mini|Tova Friedman, 2010 Tova Friedman (* 7. September 1938 in Gdynia, Polen als Tova Grossman) ist eine polnisch-US-amerikanische Therapeutin, Sozialarbeiterin sowie Holocaust-Überlebende. Als Zeitzeugin berichtet sie in Vorträgen, Büchern und TikTok-Videos über ihr Überleben des KZ Auschwitz-Birkenau und der Todesmärsche.
Leben
Kindheit unter deutscher Besatzung in Polen Friedman wurde in Gdynia unweit von Danzig geboren. Ihre Familie kam aus Tomaszów Mazowiecki, wohin sie nach dem Überfall auf Polen zurückkehrte. Mit fünf Jahren wurde Friedman gemeinsam mit ihrer Mutter ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort überlebte Friedman vermutlich durch einen technischen Defekt die Gaskammer. Sie gilt als eine der wenigen Überlebenden, die eine Gaskammer von innen gesehen haben. Die Todesmärsche von KZ-Häftlingen überlebte Friedman, indem sie sich zwischen Leichen versteckte.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten in Tomaszów Mazowiecki etwa 5000 jüdische Kinder, von denen nur fünf überlebten. Von Friedmans Familie wurden 150 Angehörige im Zuge des Holocaust ermordet.
Emigration in die USA nach dem Krieg Nach dem Krieg verbrachte sie mehrere Jahre in einem deutschen Sanatorium für Tuberkulose sowie in DP-Lagern. Mit zwölf Jahren wanderte sie mit ihren Eltern nach Brooklyn in die USA aus. Dort erwarb sie am Brooklyn College einen Bachelor of Arts in Psychologie und am City College of New York einen Master of Arts in Literatur. Mit ihrem Mann ging sie später für zehn Jahre nach Israel, um dort an der Hebräischen Universität Jerusalem zu lehren. Nach ihrer Rückkehr in die USA erwarb sie an der Rutgers University in New Jersey einen Master of Arts in Sozialarbeitswissenschaften. Danach war sie über 20 Jahre lang Direktorin des Jewish Family Service der Countys Warren und Somerset, wo sie noch immer als Therapeutin tätig ist.
Wirken als Zeitzeugin 1998 wurde Friedmans Leben im Buch Kinderlager. An Oral History of Young Holocaust Survivors von Milton J. Nieuwsma öffentlich bekannt. Einige Jahre später legte ihr Enkel Aron für sie ein Profil auf TikTok an, in dem sie in Videos über ihre Erfahrungen in Auschwitz berichtet und Fragen von Kindern beantwortet. Das Profil hat inzwischen 525.000 Follower. 2022 veröffentlichte sie gemeinsam mit dem Journalisten Malcolm Brabant ihre Erinnerungen im Buch Ich war das Mädchen aus Auschwitz. Zudem hält sie Vorträge über ihre Erfahrungen.
Ehrungen 2023 erhielt Friedman den Kay Family Award der Anti-Defamation League.
Anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust sprach sie am 27. Januar 2025 in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und am 28. Januar 2026 vor dem Deutschen Bundestag.
2026 wurde ihr der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland zuerkannt.Der Bundespräsident Bericht: Bundespräsident verleiht Verdienstorden zum Tag der Deutschen Einheit, abgerufen am 25. September 2026
Familie Friedman war 60 Jahre mit Maier Friedman verheiratet. Sie hat vier Kinder und acht Enkelkinder.
Schriften mit Malcolm Brabant: Ich war das Mädchen aus Auschwitz. Aus dem Englischen von Ulrike Strerath-Bolz. Penguin, München 2023, ISBN 978-3-328-60284-2. mit Hilary Freeman: Wir Kinder von Auschwitz. Wie ich das Todeslager überlebte. Aus dem Englischen von Roman Stadler. CBT, München 2025, ISBN 978-3-570-31683-2.
Literatur Milton J. Nieuwsma: Kinderlager. An Oral History of Young Holocaust Survivors. Holiday House, New York 1998, ISBN 978-0-8234-1358-4. Milton J. Nieuwsma: Surviving Auschwitz: Children of the Shoah. 75th Anniversary Commemorative Edition. Apple Books, 2019, ISBN 978-1-59687-856-3.
Weblinks
Einzelnachweise
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