mini|Amadeus IV. Darstellung von 1660 Amadeus IV. von Savoyen (* zwischen 1195 und 1197 in MontmélianEugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 7.; † 13. Juli 1253 ebenda) war ein Graf von Savoyen. Im Vergleich zu seinen jüngeren Brüdern, die als Geistliche, Militärs oder Magnaten nicht nur im Alpenraum, sondern in England, den Niederlanden und Italien Karriere machten, verfolgte er seine Ziele vor allem im Stammland der Familie. Es gelangen ihm zwar keine spektakulären Erfolge, doch seine Arbeit ermöglichte erst die Aktionen und Erfolge seiner Brüder.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 217.
Herkunft, Jugend und Heirat Amadeus entstammte dem Haus Savoyen. Er war wahrscheinlich der älteste Sohn von Graf Thomas I. von Savoyen und dessen Frau Margarete von Genf und wurde der Überlieferung nach in Montmélian geboren.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 226. Er hatte noch mindestens sieben jüngere Brüder sowie zwei Schwestern. Ab 1213 bezeugte er regelmäßig Urkunden seines Vaters und begleitete diesen bei dessen Unternehmungen im Westalpenraum. Bereits 1213 wollte sein Vater ihn mit Agnes, einer Enkelin von Markgraf Manfred II. von Saluzzo verloben. Die Verhandlungen scheiterten aber, und stattdessen herrschte 1215 zwischen Savoyen und Saluzzo eine erbitterte Fehde. 1217 oder 1218 heiratete Amadeus Margarete d’Albon (auch Anna), eine Tochter von Beatrix d’Albon und Herzog Hugo III. von Burgund. Als Schwester von Guigues VI., dem Dauphin des Viennois, erhielt sie als Mitgift Besitzungen im Viennois. Dazu war Margarete alleinige Erbin ihres Bruders, solange dieser kinderlos war.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 24. Guigues VI. bekam später aber noch Kinder, so dass sich das Erbe zerschlug.
1222 nahm Amadeus an einem Feldzug seines Vaters im Piemont teil.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 25. Als sein Vater 1227 als Reichsvikar einen Konflikt mit Genua führte, sollte Amadeus die Stadt Savona verteidigen. Er musste sich aber vor einem überlegenen genuesischen Heer zurückziehen.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 27.
Graf von Savoyen Erbregelungen mit seinen Brüdern Nach dem Tod seines Vaters 1233 war das Erbe ungeklärt, denn es ist unklar, ob Thomas I. ein Testament hinterlassen hatte.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 227. Dazu galt in den Besitzungen der Familie teils ein unterschiedliches Erbrecht.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 33. Mehrere von Amadeus Brüdern wollten nun dem geistlichen Stand entsagen und verlangten eine Aufteilung des Erbes. Aymon, der nach Amadeus zweitälteste noch lebende Bruder, verlangte einen größeren Anteil am Erbe, und auch Peter, der durch Heirat die Herrschaft Faucigny erworben hatte, forderte einen eigenen Erbteil. Welche Besitzungen seine Brüder konkret forderten, ist nicht überliefert, doch ihre Forderungen bedrohten klar die Stellung der Dynastie, die bei einer Aufteilung der Besitzungen erheblich geschwächt worden wäre.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 41. Um das Erbe zu regeln, trafen sich die Brüder im Juli 1234 zu einer Konferenz auf Burg Chillon. Wohl vor allem durch die Vermittlung von Wilhelm und vielleicht auch der jüngeren Brüder Bonifatius und Philipp konnte ein folgenschwerer Erbstreit vermieden und die Einheit des Familienbesitzes bewahrt werden. Amadeus blieb der Haupterbe seines Vaters, während Peter und Aymon nur kleinere Herrschaften als Lehen von ihm erhielten.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 43. Nach der Konferenz von Chillon schloss Amadeus mit seinem Bruder Thomas, der ebenfalls seine geistlichen Ämter niedergelegt hatte, eine weitere Vereinbarung und übergab ihm im April 1235 die zerstreuten Besitzungen der Familie im Val di Susa als Lehen. Vor September 1235 schloss er eine weitere Abmachung mit Thomas, in der er ihn im Fall seiner Abwesenheit zu seinem Vertreter in Savoyen und im Falle seines Todes ohne männliche Nachkommen zu seinem Haupterben bestimmte. Damit überging Amadeus nicht nur die Ansprüche seiner anderen Brüder, sondern auch die seiner eigenen Töchter.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 53. mini|Das Königreich Arelat im 13. Jahrhundert einschließlich der Grafschaft Savoyen
Ausgleich mit Turin und Beziehungen zu Montferrat und Saluzzo Im Winter 1234 oder im Frühjahr 1235 war Amadeus an den Verhandlungen beteiligt, die zur Heirat seiner Nichte Eleonore mit dem englischen König Heinrich III. führten.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 46. Im November 1235 nahm Amadeus, unterstützt von seinem Bruder Thomas, Verhandlungen mit Turin auf. Möglicherweise hatte er erkannt, dass der seit langem währende Handelskrieg zwischen Savoyen und der Stadt, der Kaufleuten aus Turin den Übergang über die in Savoyen liegenden Alpenpässe versperrte, für beide Seiten nachteilig war. 1235 schloss er ein Bündnis mit der Stadt, die seine Oberhoheit öffentlich anerkannte und ihm 500 Mark zahlte. Dafür gab Amadeus der Stadt die strategisch wichtige Burg und Stadt von Collegno als Lehen. Auch die Barone mehrerer kleiner Herrschaften wie Romagnano, Piossasco, Bagnolo und Barolo erkannten die Oberhoheit von Amadeus an, blieben aber in erster Linie Vasallen von Turin oder der Stadt Pinerolo.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 53.
