Die Gefechte von Lexington und Concord waren die ersten Kämpfe des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. Sie wurden am 19. April 1775 in den Orten Lexington, Concord, Lincoln, Menotomy und Cambridge in Massachusetts ausgetragen. Die Gefechte markieren den Beginn des bewaffneten Konflikts zwischen Großbritannien und den dreizehn Kolonien.
Zusammenfassung Ungefähr 700 Berufssoldaten () der British Army hatten unter dem Kommando von Oberstleutnant Francis Smith den Befehl, militärische Vorräte zu beschlagnahmen beziehungsweise zu zerstören, die einem Bericht zufolge in Concord von der Miliz von Massachusetts gelagert wurden. Schon Wochen zuvor hatten die amerikanischen Rebellen durch Spionage eine Warnung vor der bevorstehenden britischen Suchaktion erhalten und so gut wie alle Vorräte in Sicherheit gebracht. Auch hatten die Rebellen in der Nacht vor dem Gefecht Einzelheiten der britischen Pläne erfahren und schnell an die Miliz weitergegeben.
Die ersten Schüsse fielen in einem Gefecht in Lexington während des britischen Vormarsches. Die Miliz war jedoch in der Unterzahl und ergriff die Flucht. Andere Milizionäre bekämpften an der Old North Bridge in Concord drei Kompanien königlicher Soldaten. Die britischen Einheiten lösten nach einem hitzigen Gefecht ihre Formation auf und flohen.
In den nächsten Stunden kamen weitere Minutemen hinzu und fügten den britischen Soldaten, die von Concord zurückkehrten, schwere Verluste zu. Smiths Expedition wurde bei der Rückkehr nach Lexington durch Soldaten unter General Hugh Percy verstärkt und aus ihrer schwierigen Lage befreit. Die beiden britischen Abteilungen mit zusammen 1700 Soldaten marschierten in Richtung Boston zurück und gerieten dabei unter schweren Beschuss. Mit der Ankunft in Charlestown gelang ihnen schließlich ein erfolgreicher taktischer Rückzug.
Den Briten gelang es nicht, die erforderliche Geheimhaltung und Geschwindigkeit zu erreichen, die für eine erfolgreiche Aktion in feindlichem Gebiet notwendig gewesen wären. Darüber hinaus konnten sie keine bedeutende Menge Waffen und Vorräte zerstören. Allerdings gelang es den meisten Soldaten, unverletzt nach Boston zurückzukehren. Die Besetzung des umliegenden Gebietes durch die Miliz von Massachusetts ging mit dem Beginn der Belagerung von Boston einher.
Die Gefechte sind in Amerika bekannt als „shot heard ’round the world“ („Der Schuss, der um die ganze Welt gehört wurde“) und wurden in Ralph Waldo Emersons Concord Hymn beschrieben. Sie werden regelmäßig im Minute Man National Historical Park nachgestellt.
Hintergrund mini|links|hochkant|General Thomas Gage
Die britische Armee, die von amerikanischer Seite abfällig „Redcoats“ („Rotröcke“) oder „Lobsterbacks“ („Hummerrücken“) genannt wurdeLerg: Die Amerikanische Revolution. S. 39., war seit 1768 in Boston stationiert und wurde durch Seestreitkräfte und britische Marineinfanterie verstärkt, um eine Reihe von Gesetzesmaßnahmen durchzusetzen. Diese wurden wechselseitig von den Amerikanern als „Intolerable Acts“ (Unerträgliche Gesetze) oder von den Briten als „Coercive Acts“ (Zwangsmaßnahmen) bezeichnet. Generalgouverneur Thomas Gage war es noch immer nicht gelungen, die Kontrolle über das Gebiet außerhalb von Boston wiederzugewinnen, wo es wegen des Massachusetts Government Act (Regierungsgesetz von Massachusetts) zu Spannungen zwischen der Mehrheit der sogenannten kolonialen Patrioten und einer Minderheit von Loyalisten gekommen war. Gage plante nun, die Spannungen zu entschärfen, indem er den Milizen der britischen Kolonisten in einer Reihe von kleinen, schnellen und überraschenden Aktionen ihre Waffen entziehen wollte. Diese Bemühungen führten zunächst zu einer erfolgreichen britischen Aktion und dann zu einer Reihe von Fehlschlägen, die jedoch noch glimpflich ausgingen. Diese Aktionen wurden Powder-Alarms genannt. Gage selbst sah sich als freiheitsliebend und suchte seine Pflichten als Gouverneur der Kolonie und als General einer Besatzungsarmee zu trennen. Infolge der vehementen Ablehnung der Coercive Acts von amerikanischer Seite hatte der General die englische Regierung sogar gebeten, die Gesetze zeitweilig außer Kraft zu setzen. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt.Lerg: S. 37. Edmund Burke beschrieb die problematische Beziehung zwischen Gage und der Kolonie Massachusetts im Parlament folgendermaßen:
Anweisungen von Dartmouth und die Befehle an Gage mini|hochkant|Francis Smith, 1763
Am 14. April erhielt Gage Anweisungen des britischen Innenministers William Legge, 2. Earl of Dartmouth, die Bevölkerung zu entwaffnen und die Anführer der Aufständischen festzunehmen. Für die Ausführung dieses Befehls erhielt er nur grobe Vorgaben und eine beträchtliche Gestaltungsfreiheit.
