Córdoba [] ist die Hauptstadt der Provinz Córdoba im Süden Spaniens und die drittgrößte Stadt Andalusiens. Die Stadt, deren Vorläufer bis in die römische Antike reicht, ist von ihrem historischen Erbe und vielen Bauten aus der Zeit der maurischen Herrschaft geprägt, als Córdoba zeitweilig das Zentrum von Regierung und Gelehrsamkeit auf der Iberischen Halbinsel und eine der größten Städte der Welt war. Die aus einer Moschee – eine der größten erhaltenen Europas – hervorgegangene Mezquita-Catedral ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe.

Geografie mini|Córdoba mini|Córdoba am Río Guadalquivir

Die Stadt Córdoba ist eine Gemeinde und zugleich gleichnamige Comarca in der Provinz Córdoba. Sie liegt am Fuße der Sierra Morena in einer Ufersenke des Guadalquivir.

Klima Córdoba hat ein kontinentales Mittelmeerklima, das vom Atlantik beeinflusst wird. Die Winter sind mild, Frost ist selten. Die Sommer sind normalerweise sehr heiß mit hohen täglichen Temperaturschwankungen. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen sind die höchsten in ganz Europa. Im Sommer werden regelmäßig mehr als 40 °C erreicht. Die Durchschnittstemperaturen im Juli und August liegen bei 27 °C. Bedingt durch den atlantischen Einfluss konzentrieren sich die Niederschläge auf die kühleren Monate Dezember bis Februar. Die jährliche Niederschlagsmenge schwankt sehr stark, kann aber 500 mm übersteigen.

Die höchste Temperatur, die je vom Observatorio del Aeropuerto de Córdoba gemessen wurde, beträgt 46,6 °C (23. Juli 1995). „Im Juli 2017 wurden in Córdoba 46,9 Grad gemessen.“ Die tiefste Temperatur lag bei −8,2 °C (28. Januar 2005).

Geschichte Altertum Córdoba geht auf eine alte iberische Siedlung namens Karta Tuba (= „Große Stadt“) zurück. Unter der Herrschaft der Karthager zu Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. hatte der Ort große wirtschaftliche Bedeutung. Er wurde 169 v. Chr. von den Römern besetzt. Die antiken Historiker PolybiosPolybios, Historíai 35, 2, 2. und StrabonStrabon, Geographika 3, 2, 1. berichten, dass der Feldherr und Politiker Marcus Claudius Marcellus hier 152 v. Chr. eine römische Stadt namens Corduba gründete, als er gerade Friedensgespräche mit den Keltiberern führte. Sie gehörte zunächst zur römischen Provinz Hispania ulterior.Corduba. In: Hellmut Brunner, Klaus Flessel, Friedrich Hiller (Hrsg.): Lexikon Alte Kulturen. Bd. 1, Meyers Lexikonverlag, Mannheim 1990, ISBN 3-411-07301-2, S. 508. Im Krieg gegen Viriathus schlug Quintus Fabius Maximus Servilianus 142 v. Chr. hier sein Winterquartier auf.Appian, Iberika 67 f. Zeitweilig diente Corduba als Hauptstadt von Hispania ulterior. In den beiden hispanischen Feldzügen, die Gaius Iulius Caesar während seines Kriegs gegen Pompeius und dessen Söhne in den Jahren von 49–45 v. Chr. führte, wird Corduba in den antiken Quellen oft erwähnt.

Caesar hielt hier 49 v. Chr. eine Versammlung von Vertretern aller Städte der Provinz ab, die zur Unterwerfung des Legaten des Pompeius, Marcus Terentius Varro, und seiner beiden Legionen führte.Caesar, Bürgerkriege 2, 19, 1 – 21, 3. Aber die Erpressungen und Gewaltmaßnahmen des von Caesar in Hispania ulterior eingesetzten Proconsuls Quintus Cassius Longinus, die Meuterei beider früheren Legionen des Varro und des eigenen Quästors des Longinus, Marcus Claudius Marcellus, führten zum Abfall der Stadt von Caesar und hätten einen heftigen Kampf vor und innerhalb ihrer Mauern hervorgerufen, wenn nicht durch das Dazwischentreten des Proconsuls von Hispania citerior, Marcus Aemilius Lepidus, eine Verständigung erzielt worden wäre.Caesar, Bürgerkriege 2, 20 f.; [Caesar], De bello Alexandrino 49, 1–64, 1; Cassius Dio, Römische Geschichte 41, 15 und 41, 24; Appian; Bürgerkriege 2, 104. Im Krieg gegen die Söhne des Pompeius war Corduba ebenfalls Ausgangspunkt von Caesars Feldzug im Herbst 46 v. Chr., doch konnte er die Stadt, in der Sextus Pompeius Quartier bezogen hatte, nicht erobern.[Caesar], De bello Hispaniensi 2, 1–12, 3; 32, 4; 32, 6; Cassius Dio, Römische Geschichte 43, 32 f. Auf die Kunde vom Ausgang der Schlacht von Munda verließ Sextus Pompeius die Stadt,[Caesar], De bello Hispaniensi 32, 3 f; Cassius Dio, Römische Geschichte 45,10. die Caesar nach dem Freitod ihres Verteidigers Annius Scapula mit großer Mühe einnahm.[Caesar], De bello Hispaniensi 33, 1; Cassius Dio, Römische Geschichte 45, 39. Appian, Bürgerkriege 2, 105.