Auch Bischof Caqualoro von Turin schloss einen Ausgleich mit Amadeus, den er als Besitzer von Avigliana anerkannte und dem er die Burg von Lanzo als Lehen gab. Dazu trafen Amadeus und die Vertreter der Stadt Vereinbarungen zur gegenseitigen militärischen Unterstützung. Diese Bestimmungen richteten sich offenbar vor allem gegen Markgraf Bonifatius II. von Montferrat, dessen Besitzungen an Turin grenzten. 1228 hatte Amadeus eine seiner Töchter mit Bonifatius verheiratet, seine andere Tochter war bereits 1223 mit dem benachbarten Markgrafen Manfred III. von Saluzzo verlobt worden. Dennoch blieb das Verhältnis von Amadeus zu seinen Schwiegersöhnen angespannt. Im Dezember 1235 kam es zu einem Treffen zwischen Amadeus und Bonifatius, der vom Markgrafen von Saluzzo begleitet wurde. Die beiden konnten ihren gemeinsamen Schwiegervater Amadeus zu einem Abkommen bewegen, nach dem im Falle von Amadeus Tod ohne männliche Nachkommen die norditalienischen Besitzungen von Savoyen an seine beiden Töchter fallen würden. Mit diesem Abkommen änderte Amadeus die Erbvereinigung, die er wenige Monate zuvor mit seinem Bruder Thomas geschlossen hatte.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 55. 1239 bestätigte er noch die Erbregelung zugunsten seiner Töchter, doch im November 1240 änderte er sie wieder zugunsten seines Bruders Thomas. Kaum hatte dieser aber wenige Monate später Savoyen wieder verlassen, wurde Amadeus von seinen Schwiegersöhnen gedrängt, sein Erbe wieder zu ihren Gunsten zu regeln.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 105.
Festigung seiner Herrschaft in Savoyen In den angestammten Besitzungen der Familie konnte Amadeus seine Stellung gegenüber den lokalen Adelsgeschlechtern ausbauen, die meist eigene Burgen hatten und den Rang eines Vicomte beanspruchten. 1236 musste Aymeric de Briançon den Grafen von Savoyen für alle Besitzungen der Familie im Tarentaise als Lehnsherrn anerkennen.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 218. 1240 konnte Amadeus die Besitzrechte von Pierre Guigue du Villar im Maurienne erwerben und somit den Zugang zum Col du Mont Cenis sichern. Die Vicomtes von La Chambre und die Bischöfe von Maurienne blieben aber konkurrierende Territorialherren. Auch Godefroi de Challant, der Vicomte im Aostatal, behielt dort seine Privilegien, auch wenn Amadeus im 1242 versuchte, seine Herrschaft dort auszuweiten.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 219. Als der Baron Hugues de Bard den Handelsverkehr über den Grossen-St.-Bernhard-Pass behinderte, kam es im Frühjahr 1242 zwischen ihm und Amadeus zu einer Fehde. Amadeus konnte seinen räuberischen Vasallen unterwerfen und dessen wichtige Burg Bard erobern, die den südlichen Zugang zum Aostatal beherrschte.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 334. Indem er diese Eroberungen an Thomas übergab, ermöglichte er seinem Bruder seine weitere Karriere in Norditalien.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 298. Im Februar 1245 bestätigte Amadeus die Besitzungen von Thomas, der nach dem Tod seiner Frau die Grafschaft Flandern verloren hatte und nach Savoyen zurückgekehrt war. Neben Bard eroberte Amadeus im Frühjahr 1242 auch die Burg von Cumiana bei TurinEugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 106. und die Burg von Introd. Er erkannte die wirtschaftliche Bedeutung der Alpenpässe, erhob im Gegensatz zu anderen Baronen der Region von Kaufleuten keine unmäßigen ZölleEugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 337. und stellte das Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard sowie andere Herbergen im Aostatal unter seinen Schutz.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 221. 1249 unterstützte er seinen Bruder Bonifatius, der neben seinem Amt als Erzbischof von Canterbury Prior von Nantua geblieben war, in einer Fehde mit Beatrice de Faucigny, die Herrin von Thoire-Villars. Beatrice de Faucigny verzichtete schließlich 1251 auf ihre Ansprüche auf Nantua.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 197.
Unterstützung von Kaiser Friedrich II.