Dieser Artikel hat den FC Wil in der Saison 1997/98 zum Thema.

Ausgangslage

In der vorherigen Saison war der FC Wil erneut in der Abstiegsrunde gelandet. Dort schloss er schliesslich auf dem leicht verbesserten dritten Rang ab. Der Ligaerhalt war bereits früh sicher.

Der damals 24-jährige Freiburger Stürmer Olivier Python spielte in der vergangenen Saison seine dritte Spielzeit in Wil, es war mit zwölf Toren seine beste bisher in der Ostschweiz. Er kündigte an, in der kommenden Saison wieder für Wil zu spielen. Einen seiner Topspieler zu halten, war für den Verein enorm wichtig, da den Wiler mit Leandro Fonseca (nach Yverdon), Marko Topić (nach Kroatien) zwei wichtige Stürmer verloren gingen. Es kehrten dafür Ralph Steingruber und Rico Fuchs vom FC St. Gallen nach Wil zurück, Adrian Eugster wagte zumindest leihweise ebenfalls den Wechsel von St. Gallen nach Wil. Daniel Puce wechselte nach Lausanne. Ausserdem wechselte der damals 24-jährige Patrick Winkler aus Delémont nach Wil. Vom FC Gossau wechselte der ursprünglich aus Amriswil stammende René Soller, von Winterthur kam der Goalie Alex Nussbaumer. Zum FC Kreuzlingen in der 2. Liga wechselte der zweite Torhüter der Wiler Adrian Bernet, der in der vorherigen Saison vereinzelt zu Einsätzen gekommen war, als beispielsweise der Stammtorhüter Löpfe verletzt war oder ausgeschlossen wurde. Auch Stéphane de Siebenthal verliess den Verein und wurde zumindest vorläufig vereinslos. Sergei Mancastroppa wechselte zum FC Altstetten. Erst nach dem ersten Saisonspiel wurde ein weiterer Wechsel angekündigt. Mit Agnaldo Rezende Costa wechselte erneut ein brasilianischer Stürmer nach Wil.

Nach drei Saisons als Trainer wurde Pierre-André Schürmann von Marcel Koller abgelöst. In der Presse wurde speziell hervorgehoben, dass Marcel Koller in der NLB nicht der einzige ehemalige Nati-Spieler in einem Traineramt war. Bei sieben von zwölf Teams war dies der Fall. Mit dem neuen Sportchef Thomas Baur, bekam der Koller beim FC Wil zudem weitere Unterstützung. Baur hatte vor einigen Jahren noch selber in der NLB-Mannschaft der Wiler gespielt.

Als klarer Favorit in die Saison gingen der FC Lugano, der in der Saison 1996/97 zusammen mit den Young Boys abgestiegen war. Der Tessiner Verein ging mit der Ansage eines sofortigen Wiederaufstiegs in die Spielzeit. Das zeigte sich unter anderem am drei Millionen Franken Budget des Vereins, sowie den 24 Kadermutationen (18 Abgänge und sechs Zuzüge). Die Young Boys konnten ihr NLA-Kader mehr oder weniger zusammenhalten. Kleinstes Budget hatte der Aufsteiger SV Schaffhausen mit 400'000 Franken, die den Spielern abgesehen von Arbeitsausfall, weder Spesen noch Prämien zahlen konnten und nur zwei Wechsel vorweisen konnten. Das Thuner Tagblatt sah YB, Lugano, Winterthur und den FC Schaffhausen in der Aufstiegsrunde. Den FC Wil platzierten sie auf dem zweitletzten Platz, immerhin noch vor dem SV Schaffhausen.

Saisonverlauf Qualifikationsrunde In der Vorbereitung absolvierte der FC Wil einige Testspiele, unter anderem gegen den FC St. Gallen (0:3), verlor aber auch gegen den 1. Liga Club Frauenfeld 0:1. Das einzige Tor erzielte pikanterweise der spätere Wil-Spieler Charles Amoah.

Der Auftakt in die neue Saison gelang den Wilern dann allerdings mit einem 1:0-Sieg zuhause gegen Locarno. In der Thurgauer Zeitung wurde der Sieg als «glücklich» und der dafür verantwortliche Penalty als «fragwürdig» bezeichnet. Antonio Bolzani bezeichnete in seinem Bericht für das Giornale del Popolo die Wiler als entschlossener und taktisch versierter als die Tessiner. Der Sieg zuhause gegen Schaffhausen (2:1) verlief auch glücklich. Die beiden Wiler Tore fielen in der 89. beziehungsweise 90. Minute. Der Juli wurde mit einem ersten «Spitzenkampf» mit den favorisierten Luganesi auswärts abgeschlossen. Im Stadio di Cornaredo konnten die Wiler ein gutes 1:1-Unentschieden erspielen. Der ursprünglich aus dem Thurgau stammende Adrian Allenspach erzielte das 1:0 für Lugano, erhielt aber absurderweise zwei Minuten später eine rote Karte, nachdem er Patrick Winkler eine Ohrfeige verpasst hatte. Der Kommentar von Omar Gargantini für das Giornale del Popolo war entsprechend der hohen Erwartungshaltung negativ, bezeichnete das Resultat allerdings als in Ordnung. Wil habe über Besio zahlreiche starke Angriffe durchgeführt. Luganos Goalie Hürzeler habe sich Höchstnoten mit zwei Glanzleistungen verdient. Das Tor von Wil wertete Gargantini als Eigentor von Vieira. Wil rutschte in der Folge auf Platz zwei in der Tabelle, hinter den punktgleichen Young Boys.

