Kliestow () ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder).
Geographie Geographische Lage [
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] Kliestow liegt vier Kilometer nordwestlich der Stadt Frankfurt (Oder), zwischen dem Ostrand des Landes Lebus, der Oderniederung und dem Gebiet der Booßener Teiche, etwa 80 km östlich von Berlin.
Nachbargemeinden
Westlich von Kliestow liegt Booßen, ein Ortsteil von Frankfurt (Oder). Im Norden grenzt das Amt Lebus an. Im Osten wird Kliestow vom Lauf der Oder begrenzt, deren Mitte die Grenze zu Polen markiert. Im Süden grenzt Kliestow an Frankfurter Stadtteile Lebuser Vorstadt, Hansaviertel und Klingetal.
Ortsgliederung
Zum Ort gehört die Siedlung Hexenberg, die etwa 800 m nördlich von Kliestow liegt.
Größe
Kliestow ist zum Jahresende 2010 drittgrößter Ortsteil von Frankfurt (Oder). Von den 1105 Einwohnern waren 553 weibliche gemeldet. 2005 hatte Kliestow noch 1.194 Einwohner.
Feuerwehr
Die Freiwillige Feuerwehr Kliestow wurde 1885 gegründet. Sie besitzt zwei Fahrzeuge, ein TLF 20/25 und ein HLF 20/16. Es gibt eine Jugendfeuerwehr mit neun Mitgliedern (Stand: 2011).
Geschichte
Die Geschichte Kliestows beginnt mit der Besiedlung im 8./9. Jahrhundert bis hin zur Ostkolonisation im 12. Jahrhundert durch slawisch-wendische Stämme. Flurbezeichnungen wie Wendischer Hof, eine ehemalige Siedlung, wie auch Kleine Kliestow (Einödshof) am Triftweg erinnern an slawische Besiedlung.
Die Slawen bauten im 9./10. Jahrhundert drei Kilometer nördlich von Kliestow eine Wallburg, die im 10. Jahrhundert durch eigene Hand einem Brand zum Opfer fiel. Aufgrund der bei Ausgrabungen gefundenen Tongefäße werden die Liutizen oder die Wilzen als Erbauer der Burg angesehen.
Inwiefern der slawische Burgwall bei Kliestow zum Ort selbst gehörte oder ein Teil der Burg in Lebus war, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Der Grundriss der Burg unterscheidet sich jedoch wesentlich von den nahe gelegenen Volksburgen Reitweiner Wallberge und Burgwall Lossow, bei denen der gesamte Innenraum mit Häusern bebaut war.
Der Name des Ortes ist vielleicht auf den früher östlich gelegenen Kliester See (auch Kliestsee genannt) zurückzuführen. Zur Unterscheidung vom Hof „Klein Kliestow“ (später „Wendischer Hof“) wurde er auch Groß Kliestow genannt. Der östlich vom alten Wendischen Hof gelegene See war 1926 nur noch als tief gelegene, bei hohem Wasserstand der Oder überschwemmte Wiesenfläche erkennbar. Heute befindet sich dort ein großes Schilfgebiet.
Der Wendische Hof oder Klein Kliestow ist nach dem Erwerb durch Kliestow im Jahre 1510 in der Feldmark von Kliestow aufgegangen und wurde nicht wieder besiedelt.
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als ville clistow stammt aus dem Jahr 1320. Herzog Rudolf von Sachsen beschenkte die Stadt Frankfurt mit dem Dorf Cliestow. Er führte seit dem Tod des brandenburgischen Markgrafen Waldemar die Regierung zunächst für die Witwe und später als anmaßlicher Erbe. Mit seinem Geschenk wollte er sich die Freundschaft und Unterstützung der Frankfurter sichern. Aber schon 1338 war Bischof Stephan II. von Lebus der Besitzer des Dorfes.
Frankfurt hatte lange Zeit wegen der Zerstörung der bischöflichen Stadt Göritz (heute Górzyca) unter dem Bann des Bischofs gestanden. Als sich die Stadt mit dem Bischof aussöhnte, wollte sie ihm als Sühne die Marienkirche als bischöfliche Kathedrale einräumen. Das verhinderte aber der Kaiser, der das Patronat an dieser Kirche dem Landesherren vorbehalten wissen wollte. Stattdessen trat nun die Stadt den größten Teil des Dorfes Cliestow an den Bischof ab.
