Rafael Calixto Escalona Martínez (geboren am 26. Mai 1927 in Patillal; gestorben am 13. Mai 2009 in Bogotá) war ein kolumbianischer Vallenato-Komponist.

Leben Escalona wurde als siebtes von neun Kindern in eine traditionsreiche Familie in Patillal bei Valledupar geboren. Sein Vater Clemente Escalona Labarcés war ebenfalls Komponist und hatte im kolumbianischen Bürgerkrieg der Tausend Tage gekämpft. Mit zehn Jahren zog die Familie nach Valledupar um. Escalona lernte nie Akkordeon zu spielen, das Hauptinstrument des Vallenato, und besaß keine formale Musikausbildung. Bereits als Jugendlicher begann er, Geschichten und Ereignisse seines Umfeldes in Liedern zu verarbeiten. Seine erste bekannte Komposition war El profe Castañeda (1943). Escalona heiratete Marina Arzuaga Mejía („La Maye“), mit der er sechs Kinder hatte. Er war Baumwollbauer, als er sich mit dem neuen Gouverneur der Provinz Cesar, Alfonso López Michelsen, anfreundete. Nachdem López Michelsen im Jahr 1974 zum Präsidenten Kolumbiens gewählt worden war, ernannte er Escalona zum Konsul in Panama. Nach seiner Rückkehr nach Kolumbien konzentrierte Escalona sich auf die Aufnahme seiner Balladen und wurde nicht nur als Musiker, sondern auch als „parrandero y mujeriego“ (Partygänger und Frauenheld) bekannt. Laut seinem jüngsten Sohn Rafael hatte Escalona mindestens 23 Kinder von zahlreichen früheren Partnerinnen.

Trotz seines Ruhmes starb Rafael Escalona arm. In einem Interview kurz vor seinem Tod sagte er, er habe die Rechte an seinen Liedern für etwa 68.000 Dollar verkauft, um einen Kredit zu erhalten. Die Streitigkeiten um sein Erbe waren auch 14 Jahre nach seinem Tod noch nicht abgeschlossen.

Werk Escalona galt bereits seit den 1950er Jahren als einer der bedeutendsten Komponisten des Vallenato; viele seiner Lieder wie La casa en el aire oder El testamento gingen ins kolumbianische Volksgut über, zudem war er Mitbegründer des Festival de la Leyenda Vallenata und wurde von seinem Freund und Bewunderer Gabriel García Márquez gefördert. Escalonas Lieder erreichten ein breites Publikum und gelten als musikalische Chroniken des Alltagslebens an der kolumbianischen Karibikküste. Viele seiner über hundert Kompositionen erzählen von persönlichen Erlebnissen, lokalen Ereignissen und Figuren aus Valledupar und Umgebung. Charakteristisch ist die Verbindung von Humor, Satire und sozialem Kommentar, wodurch seine Stücke weit über die Region hinaus populär wurden. 1991 brachte die erfolgreiche Fernsehserie „Escalona“ seine Biografie und Musik einem breiten, auch jüngeren Publikum in ganz Kolumbien näher, was ihm einen deutlichen Popularitätsschub gab. Zahlreiche Interpreten nahmen seine Lieder auf, darunter Jorge Oñate, Diomedes Díaz, Rafael Orozco und Carlos Vives.

Kulturförderung Escalona war 1968 Mitbegründer des Festival de la Leyenda Vallenata zusammen mit Consuelo Araújo Noguera und Alfonso López Michelsen.

Dina Luz Cuadrado Escalona war in zweiter Ehe mit Dina Luz Cuadrado verheiratet, einer Schwester des Akkordeonspielers Egidio Cuadrado aus Villanueva (La Guajira). Sie galt als eine seiner wichtigsten musischen Inspirationen und inspirierte mehrere seiner Kompositionen; Escalona widmete ihr fünf seiner Lieder, darunter „Dina Luz“ (1973), „El arco iris“ und „Mariposa bonita“. Cuadrado bewahrte nach seinem Tod Teile seines Liednachlasses auf.

Beziehung zu Gabriel García Márquez Escalona war eng mit dem Schriftsteller Gabriel García Márquez befreundet, der Escalona und seine Musik als Inspiration für den 1967 publizierten Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" bezeichnete und ihn in dem Buch als Bewohner von Macondo verewigte. Márquez bezeichnete das Buch als einen "350 Seiten langen Vallenato". 1982 reiste Escalona mit García Márquez und einer Gruppe von Musikern nach Stockholm zur Nobelpreisverleihung, bei der seine Musik gespielt wurde.

Fernsehserie 1991/92 produzierte Caracol Televisión die Fernsehserie Escalona mit 33 Folgen (Regie: Sergio Cabrera; Drehbuch: Bernardo Romero Pereiro; Konzept: Daniel Samper Pizano). Die Hauptrolle spielte Carlos Vives, der Escalona verkörperte und dessen Lieder interpretierte.

Nach der Hauptrolle und den Soundtracks zu Escalona konzentrierte Vives sich dauerhaft auf Vallenato; den Durchbruch erzielte er mit Clásicos de la Provincia (1993).Carlos Vives & The Rise of Tropi-Pop

Tod und Nachwirkung Rafael Escalona starb am 13. Mai 2009 in Bogotá an Herz- und Atemproblemen. Seine Beisetzung fand in Valledupar auf der Plaza Alfonso López statt und wurde von zahlreichen Trauernden und Vallenato-Musikern begleitet. Sein Grab befindet sich im Friedhof Jardines del Eccehomo. 2005 ehrte ihn die Latin Grammy Academy in New York mit dem Premio del Consejo Directivo. Am 14. Mai 2009 erklärte der kolumbianische Senat sein Werk zum kulturellen und künstlerischen Erbe der Nation. The Independent beschrieb ihn in einem Nachruf als „el maestro“ des Vallenato und als kulturelle Nationalfigur Kolumbiens.

Literatur Consuelo Araújo Noguera: Vallenatologia, orígenes y fundamentos de la música Vallenata, Bogotá, Ediciones Tercer Mundo (1973). Gabriel García Márquez: Crónica de una muerte anunciada. Bogotá 1981.

Weblinks

Escalona, vollständige Fernsehserie auf dem Youtube-Kanal von Caracol Televisión

Einzelnachweise

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