Das Serail zu Safed in der israelischen gleichnamigen Stadt ist ein ehemaliges Serail, also ein osmanischer Gouverneurssitz. Er stammt aus den 1730er Jahren und damit aus Zeiten (um 1730 bis 1775) der Herrschaft Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidanis. Gemäß der damals fehlenden Trennung der Funktionen war das Serail zugleich Gouverneursresidenz, Verwaltungsgebäude der Bezirksregierung (), Kaserne der Sicherheitsorgane, Gefängnis und das Ganze in der Hülle eines festen Hauses zur Abwehr von Überfällen.Überfälle befahl die Hohe Pforte, um unbotmäßige oder vermeintlich unbotmäßige Gouverneure zu disziplinieren oder abzusetzen, begannen konkurrierende Regionalpotentaten, die sich einen Sieg ausmalten oder schlicht räuberische Banden oder Stämme, die sich reiche Beute erwarteten. Das Serail, eins der schönsten Gebäude der Stadt, ist eine Landmarke Safeds.

Aus Anlass des 25. Thronjubiläums des osmanischen Sultans wurde 1901 ein Uhrturm angebaut. In der britischen Zeit (1918–1948) blieb der Bau Sitz der Regierung des Bezirks (, ). Nach folgender militärischer und karitativer Nutzung dient der Bau seit 1975 als Kulturzentrum und Museum.

Namen Im levantinischen Arabischen erscheint das persische Lehnwort als oder (mask.).Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. 5. Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1985, S. 563; (1. Auflage 1952: ). Es bezeichnet Bauten für Repräsentation, Wohnzwecke und Verwaltung aus osmanischer Zeit, denn private Gemächer, auch solche für Haremsdamen, wie Verwaltungsräume, waren oft unter einem Dach. Die Bezeichnung für das Serail zu Safed lautet auf und auf . Am Ort ist auch Beit haSarajah () gebräuchlich.

Lage Das Serail steht auf ebener Fläche westlich vom Hügel Har Zfat, die neben dem Serail noch Raum für die weite westlich vorgelagerte Kikkar haʿAtzmaʾut () lässt, ein öffentlicher Platz. Es liegt südlich außerhalb der Altstadt, die sich an Westhängen des Burgbergs der Kreuzfahrerburg erstreckt, erstmals 1168 erbaut und 1240 riesig neu errichtet als Höhenburg der Templer, seit dem Erdbeben in Galiläa 1837 Ruine.

Geschichte Galiläa kam, wie die gesamte Levante, durch den Osmanisch-Mamlukischen Krieg (1516–1517) ans Osmanische Reich. Sultan Süleyman I. der Prächtige, ermöglichte Juden in Safed eine Blütezeit, in der Isaak Luria und andere Kabbalisten wirkten und die nicht einmal hundert Jahre andauerte. Die Situation begann sich Mitte des 17. Jahrhunderts zu verschlechtern, als die Hohe Pforte schwächer wurde und lokale Führer begannen, sich gegenseitig zu bekämpfen, wobei es ihnen vorrangig darum ging, sich gegenseitig Gebiete abzuluchsen, um in weiteren und womöglich minder ausgeplünderten Bereichen die Steuern einzutreiben, wobei sie davon nur einen Bruchteil an die Hohe Pforte weitergaben. Safed sank herab zu einem elenden Flecken in der Peripherie eines zerrütteten Osmanischen Reiches.ʿAtzmonah Wachsmann Schabtai (), roashhorot.blogspot.com, 22. September 2020; abgerufen am 24. September 2025.

Diesem Verfall stemmte sich Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani (um 1690–1775) entgegen, eine mutige und charismatische Persönlichkeit aus der erfolgreichen Beduinenfamilie al-Zayadina, damals ansässig in ʿArraba. Aus gegebenem Anlass, zu einem nicht genau überliefertem Zeitpunkt zwischen 1713 und 1718, hatte er das Dorf al-Biʿna () vor Erpressung überhöhter Abgaben an den Wālī des Eyâlets Sidon bewahrt, was seinen guten Ruf begründete. Als Kaufmann erfolgreich konnte er in eine bedeutende damaszenische Familie einheiraten und rückte um 1730 in herausgehobene Stellung als Sprecher eines Stammes von Unruhestiftern. Die Banū Ṣaqr trieben zwischen Safed und Tiberias ihr Unwesen und baten al-ʿUmar al-Zaidani um seine Fürsprache beim Wālī von Sidon der schon militärisch gegen sie vorgehen wollte. Als Dank für die erfolgreiche Vermittlung erwiesen die Banū Ṣaqr ihrem Sprecher Kampfesdienste, womit er im gleichen Jahr – mit Einwilligung des Wālīs – Tiberias im sich selbst überlassenen Südosten des Eyâlets einnahm, indem sie die Drusen vertrieben, die die Gegend verheerten. Der Wālī ernannte ihn zum Steuerpächter () der zugehörigen Nahiyat Tabariyya.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), S. 32. ISBN 0-231-12327-2.

