Die Baureihe DG 39 waren Kleinlokomotiven von Henschel und stammten aus der Typenreihe DG, die von 1937 bis 1955 hergestellt wurde. Von der Typenreihe DG sind diese Lokomotiven die größten und stärksten Maschinen. Es sind 68 Fahrzeuge bekannt, die von 1936 bis 1956 in verschiedenen Spurweiten hergestellt wurden. Aufgabe der Fahrzeuge war der Verschub auf Übergabegleisen in privaten Betrieben. Die Lokomotiven wurden bis in die 1970er Jahre verwendet und dann ausgemustert.
Drei Lokomotiven sind erhalten: die Lok mit der Fabriknummer 25680 in Unterföhring und die mit der Fabriknummer 25683 beim Modelleisenbahn-Club Selb. Bei einer dritten Maschine sind die Fabriknummern nicht identisch.
Entwicklung und Verbleib
Von Henschel wurden die Lokomotiven als Motor-Getriebe-Kleinlokomotiven bezeichnet und waren in dieser Kategorie die größten und stärksten Maschinen.Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Seite 103 ff. Nach Katalog-Angaben wurden die Lokomotiven in den Spurweiten 600–760 mm gefertigt. Außer diesen Spurweiten wurden sie noch in den Spurweiten 900 mm, 1000 mm und Normalspur gefertigt,Auflistung der von Henschel gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) wobei die Lokomotiven in der breiten Spurweite außer den außerhalb des Rahmens angeordneten Rädern eine Zug- und Stoßeinrichtung der Regelbauart hatten.Foto von einer erhaltenen Lokomotive der Regelspurbauart auf rangierdiesel.de
Die erste Lokomotive wurde 1937 mit der Fabriknummer 23422 an die Griechische Staatsbahn geliefert, mit der Nummer 23423 folgte eine zweite Lokomotive im gleichen Jahr. In der Folgezeit wurden die Lokomotiven an größere Betrieben für den Übergabebetrieb geliefert. Sehr viel wurden die Maschinen von R. Dolberg und verschiedenen Einrichtungen des Heeres beschafft und auch während des Zweiten Weltkrieges produziert. 1956 wurden sie vom Neubauprogramm des Herstellers abgelöst.
Im Betrieb waren die Lokomotiven ungefähr 20 Jahre lang, von vielen sind die Ausmusterungsdaten nicht bekannt. Die Lokomotive Henschel 25238, die 1955 für die P. Temming AG in Glückstadt geliefert wurde und dort die Nummer 6 trug, wurde 1977 verschrottet.
Erhaltene Lokomotiven
In der Spurweite 600 mm wurde die Lokomotive 25680 1955 an eine Privatfirma in Frankfurt/Main geliefert. Von dort gelangte sie zur Überland AG für den Lehmabbau in Unterföhring. 2005 wurde die Lok als Denkmal aufgestellt.
In der Spurweite 750 mm wurde die Lokomotive 25683 1955 an eine Firma des Kaolinabbaues in Pechbrunn verkauft und war dort bis 1965 im Einsatz. Nach der Ausmusterung gelangte sie 1986 zum Modelleisenbahn-Club Selb.
Eine weitere Lokomotive wurde in der Normalspur an das Oberkommando des Heeres geliefert. Deren Daten sind nicht eindeutig, eine Quelle spricht von der Fabriknummer 25409, eine andere nennt die 25411.Internetseite auf rangierdiesel.de von einer erhaltenen Lokomotive der DG 39 in Zwickau
Technische Beschreibung
Die Motoren waren nach dem System Lanova aufgebaut und stammten wie die mechanischen Getriebe aus dem Lastkraftwagenbau von Henschel. Die Bezeichnung der Lokomotive leitet sich wie folgt ab: DG = Diesel-Getriebe-Lok und 39 = Motorleistung 39 PS. Sie entstanden auf der Grundlage eines Vertriebsabkommens mit der Maschinen- und Feldbahn-Fabrik R. Dolberg, das bis 1951 Gültigkeit hatte. Henschel war für die Fertigung zuständig, während der Vertrieb durch Dolberg abgewickelt wurde.Datenblatt über die gefertigten Lokomotiven Henschel DG 26 auf www.rangierdiesel.de Innerhalb der Typengruppe gab es Ausführungsvarianten, die mit einem römischen Suffix gekennzeichnet wurden.
Die Lokomotiven besitzen einen Vorbau für die Maschinenanlage und ein Führerhaus, ähnlich der DR-Kleinlokomotive Leistungsgruppe I (Kö). Der Vorbau hat eine halbrunde Form, das Führerhaus zwei rechteckige Fenster vorne und hinten.
Der Dreizylinder-Viertakt-Dieselmotor hat stehende Zylindern, die über eine Lamellenkupplung ein mechanisches Viergangang-Getriebe mit Wendegetriebe antrieben. Die Antriebsachsen werden über ein Kettenpaar angetrieben.Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Seite 104 Bei der Mehrzahl wurde ein Antrieb mit einer Blindwelle verwendet, wobei bei den Lokomotiven mit 600 mm Spurweite die Räder innerhalb des Rahmens, bei denen mit Normalspur außerhalb des Rahmens geführt wurden. Die Lokomotiven waren mit einer mechanischen Bremse ausgerüstet. Sie waren nach Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung für den Betrieb auf Eisenbahnen des Bundes nicht zugelassen. Eine Zug- und Stoßeinrichtung nach Regelbauart ermöglichte bei den Fahrzeugen in der Normalspur das Rangieren von Regelfahrzeugen, die Fahrzeuge der kleineren Spurweite besaßen eine Mittelpuffer-Kupplung. Die Lokomotiven waren in der Lage, bei Höchstgeschwindigkeit in der Ebene 38 t zu ziehen, auf 5 ‰ waren es 22 t, auf 10 ‰ 14 t und auf 25 ‰ noch 4 t.
Siehe auch
Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel
Literatur
Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Seite 103 ff.
Weblinks
Internetseite über die erhaltenen Feldbahnlokomotiven von Henschel mit Erwähnung der Henschel 25680 Liste der erhaltenen Lokomotiven von Henschel auf www.werkbahn.de mit Erwähnung der DG 39 Auflistung der verschiedenen Typen der Typenreihe DG von Henschel auf www.lokhersteller.de
Einzelnachweise
Kategorie:Schienenfahrzeug (Henschel) Kategorie:Dieselmechanische Lokomotive