Am Morgen des 18. April, am Tag vor dem Gefecht, schickte Gage eine berittene Patrouille von rund 20 Soldaten in das umgebende Gelände, die berittene Boten abfangen sollten. Diese Patrouille benahm sich anders als üblich, blieb nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs und befragte Reisende nach dem Aufenthaltsort von Samuel Adams und John Hancock. Dies hatte die unbeabsichtigte Folge, dass viele Anwohner nervös wurden und sich vorbereiteten. Besonders die Miliz von Lexington traf sich am frühen Abend, Stunden bevor sie Nachrichten aus Boston erhielt. Ein Bauer verwechselte in der Dunkelheit die britische Patrouille mit seinen Gesinnungsgenossen und fragte, ob sie gehört hätten, wann die Briten kommen würden. Dies brachte ihm einen Schlag mit der flachen Seite eines Säbels auf den Kopf ein.
Oberstleutnant Francis Smith erhielt am Nachmittag des 18. April von Gage Befehle, die er nicht lesen sollte, bis er mit seinen Truppen abmarschiert war. Sie enthielten den Auftrag, er solle mit äußerster Bedacht auf Unauffälligkeit nach Concord marschieren, wo er alle militärischen Vorräte beschlagnahmen und zerstören sollte. Doch sollte er gleichzeitig darauf achten, dass seine Soldaten nicht die Bewohner ausplündern oder privates Eigentum beschädigen. Gage interpretierte seine eigenen Befehle offensichtlich dergestalt, dass er keinen schriftlichen Befehl weitergab, Rebellenführer zu verhaften.
Erfolgreiche Spionage der Patrioten mini|hochkant|Margaret Kemble Gage
Die Anführer der Rebellen hatten – mit Ausnahme von Paul Revere und Joseph Warren – Boston bereits am 8. April verlassen. Sie hatten über Quellen in London von Dartmouths geheimen Anweisungen an Gage gehört, lange bevor diese an Gage zugestellt wurden. Samuel Adams und John Hancock waren nach Lexington zu Verwandten von Hancock geflohen, wo sie sich in Sicherheit wähnten.
Die Miliz von Massachusetts hatte tatsächlich Waffen, Schießpulver und Vorräte in Concord gelagert, doch die Patrioten hatten gehört, dass britische Offiziere die Straßen nach Concord beobachteten. So wiesen sie Anwohner an, die Vorräte beiseite zu schaffen und sie auf andere nahegelegene Ortschaften zu verteilen.
Die Patrioten hatten von der bevorstehenden Aktion am 19. April erfahren, obwohl sie selbst vor allen unmittelbar beteiligten britischen Offizieren und Mannschaften geheim gehalten worden war. Es gibt Grund für die – allerdings unbewiesene – Annahme, dass der Ursprung der Information in der Beziehung zwischen Warren und Gages in Amerika geborener Ehefrau Margaret zu finden ist.
In der Nacht des 18. April 1775 teilte Warren zwischen 21 Uhr und 22 Uhr William Dawes und Paul Revere mit, dass königliche Soldaten dabei waren, in Booten von Boston nach Cambridge zu fahren und weiter die Straße nach Lexington und Concord zu nehmen. Warrens Bericht deutete darauf hin, dass die wahrscheinlichsten Ziele der britischen Unternehmung die Gefangennahme von Samuel Adams und John Hancock sein würde. Sie waren weniger besorgt über den möglichen Marsch der Soldaten nach Concord, da die Vorräte ja bereits in Sicherheit gebracht worden waren, befürchteten jedoch, dass ihre Anführer in Lexington nichts von der bevorstehenden Aktion gehört hatten und somit in Gefahr waren. Revere und Dawes sollten sie warnen und andere Patrioten in den umliegenden Orten alarmieren.
