehören auch Musikdarbietungen zum Programm des Harbour Front Literaturfestival.
Preise
Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals (2010–2021: Klaus-Michael-Kühne-Preis; 2022 und 2023: Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals; ab 2025 (neu konzipiert): NEXT.GEN: new voices (10.000 € Preisgeld)): für das beste deutschsprachige Romandebüt des Jahres Felix-Jud-Preis für Widerständiges Denken (seit 2025; 20.000 € Preisgeld): Erste Preisträgerin: Chimamanda Ngozi Adichie
Kontroversen 2020 weigerte sich Benjamin Quaderer mit Lisa Eckhart beim Nachwuchswettbewerb des Harbour Front Literaturfestival auf St. Pauli auf der Bühne zu stehen, und Sebastian Stuertz hinterfragte warum Eckart denn eingeladen wurde. Zudem soll es Befürchtungen gegeben haben, dass ein Auftritt Eckharts gewalttätige Proteste provozieren könne. Daraufhin wurde Eckhart vom Festival ausgeladen. Es gab heftige Kritik gegen diese Entscheidung, sodass sich die Festivalleitung entschied, Eckhart erneut einzuladen und den Veranstaltungsort aus Sicherheitsgründen zu verlegen. Eckhart, die zwischenzeitlich schon wieder in Hamburg gelesen hatte und weiter auf der Nominierungsliste des Festival-Preises für den besten Debütroman stand, lehnte die erneute Einladung, im Rahmen des Festivals zu lesen, allerdings ab. Die Ausladung Eckharts und insbesondere auch die Ansicht der beiden Autoren zur Teilnahme Eckharts und deren Verantwortung für die Ausladung, kritisierte der Friedenspreisträger Navid Kermani in seiner Eröffnungsrede des Harbour Front Literaturfestival 2020 deutlich.
2022 sagten die Autoren Sven Pfizenmaier und Franziska Gänsler die Teilnahme am Wettkampf um den Debütpreis des Festivals, der damals noch Klaus-Michael-Kühne-Preis hieß, aus Protest gegen eine mangelnde Aufarbeitung der Rolle des Logistik-Unternehmens Kühne + Nagel des Festivalsponsors Klaus-Michael Kühne im Nationalsozialismus ab. Andere Autoren schlossen sich der Kritik der beiden an. Die Festivalveranstalter benannten den Preis daraufhin noch während des laufenden Festivals in Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals um. Der Ort der Preisverleihung wurde vom Hotel The Fontenay, das Kühne gehört, in das Nachtasyl des Thalia Theaters verlegt. Die Kühne-Stiftung zog sich aus dem Sponsoring des Festivals zurück.
Weblinks Website des Festivals
Einzelnachweise
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