mini|Filmteam (2026) Maspalomas ist ein baskisch-spanisches Filmdrama aus dem Jahr 2025. Die Hauptrollen spielten José Ramón Soroiz und Nagore Aranburu. Regie führten Aitor Arregi und Jose Mari Goenaga, der auch das Drehbuch schrieb.
Der Film hatte seine Weltpremiere im September 2025 beim Internationalen Filmfestival von San Sebastián, wo er am Wettbewerb um die Goldene Muschel teilnahm. Der Film und Hauptdarsteller José Ramón Soroiz wurden mit mehreren Film- und Festivalpreisen ausgezeichnet.
Handlung
Vicente ist ein 76 Jahre alter Mann, der nach der Trennung von seinem langjährigen Partner im kanarischen Maspalomas seine Homosexualität offen auslebt. Er genießt das Leben am Strand, besucht Clubs und Saunen und hat sexuelle Begegnungen mit anderen Männern, unter anderem beim Cruising in den Dünen von Maspalomas.
Nach einem Schlaganfall muss Vicente nach San Sebastián zurückkehren, wo er seiner Tochter Nerea wiederbegegnet. Er hatte seine Familie vor Jahrzehnten verlassen, als er sich aus seiner heterosexuellen Ehe löste. Zu Nerea hatte er seit 25 Jahren keinen Kontakt mehr.
Vicente wird in einem Pflegeheim untergebracht, wo er seine sexuelle Orientierung aus Angst vor den Reaktionen seiner Umgebung erneut verbirgt. Sein Zimmer teilt er sich mit Xanti, einem politisch rechts stehenden Mann, dessen Selbstsicherheit Vicente zugleich irritiert und beeindruckt.
Der ebenfalls schwule Pfleger Iñaki kümmert sich um Vicente, der dessen Nähe im Alltag jedoch meidet. Über eine Dating-App nimmt Vicente anonym Kontakt zu ihm auf, ohne seine Identität preiszugeben. In einem Gespräch mit der Psychologin des Pflegeheims wird Vicente zwar versichert, dass er seine Homosexualität offen zeigen dürfe; zugleich warnt sie ihn jedoch vor möglichen ablehnenden Reaktionen anderer Bewohner.
Auch das Verhältnis zu seiner Tochter bleibt schwierig. Nerea übernimmt Verantwortung für ihren Vater und kümmert sich um ihn, hält aufgrund der früheren Verletzungen jedoch emotionale Distanz. Vicente wiederum reagiert ihr gegenüber abweisend, weil er sich nur schwer mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen kann.
Entstehung und Gestaltung
Entwicklung des Drehbuchs
Die Idee zu Maspalomas entstand 2016, als Jose Mari Goenaga erstmals Urlaub in Maspalomas machte. Ihn faszinierte die dortige Gemeinschaft schwuler Urlauber unterschiedlichen Alters, die ihre Sexualität offen auslebten. Etwa zur selben Zeit las er Berichte über ältere queere Menschen, die nach dem Einzug in eine Pflegeeinrichtung ihre sexuelle Orientierung wieder verheimlichten, weil sie ihre neue Umgebung als feindselig empfanden.
Goenaga verband beide Beobachtungen zu einer Geschichte über einen Mann, der seine sexuelle Freiheit erst spät im Leben gefunden hat und sie im Alter erneut zu verlieren droht. Bei der Entwicklung von Vicente orientierte er sich unter anderem an David Leavitts Roman Die verlorene Sprache der Kräne sowie an Berichten über Männer, die nach einer langjährigen heterosexuellen Ehe erst in der Lebensmitte ihre Homosexualität offenlebten. Eine persönliche Verbindung zur Geschichte bestand darin, dass Goenaga selbst erst im Alter von 33 Jahren sein Coming-out hatte.
Für die Darstellung des Pflegeheimalltags recherchierten die Filmemacher bei Beschäftigten von Altenheimen. Dabei beschäftigten sie sich insbesondere mit der Sexualität älterer Menschen und den Schwierigkeiten, die entstehen können, wenn deren sexuelle Bedürfnisse innerhalb einer Pflegeeinrichtung nicht anerkannt werden.
Besetzung und Inszenierung
Die Hauptrolle übernahm José Ramón Soroiz, der insbesondere durch seine jahrzehntelange Arbeit im baskischen Theater und Fernsehen bekannt geworden war. Mit Kandido Uranga, dem Darsteller seines Zimmergenossen Xanti, hatte er bereits seit Jahrzehnten zusammengearbeitet; beide waren unter anderem 1992 in Julio Medems Film Vacas – Kühe zu sehen gewesen.
Soroiz benötigte nach Angaben der Regisseure etwa ein Jahr, um sich auf die Rolle vorzubereiten. Insbesondere die expliziten Sexszenen stellten für ihn eine Herausforderung dar, weshalb bei den Dreharbeiten auch Intimitätskoordinatorinnen eingesetzt wurden.
