Der Sichuan-Lerchensporn (Corydalis flexuosa), auch Blauer Lerchensporn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Lerchensporne (Corydalis) in der Unterfamilie der Erdrauchgewächse (Fumarioideae) innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Er kommt nur in der chinesischen Provinz Sichuan vor und wird als Zierpflanze genutzt.

Beschreibung mini|Laubblätter und Blütenstand mini|Sorte ‘China Blue’ mini|Sorte ‘Purple Leaf’

Vegetative Merkmale Der Sichuan-Lerchensporn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 50 Zentimetern erreicht. Das horizontale Rhizom ist mehr oder weniger dicht mit fleischigen Schuppen in zwei Reihen und mit Brutzwiebeln bedeckt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl. Je Pflanzenexemplar werden ein bis einige einfache oder verzweigte Stängel gebildet.

Die grundständig und wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind meist in Blattstiel und -spreite gegliedert. Bei den Grundblättern ist der Blattstiel 4 bis 12 Zentimeter lang. Die Blattspreite der Grundblätter ist bei einer Länge von 3,5 bis 8 Zentimetern sowie einer Breite von 3 bis 6 Zentimetern im Umriss dreieckig, eiförmig oder fast kreisförmig und doppelt bis dreifach dreizählig gefiedert. Die Blattunterseite ist bereiften und die -oberseite grün. Ihre gestielten Fiederblättchen sind tief eingeschnitten und haben schmal verkehrt-eiförmige, gerundete Endabschnitte. Die dunkel-grün beblätterten, aufrechten, meist einfachen Stängel sind grünlich bis rötlich überlaufen.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von April bis Juni. An den Stängeln befinden sich end- oder achselständig die 4 bis 8 Zentimeter langen, traubigen Blütenstände die dicht 10 bis 20 Blüten enthalten. Die Hochblätter sind variabel. Am unteren Stängel sind sie laubblattähnlich eingeschnitten, nach oben hin werden sie kleiner und sind schließlich ungeteilt, linearisch bis eiförmig und zugespitzt. Der gerade Blütenstiel ist 8 bis 15, selten bis zu 20 Millimeter lang.

Die 25 bis 30, selten bis 35 Millimeter langen, schlanken, duftenden, leuchtend wasser-blauen Blüten sind meist nach unten geneigt und haben einen 13 bis 18 Millimeter langen, gebogenen Sporn. Die weniger als 1 Millimeter langen, fast kreisförmigen Kelchblätter verwelken früh. Der Fruchtknoten ist bei einer Länge von etwa 6 Millimetern schmal-zylindrisch.

Im Mai und Juni entwickelt sich eine 15 bis 22 Millimeter lange Schote. Die Schote enthält in einer Reihe 13 bis 17 glatte Samen. Die Samen sind etwa 1 Millimeter groß sind.

Systematik und Vorkommen Die Erstveröffentlichung von Corydalis flexuosa erfolgte im Jahr 1885 durch Adrien Franchet in Nouvelles Archives du Muséum d'Histoire Naturelle, Reihe 2, Band 8, Seite 197. Das Artepitheton flexuosa bedeutet „zahlreich gebogen“ und bezieht sich hier auf die langen, meist mehrfach gebogenen Blütensporne.

Das Verbreitungsgebiet des Sichuan-Lerchensporns liegt im zentralen Teil der chinesischen Provinz Sichuan. Er besiedelt Lichtungen des zum Teil immergrünen Laubwaldes, grasbewachsene Hänge, Flussufer und offene Felshänge in feuchten Schluchten in Höhenlagen von 1300 bis 2700 Metern.

Von Corydalis flexuosa sind zwei Unterarten bekannt: Corydalis flexuosa subsp. flexuosa: Sie kommt in den Kreisen Baoxing, Tianquan und Wenchuan im zentralen Sichuan in Höhenlagen von 1300 bis 2700 Metern vor. Sie hat nur wenige grundständige, meist zweifach gefiederte Blätter mit länglichen bis lanzettlichen, stumpfen Abschnitten. Sie ist in Bezug auf Wuchs und Standort sehr variabel. Es gibt auch eine Form mit vielen, sich leicht ablösenden Brutknospen in den Blattachseln kleiner Hüllblätter. Corydalis flexuosa subsp. pseudoheterocentra : Dieser Endemit kommt nur im Kreis Wenchuan im zentralen Sichuan vor und besiedelt Berghänge in Höhenlagen um 1500 Metern. Ihre grundständigen Laubblätter sind stark geteilt und dreifach gefiedert.

Verwendung Der Sichuan-Lerchensporn wird gelegentlich als Zierpflanze genutzt. Der französische Lazaristenmissionar Jean Pierre Armand David sammelte und konservierte Exemplare dieser Pflanze im Jahr 1869 in Sichuan. Die Sorte ‘Père David’ ist nach ihm benannt. Weitere Pflanzenexemplare wurden 1986 von einem US-amerikanischen Gärtner im Wolong-Naturreservat gesammelt und unter dem Sortennamen ‘Blue Panda’ in die amerikanische und europäische Gartenkultur eingeführt.