Nach der Neuordnung der Iberischen Halbinsel war Corduba die Hauptstadt der von Kaiser Augustus gegründeten Provinz Hispania baetica. Zahlreiche Inschriften und Münzen belegen, dass die Stadt seit der Ära des Augustus den Namen Colonia Patricia führte. Die Verleihung des Status einer Kolonie hatte noch während der Zeit der Römischen Republik kurz vor 45 v. Chr., möglicherweise auf Anordnung eines der Söhne des Pompeius, stattgefunden. Augustus siedelte hier Veteranen der Legio V Alaudae und Legio X Gemina aus dem Kantabrischen Krieg an. In dem Bezirk von Corduba lagen reiche Kupferbergwerke. Berühmt war auch seine Schafzucht. Im 3. oder 4. Jahrhundert wurde Corduba Bischofssitz. Einer der ersten Bischöfe soll Ossius (Hosius) gewesen sein, der als Berater Konstantins des Großen u. a. maßgeblich das Konzil von Nicäa beeinflusste. mini|Bronzemünze aus Corduba, Porträt des Augustus, GIC 16 mini|Blick auf Córdoba, ca. 1837

Nach der Zerstörung durch die Vandalen blieb Córdoba Teil des Westgotenreiches und war ständige Münzstätte. Von 554 bis 571 gehörte es zur oströmischen Provinz Spania. Es behauptete sich in dieser Zeit erfolgreich gegen die Westgotenkönige Agila und Athanagild. Nach der Rückeroberung durch den Westgotenkönig Leovigild 572 ging es zum aufständischen Hermenegild über, doch konnte es Leovigild 584 wieder in seinen Besitz bringen. Danach verlor es an Bedeutung und verfiel zusehends.

Mittelalter und Neuzeit Die Stadt wurde 711 von den Mauren eingenommen und größtenteils zerstört, war ab 716 zeitweise Sitz der Statthalter von al-Andalus und ab 756 die Hauptstadt des umayyadischen Emirats von Córdoba. Im 9. Jahrhundert wirkten hier der Universalgelehrte ʿAbd al-Malik ibn Habīb sowie der Traditionarier Baqī ibn Machlad, der wesentlich die Hadith-Gelehrsamkeit in al-Andalus einführte. In den 850er Jahren wurden die Märtyrer von Córdoba hingerichtet.

Im 10. Jahrhundert wurde das Kalifat von Córdoba errichtet. In dieser Zeit lebten ungefähr 110.000 Menschen in Córdoba (), das damals eine der größten Städte der Welt war. Die Straßen waren gepflastert, nachts beleuchtet, es gab sogar fließendes Wasser und 1600 Hamams. Christen, Juden und Muslime lebten meistens friedlich zusammen. Christen und Juden zählten zu den Dhimmis (Schutzbefohlenen) mit eingeschränktem rechtlichen Status und mussten die diesem Status entsprechende Dschizya (Steuer) zahlen. Im Jahr 1066 ereignete sich in der Nähe das antisemitische Massaker von Granada, das als erstes Pogrom in Europa gilt. Nach Aussage des andalusischen Gelehrten asch-Schaqundī (gest. 1231/32) waren die Bewohner von Córdoba die eifrigsten Anhänger der malikitischen Rechtsschule, so dass sie keinen Herrscher einsetzten, wenn er nicht gelobte, sich bei seinen Entscheidungen nach diesem Madhhab zu richten.Vgl. Abū-l-Walīd Ismāʿīl ibn Muḥammad al-Šaqundī: Risāla fī Faḍl al-Andalus. Spanische Übersetzung unter dem Titel Elogio del Islam español von Emilio García Gómez. Estanislao Maestre, Madrid 1934, S. 104.