Al-ʿUmar al-Zaidani befestigte sich Tiberias, erbaute das dortige Serail, und nahm 1738 die Festung Gadin () ein mitsamt den Dörfern Abu Sinan, Wabar und Tarschiha, wo der Steuerpächter die Steuerpflichtigen derart schröpfte, dass diese an al-ʿUmar al-Zaidani appellierten, sie von diesem Joch zu befreien. Er holte die Einwilligung des Wālīs ein, dort Steuerpächter statt Hussain bin Chaliqs zu werden und schlug ihn mit Hilfe der Banū Ṣaqr. Den Multazim von Safed, das zwischen Tiberias und Gadin liegt, presste und lockte Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani im gleichen Jahr ihm auch diese Stadt und die Nahiyat Safed zu überlassen, wodurch er ein durchgehendes Gebiet in Galiläa zusammengebracht hatte. Ẓāhir al-ʿUmar setzte kaufmännisch denkend auf regelmäßige kontinuierliche Steuereingänge, statt auf einmalige Höchstbeträge, die die Steuerpflichtigen ruinierten. Sein Konzept schloss auch ein, Landpächter vor Räubern zu schützen. Bei Eroberung Gadins hatte al-ʿUmar al-Zaidani den maghrebinischen Söldner Aḥmad al-Dankizlī kennengelernt, der sich ihm anschloss und über den er mit den Jahren über 1.000 Maghribiner als Söldner anwarb, mit deren Hilfe er sich der unsicheren, zu Räubereien neigenden Banū Ṣaqr entledigte.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Band 6), S. 33. ISBN 0-231-12327-2.

Von Kaufleuten respektiert und bäuerlichen Landpächtern für Rücksicht und Schutz geschätzt, begann Ẓāhir al-ʿUmar mit Verhandlung und militärischem Geschick in Galiläa eine Ordnung aufzubauen, die Schutz vor Raubüberfällen und amtlicher Ausbeutung und Willkür bot, indem er allgemeine Regeln aufstellte und durchsetzte, auf die sich die Einwohner verlassen konnten. Die Ruinenstadt Akkon mit ihrem natürlichen Hafen nahm Ẓāhir al-ʿUmar sich zur Hauptstadt und rekonstruierte ihre Befestigungen.Jill Gill, Norman Wareham: Every Pilgrim’s Guide to the Holy Land. 3. Auflage. SCM-Canterbury Press, London 1998, ISBN 1-85311-212-7, S. 178. Die Nahiyat in Galiläa bis Safed und Tiberias gehörten jetzt zum Verwaltungsgebiet (später Sandschak Akkon genannt) mit Sitz in der regionalen Hauptstadt. In Ẓāhir al-ʿUmars Gebiet vor Raub geschützt konnten bäuerliche Produzenten ihre Produktion steigern und behielten nach Steuer und Pacht mehr von ihrem Ertrag für sich übrig als ihresgleichen in Gebieten anderer Herren. Ẓāhir al-ʿUmar übernahm den Export global gängiger Feldfrüchte auf die Weltmärkte.

Wachsende heimische Produktion und steigende globale Preise brachten den Beteiligten auf allen Ebenen mehr ein, bei gleichzeitigem Schutz vor Willkür und Raub, so dass Ẓāhir al-ʿUmars bislang dünn besiedeltes Herrschaftsgebiet eine Sogwirkung auf Migranten von außerhalb entwickelte. In den Folgejahren erhob sich al-ʿUmar al-Zaidani in seinen Steuerbezirken zum autonomistischen Regionalpotentaten, geflissentlich dem osmanischen Fiskus den geforderten Anteil an den Steuern zahlend und offenen Konflikt mit der wenig präsenten Hohen Pforte meidend, sondern deren Anerkennung suchend. Sein Herrschaftsbereich blieb immer prekär, denn die Hohe Pforte ihrerseits beäugte argwöhnisch jede erfolgreiche lokale Regierungskunst als Gefahr für die Reichseinheit und ermutigte wieder und wieder Wālīs benachbarter Verwaltungsbezirke al-ʿUmar al-Zaidani zu stürzen.