Der August startete wieder mit einem «Spitzenduell», zwischen dem erstplatzierten Bernern und den überraschenderweise zweitplatzierten Wilern. In der Runde zuvor hatten die Berner im ersten Kantonsderby seit 42 Jahren Thun mit 6:0 abgefertigt. Wil schaffte es tatsächlich die Young Boys 3:2 zu bezwingen. Charles Beuret bezeichnete für Der Bund die Niederlage der Berner als unnötig, trotz einem «kämpferisch besseren und aggressiveren Gegner». Die Verteidigung der Wiler haben den Berner Offensivabteilung wenig Raum gegeben. Dieser Überzeugung zeigte sich auch René Weber in der Thurgauer Zeitung. Von Seiten der angesprochenen Spielern wurde vor allem der starke Trainer Marcel Koller genannt, der eine gute Stimmung in die Mannschaft und eine hervorragende Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner gebracht hatte. Der Verein übernahm mit dem Sieg erstmals in der der Vereinsgeschichte die Tabellenführung in der Nationalliga B. Zu Gast bei der SR Delémont bekamen die Wiler eine klare 4:0-Niederlage. Charly Barth hob in seiner Spielbeschreibung für Le Matin hervor, dass sich die beiden Stürmer Adam Ndlovu und da Silva hervorragend gegen die Wiler Verteidigung behauptet hatten, was sich auch auf in der Torschützenliste bemerkbar machte: Beide schossen je zwei Tore. Der Auftritt der Wiler wurde in der Presse als zu «überheblich» bezeichnet, der «prompt bestraft» worden sei. Das nächste Spiel zuhause gegen Yverdon konnte der FC Wil wieder gewinnen. Das Spiel hätte allerdings nicht so knapp ausgehen müssen, wenn der später bei Wil spielende Nicolas Beney in der 17. Spielminute nicht einen Foulpenalty von Claudio Besio gehalten hätte. Wil konnte damit wieder auf Platz zwei vorrücken. Das Auswärtsspiel gegen Baden endete torlos unentschieden. Gegen die auf dem Papier schlechter eingestufte SV Schaffhausen konnten die Wiler hoch mit 5:0 gewinnen. Agnaldo schoss dabei vier Tore, unter anderem einen sogenannten «lupenreinen Hattrick» in 15 Minuten. Wil landete in der Folge nochmals auf dem ersten Platz. Beim FC Solothurn kam der FC Wil nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus. Das Tor für Solothurn erzielte der spätere Wil-Spieler Felix Mordeku.

Der Aufsteiger FC Thun war der nächste Gegner der Wiler. Das Thuner Tagblatt sah die Rollen klar verteilt: Wil sei der klare Favorit, trotzdem habe der FC Thun die Gelegenheit sein «Verlierer-Image» abzuschütteln. Die Wiler konnten das Spiel knapp mit 2:3 für sich entscheiden. Das Spiel wurde in den letzten sechs Minuten entschieden wie Menno Beindorff im Thuner Tagblatt bemerkte. Beim nächsten Spiel gegen Winterthur gingen die Wiler als Favoriten in die Partie. Die Partie endete zwar 0:0, war aber bei strömendem Regen sehr emotional. Der Winterthur-Trainer Carlos Bernegger wurde auf die Tribüne verwiesen, nachdem er sich zu heftig über ein wegen Abseits aberkanntes Tor aufgeregt hatte. Besio traf im Verlauf des Spiels ausserdem noch das Lattendreieck. In der Folge konnte YB an der Spitze der Tabelle davonziehen, da neben Wil auch Delémont und Lugano unentschieden spielten. Die Affiche Mittwochs am 24. September auswärts gegen Locarno, war erstaunlich spannend. Die Wiler mussten wieder einmal einen Vollerfolg erreichen, um den Anschluss an die Tabellenspitze nicht zu verpassen, Locarno wiederum hätte in die vorderen vier Ränge vorstossen können. Auch diese Partie endete mit einem Unentschieden. Es kam dabei zu zwei Platzverweisen. Filippo Frizzi lobte im Giornale del Popolo, dass Locarno sich nach dem Gegentreffer in der fünften Minute nicht aufgegeben habe und sich ein wichtiges Unentschieden geholt habe. Zum Abschluss trafen die Wiler auswärts auf den FC Schaffhausen. Zum dritten Mal hintereinander war das Ergebnis nur ein Unentschieden (1:1). Der FC Wil konnte sich weiterhin auf Platz 2 halten.