Im Jahre 1527, an der Schwelle der neuen Zeit (Reformation), als die Macht des Bischofs ins Wanken geraten war, weigerte sich der Rat, dem Bischof wie Untertanen den Lehnseid zu schwören. Man rief deshalb den Kurfürsten an. Dieser bestimmte, das ganze Lehen gegen eine Zahlung von 300 Gulden der Stadt zu überlassen. Das Domkapitel gab dazu aber nicht die Zustimmung. 1528 wurde bestimmt, dass von jetzt an zwei Ratsmitglieder das Lehen übernahmen. Diese mussten einen Eid auf den Landesherren und die Stadt leisten. Der Bischof verzichtete auf die Anrede an die Frankfurter als „liebe Getreue“. Von dieser Zeit an wechselte Cliestow sehr oft den Besitzer (Lehnsherren).
1589 wurde Cliestow für 4.380 Taler an Liborius von Schlieben verkauft. Das Gut blieb in dieser Familie bis 1706. Dann kaufte es die Stadt Frankfurt für 24.000 Taler zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte Cliestow sehr gelitten. Das Dorf wurde total zerstört. Die aus Granit gebaute Kirche überstand als einziges Gebäude diese Zeit. Die Raub- und Plünderungszüge führten im Jahre 1633 zur Einäscherung des Dorfes. Erst 1639 wurde ein Teil des Kirchenackers wieder bestellt, der größere Teil allerdings erst 1651, nachdem er 1650 gerodet wurde.
Ab 1759 war ein gewisser Hückel Pächter. Er übernahm schließlich das Gut in Erbpacht. Die Herrlichkeiten aber blieben im Besitz der Stadt, wie zum Beispiel die Gerichtsbarkeit und die Steuern. In der Familie Hückel blieb das Gut bis 1854. In diesem Jahr übernahm den Besitz die Familie Scherz, die es dann bis zur Bodenreform 1945 behielt.
Der Ort lag noch kurz vor Beendigung des Zweiten Weltkrieges wochenlang an der Oderfront. Am 5. Februar 1945 mussten alle Kliestower den Ort vor der vorrückenden Front verlassen. Kliestow war in jenen Tagen fast leer und nur zögernd kehrten die Flüchtlinge zurück.
Als erste Reform nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches erfolgte die Landreform. Im Zuge dessen wurde 1945 auch die Familie Scherz enteignet, die fast 500 Hektar Land besaß.
1947 wurde Kliestow nach Frankfurt (Oder) eingemeindet.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man in Kliestow Braunkohle im Tagebau zu fördern.Klaus D. Zimmermann: Braunkohle an der Oder: Die Geschichte des märkischen Braunkohlenbergbaus in der Region Frankfurt (Oder) und Brieskow-Finkenheerd. Viademica, Berlin 2003, ISBN 3-932756-92-4. Der Kohleabbau endete 1925 mit der Schließung der Grube „Vaterland“. Eigens für den Transport der Kohle erhielt Kliestow Anschluss an die Preußische Ostbahn mit einem Bahnhofsgebäude an der Berliner Chaussee, das heute als Wohnhaus dient. Der Bahnhof „Grube Vaterland“ erhielt am 15. November 1934 die Bezeichnung „Kliestow (Kreis Lebus)“.Oderzeitung vom 1. November 1934. Nördlich des Gebäudes erkennt man heute noch den Bahndamm. Die Schienen wurden jedoch nach 1945 abmontiert und als Reparationen in die Sowjetunion verbracht. Die Strecke ermöglichte insbesondere während des Zweiten Weltkrieges eine direkte Verbindung von Frankfurt (Oder) nach Küstrin (heute Kostrzyn nad Odrą). In der Nähe von Wilhelmshof und der Wüste Kunersdorf befand sich der Anbindungspunkt an die über Booßen nach Lebus führenden Bahngleise. Eine alte Backsteinbrücke (in der Nähe des Gutsparks) und mit Kopfsteinen gepflasterte Abschnitte des Bahndamms, bei denen es sich um Bahnübergänge handelte, sind bis heute erhalten.
Siedlungen und Wohnanlagen
Der Hexenberg
Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt. Die Siedlung entstand Anfang 1950 für diejenigen, die im Rahmen der Bodenreform Land erhielten. Der ursprüngliche Name dieses Gebietes war „Am Weiler“; bis auf eine große Scheune stand dort nichts. Der Name „Am Weiler“ rührt von einem in der Nähe der heutigen Siedlung gelegenen zeitweilig Wasser führenden kleinen See am ehemaligen Bahndamm. Nach starken Regenfällen findet man diese Stelle noch heute.
Wohnanlage am Frankfurt Weg
Anfang der 1980er Jahre errichteten die LPG und die GPG zwischen der Berliner Chaussee und dem Gutspark eine Wohnanlage für ihre Mitglieder. Die Grundstücke haben alle die gleiche Größe und die einstöckigen unterkellerten Häuser mit Garage sind alle baugleich. Errichtet wurden die Häuser von Gefangenen.
