mini|Kebede Michael Kebede Michael (amharisch: ከበደ ሚካኤል; * 2. November 1916 in Menz; † 12. November 1998) war ein äthiopischer Schriftsteller, Dichter, Dramatiker, Essayist, Übersetzer und Intellektueller, welcher die moderne äthiopische Literatur und die Debatten über Zivilisation und Modernisierung maßgeblich prägte. Besondere Bekanntheit erlangte er mit dem Band Japan endet Seletenech? (amharisch: ጃፓን እንደምን ሰለጠነች?), in dem er die Meiji-Modernisierung als Vorbild für Äthiopien diskutierte. Seine Dramen, Gedichte und populären Wissensbücher werden von äthiopischen Medien bis heute regelmäßig rezipiert und zitiert.
Leben Kebede Michael wuchs in der Region Šäwa auf; nach einer kirchlichen Grundausbildung besuchte er in Addis Abeba die Catholic Cathedral School, die Lazaristen-Missionsschule und die Alliance Éthio-Française. Er bezeichnete sich als im Wesentlichen autodidaktisch gebildet; sein formaler Bildungsweg reichte nicht über die Sekundarstufe hinaus. Seit den 1940er-Jahren veröffentlichte er Schul- und Sachbücher und trat zugleich in den Staatsdienst. Er bekleidete Positionen als Generaldirektor im Bildungsministerium und im Außenministerium, als Leiter der Postverwaltung sowie als Leiter der Nationalbibliothek und -archive. In den späten 1950er-Jahren wurde er erster Leiter des staatlichen Archaeology Office in Äthiopien. Für seine literarischen Verdienste erhielt er den Haile-Selassie-Preis (Amharic Literature) sowie eine Ehrendoktorwürde der Addis-Abeba-Universität.
Wirken Kebede Michaels Œuvre reicht von Dramen wie Belaineh und Yetinbit Qetero über Lyrikbände wie Tarikina Misale und Yekine Azmra bis zu Essay- und Wissensbüchern wie Yesilitane Ayer und Anibal. Er übertrug zudem Werke wie Shakespeares Romeo und Julia ins Amharische und prägte damit den Literaturbetrieb der Nachkriegszeit. Mit Japan endet Seletenech? popularisierte er Vergleiche zwischen Japans Modernisierung und Äthiopiens Entwicklungsweg und verstand Modernisierung als Synthese ohne kulturelle Selbstaufgabe. Die anhaltende Präsenz dieses Buches in politischen Kommentaren zeigt die lang wirkende Bedeutung seines Denkens. Zeitgenössische Feuilletons und Kulturbeiträge verweisen immer wieder auf seine Gedichte, etwa aus Yekine Azmra, die im kulturellen Gedächtnis präsent geblieben sind. Er zählt zu den produktivsten Autoren des Landes.
Auch in jüngeren Debatten über Kultur und Bildung wird Kebede Michael als zentraler Bezugspunkt genannt, wenn es um die Rolle von Literatur und Zivilisation in Äthiopien geht. Ebenso taucht sein Name in kulturjournalistischen Rückblicken als Vertreter einer „goldenen“ Generation äthiopischer Autorinnen und Autoren auf.
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Äthiopier Kategorie:Geboren 1916 Kategorie:Gestorben 1998 Kategorie:Mann