mini|Blick aus südlicher Richtung auf die Kirche Die Evangelische Kirche Vockerode ist ein denkmalgeschütztes Gebäude mit gotischem Kern in Vockerode im östlichen Meißnervorland, innerhalb des nordhessischen Werra-Meißner-Kreises. Der Ort wurde im Rahmen der hessischen Gebietsreform am 31. Dezember 1971 mit anderen Dörfern zur neu gebildeten Gemeinde Meißner zusammengeschlossen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Vockerode im Jahr 1074, im Zusammenhang mit einer Schenkung des ehemaligen königlichen Guts „Vockenrod“ an die bischöfliche Kirche zu Bamberg durch König Heinrich IV.Vockerode, Werra-Meißner-Kreis. In: Historisches Ortslexikon. Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS); abgerufen am 6. Oktober 2025.Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Vockerode. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis 1, Altkreis Eschwege. S. 270 f.
Die Kirchengemeinde Vockerode bildet mit Abterode, Alberode und Germerode das Kirchspiel Berkatal-Meißner 1 und mit den Kirchengemeinden des Kirchspiels Berkatal-Meißner 2 Frankershausen, Frankenhain, Hitzerode, Wellingerode und Wolfterode das Großkirchspiel Berkatal-Meißner. Die beiden Kirchspiele gehören zum Kirchenkreis Werra-Meißner, innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Kassel.Kirchspiel Berkatal-Meißner 1 auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 6. Oktober 2025.
Kirchengebäude mini|Blick auf Altar und Chorraum Das älteste Gebäudeteil ist vermutlich der gotische Chorturm, der in das Satteldach des Kirchenschiffs einschneidet. Seine Haube mit der aufsitzenden Laterne sowie der obere Bereich sind mit Schiefer verkleidet. Der untere Teil, wie auch das Langhaus, sind weiß verputzt mit sichtbarer Eckquaderung. Die Entstehungsgeschichte der Kirche ist unbekannt, zeitgenössische Dokumente die über den Bau berichten sind nicht vorhanden. Auch über ihr früheres Aussehen gibt es keine Aufzeichnungen. Es wird angenommen, dass die Kirche einst von einem Friedhof umgeben war, der in späteren Zeiten an den oberen Rand des Dorfes verlegt worden ist. Eine erste bekannte Erwähnung datiert aus dem Jahr 1544, einige Zeit nach der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen, als die Kirchengemeinde eine im Jahr 1407 gegossene, 18 Zentner wiegende Glocke von der Pfarrkirche Abterode kaufte. Als später, mit der wachsenden Zahl der hier lebenden Menschen und mit der Aufnahme der Einwohner des ehemaligen Dorfes Katterbach, das zwischen Vockerode und Wolfterode lag, das Gotteshaus zu klein geworden war, ist es in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Norden hin erweitert worden. Danach stand der Altar seitlich versetzt vor dem Chor und nicht mehr wie üblich in der Mittelachse des Gebäudes. Der An- und Umbau ist wahrscheinlich 1634 abgeschlossen worden, denn diese Jahreszahl steht eingemeißelt über dem heutigen Kircheneingang. Der andere, seitliche Eingang, der noch bis ins 20. Jahrhundert bestand, wurde zugemauert. Seitdem gelangt man nur noch von der Empore auf den Turm mit seinen drei Glocken. Die Glocken stammen aus den Jahren 1953 und 1970. Sie ersetzen die Glocken, die in den Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkriegs abgeliefert werden mussten und eingeschmolzen wurden.Vockerode, Kreis Eschwege. In: Georg Dehio. Bearbeitet von Magnus Backes: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Hessen. S. 812.Faltblatt der Kirchengemeinde über die Kirche zu Vockerode zum Tag des offenen Denkmals 2025.
Kircheninneres mini|Es wird angenommen, dass die Orgel in den Jahren zwischen 1750 und 1760 durch Johann Wilhelm Schmerbach dem Älteren aus Frieda erbaut worden ist Der Kirchensaal, der durch eine reiche und farbenfrohe Ausstattung beeindruckt, wird von einer Flachdecke mit zwei Längsunterzügen geschlossen, die auf Holzpfosten ruhen. Der Chorraum mit einem Kreuzrippengewölbe öffnet sich durch einen spitzbogigen Triumphbogen. Das Fenster hier gilt als besonderes Schmuckstück der Dorfkirche. Entworfen wurde es von der Werkstatt des Marburger Glasmalers Klonk. Neben Darstellungen zum Johannes-Evangelium und von Pfingstsymbolen zeigt es Szenen aus dem damaligen Dorfleben. Die Anschaffung ermöglichte eine Spendenaktion im Dorf, mit der die Kosten teilweise gedeckt werden konnten.
Zu den bemerkenswerten Ausstattungsgegenständen gehören der um 1634 entstandene Taufstein, die reichgeschnitzte Empore, die derjenigen in der Germeröder Klosterkirche gleicht, die Kanzel mit ihren Intarsien sowie die Orgel. Sie soll in den Jahren zwischen 1750 und 1760 durch den Orgelbauer Johann Wilhelm Schmerbach dem Älteren aus Frieda erbaut worden sein und ursprünglich Flügeltüren besessen haben.
Denkmalschutz Wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung wird die Kirche als ein Kulturdenkmal geschützt. Sie ist Teil der „Gesamtanlage Vockerode“, zu der eine fast lückenlose Aneinanderreihung von Hofanlagen aus der Zeit um 1800 mit giebelständigen Wohnhäusern gehören, die sich entlang der Kirchstraße erstrecken. Sie gelten aus geschichtlichen Gründen als schützenswerte Kulturdenkmale. Im Denkmalverzeichnis des Landes Hessen hat die Kirche die Nummer 38337Ev. Kirche Vockerode, Kirchstraße 6. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 26. September 2025. und die Gesamtanlage Vockerode die Nummer 38325.Gesamtanlage Vockerode. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 26. September 2025.
Literatur
Emily Spanel: Ein Ort zum Innehalten. Das Gotteshaus in Vockerode. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 13. November 2019.
Weblinks
Internetauftritt des Kirchspiels Berkatal-Meißner 1.
Einzelnachweise
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