Die Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost (Stiftung RBO) setzt sich für die Förderung des Wohlfahrtswesens ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die Rehabilitation, Prävention und Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen, pflegebedürftiger Menschen sowie die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen. Die Stiftung unterhält Einrichtungen für beruflich-soziale Rehabilitation, Bildung, Betreuung, verschiedene Wohnformen sowie familienunterstützende Dienste und Freizeitgestaltung. Sie fördert Forschung, Stipendien und wissenschaftliche Kooperationen.
Geschichte Wurzeln Die Stiftung hat ihre Wurzeln in den sozialen und gesundheitlichen Maßnahmen der DDR zur Unterstützung von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen. Ihre Entwicklung wurde vor allem durch den wachsenden gesellschaftlichen Bedarf an Unterstützung und Integration von Menschen mit Behinderungen geprägt und beginnt 1954, als das Ministerium für Gesundheitswesen der DDR Maßnahmen zur Erfassung und Betreuung von Kindern mit „geistigen Störungen“ einführte. Diese Regelungen umfassten auch die Betreuung von Menschen, die in psychiatrischen Beratungsstellen auf lokaler Verwaltungsebene behandelt wurden. In Berlin-Lichtenberg übernahm das Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie die Verantwortung, insbesondere für die Betreuung von Kindern mit geistigen Behinderungen, die damals als „geistig Geschädigte“ oder „Oligophrene“ bezeichnet wurden.
Zu Beginn umfasste die betreute Gruppe vor allem Vorschulkinder, die zunächst von ihren Familien zu Hause versorgt wurden. Wenn dies nicht möglich war, boten die Einrichtungen ärztliche Versorgung und Beratung an. Im Laufe der Zeit wuchs der Bedarf an intensiveren Betreuungsformen, was nicht nur auf das demographische Wachstum und die steigende Zahl an betroffenen Kindern zurückzuführen war, sondern auch auf ein verändertes gesellschaftliches Bild von Menschen mit Behinderungen. In der Anfangszeit wurden geistig beeinträchtigte Menschen häufig als „pflegebedürftig“ und „unfähig“ wahrgenommen, was oft zu Isolation und Ausgrenzung führte. Doch das zunehmende Verständnis, dass auch Menschen mit Behinderungen Rechte auf gesellschaftliche Teilhabe und Förderung haben, trug dazu bei, dass mehr Unterstützung und spezialisierte Betreuung benötigt wurden. Besonders Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen oder mit schwereren Behinderungen verlangten nach gezielterer Förderung. Das Fachkrankenhaus begann daher, Verträge mit konfessionellen Einrichtungen abzuschließen und eröffnete 1960 das „Haus 11“, das speziell für die Betreuung geistig beeinträchtigter Kinder konzipiert wurde.
In den 1960er Jahren erweiterte sich das Angebot durch die Einrichtung spezieller Tageskliniken und Fördereinrichtungen, die von engagierten Eltern und Ärzten wie Gerda Jun ins Leben gerufen wurden. Diese Einrichtungen konzentrierten sich auf die Förderung von Kindern, die nicht in der Lage waren, grundlegende Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben zu erlernen. Diese Entwicklung führte schließlich 1974 zur Eröffnung der ersten „Sonderkindertagesstätte“ in Lichtenberg.Klaus-Peter Becker: Die Entwicklung des Rehabiltationszentrums Berlin Ost in Theorie und Praxis. 2011. (rbo.berlin)
Die 1980er Jahre 1978 fasste der Magistrat von Berlin (Ost) den Beschluss zur „Verbesserung der Organisation der komplexen Rehabilitation“ und begann, Stadtbezirkszentren für Rehabilitation einzurichten. Die Stadtbezirksstelle in Berlin-Lichtenberg wurde 1983 unter die Leitung von Helmut Siebert gestellt, dem 247 Mitarbeiter zur Seite standen. Diese neue Institution übernahm die Koordination bestehender Einrichtungen wie die rehabilitationspädagogischen Tagesstätten für Kinder und Erwachsene und ein Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus war die Stadtbezirksstelle auch für Beratungsdienste für Menschen mit Behinderungen und deren Familien zuständig. Im März 1988 beschloss der Rat des Stadtbezirks Berlin – Lichtenberg, die bestehende Stadtbezirksstelle für Rehabilitation zu einem Stadtbezirksrehabilitationszentrum zu erweitern.
