Die normalspurigen Tenderlokomotiven der Bauart 9500 waren laufachsenlose fünfachsige Lokomotiven des Herstellers Hohenzollern für die staatliche niederländische Eisenbahngesellschaft Nederlandse Spoorwegen (NS).
Die fünf Lokomotiven wurden vorrangig im Rangierdienst in den Kohleregionen des Landes um Heerlen eingesetzt.
Drei Exemplare waren nach dem Zweiten Weltkrieg noch vorhanden und wurden um Amsterdam im Ablaufbetrieb eingesetzt. Die Lokomotiven waren bis 1953 im Dienst und wurden danach ausgemustert und verschrottet.
Geschichte
1921 lieferte Hohenzollern fünf laufachslose fünfachsige Tenderlokomotiven an die Nederlandse Spoorwegen. Die Maschinen erhielten das Gattungszeichen RO3, später GTO2, womit der Einsatzbereich der Lokomotive, die Bauartcharakteristik als Tenderlokomotive und die Bauart mit Überhitzer zum Ausdruck gebracht wurde.Wolfgang Fiegenbaum, Ingo Hütter: Schwere Brocken, Regelspurige E-Tenderlokomotiven Band 3, Hartmann, Hohenzollern, Krauss (-Maffei), Grafenstaden und Borsig. Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, 2018, ISBN 978-3-933178-41-1
Die Maschinen, die durch ihre glatte Linienführung fast nach englischem Vorbild auffielen, wurden anfangs in den Kohleregionen in der niederländischen Provinz Limburg für den schweren Rangierdienst verwendet. Dabei waren die anfangs verwendeten leichten Puffer dem schweren Dienst nicht lange gewachsen und mussten gegen Standardpuffer ausgetauscht werden.
Dazu wurden die Lokomotiven immer wieder zu Sonderaufgaben wie einer Belastungsprüfung beim Bau einer neuen Brücke herangezogen.Bild von zwei NS 9500 während einer Brückenprüfung um 1940
Während des Zweiten Weltkrieges waren die Lokomotiven im Dienst bei der deutschen Besatzungsmacht eingebunden. Den Krieg selbst überstanden drei Lokomotiven. Kurz vor der Einnahme der Provinz Limburg durch die Alliierten wurden die drei Lokomotiven 9503–9505 von den Deutschen gesprengt. Lediglich die Lokomotive 9505 konnte wieder aufgebaut werden, nachdem ihre Feuerbüchse ersetzt wurde. Die anderen beiden mussten 1947 verschrottet werden.
Die 9502 wurde vor der Einnahme der Provinz Limburg nach Deutschland in den Bereich der Braunschweigischen Landeseisenbahn abgezogen und 1945 dort gefunden. Die 9501 war zum Kriegsende im Ausbesserungswerk Tilburg.
Nach dem Krieg wurden die 9501 und 9502 im Raum Susteren, die 9505 nach ihrer Wiederherstellung in Heerlen eingesetzt. Ab 1951 waren dann alle Lokomotiven beim Ablaufbetrieb um Amsterdam eingesetzt. 1952 schied die 9505 und ein Jahr später die anderen beiden Loks aus dem Dienst aus.
Die 9501 wurde noch bis 1958 als Heizlokomotive verwendet.
Konstruktion
Die Lokomotiven sind nach englischem Vorbild entstanden: mit glatten Linien, bei denen viele Rohrleitungen durch die Kesselverkleidung verdeckt wurden. Selbst die Sandkästen waren im Rahmen unsichtbar vorhanden, der Schornstein der Lok wurde als Krempenschornstein ausgeführt, nur der Dampfdom befand sich auf der Kesselmitte.
Das Laufwerk wurde für den Einsatz im Flachland mit Rädern von einem Durchmesser 1400 mm ausgerüstet. Die äußeren Achsen waren seitenverschiebbar und beim Treibradsatz waren die Spurkränze um 10 mm verringert. Der Treibzapfen war nicht mit nachstellbaren Lagerschalen, sondern mit einer Büchse versehen. Dafür musste er besonders stark bemessen sein, um die Flächenpressung niedrig zu halten.
Der Kessel war mit einem Überhitzer ausgerüstet und hatte einen Kleinrohrüberhitzer erhalten.Internetseite mit Beschreibung des Kleinrohrüberhitzers auf //diglib.tugraz.at Er bestand aus drei Schüssen, auf dem ersten war das Dampfläutewerk und zwischen dem zweiten sowie dritten der Dampfdom angebracht. Er war mit einem Belpaire-Stehkessel ausgestattet und wurde durch zwei Injektoren gespeist. Die Sicherheitsventile auf dem Stehkessel waren hinter einer Verkleidung versteckt. Das Triebwerk war mit Heusinger-Steuerung versehen und mit gefrästen Treib- und Kuppelstangen ausgeführt, der Kreuzkopf wurde einschienig auf der Gleitbahn geführt.
Die Lokomotiven waren mit direkter- und indirekter Bremse Bauart Westinghouse ausgerüstet, sie wirkte auf die mittleren drei Radsätze einseitig von vorn. Die dafür und die Hilfsbetriebe notwendige Luftpumpe hatte ihren Platz auf dem Umlauf rechts neben der Rauchkammer. Für den späteren Betrieb musste eine zweite Luftpumpe angebaut werden.
Siehe auch
Liste von Lokomotiv- und Triebwagenbaureihen der Niederländischen Eisenbahn
Literatur
Wolfgang Fiegenbaum, Ingo Hütter: Schwere Brocken, Regelspurige E-Tenderlokomotiven Band 3, Hartmann, Hohenzollern, Krauss (-Maffei), Grafenstaden und Borsig. Herdam Verlag, Quedlinburg-Gernrode, 2018, Seite 17–30, ISBN 978-3-933178-41-1
Weblinks
Datenblatt über DRB-Lokomotiven bei den NS auf dampflokomotivarchiv.de
Einzelnachweise
9500 Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge E NS 9500