Die Gymnastikhalle im Loheland-Garten, auch Lohelandhaus, ist eine denkmalgeschützte Turnhalle in Bernburg (Saale) in Sachsen-Anhalt.
Lage Die Halle befindet sich im Zentrum von Bernburg, an der Friedrichstraße, am nördlichen Rand der Bernburger Bergstadt, unweit des rechten Ufers der Saale. Nördlich erstreckt sich der Stadtpark Alte Bibel.
Geschichte und Architektur Die Errichtung der Turnhalle im Jahr 1935 geht auf die Gymnastiklehrerin Magdalene Trenkel (1894–1967) zurück. Sie war in der Reformsiedlung Loheland in der Loheland-Gymnastik ausgebildet worden und hatte im Winter 1919/1920 in Weimar 30 am Bauhaus Studierende unterrichtet. Durch Trenkels Wirken in Weimar wurde das Loheland-Konzept am jungen Bauhaus bekannt. Walter Gropius schrieb am 3. November 1919 an eine der beiden Loheland-Gründerinnen, Hedwig von Rohden: „Nachdem ich inzwischen auch einer Vorführung bei Fräulein Trenkel beigewohnt habe, bin ich tief überzeugt von Ihren Absichten. Auch die herrlichen Photos weisen es aus, dass Sie einen Weg gefunden haben, der das Programmatische verwirft und die Individuen in den Stand setzt, gestaltend-schöpferisch den Körper zu gebrauchen. Was Sie tun, passt seiner inneren Struktur nach so vollkommen in meine Arbeit hinein, dass ich sehr den Wunsch hätte, dass das Bauhaus mit Ihnen in Kontakt kommt.“
1923 kehrte Magdalene Trenkel nach Bernburg zurück, wo ihr Vater eine leitende Position als Gymnasialdirektor innehatte, und wurde eine wichtige Protagonisten der Lebensreformbewegung in Anhalt. Sie pachtete den Knabenhortgarten in der Alten Bibel und führte dort Spiel- und Bewegungsnachmittage für Kinder durch. Trenkel benannte das Areal in Bezugnahme auf ihren Ausbildungsort als Lohelandgarten. In der warmen Jahreszeit wurde Gymnastik in dem Garten betrieben, in der Winterzeit musste in geschlossene Räume ausgewichen werden.
Das im Lohelandgarten 1935/1936 als Holzbau auf einem massiven Fundament gebaute eingeschossige Lohelandhaus orientiert sich in seiner Gestaltung an der Lohelandsiedlung bei Fulda und machte eine Nutzung des Geländes auch im Winter möglich. Der Entwurf stammt von dem Berliner Architekten Carl Börner, den Bau führte das Holzbau-Unternehmen Lohmüller aus Güsten aus. Die massive Bodenplatte hat eine Fläche von 100 m². Verkleidet wurde der Bau mit dunklem Holz. In den Garten führt, über ein aus Ziegeln gemauertes Podest, eine vierteilige, auch im geöffneten Zustand in die Wand integrierte Tür. Bedeckt ist das Gebäude von einem vorkragenden Walmdach.
Im Inneren ist der Gymnastiksaal an den Wänden mit Holzplatten verkleidet und wird von einer gewölbten, ebenfalls mit Holzplatten versehenen Decke überspannt.Gymnastikhalle im Lohelandgarten auf www.denkmalschutz.de
Noch bis in die 1960er Jahre blieb Trenkel hier aktiv und war eine wichtige Institution der außerschulischen Bildung in Bernburg. Das Gebäude befand sich in Privateigentum und wurde dann von einem Kaninchenzuchtverein angepachtet.
In der Folgezeit ging das Wissen um die Bedeutung des Hauses weitgehend verloren. Die Stadt Bernburg erwarb das Gelände 2013 und beabsichtigte, im Bereich des 1571 m² umfassenden Lohelandgartens einen 40 Stellplätze umfassenden Parkplatz einzurichten und das Lohelandhaus abzureißen. Hiergegen erhob sich jedoch Widerstand. Auch wurde die Bedeutung des Hauses im Zuge der Bestandsaufnahme des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie und der Stiftung Bauhaus Dessau für das Projekt Land der Moderne festgestellt. 2014 wurde das Gebäude in das Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt eingetragen.Lohelandhaus Bernburg, geschichtlich und kulturell-künstlerische Bedeutung vom 9. August 2017 auf www.bbglive.de mini|Bauarbeiten am Lohelandhaus im Jahr 2023 Die auch nach der Denkmaleintragung zunächst seitens der Stadt Bernburg jedoch noch weiter verfolgten Überlegungen zum Abriss des Hauses wurden verworfen, als der Abrissantrag aus Gründen des Denkmalschutzes im Jahr 2019 scheiterte.Torsten Adam: Tradition neu beleben in der Mitteldeutschen Zeitung vom 3. Juli 2020, S. 7. Die Stadt stellte das Haus dann zum Verkauf, worauf es zu einem Preis knapp oberhalb des auf 16.930 € festgesetzten Mindestgebots von dem in der Wahrung von Geschichte engagierten Theologen Stefan Giese-Rehm erworben wurde.
Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) wurden 2023/2024 Schäden an der Dacheindeckung und den Regenrinnen beseitigt. Außerdem musste gegen Unterspülungen des Fundaments vorgegangen werden. Im Jahr 2024 wurden von der DSD zusätzlich Fenster-, Türen- und Fußbodenarbeiten gefördert.
Im Denkmalverzeichnis ist die Turnhalle unter der Erfassungsnummer 094 61436 als Baudenkmal eingetragen.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19.03.2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, S. 3573. Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals wurde der Lohelandgarten mehrfach für Besucher geöffnet; es fanden bebilderte Vorträge zum Leben und Wirken von Magdalene Trenkel statt.
Literatur Günter Kowa: Ein Stück Moderne bewahrt in der Mitteldeutschen Zeitung vom 11. August 2020, S. 19 (online).
Weblinks
Gymnastikhalle im Lohelandgarten auf www.denkmalschutz.de Lohelandhaus Bernburg, geschichtlich und kulturell-künstlerische Bedeutung vom 9. August 2017 auf www.bbglive.de Internetseite des Lohelandgartens Pressebericht Tradition neu beleben. Informationen über Stefan Giese-Rehm und sein Vorhaben. Stand 2020.
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal in Bernburg (Saale) Kategorie:Bauwerk in Bernburg (Saale) Kategorie:Erbaut 1935 Kategorie:Sporthalle in Sachsen-Anhalt