Das Augustiner-Chorherrenstift St. Peter ist ein ehemaliges Kloster in Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg.

Lage Das Augustiner-Chorherrenstift St. Peter befindet sich an der Nordecke der denkmalgeschützten Altstadt von Bad Waldsee, innerhalb der ehemaligen Stadtbefestigung.

Das abgerissene Biberacher Tor stand einst direkt an der Ostecke des Klosters, direkt südlich grenzt das ehemalige Kloster an den Gut-Beth-Platz, um dem die Schwesternklause, der Gut-Betha-Brunnen und das Vogthaus stehen.

Geschichte Das Augustiner-Chorherrenstift St. Peter in Bad Waldsee ist eine mittelalterliche und frühneuzeitliche Klosteranlage, die als Kulturdenkmal geschützt ist. Eine erste geistliche Gemeinschaft in Waldsee wurde bereits im späten 11. Jahrhundert erwähnt. Kaiser Friedrich I. gründete an der Pfarrkirche St. Peter im Jahr 1181 das Stift. Die Vogtei über den Stift wurde 1282 an die Herren von Waldsee übertragen und ging 1331 an die Herzöge von Österreich. Im Jahr 1621 wurde das Stift zur Abtei erhoben, bevor es 1788 auf Wunsch der Chorherren aufgelöst wurde.

Der Stiftsbezirk lag anfänglich außerhalb der Stadt Waldsee und war spätestens ab 13. Jahrhundert befestigt, die erhaltenen Bauwerke dokumentieren die einst dreiflügelige Anlage, die sich um die Kirche St. Peter legte.

Gebäude Vom ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift St. Peter in Bad Waldsee sind noch heute einige Gebäude erhalten, während andere Teile der Anlage mittlerweile abgegangen sind.

Nord- und Ostflügel Die langgestreckten, drei- bis viergeschossigen Gebäude bilden den Nord- und Ostflügel der einstigen Konventanlage und dienen heute als Volkshochschule, Stadtarchiv, Vereinsräume und Wohnungen. Sie stammen im Kern aus dem frühen 17. Jahrhundert, wurden aber im 18. Jahrhundert unter einem gemeinsamen Dach vereint. Die erhaltenen Flügel dokumentieren die einst dreiflügelige Anlage, die sich um die Kirche legte. Ein Großteil des Komplexes wurde durch Brände in den Jahren 1806 und 1906 zerstört.

Friedhof Der Friedhof, der sich bis 1628 rund um die Pfarrkirche St. Peter erstreckte, ist heute abgegangen und nicht mehr sichtbar, seine ehemalige Lage ist jedoch im kartierten Bereich des Stiftsbezirks erfasst.

Prälatur Die Prälatur ist ein stattliches dreieinhalbgeschossiges Gebäude in Ecklage zur Hauptstraße, das den Übergang zum Stiftsbezirk markiert. Es wurde 1748 unter Abt Ivo Welte als Ersatz für einen Vorgängerbau von 1592 errichtet und diente als Residenz und Kanzlei. Die Fassade ist mit reicher aufgemalter Architekturmalerei, einem typischen Element des Barock in Oberschwaben, verziert, das Relief des Stiftspatrons St. Peter sowie die Wappen von Kloster und Abt verdeutlichen die ursprüngliche Zugehörigkeit des Gebäudes.

Kornschütte Die Kornschütte ist ein stattlicher, turmartiger viergeschossiger Massivbau, der einst Teil der Ökonomie- und Stallbauten des Stifts war. Sie wurde wahrscheinlich im 17. oder 18. Jahrhundert errichtet und überstand den Brand von 1806 weitgehend unversehrt. Anschließend wurde sie zu einem Wohnhaus umgebaut.

Nebengebäude Das Gebäude, das heute als Wohnhaus dient, war ursprünglich ein Nebengebäude des Augustiner-Chorherrenstift. Der zweigeschossige, verputzte Massivbau aus dem 18. Jahrhundert hat ein Satteldach mit Giebelgesims, ein Gurtband sowie aufgestuckte Fensterrahmungen.

Da es sich unmittelbar am westlichen Zugang zum historischen Stiftsbezirk befindet, wird angenommen, dass es sich bei dem barockzeitlichen Gebäude um ein ehemaliges Ökonomie- oder Verwaltungsgebäude des Klosters handelt, das später zu Wohnzwecken umgebaut wurde.

Stiftskirche St. Peter

Die einstige Stiftskirche ist die heutige katholische Stadtpfarrkirche St. Peter, im Kern ist sie eine spätgotische Basilika, welche von 1479 bis 1483 erbaut wurde. Im Jahr 1710 wurde sie umfassend barockisiert, wobei das Mittelschiff ein neues Gewölbe und Emporen erhielt. Nach dem Einsturz des Kirchturms 1757 wurde die Kirche nach Westen verlängert und erhielt dabei die prägende Doppelturmfassade nach dem Entwurf von Baumeister Jakob Emele (1765–1767). Die reiche Barockausstattung, darunter der Hochaltar von Dominikus Zimmermann und weitere Werke von Johann Georg Reusch, zeugt von der Blüte des Kunstschaffens in Oberschwaben. Die Kirche diente auch als Grablege für die Truchsesse von Waldburg, was durch aufwendige Grabmäler, wie das Bronzegrabmal für Georg I. aus der Spätgotik, belegt wird.

Kapelle St. Johannes Die Kapelle St. Johannes ist nicht erhalten, sie wurde 1391 erstmals erwähnt, als eine Frühmesse in ihr gestiftet wurde. Im Jahr 1750 wurde sie abgebrochen, auf einem Grundrissplan des frühen 18. Jahrhunderts ist ihr ehemaliger Standort südlich der Pfarrkirche als Capell Platz verzeichnet.

Ökonomiegebäude Die einstigen Ökonomiegebäude des Stifts, zu denen auch die Kornschütte gehörte, sind heute bis auf diese abgegangen. Sie befanden sich südöstlich des heutigen Gebäudes Klosterhof 1.

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Bad Waldsee Kategorie:Kulturdenkmal in Bad Waldsee Kategorie:Ehemaliges Augustiner-Chorherren-Stift in Baden-Württemberg