Der Sichuan-Lerchensporn bevorzugt feuchtkühle, halbschattige Standorte auf humusreichen, durchlässigen Böden, ist aber leicht zu kultivieren und zu vermehren. Seine Blüten duften nach Duftender Platterbse. In warmen, trockenen Sommern ziehen die Pflanzen nach der Blüte ein, sodass Lücken im Beet entstehen. Der Sichuan-Lerchensporn bildet im Spätherbst neue Laubblätter und überwintert mit einer grünen Blattrosette, weshalb er im Winter etwas Schutz braucht. Er gilt als winterhart bis −17 °C (Zone 7) oder bis −23 °C (Zone 6). Das Laub sieht bei Frost aus wie gekocht, erholt sich bei mildem Wetter aber meist schnell wieder.

Es gibt viele vegetativ vermehrte (geklonte) Sorten und Hybriden, darunter: ‘Balang Mist’: Diese horstbildende Sorte hat graugrüne Blätter und abwärts gerichtete Blüten, die in der Knospe weiß, später blass-hellblau und an den Spitzen weiß gefärbt sind. ‘Blue Panda’: Diese horstbildende Sorte hat hell-graublaue, ungezeichnete Blätter und hellblaue Blüten mit gebogenem Sporn. Sie blüht bis September. Sie wird über Gewebekultur vermehrt und oft angeboten, ist aber im mitteleuropäischen Klima nicht robust. ‘China Blue’: Diese ausläuferbildende, hohe, aber nicht sehr wüchsige Sorte hat Blättchen, die am Grund rot gefleckt sind und sich im Winter braungrün verfärben. Ihre grünblauen bis himmelblauen, großen Blüten färben sich bei kühlem Wetter violett. ‘Craighton Blue’. Diese robuste, vielblütige Hybride Corydalis elata × omeiana hat eisblaue, nach Jasmin duftende Blüten und rötliche Blütenstiele. Sie wächst horstig bis 30 Zentimeter Höhe und Breite. ‘Kingfisher’. Diese Hybride Corydalis elata × cashmeriana hat große, strahlend-blaue Blüten und wächst horstig kompakt bis 20 Zentimeter Höhe. Ihre Blütezeit reicht ungewöhnlich lang von März bis Oktober. ‘Père David’: Diese ausläuferbildende bildende, robuste, niedrige Sorte hat bläulich überlaufene Blätter, die entlang der Mittelader rot gesprenkelt sind. Ihre großen Blüten sind hell grünlich bis blau und erscheinen im Mai. ‘Purple Leaf’: Diese kompakte, durch kurze Ausläufer mattenbildende, niedrige Sorte hat rötlich überlaufene Blätter und Stängel. Sie zieht in heißen Sommern ein und treibt im September wieder aus. Ihre Blüten sind blauviolett und erscheinen im Herbst mitunter ein zweites Mal. ‘Rainier Blue’: Diese wüchsige und robuste Sorte bildet bis zu 40 Zentimeter hohe Stängel mit zahlreichen großen, strahlend hellblauen Blüten. Sie wächst kompakt mit kurzen Ausläufern und verträgt Sommerhitze relativ gut.

Allerdings kreuzen sich Lerchenspornarten und ihre Sorten häufig spontan und säen sich selbst aus. Dies lässt sich auch im Gartenbau nicht immer kontrollieren, sodass im Handel oft Pflanzenexemplare unter falschen Namen angeboten werden. Außerdem bezieht sich der Trivialname Blauer Lerchensporn nicht eindeutig auf den Sichuan-Lerchensporn, sondern wird auch für den Hohen Lerchensporn und den Blauen Himalaya-Lerchensporn verwendet.

Literatur Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 241–242. Mark Tebbit, Magnus Lidén, Henrik Zetterlund: Bleeding Hearts, Corydalis, and their Relatives. Published in association with Brooklyn Botanic Garden. Timber Press, Portland, Oregon 2008, ISBN 978-088192-882-2, S. 133–135. Mingli Zhang, Zhiyun Su, Magnus Lidén: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 7: Menispermaceae through Capparaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2008, IS Corydalis Candolle in Lamarck & Candolle. ISBN 978-1-930723-81-8. Corydalis flexuosa Franchet, S. 408 - textgleich online wie gedrucktes Werk.

Einzelnachweise Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Mingli Zhang, Zhiyun Su & Magnus Lidén: Corydalis . In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 7, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000, ISBN 0-19-515208-5. Corydalis flexuosa Franchet. – textgleich online wie gedrucktes Werk. Adrien Franchet: Plantae Davidianae ex Sinarum Imperio. In: G. Masson: Nouvelles Archives du Muséum d'Histoire naturelle. Reihe 2, Band 8, Paris 1885, S. 197, .

The Royal Horticultural Society: Stauden - Die große Enzyklopädie Dorling Kindersley Verlag, München 2015, ISBN 978-3-8310-2752-1, S. 138–139.

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