mini|Grab von Mauricius Maurice Frédéric Justin Vandamme, genannt Mauricius, (geboren am 24. Februar 1886 in Paris; gestorben am 28. Juni 1974 ebenda) war ein französischer Journalist, der dem individualistischen Anarchismus, dem Antimilitarismus und dem Neo-Malthusianismus zuzurechnen ist.

Leben Maurice Vandamme wurde im 18. Arrondissement von Paris als Sohn des Kunsthandwerkers Frédéric Joseph Vandamme und Pauline Louvet, die ein Geschäft für Künstlerbedarf betrieb, geboren. Er war ein brillanter Schüler und begann ein Medizinstudium, das er vermutlich nicht abschloss.Le Maitron erwähnt einen späteren Rechtsstreit, bei dem es um den Vorwurf der illegalen Ausübung des Medizinberufs ging.Siehe Weblink Le Maitron Als Albert Libertad im April 1905 die Zeitung L’Anarchie gründete, wurde Mauricius einer ihrer wichtigsten Mitarbeiter und übernahm nach Libertads Tod gemeinsam mit André Lorulot die Leitung.Siehe Weblink Ephéméride Anarchiste

Als Anhänger der Theorien von Thomas Malthus – allerdings im Sinne von Paul Robin, der die freiwillige Enthaltsamkeit durch die Theorie der wissenschaftlichen Selektion ersetzte – schrieb Mauricius am 7. Januar 1909 in L’Anarchie: „Als Freie-Liebe-Anhänger würde ich es für unvernünftig halten, meinen flüchtigen Gefährtinnen dauerhafte Sorgen zu hinterlassen. Denn als Anarchist bin ich Neomalthusianer, so wie ich sauber bin …“

1913 wurde er in Abwesenheit zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt, weil er (unter dem Pseudonym Lionel) in einem Zeitungsartikel eine Lobeshymne auf die Bonnot-Bande veröffentlicht hatte. In der Berufungsverhandlung 1914 wurde er freigesprochen. Zu dieser Zeit leitete er L’Anarchie bis zur kriegsbedingten Einstellung. 1916 gründete er zusammen mit Sébastien Faure die antimilitaristische Zeitung Ce qu’il faut dire.

1917 geriet er in den Verdacht, ein Polizeispitzel zu sein. Der wegen Verrats von Militärgeheimnissen angeklagte Innenminister Louis Malvy hatte ihn vor Gericht dessen beschuldigt. Mauricius trat den Vorwürfen in einer Broschüre mit dem Titel „Ce que j’aurais dit en Haute Cour“ (Was ich vor dem Hohen Gericht gesagt hätte) entgegen.

1919 reiste er erstmals in die Sowjetunion, wo er Victor Serge kennenlernte. 1920 war er Teilnehmer einer Delegation beim 2. Kongress der Kommunistischen Internationale. Dort wurde er als Regierungsspitzel verdächtigt, verhaftet und zum Tode verurteilt. Dank einer Intervention französischer Gewerkschafter und Serges wurde er freigelassen. Bei seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er mehrere Wochen inhaftiert – er besaß keinen Reisepass. Seine Erfahrungen verarbeitete er in dem Reisebericht Au Pays des Soviets, neuf mois d’aventures (Im Land der Sowjets, neun Monate voller Abenteuer). Wegen all dieser Verdächtigungen wurde er vor ein sozialistisches Ehrengericht gestellt, das ihn freisprach, ohne dass die Gerüchte dadurch verstummten.

mini|La Revue anarchiste In der Folge stellte sich Mauricius als Anarchist klar gegen die „bolschewistische Diktatur“. Er nahm 1921 am Internationalen Anarchistenkongress in Berlin teil und arbeitete an Zeitungen wie La Revue anarchiste und Cupidon mit. Für einen Artikel im Cupidon wurde er zu einer Geldstrafe von 500 Francs verurteilt; darauf veröffentlichte er unter Pseudonym das Werk L’Outrage aux mœurs (Verstoß gegen die guten Sitten), das bis 1926 fünf Auflagen erlebte.

Später erwarb er als docteur ès sciences einen akademischen Grad. Er eröffnete eine Klinik (siehe Anm. 1), die seine Armut beendete und die er bis 1958 leitete. Die Klinik diente während des Zweiten Weltkriegs als Kontaktstelle der Résistance. Er vertrat in dieser Zeit medizinische Positionen (z. B. zum Impfen), die ihm einerseits den Ruf eines Scharlatans, andererseits den eines Naturheilkundlers einbrachten.

Am 23. April 1949 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Benoîte Lagrange im 9. Arrondissement von Paris. 1968 erklärte er sich mit den Idealen der 68er-Bewegung solidarisch, die er als eine Weiterführung seiner libertär-anarchistischen Ideen betrachtete. Mauricius starb am 28. Juni 1974 im 19. Arrondissement von Paris und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise (59. Abteilung) beigesetzt.Sowohl das Bild als auch andere Angaben sprechen von der 10. Division.

Werke Die französische Sprachversion führt eine Vielzahl von Werken auf; erwähnt seien:

Neuauflage bei Theolib 2020, ISBN 978-2-36500-170-0, Vorwort Anne Steiner

Neuauflage bei Hachette 2013, ISBN 978-2-01289-850-9

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Person des Anarchismus (Frankreich) Kategorie:Person (Résistance) Kategorie:Anarchistische Literatur Kategorie:Journalist (Frankreich) Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1886 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Mann