Die Evangelische Kirche Bad Waldsee ist eine Kirche in Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Ravensburg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Lage Die Evangelische Kirche Bad Waldsee steht im Burghaldenweg, auf der Anhöhe Burghalde. Im Mittelalter stand an dieser Stelle die Burg der Herren von Waldsee, die loyale Gefolgsleute mächtiger Dynastien ihrer Zeit wie den Welfen, den Staufern und später den Habsburgern waren.

Geschichte und Baubeschreibung Der Raum Waldsee blieb nach der Reformation katholisch. Nach der Annexion des Fürstentums Waldburg durch das Königreich Württemberg im Jahr 1806 wuchs die Zahl der Evangelischen in Waldsee durch Zuzug stetig an. Sie wurden kirchlich zunächst aus Biberach an der Riß, der Dekanatsstadt für ganz Oberschwaben, versorgt, ab 1851 vom Schussenrieder Pfarrverweser. Mit der ersten Pfarrgemeinderatswahl 1860 konstituierte sich die Kirchengemeinde, die 1875 rund 200 Mitglieder zählte, so dass 1887 eine Pfarrverweserei errichtet werden konnte. Von 1887 bis 1889 wurde unter Mitfinanzierung durch den württembergischen Gustav-Adolf-Verein die eigene Kirche erbaut, und Waldsee bekam dann 1904 eine eigene Pfarrstelle.

Den Kirchenbau für über dreihundert Personen plante Architekt Theophil Frey aus Stuttgart, die Bauleitung hatte der Waldseer Baumeister Konrad Fränkel inne. Die Kirche ist ein langgestreckter Saalbau mit Satteldach, einem eingezogenen polygonalen Chor und einem hohen Chorflankenturm. Sie folgt in ihrer neugotischen Bauweise und der auf den Chor ausgerichteten Anlage wie viele andere Neubaukirchen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Königreich Württemberg den Vorgaben des Eisenacher Regulativs von 1861. Die leicht eingezogene Westfassade verfügt über seitliche Treppenhausanbauten und eine Fensterrose. Der Stuttgarter Architekt Karl Oelkrug renovierte 1913–1915 das Innere der Kirche mit Jugendstil-Elementen und entfernte außen einen Teil der neugotischen Bauplastik, behielt jedoch weitgehend die original bauzeitliche Einrichtung bei: das hölzerne Tonnengewölbe mit Querbindern, die geschnitzte Westempore, den Orgelprospekt, das Gestühl, die Kanzel und den Altar. Die reichen ornamentalen Ausmalungen im Jugendstil stellen ein seltenes Zeugnis für die Gestaltung eines Sakralraums in dieser Epoche dar. Das Eingangsportal erhielt ein geschweiftes Vordach.

Ausstattung Der Bildhauer Josef Halder aus Aulendorf schuf 1889 den Altar und den Taufstein. Der Heilbronner Glasmaler Wilhelm Jahn schuf 1889 die drei Chorfenster (Paulus, Jesus als guter Hirte, Petrus).Glasmalerei von Wilhelm Jahn in Heilbronn a. N. (Referenzbroschüre) o. J. (1895) Die Fensteröffnungen waren ursprünglich gotisch-spitzbogig, die Glasgemälde wurden 1915 rechteckig angepasst. Der Stuttgarter Dekorationsmaler Eduard Pfennig (1878–1952) war 1915 verantwortlich für die Jugendstil-Farbgestaltung der Kirchenwände und des Chorbogens: In großflächige Pflanzenornamentik eingebettet enthalten Kartuschen verschiedene Symbole, Evangelisten mit ihren traditionellen Attributen und die beiden emblematischen Darstellungen des Lebensbaumes mit den Paradiesströmen sowie des Ankers als Zeichen beständiger Hoffnung. Dieses Zusammenspiel der Jugendstil-Dekorationsmalerei mit der qualitätvollen neugotischen Farbverglasung des Chores gibt es in keiner anderen württembergischen Kirche. Die Orgel von 1961 wurde damals in das neugotische Gehäuse eingebaut und das Dreier-Geläut nach Ablieferung zweier Glocken in den beiden Weltkriegen 1953 wieder vervollständigt.

Literatur Walter Sohn et al. (Red.): Evangelische Kirche Bad Waldsee 1889–1989. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde Bad Waldsee; Bad Waldsee, 1989 Lothar Vogel: Evangelische Kirche Bad Waldsee. o. J. (nach 2000)

Weblinks

Website der Kirchengemeinde

Einzelnachweise

Evangelisch Evangelisch Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Saalkirche in Baden-Württemberg Kategorie:Erbaut 1897 Kategorie:Kirche in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Baden-Württemberg Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Bauwerk des Historismus im Landkreis Ravensburg