In den folgenden Jahren wurde die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen der Rehabilitation intensiviert und so eine bessere soziale Integration von Menschen mit Behinderungen erreicht. In diesem Zusammenhang etablierten sich die Begriffe der „komplexen Rehabilitation“ und der „Rehabilitationskette“. Diese Konzepte deckten alle Phasen der Rehabilitation ab – von der Prävention über die Akutversorgung bis hin zur Nachsorge. Sie bildeten die Grundlage für das umfassende Rehabilitationssystem, das alle relevanten Aspekte der sozialen und medizinischen Unterstützung integrierte. Ein bedeutender Beitrag zur Weiterentwicklung der Rehabilitationsmethoden und der wissenschaftlichen Begleitung der Stadtbezirksrehabilitationsstelle kam von Klaus-Peter Becker. Als Experte für Rehabilitationspädagogik und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin leistete er Unterstützung bei der wissenschaftlichen Fundierung und Weiterentwicklung von Rehabilitationsmaßnahmen. Durch seine Zusammenarbeit mit der Stadtbezirksstelle wurden wissenschaftlich fundierte Konzepte in die praktische Arbeit integriert, die sowohl die soziale Integration als auch die individuelle Förderung von Menschen mit Behinderungen weiter vorantrieben. Becker setzte sich intensiv für die Entwicklung eines interdisziplinären Ansatzes ein, der eine engere Vernetzung zwischen den Bereichen Bildung, Therapie und Sozialarbeit förderte und somit eine ganzheitliche Betreuung ermöglichte.
Gründung des Vereins und Übergang zur Stiftung (1990–2008) Um handlungsfähig zu bleiben, wurde im Jahr 1990 der Verein „Rehabilitationszentrum Berlin-Ost e.V.“ gegründet, der die Arbeit des Stadtbezirksrehabilitationszentrums fortsetzen und ausbauen sollte. Der Verein, der ab 1994 von Klaus-Peter Becker geleitet wurde, konzentrierte sich auf die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen durch vielfältige Angebote wie Arbeitsintegration, Freizeitgestaltung und Sport, darunter die Unterstützung von Special Olympics Deutschland. So wurden unter anderem die LWB-Lichtenberger Werkstätten gGmbH und die RBO-Wohnstätten gGmbH gegründet, die den inklusiven Wohn- und Arbeitsansatz weiter verfolgten.
Gründung der Stiftung (2008) Die Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost wurde am 22. September 2008 vom Senat von Berlin anerkannt. Die Gründung der Stiftung führte zu einer neuen organisatorischen Struktur, wobei das Vermögen und die Tochtergesellschaften des Vereins nun ebenfalls als Tochtergesellschaften der Stiftung weitergeführt wurden. Die Stiftung verfolgt dabei weiterhin das Ziel, Menschen mit Behinderungen in ihre lokale Gemeinschaft zu integrieren und ihnen durch Rehabilitationsangebote, Arbeit und Wohnmöglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Seit der Gründung hat die Stiftung ihre Aktivitäten kontinuierlich ausgebaut und ihre Kapazitäten erweitert. Neben der klassischen Rehabilitation setzt die Stiftung auf innovative Projekte wie das Inklusive Pferdesport- und Reittherapiezentrum in Berlin-Karlshorst, das Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenbringt und die Bedeutung von Sport und Bewegung als therapeutisches Mittel betont. Die Stiftung ist Mitglied des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und von Special Olympics Deutschland, einer Organisation, die sportliche Wettbewerbe für Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen organisiert.