Dawes nahm mit dem Pferd die südliche Überlandstrecke über den Boston Neck und über die Great Bridge (Große Brücke) nach Lexington. Revere gab zunächst die Anweisung, ein Signal vom Turm der Old North Church aus nach Charlestown zu senden und reiste danach auf dem nördlichen Wasserweg. Er überquerte den Charles River mit einem Ruderboot und passierte dabei unbemerkt das vor Anker liegende britische Kriegsschiff HMS Somerset. Überquerungen waren zu dieser Stunde verboten, Revere gelangte jedoch sicher nach Charlestown und ritt nach Lexington. Er ging der britischen Patrouille aus dem Weg und warnte danach beinahe jedes Haus entlang des Weges. Diese Ereignisse gingen als Mitternachtsritt in die Geschichte ein. Die gewarnten Leute und die Patrioten von Charlestown sandten wiederum weitere Reiter nach Norden.
Nachdem sie in Lexington angekommen waren, besprachen Revere, Dawes, Hancock und Adams die Lage mit den versammelten Milizionären. Sie kamen zu der Einschätzung, dass die aus Boston abgerückten Kräfte zu zahlreich waren, um lediglich zwei Männer festzunehmen, und dass Concord das eigentliche Ziel war. Die Männer aus Lexington sandten Boten in alle Richtungen, nur Waltham wurde aus unbekannten Gründen nicht benachrichtigt. Revere und Dawes machten sich weiter auf den Weg nach Concord. Um 1 Uhr früh trafen sie mit Samuel Prescott zusammen. Die drei liefen jedoch auf die britische Patrouille auf, und so gelang es lediglich Prescott, Concord zu warnen. Weitere berittene Boten wurden aus Concord losgeschickt.
Revere und Dawes lösten ein flexibles Nachrichtensystem aus, das in den vorangegangenen Monaten nach dem Powder-Alarm mit Sorgfalt entwickelt worden war. Zusätzlich zu berittenen Boten, die Nachrichten überbrachten, wurden Glocken, Trommeln, Warnschüsse und Trompeten eingesetzt, damit Patrioten in anderen Orten schnell verständigt werden konnten, um ihre Miliz aufzustellen, sobald die Rotröcke Boston verließen. Diese frühen Warnungen waren entscheidend dafür, eine ausreichende Zahl Milizen zu versammeln, um am folgenden Tag den britischen Soldaten Verluste beizubringen. Samuel Adams und John Hancock wurden zunächst ins heutige Burlington und später nach Billerica in Sicherheit gebracht.
British Army und Marines rücken ab Die 700 britischen Soldaten unter Führung von Oberstleutnant Smith stammten aus Gages Eliteeinheiten der leichten Infanterie und Grenadiere.
Die Briten machten ihre Männer am Abend des 18. April um 22 Uhr abmarschbereit, und um 23 Uhr marschierten sie zu ihren Booten. Der britische Marsch von und nach Concord war von Anfang bis Ende fürchterlich für die Soldaten. Die Boote waren so voll beladen, dass kein Platz zum Sitzen blieb, und in Cambridge mussten sie um Mitternacht in hüfthohem Wasser aussteigen. Nach lang andauerndem Halt zum Entladen der Ausrüstung brachen die Regulars gegen 2 Uhr nachts zu ihrem 27 km langen Marsch nach Concord auf. Sie waren schwer beladen mit Wasserflasche, Brotbeutel, Muskete und Ausrüstung und trugen nasse, schlammige Schuhe und feuchte Kleidung. Als sie durch das damalige Menotomy marschierten, kündeten Signalgeräusche davon, dass sie das Überraschungsmoment verloren hatten. Gegen 3 Uhr nachts sandte Oberst Smith Major Pitcairn mit sechs Kompanien leichter Infanterie voraus, um im Eilmarsch nach Concord zu marschieren. Gegen 4 Uhr nachts traf er aber vorausschauend, wenn auch etwas spät, den Entschluss, eine Botschaft nach Boston mit der Bitte um Verstärkung zu senden.
Die Gefechte Lexington mini|hochkant|Schlacht von Lexington: Britische Truppen feuern auf die amerikanischen Milizen mini|Franklin-Mint-Medaille zur Erinnerung an den Beginn des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges in Lexington und Concord 1775