Der Oktober begann mit einem Duell mit dem drittplatzierten FC Lugano. Die Partie endete mit einem recht deutlichen 1:3-Sieg für Lugano. Marco Pellegrinelli hob in seinem Bericht für das Giornale del Popolo vor allem die starke Leistung von Uwe Wegmann hervor, der sich mit einem Tor und einer Vorlage hervorgetan habe. Mit YB wartete der nächste Spitzenclub auf den FC Wil. Auch dieses Spitzenspiel verloren die Wiler, wenn auch etwas knapper, mit 2:1. Noch in den Schlussminuten verteilte Schiedsrichter Marcel Vollenweider zwei rote Karten. Im Falle von Roumen Ivanov handelte es sich bei der roten Karte um die erste in seiner ganzen Karriere, einschliesslich seiner Juniorenzeit. Er hatte seinen Gegenspieler Rico Fuchs angespuckt, was Vollenweider selbst nicht gesehen hatte, sondern sein Assistent ihm meldete. Daraufhin entwickelte sich ein Handgemenge. Ivanov bestritt, dass er gespuckt habe. Der Schiedsrichterassistent habe dies bei regnerischem Wetter gar nicht sehen können, meinte er. Trotzdem wurde er für fünf Spiele gesperrt. Das Spiel beschrieb Charles Beuret für Der Bund ähnlich wie das erste Zusammentreffen in der Qualifikationsrunde. Die Wiler seien gute, wenn auch aggressive Widersacher gegen die gut organisierten Berner gewesen und hätten diese kaum spielen lassen. YB-Co-Trainer Thomas Sjöberg liess sich folgendermassen zum Spiel zitieren: «YB - Wil war so etwas wie ein Boxmatch: Hartumkämpft, mit grossem physischem Einsatz – und bis zwei Minuten vor Schluss fair. Die drei Punkte wurden uns nicht geschenkt.» Für die Wiler bedeutete diese Niederlage einen Absturz auf Platz 6. Gegen Delémont konnten die Wiler wieder einmal gewinnen (3:1). Es sollte der einzige Vollerfolg der Wiler im Oktober bleiben. Gegen die «Spielvi» aus Schaffhausen spielten die Wiler ein torloses Unentschieden. Das Ergebnis wurde von der Presse als «überraschend» bezeichnet.

Der Auftakt in den November begann in Yverdon wieder mit einem Unentschieden (1:1). Gemäss Gérard Bucher (Le Matin) waren die Wiler alles andere als zwingend und hatten beim Treffer durch Steingruber Glück, dass der Ball noch von Pittet abgefälscht wurde. Norbert Eschmann (24 Heures) bezeichnete das 4-4-2 von Trainer Koller als eine Kopie der Taktik der Grasshoppers, die auf sehr einfachen, langweiligen, aber effektiven Fussball hinauslaufe. Bei der Partie lobte er insbesondere die Leistung des für Löpfe eingesprungenen Goalie Nussbaumer, Scherrer, Steingruber und Besio. Auch Jean-Marc Brauch sah in seiner Spielbetrachtung für das Journal du Nord vaudois eine gute Leistung von YS, zeigte sich aber über den Spielverlauf ausgesprochen frustriert. Gegen den FC Baden verloren die Wiler 1:2. Das Spiel zuhause gegen Solothurn endete 0:0. Rein rechnerisch war zu diesem Zeitpunkt eine Teilnahme an der Aufstiegsrunde noch möglich, allerdings sehr unwahrscheinlich. Der FC Thun hatte zum ersten Mal in der Saison gewonnen und war dementsprechend motiviert, wie Peter Gerber im Thuner Tagblatt bemerkte. Wie so häufig in der laufenden Saison, endete das Spiel unentschieden (1:1). Damit war klar, dass Wil erneut nur in die Abstiegsrunde gelangt. Rudolf Käser sprach beim 1:1 durch Marcel Born von einem «Traumtor» aus gut 20 Metern.

Wie schon in der vorherigen Saison war das letzte Spiel der Qualifikationsrunde das Duell der beiden FCW: Winterthur gegen Wil. Anders als in der Saison zuvor konnten die Wiler das umkämpfte Spiel mit 2:3 für sich entscheiden.

Abstiegsrunde