mini|hochkant|Hoppla, wir leben!, Erstausgabe im Gustav Kiepenheuer Verlag Potsdam 1927 Hoppla, wir leben! ist ein expressionistisches Theaterstück von Ernst Toller in fünf Akten und einem Vorspiel. Es wurde 1927 zur Einweihung der Piscator-Bühne im Berliner Theater am Nollendorfplatz uraufgeführt und ist nach Die Wandlung. Das Ringen eines Menschen Tollers zweites Theaterstück, ebenfalls mit starken autobiografischen Zügen des Autors. Das Vorspiel spielt im Jahr 1919, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, die fünf Akte hingegen in der Gegenwart, d. h. im Jahre 1927. Zu den Darstellern der Uraufführung gehörten unter anderem Leonhard Steckel, Alexander Granach und Albert Venohr. Die Bühnenmusik wurde von Edmund Meisel komponiert.
Hoppla, wir leben! wurde Tollers erfolgreichstes Theaterstück und wurde in neun Sprachen übersetzt.Barbara Schaumberger-Binder: Ernst Toller – Politik und/als Theater. Eine Entwicklungsanalyse anhand der Stücke „Die Wandlung“, „Hoppla, wir leben!“ und „Pastor Hall“. S. 111. Wie Tollers übrige Werke fiel auch dieses Stück der nationalsozialistischen Bücherverbrennung zum Opfer.
Handlung und Aufbau Das Stück widerspiegelt die ausweglose Situation in der Weimarer Republik: Die im Vorspiel auftretenden sechs Gefängnisinsassen haben ihre sozialistischen und anarchistischen Ideale angesichts der Niederlage der deutschen Räterepubliken aufgegeben. Im Hauptteil haben sich einige Personen gesellschaftlich anpassen können, andere beteiligen sich an sinnlos erscheinenden Wahlen oder verfallen dem Wahnsinn.
Der Protagonist Karl Thomas wird 1919 zusammen mit seiner Lebensgefährtin Eva Berg und seinem Freund Wilhelm Kilman wegen ihrer Beteiligung am Spartakusaufstand im Januar 1919 zum Tod verurteilt. Nach einer Begnadigung wird er in eine forensische Psychiatrie eingewiesen, aus der er acht Jahre später, 1927, entlassen wird und sich in einem Deutschland wiederfindet, das er nicht mehr erkennt. Nun wird er des Mordes an seinem Freund Kilman (inzwischen Minister) verdächtigt, der jedoch von einem rechtskonservativen Auftragsmörder begangen wurde. Thomas wird für verrückt erklärt und erhängt sich.
mini|hochkant|Ernst Toller während seiner Haft im Festungsgefängnis Niederschönenfeld, um 1920
Vorspiel Zeit: 1919, in einer großen Gefängniszelle
Karl ThomasEva BergWilhelm KilmanAlbert KrollFrau MellerSechster GefangenerAufseher RandLeutnant Baron FriedrichSoldaten Ein Zwischenspiel mit Filmszenen aus den Jahren 1919–1927 dient als Überleitung zum ersten Akt. Theaterstück Zeit: 1927
Wechselnde Bühnenbilder: Kanzlei in einer Irrenanstalt Arbeitszimmer des Ministers Zimmer bei Eva Berg Arbeiterwirtschaft Im Grand Hotel Links vom Hotel. Am Park Im Gefängnis
Karl ThomasEva BergWilhelm KilmanFrau KilmanLotte KilmanRandProfessor LüdinAlbert KrollFrau MellerFritzGreteBaron LandeKriegsministerBankier Sohn des BankiersPickelBaron FriedrichDiener im MinisteriumWärter im IrrenhausStudentUntersuchungsrichterErster ArbeiterZweiter ArbeiterDritter ArbeiterVierter ArbeiterFünfter ArbeiterOberkellnerHausdienerTelegraphistPikkoloErster PolizistZweiter PolizistDritter PolizistPolizeioberstVorsitzender der Gruppe geistiger KopfarbeiterDer Gefangene NPhilosoph XLyriker YKritiker ZWahlleiterZweiter WahlbeisitzerErster StimmzettelverteilerZweiter StimmzettelverteilerDritter StimmzettelverteilerWählerAlte FrauJournalistDamen, Herren, Volk
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hoppla, wir leben! mehrfach neu inszeniert, unter anderem 1951 vom italienischen Regisseur Giorgio Strehler und 1984 von Rüdiger Kuhlbrodt am Westfälischen Landestheater. Der britische Dramatiker Mark Ravenhill schrieb sein Stück Some Explicit Polaroids (1999) nach der Vorlage von Ernst Toller.Ernst Toller: Plays One Herausgegeben und übersetzt von Alan Raphael Pearlman. S. 336
Hörspielbearbeitung Im Jahr 1983 erstellte Willi Schmidt für den SFB, ebenfalls unter dem Titel Hoppla, wir leben eine ca. 112-minütige Hörspielfassung, bei der er auch selbst die Regie führte. Die Erstsendung fand am 16. November 1983 statt. Es sprachen u. a.: Joana Maria Gorvin, Wilhelm Borchert, Martin Benrath, Heidemarie Theobald, Boy Gobert, Antje Weisgerber, Helmut Wildt, Maria Hartmann, Sybille Gilles, Werner Hinz, Erich Schellow, Dieter Ranspach, Martin Held und Bernhard Minetti.ARD-Hörspieldatenbank (Hoppla, wir leben, SFB 1983)
Zitat
Literatur Barbara Schaumberger-Binder: Ernst Toller – Politik und/als Theater. Eine Entwicklungsanalyse anhand der Stücke „Die Wandlung“, „Hoppla, wir leben!“ und „Pastor Hall“ Diplomarbeit Universität Wien, 2014.
Weblinks
Projekt Gutenberg: Text Sven Ricklefs: Ein Stück, eingeschnürt im Korsett Deutschlandfunk, 10. Oktober 2014
Einzelnachweise
Kategorie:Drama Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur des Expressionismus Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Ersterscheinen 1927 Kategorie:Ernst Toller