Das Institut Royal pour Handicapés de l'Ouïe et de la Vue (I.R.H.O.V, deutsch Königliche Institut für Hör- und Sehbehinderte, früher Institut Royal des Sourds-Muets et Aveugles) ist eine belgische Sonderschule, die sich auf die Ausbildung von jungen Gehörlosen und Blinden spezialisiert hat. Sie wurde 1820 von Jean-Baptiste Pouplin gegründet und befindet sich in der Rue Monulphe in Lüttich. Es war die erste Einrichtung dieser Art in Belgien.

Geschichte Gründung des Instituts (1819–1820) Jean-Baptiste Pouplin, ein Französischlehrer, kam 1799 nach Lüttich, um dort zu unterrichten und gründete die école de Pouplin in der Rue Souverain-Pont. 20 Jahre später kam ihm die Idee Gehörlose zu unterrichten, als er zufällig „eine dieser gravierten Tafeln sah, auf denen die verschiedenen Positionen der Hand und Finger dargestellt sind, aus denen das Alphabet für Gehörlose besteht“. Die ersten beiden Schüler 1819 waren Auguste und Eugénie Frénay, die Kinder eines ehemaligen Offiziers des Kaiserreichs Österreich-Ungarn. Zu dieser Zeit arbeitete Pouplin als Autodidakt, da er keine Veröffentlichungen zu diesem Thema gelesen hatte und dennoch „waren seine ersten Versuche einigermaßen erfolgreich“.

Angesichts dieser ermutigenden Ergebnisse forschte er weiter zu diesem Thema, um „seine Bemühungen zu lenken und wirksamer zu gestalten“. In dieser Hinsicht waren ihm die Entdeckung und Lektüre der Werke von abbé de l'Epée und abbé Sicard von großem Nutzen. Der Erfolg stellte sich ein und die Zahl der Schüler stieg rasch von 7 auf 19. Allerdings stammte die Mehrheit dieser Kinder aus armen Familien und es war daher notwendig, „auf öffentliche Wohltätigkeit zurückzugreifen, um die Kosten für ihren Unterhalt zu decken“. Der Aufruf wurde erhört und eine erste Generalversammlung der Gründer des Instituts ernannte am 15. Juni 1820 ein Komitee, dass „für die Schaffung der Grundlagen des Vereins und der zu gründenden neuen Einrichtung verantwortlich ist“. Die Satzung wurde am 20. August 1820 beschlossen.

Institut Royal des Sourds-Muets et Aveugles (1820–1968) Kurz nach der offiziellen Gründung 1822/23 des Institut des Sourds-Muets (Institut für Gehörlose) nahm Pouplin die Dienste von Joseph Henrion in Anspruch, der von Geburt an taub war und Schüler von abbé Sicard war. Henrion lehrte von 1822 bis 1863 am Institut und bewies bei der Ausübung seines Amtes „ernsthafte Qualitäten und Fähigkeiten, die der Beachtung würdig sind“. Da die Zahl der Schüler weiter anstieg, erwarb die Verwaltungskommission 1824 ein Haus in der Rue des Clarisses.

Damals wurde das Institut hauptsächlich durch eine erste Subvention in Höhe von 300 Niederländischer Gulden von der Provinz Lüttich und eine zweite in Höhe von 200 Gulden von der Stadt Lüttich finanziert. 1827 wurde der Schule eine dritte Subvention in Höhe von 300 Gulden gewährt. Neben dieser Finanzierung durch öffentliche Stellen erhielt die Einrichtung verschiedene Summen aus privaten Spenden. 1828 starb Pouplin senior und sein Sohn Clément Joseph Pouplin folgte ihm als Lehrer und Direktor. Im Juni 1829 wurde der Schule nach einem Besuch von König Wilhelm I. der Titel eines Institut Royal verliehen.

Die Belgische Revolution von 1830 schwächte die Finanzen des Instituts vorübergehend. Sie erholten sich jedoch kurz darauf, weil „die Regierung, die Stadt und die Provinz der Institution weiterhin die von den vorherigen Behörden gewährten Subventionen zugestanden“. 1837 gründete Clément Pouplin eine Abteilung für junge Blinde und die Schule wurde dadurch zum Institut Royal des Sourds-Muets et Aveugles. Im Jahr 1838 wurde ein Haus in der Rue Agimont erworben, um als Hauptsitz der Mädchen zu dienen. 2 Jahre später wurde das Nachbarhaus gekauft, um die Jungen unterzubringen. 1842 wurde Achille Guillaume Durup de Baleine zum Professor und Direktor am Institut ernannt und dort von 1858 bis zu seiner Pensionierung 1875 zusätzlich als Studienpräfekt (Direktor) tätig. Im selben Jahr wurde das Hauptgebäude in der Rue Monulphe, das einen Flügel für Mädchen und Jungen hatte sowie in der Mitte Wohnungen für die Schulleistung hatte, vom Architekten Émile Demany erbaut. 1843 wurde die Vermittlung der Gebärdensprache zugunsten des Lippenablesens abgeschafft.

Institut Royal pour Handicapés de l'Ouïe et de la Vue (seit 1968) 1968 wurde die Schule unter dem heutigen Namen Institut Royal pour Handicapés de l'Ouïe et de la Vue (I.R.H.O.V.) in das städtische Bildungssystem von Lüttich integriert. Laut der Fédération francophone des sourds de Belgique (Schule hat keine offizielle Website) konzentriert sich die Einrichtung derzeit auf die Sonderpädagogik für Kinder und Jugendliche im Alter von 3–21 Jahren – Typ 6 (blind und sehbehindert) und Typ 7 (taub, schwerhörig und Sprachstörungen). Die Sonderpädagogik wird für den Kindergarten und die Primar-/Sekundarstufe angeboten und richtet sich an junge Menschen mit Hörstörungen (immersiver Unterricht in Gebärdensprache), Sehstörungen, damit verbundene autistische Störungen, schwere Sprachstörungen oder mehrfache Sinnesbehinderungen.

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Kategorie:Gehörlosenschule Kategorie:Schule in Belgien