Wohnanlage Sonnenhang
Die Mitte der 1990er Jahre am östlichen Ortsrand in der Nähe des sogenannten Kohlenbergs von der Firma Westphalbau errichtete Wohnanlage besteht aus Reihen- und Einfamilienhäusern. Dort wohnt auch der Boxstar Axel Schulz. Einst befanden sich hier ein Möbellager und der dazugehörige Löschwasserteich, der im Zuge der späteren Errichtung eines Einfamilienhauses zugeschüttet wurde.
Historische Bauwerke und Gebäudes
Dorfkirche Kliestow mini|hochkant|Kliestower KircheDie evangelische Kirche steht nördlich der platzartig erweiterten Kreuzung der Straßen Lebuser Straße, Winkelweg und Sandfurt auf einer plateauartigen Erhebung. Der Kirchhof nimmt das Plateau ein und ist im Westen und im Süden teilweise mit einer Feldsteinmauer begrenzt. Es handelt sich um den am wenigsten veränderten Kirchhof in den eingemeindeten Frankfurter Dörfern, da er nicht allein in der Fläche erhalten ist, sondern auch seinen alten Baumbestand besitzt und eine Reihe historischer Grabmäler aufweist. Dazu gehören mehrere, zum Teil umgestürzte spätklassizistische Stelen-Grabmäler aus Sandstein und neugotische Gusseisenkreuze. Der Friedhof wurde 1728 geschlossen. Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.
Das Kirchenschiff Das Kirchenschiff ist ein frühgotischer Feldsteinbau und wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Der Saalbau hat im Innern einen quadratischen Grundriss. Die Decke ist flach. Die Außenwände des Schiffs bestehen aus sorgfältig bearbeiteten, sauber geschichteten Feldsteinen. Die untersten Lagen sind durch Verwendung größerer Steine als Sockel gekennzeichnet. Der Fugenmörtel war ursprünglich nach unten geglättet. Die im Bereich des Südportals gut erhaltene Quaderung durch erhabene weiße Bänder gehört zu einer zweiten mittelalterlichen Fugenfassung. Aus der Erbauungszeit erhalten sind zwei frühgotische Lanzettfenster und ein spitzbogiges Portal mit abgetrepptem, spitzbogigem Gewände mit Kämpfern aus Platte und Kehle an der Südseite. Ebenfalls aus der Entstehungszeit stammt eine Gruppe aus drei Fenstern an der Ostseite aus hohen, sehr schmalen Öffnungen mit konischen Laibungen und spitzbogigen Laibungskanten. Der Westgiebel scheint ursprünglich sichtbar gewesen zu sein, da seine Westseite eine Mauerschale aus sorgfältig bearbeiteten Feldsteinen besitzt, während er zum Dachraum hin kleinere, kaum oder unbearbeitete Steine zeigt. Die Dachkonstruktion ist der des Turmes sehr ähnlich. Wie der Turm hat auch das Dach des Schiffs eine starke Neigung. Hier sind es etwa 60°. Auch das karniesförmig profilierte Traufgesims im Format ca. 29 × 13–13,5 × 7,5–9 cm spricht dafür, dass das Schiffsdach in der zweiten Turmbauphase bis 1612 erneuert wurde. Da die östliche Abwalmung des Daches nachträglich erfolgte, besteht die Möglichkeit, dass auch das Schiff ehemals mit einem Renaissancegiebel abschloss. Die Dachkonstruktion besteht aus Sparren mit Windverband, liegendem Stuhl mit Spannriegeln und aufgeblatteten Kopfstreben sowie zwei Kehlbalkenlagen mit einem dazwischen eingezogenen, aufwändigen Mittellängsverband. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde 1631 das Dorf von schwedischen Truppen geplündert und zerstört, danach von russischen und österreichischen Truppen. Nur die Kirche überstand trotz einiger Beschädigungen. Zu unbestimmter Zeit erhielt das Schiff an der Südseite zwei, an der Nordseite vier größere Flachbogenfenster. Die halbkreisförmigen Öffnungen unter den westlichen Fenstern der Längsseiten stammen wohl aus dem 19. Jahrhundert. Zu Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war das Schiff an Dach und Decke beschädigt. 1949–50 wurden die unmittelbaren Kriegsschäden an Dach und Decke behoben. 1955 erfolgte eine Renovierung des Innenraums. 1994 wurde das Dach instand gesetzt und neu eingedeckt. Ende der 1990er Jahre wurde ein neuzeitlicher Eingangsvorbau an der Südseite abgerissen. Nach Abriss weiterer neuzeitlicher Anbauten und Freilegung der vermauerten ursprünglichen Fenster wurde die Fassade des Schiffs an der Süd- und Ostseite 2001 mit einer egalisierenden Schlämme versehen.
Der Kirchturm