Dieser setzte Brüder, Neffen, Cousins und seine acht Söhne als Mutasallim () in den verschiedenen befestigten Plätzen seines Herrschaftsbereichs ein. Es saßen die Söhne ʿAbbās in Nazareth im dortigen Serail, Aḥmad zunächst in Sepphoris und nach Zugewinn weiter östlicher Gebiete dann in ʿAdschlun und as-Salt, ʿAlī in Safed, der älteste Ṣalībī in Tiberias,Martin Dow, Andrew Petersen, Denys Pringle, Caroline Singer: Qalʿat Jiddin: a Castle of the Crusader and Ottoman periods in Galilee. In: Levant, 1994, Band 26, Nr. 1, S. 135–166, hier S. 162. ʿUthmān in Schafā ʿAmr und deren Onkel Saʿd al-ʿUmar al-Zaidani in Dair Ḥanna, ältester Bruder Ẓahirs al-ʿUmars. Zur Sicherung der erlangten Position errichtete ʿAlī ibn Ẓahir al-ʿUmar das Serail zu Safed.Khaldun Bshara (), Derelict Structures – The Ottoman Saraya: All That Did Not Remain. (PDF; 0,7 MB) palestine-studies.org In: Jerusalem Quarterly, Nr. 69 (Frühjahr 2017), S. 66–77, hier Fußnote 2 auf S. 76. Die Einnahme Safeds in Obergaliläa hatte die Einflusszone seines Vaters derjenigen der schiʿitischen Metawali () im nordgaliläischen Dschabal ʿĀmil aufgedrängt, die sich als mögliches Objekt weiterer Ausdehnung Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidanis in Stellung brachten. Ẓahir al-ʿUmar fand einen lange Jahre stabilen Interessensausgleich.Nach Scharmützeln um zwei Dörfer, die Ẓahir al-ʿUmar den Metawalis entriss, bestand lange kühle respektvolle Ruhe, bis 25 Jahre später, 1767, beide Seiten ein Beistandsbündnis schlossen. Die Metawalis stellen bei Gefahr von außen Truppen, Ẓahir al-ʿUmar regelte ihre Steuerpflichten gegenüber dem Wālī in Sidon und verteidigt sie gegen die aggressiven Drusen. Thomas Philipp: Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831. Columbia University Press, New York / Chichester, 2001, ISBN 0-231-12327-2, S. 37 (=History and society of the modern Middle East series, Band 6).

Im September 1746 erzwang Ẓāhir al-ʿUmar in seinem Herrschaftsbereich als einziger Mittelsmann ein Monopol im Baumwollhandel zwischen einheimischen Verkäufern und europäischen, vor allem französischen Käufern, um als Regionalpotentat eine Monopolrente fiskalisch abzuschöpfen. Ẓāhir al-ʿUmar brachte auch weitere Gebiete unter seine Herrschaft, was einheimische Bauern eingenommener Landstriche meist wohlwollend hinnahmen. Bald gehörten außer Galiläa weitere Landstriche, wie die südlich von Haifa gelegene Scharonebene an der Küste und der nördliche Küstenstreifen bis einschließlich Sidon zu seinem Gebiet. Dass die Handelswege Darb al-Hawarnah und Via Maris nunmehr abschnittsweise al-ʿUmar al-Zaidanis gut organisierten Herrschaftsbereich durchquerten, lief den Interessen der Damaszener und der Nabulusiten zuwider, so dass sie alarmiert waren. Die seit langem verfallenen alten Handelsstraßen ließ Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani bewusst in diesem Zustand, um feindliche Heeresbewegungen und besonders den Transport von Kriegsmaschinen gegen die Serails in seinem Gebiet zu erschweren.Thomas Philipp, Acre: the rise and fall of a Palestinian city, 1730–1831, New York und Chichester: Columbia University Press, 2001, (=History and society of the modern Middle East series; Bd. 6), Seite wie gesondert angegeben. ISBN 0-231-12327-2.