Die erste halbe Stunde des Films zeigt die Offenheit und Freizügigkeit, die Vicente in Maspalomas genießt. Für die Darstellung der sexuellen Begegnungen diente den Regisseuren Alain Guiraudies Film Der Fremde am See (2013) als ästhetisches Vorbild. Die Sexualität älterer Männer sollte dabei möglichst selbstverständlich, naturalistisch und ohne Beschönigung gezeigt werden. Bei der Darstellung des Lebens in Maspalomas verfolgten die Filmemacher zudem einen annähernd ethnografischen Ansatz, welcher die dortige schwule Gemeinschaft nicht als exotisches Spektakel inszenieren, sondern aus der Perspektive der Hauptfigur erfahrbar machen sollte.
Themen
Im Gegensatz zur Freizügigkeit in Maspalomas wird das Pflegeheim zum Mikrokosmos menschlicher Empfindungen, Freiheiten und Einschränkungen, gesellschaftlicher Vorstellungen sowie körperlicher und emotionaler Bedürfnisse.
Die Inszenierung verzichtet dabei weitgehend auf offene homophobe Übergriffe und zeigt stattdessen, wie unausgesprochene gesellschaftliche Erwartungen und verinnerlichte Ängste Vicente dazu bringen, seine Sexualität erneut zu verbergen. Das Pflegeheim dient zugleich als Abbild einer Gesellschaft, in der rechtlich gewährleistete Freiheiten durch soziale Normen und persönliche Abhängigkeiten eingeschränkt werden können.
Neben Homosexualität und Altern thematisiert der Film die Sexualität älterer Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. So zeigt er auch zwei demenzkranke Bewohner unterschiedlichen Geschlechts, die einander immer wieder suchen und sexuelle Nähe wünschen. Die Beziehung zwischen Vicente und Nerea erweitert die Auseinandersetzung mit sexueller Selbstbestimmung um die Frage, wie sich persönliche Freiheit, familiäre Verantwortung und die Folgen früherer Entscheidungen miteinander vereinbaren lassen.
Veröffentlichung
Maspalomas wurde am 21. September 2025 beim 73. Filmfestival von San Sebastián erstmals öffentlich vorgeführt. Im Vertrieb von BTeam Pictures kam der Film am 26. September 2025 in die spanischen Kinos.
2025 nahm er am BFI London Film Festival teil. Die Firma Film Factory ist für den internationalen Vertrieb zuständig.
In Deutschland wird der Film von Salzgeber am 24. September 2026 ins Kino gebracht.
Rezeption
Javier Ocaña bezeichnete Maspalomas in El País als die bis dahin beste Arbeit des Moriarti-Kollektivs. Er hob insbesondere das Drehbuch von Jose Mari Goenaga hervor, das das Pflegeheim als Mikrokosmos unterschiedlicher Freiheiten und Einschränkungen, gesellschaftlicher Vorstellungen sowie körperlicher und emotionaler Bedürfnisse entwerfe. Die Regie von Goenaga und Aitor Arregi beschrieb Ocaña als elegant und einfallsreich. Durch die Bildkomposition und die Anordnung von Menschen und Gegenständen innerhalb des Bildes würden individuelle und kollektive psychologische Zusammenhänge vermittelt, ohne auf einfache Symbolismen zurückzugreifen. Auch die zurückgenommene und körperlich wandlungsfähige Darstellung von José Ramón Soroiz hob er hervor. Die erste halbe Stunde in Maspalomas mit ihren expliziten sexuellen Bildern hielt Ocaña für unverzichtbar, um im Kontrast dazu Vicentes späteres Leben im Pflegeheim zu verstehen. Die während der COVID-19-Pandemie hinzukommende Erfahrung des Eingeschlossenseins vervollständige für ihn die Auseinandersetzung des Films mit Sexualität, Alter, Begehren und Freiheit.
Astrid Meseguer hob in La Vanguardia insbesondere die unverblümte Darstellung von Vicentes Sexualität und den Kontrast zwischen seinem Leben in Maspalomas und dem Pflegeheim hervor. Die expliziten Szenen zu Beginn des Films seien wesentlich, um die spätere Einschränkung seiner Freiheit nachvollziehbar zu machen. Zudem würdigte sie die Darstellung von Nagore Aranburu als Vicentes Tochter und die Auseinandersetzung des Films mit gesellschaftlichen Vorurteilen gegenüber der Sexualität älterer Menschen.
Auszeichnungen
2025: Internationales Filmfestival von San Sebastián – Silberne Muschel für José Ramón Soroiz (ex aequo mit Zhao Xiaohong) 2025: Sebastiane Award für den besten Film 2025: Premio José María Forqué für die beste männliche Schauspielleistung an José Ramón Soroiz 2026: Premios Feroz für den besten Hauptdarsteller an José Ramón Soroiz und den besten Nebendarsteller an Kandido Uranga 2026: Zinemastea – Preis für den besten Film 2026: Goya für den besten Hauptdarsteller an José Ramón Soroiz Der Film war insgesamt in neun Kategorien nominiert, darunter als bester Film, für die beste Regie und für das beste Originaldrehbuch. 2026: Sonoma International Film Festival – Großer Preis der Jury für den besten Spielfilm 2026: QMS Award der Queer Media Society für das beste fiktionale Langformat beim Filmfest München
Weblinks
Maspalomas beim Filmdienst Maspalomas beim deutschen Verleih Salzgeber
Einzelnachweise
Kategorie:Spanischer Film Kategorie:Alter im Film Kategorie:Homosexualität im Film Kategorie:Filmtitel 2025