Zusammenarbeit mit Wissenschaftlichen Institutionen und Publikationen Die Stiftung verfolgt neben der gesellschaftlichen Integration von Menschen mit geistigen, psychischen oder mehrfachen Behinderungen auch die wissenschaftlich fundierte Entwicklung und Weiterentwicklung von Rehabilitationsmethoden. Zu diesem Zweck arbeitet sie regelmäßig mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen, um bestehende Ansätze zu evaluieren, an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse anzupassen und neue Konzepte zu entwickeln. Unterstützt wurde sie dabei unter anderem durch Fachleute aus den Bereichen Rehabilitationspädagogik, Medizin, Psychologie und Sozialwissenschaften. In Kooperation mit universitären Einrichtungen wurden praxisorientierte Studien durchgeführt, die sowohl die Wirksamkeit bestehender Programme überprüften als auch innovative Modelle der Betreuung und Rehabilitation erprobten. Zu den zentralen Kooperationspartnern zählen die Humboldt-Universität zu Berlin und die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin, mit denen gemeinsame Projekte zur Evaluation von Rehabilitationsmaßnahmen realisiert wurden. Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen liegt in der Publikation von Forschungsergebnissen. Die Stiftung veröffentlicht regelmäßig wissenschaftliche Beiträge, in denen sowohl Erfahrungen aus der eigenen Praxis als auch Ergebnisse aus Kooperationsprojekten dokumentiert werden. Dazu gehört unter anderem die Schriftenreihe „inmitten“, die verschiedene Aspekte der Rehabilitation von Menschen mit geistigen, psychischen und mehrfachen Behinderungen behandelt und sowohl Fachkreisen als auch einer breiteren Öffentlichkeit als Informationsquelle dient.
Tochterunternehmen RBO-WohnStätten gGmbH Die RBO-WohnStätten gemeinnützige GmbH ist ein sozialer Träger mit Sitz in Berlin, der vor allem in den Bezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf tätig ist. Sie begleitet Menschen mit geistigen Behinderungen beim selbstbestimmten Wohnen und fördert deren Teilhabe am Arbeitsleben und an tagesstrukturierenden Angeboten.
LWB-Lichtenberger Werkstätten gGmbH Die LWB-Lichtenberger Werkstätten gemeinnützige GmbH ist eine von 16 Werkstätten für behinderte Menschen in Berlin mit Sitz im Bezirk Lichtenberg. In sechs Betriebsstätten werden Menschen mit Behinderungen im Berufsbildungsbereich ausgebildet, in verschiedenen Produktions- und Dienstleistungsabteilungen beschäftigt oder im Förderbereich betreut.
LIDIS-Dienstleistungsgesellschaft mbH Die LIDIS GmbH ist ein gemeinnütziger Inklusionsbetrieb in Berlin-Lichtenberg und bietet handwerkliche Dienstleistungen wie Elektroprüfungen, Gebäudereinigung sowie Maler- und Renovierungsarbeiten an. Als Tochterunternehmen der Stiftung Rehabilitation Berlin-Ost beschäftigt sie Menschen mit Behinderung und verbindet wirtschaftliche Tätigkeit mit sozialer Integration.
RBO-Inmitten gGmbH Die RBO-Inmitten gemeinnützige GmbH ist ein sozialer Träger mit Sitz in Berlin, der seit über 30 Jahren Unterstützungsangebote für Menschen mit und ohne Behinderung bereitstellt. Schwerpunkte sind das betreute Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung in verschiedenen Wohnformen sowie Angebote in den Bereichen Gemeinwesenarbeit, Kinder- und Jugendhilfe, Elternarbeit und psychosoziale Unterstützung.
RBO-Mensch und Pferd gGmbH Die RBO-Mensch und Pferd gGmbH verbindet Reitsport und therapeutische Arbeit mit Pferden und richtet sich an Reitsportbegeisterte sowie an Menschen, die therapeutische Unterstützung suchen. In der pferdgestützten Therapie werden die positiven Wirkungen von Pferden auf das körperliche, emotionale und geistige Wohlbefinden genutzt; das Inklusive Pferdesport- und Reittherapiezentrum (IPRZ) ist dafür barrierearm gestaltet.
LBD-Lichtenberger BetreuungsDienste gGmbH Die LBD-Lichtenberger BetreuungsDienste gGmbH ist eine gemeinnützige Einrichtung, die auf die die Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz spezialisiert ist. Es bietet Bewohnerinnen und Bewohnern und Tagesgästen eine aktivierende, würdevolle Pflege und Betreuung.
RBO-Zentrale Dienste & Beratung gGmbH