Der Blaue Himalaya-Lerchensporn (Corydalis cashmeriana), auch Kaschmir-Lerchensporn und Blauer Lerchensporn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Lerchensporne (Corydalis) in der Unterfamilie der Erdrauchgewächse (Fumarioideae) innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Er kommt im Himalaya vor und wird selten als Zierpflanze genutzt.
Beschreibung mini|Polsterförmiger Habitus mini|Illustration in der Erstveröffentlichung: Corydalis cashmeriana (links) und Corydalis govaniana (rechts) mini|Blüten
Vegetative Merkmale Der Blaue Himalaya-Lerchensporn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 20 Zentimetern erreicht. Am Rhizom befinden sich fleischige, schuppige Niederblättern mit Achselbulben und rübchenförmigen, gebündelten Speicherwurzeln. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl.
Die grundständigen, lang gestielten, blass-blaugrünen Laubblätter sind dreifach dreizählig mit linealischen bis schmal verkehrt-eiförmigen, stumpfen Abschnitten. Die ein bis drei (selten vier) kurz gestielten oder sitzenden Stängelblätter haben drei gestielte, tief handförmig geschnittene Blättchen.
Generative Merkmale Die Blütezeit reich von April bis Mai. An aufrechten, schmalen Stängeln befinden sich dichte, 2 bis 5 Zentimeter lange, traubige Blütenstände. Diese besitzen 8 bis 12 Millimeter lange, laubblattähnliche Hochblätter und (selten nur zwei bis fünf) sechs bis acht achselständige, gestielte Blüten.
Die zwittrige Blüte ist bei einer Länge von 20 bis 28 Millimetern zygomorph. Die Blütenkrone ist strahlend-blau bis purpur-blau. Das obere Kronblatt ist schiffchenförmig mit stumpfem Ende. Der 6 bis 12 Millimeter lange, zylindrische oder sich leicht verjüngende Sporn ist leicht abwärts gekrümmt. Das untere Kronblatt besitzt einen rhombischen, 6 bis 7 Millimeter breiten Rand.
Die Fruchtzeit erstreckt sich von Juni bis September. Die hängende, 10 bis 15 Millimeter lange, längliche bis ovale Schote enthält 10 bis 20 glatte Samen und springt explosionsartig auf.
Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl ist x = 8; es tritt Diploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16 auf.
Vorkommen Das Verbreitungsgebiet liegt im Himalaya von Kaschmir bis Nepal und Bhutan und im südlichen Tibet. Der Blaue Himalaya-Lerchensporn besiedelt in Tibet das lichte Unterholz bewaldeter bis gebüschiger, steiniger Hänge in Höhenlagen von 2700 bis 5400 Metern.
Systematik Die Erstbeschreibung von Corydalis cashmeriana erfolgte im Jahr 1834 durch John Forbes Royle in Illustrations of the Botany and other branches of Natural History of the Himalayan Mountains, Seite 69. Das Artepitheton cashmeriana bedeutet „aus Kaschmir stammend“.
Es gibt etwa zwei Varietäten: Corydalis cashmeriana var. cashmeriana: Sie kommt im Gangdisê-Gebirge Südtibets, in nördlichen Indien, Kaschmir und westlichen Nepal vor. Sie gedeiht im südlichen Tibet auf Wiesen und Berghängen in alpinen Höhenlagen bis 5400 Metern. Jeder Blütenstand enthält drei bis acht Blüten. Corydalis cashmeriana var. longicalcarata : Sie kommt im Himalaja im indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh, in Kashmir, im südlichen Tibet, im östlichen Nepal, in Sikkim und in Bhutan vor. In Indien gedeiht sie in der alpinen Höhenstufe in Höhenlagen in etwa 3750 Metern. Sie gedeiht im südlichen Tibet in der subalpinen Höhenstufe in Höhenlagen bis 3900 Metern. Jeder Blütenstand enthält nur zwei Blüten.
Verwendung Der Blaue Himalaya-Lerchensporn wird selten als Zierpflanze verwendet. Er ist empfindlich und wächst an warmen Standorten nicht optimal. Benötigt wird ein halbschattiger, luftfeuchter und kühler Standort auf einem kalkarmen, sauren, humusreichen und gut drainierten Boden. Geeignet sind beispielsweise Moorbeete und absonnige Steingärten. Der Blaue Himalaya-Lerchensporn kann direkt nach der Blüte oder beim zweiten Laubaustrieb Ende August durch Teilung vermehrt werden. Er gilt als winterhart bis −28 °C (Zone 5). Die Sorte ‘Kailash’ bildet kompaktere Polster.
Quellen Literatur Mingli Zhang, Zhiyun Su & Magnus Lidén: Corydalis . In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 7, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000, ISBN 0-19-515208-5. Corydalis cashmeriana . – textgleich online wie gedrucktes Werk. Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 240. Mark Tebbit, Magnus Lidén, Henrik Zetterlund: Bleeding Hearts, Corydalis, and their Relatives. Published in association with Brooklyn Botanic Garden. Timber Press, Portland, Oregon 2008, ISBN 978-088192-882-2, S. 140–141.
Einzelnachweise Mingli Zhang, Zhiyun Su & Magnus Lidén: Corydalis Candolle in Lamarck & Candolle. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 7, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000, ISBN 0-19-515208-5. Corydalis cashmeriana . – textgleich online wie gedrucktes Werk.
The Royal Horticultural Society: Stauden - Die große Enzyklopädie Dorling Kindersley Verlag, München 2015, ISBN 978-3-8310-2752-1, S. 138. John Forbes Royle: Illustrations of the Botany and other branches of Natural History of the Himalayan Mountains. Band 1 (Text), S. 69, und Band 2 (Illustrationen), Tafel 16, Abbildung 1, , London 1834.
Tajamul Islam, Anzar Ahmad Khuroo, Sameer A. So, Shabir A. Zargar, Aijaz Hassan Ganie, Irshad A. Nawchoo: Corydalis cashmeriana var. longicalcarata (Papaveraceae), an addition to the flora of Western Himalaya, India. In: Discover Plants, Volume 2, Issue 1, Juni 2025
Weblinks
Datenblatt mit Fotos bei eFlora of India.
Kategorie:Lerchensporne Kategorie:Zierpflanze