Nach dem Untergang des Kalifats errang in der Zeit der Taifa-Königreiche zunächst 1031 die maurische Dynastie der Dschahwariden die Herrschaft, die 1069 von den Abbadiden aus Sevilla abgelöst wurde. Nach deren Sturz 1091 gehörte die Stadt zum Herrschaftsbereich der Berberdynastie der Almoraviden. 1148 wurde die Stadt von den Almohaden erobert. Tausende Juden flohen vor Almoraviden und Almohaden erst nach Córdoba und weiter in den Norden.

Im Rahmen der Reconquista eroberten 1236 christliche Truppen des kastilischen Königs Ferdinand III. die Stadt (Fall von Córdoba). Im folgenden Grenzkrieg war sie ein christlicher Militärstützpunkt gegen das muslimische Emirat von Granada. Die im Jahr 1350 erbaute jüdische Synagoge ist eins der ältesten Bauwerke ganz Andalusiens. Sie blieb das Herzstück des alten jüdischen Viertels der Stadt, der Judería, bis zur Vertreibung der Juden 1492. Der Übergang der Stadt unter christliche Kontrolle beschleunigte ihren wirtschaftlichen und ökonomischen Niedergang. 1589 wurde die Stadt von einem heftigen Erdbeben heimgesucht.

19. und 20. Jahrhundert Während des spanischen Unabhängigkeitskrieges wurde die Stadt am 8. Juni 1808 von französischen Truppen unter General Pierre Dupont de l’Étang eingenommen, während drei Tagen ausgeplündert und zum großen Teil zerstört. Es gab zahlreiche Vergewaltigungen, auch an Nonnen.

Ende 1872 fand in Córdoba ein Kongress des anarchistischen Internationalismus statt.

Im Spanischen Bürgerkrieg gehörte Córdoba 1936 zu den ersten Städten, die von Truppen des Generals Francisco Franco besetzt wurden. 1949 ließ sich der Arzt Carlos Castilla del Pino hier nieder und leitete den Dienst für psychisch Kranke und Alkoholiker. Er schildert in seinen 2004 erschienenen Memoiren das Schweigen und die Angst, die in der franquistischen Diktatur herrschten. Angesichts der immer drohenden Denunziation mieden selbst Unterstützer des Regimes die geringste Kritik, und sei es nur am Bürgermeister. Dies endete, so Castilla del Pino, erst mit dem Tod des Diktators 1975.

Córdoba ist die einzige Großstadt Spaniens, in der die Izquierda Unida (IU) bzw. die Kommunistische Partei Spaniens (PCE) seit der Transición, dem Übergang zur Demokratie, lange Zeit die Stadtregierung anführte. Langjähriger Oberbürgermeister war Julio Anguita, der im Februar 1988 die Leitung der Izquierda Unida übernahm.

Bei den Kommunalwahlen am 22. Mai 2011 wurde der Kandidat des Partido Popular (PP), José Antonio Nieto, mit 48 % der gültigen Stimmen zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Der PP bekam 16 der 29 Stadtratsmandate. Somit konnte er in Córdoba ohne Koalition mit anderen Parteien regieren. 2015 folgte ihm Isabel Ambrosio von der PSOE. Seit 2019 bekleidet José María Bellido dieses Amt; bei den Wahlen 2023 erreichte die PP 46 % der gültigen Stimmen, was zu 16 der 30 Stadtratsmandate und damit zur alleinigen Mehrheit im Stadtrat reichte.

Städtepartnerschaften Córdoba unterhält folgende Städtepartnerschaften: StadtLandseitTypAdana 15px Amadora 15px FreundschaftsabkommenBethlehem1988FreundschaftsabkommenBourg-en-Bresse 15px1992FreundschaftsabkommenBuxoro1983PartnerstadtCórdoba 15px1969PartnerstadtCórdoba 15px1980PartnerstadtDamaskus 15px2002PartnerstadtFès1990PartnerstadtKairouan1968PartnerstadtLa Habana Vieja2000PartnerstadtLa Louvière 15px FreundschaftsabkommenLahore1968PartnerstadtManchester FreundschaftsabkommenNîmes 15px2013PartnerstadtNürnberg 15px2010PartnerstadtSantiago de Compostela 15px2004PartnerstadtSmara1987Partnerstadt

Die Städtepartnerschaft mit der Stadt Nürnberg (Deutschland) wurde am 6. Mai 2010 unterzeichnet. . In: Website der Stadt Nürnberg (abgerufen am 5. November 2010). Die Bürgermeister beider Städte hatten hierzu am 3. Oktober 2009 in Nürnberg eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Partnerschaft geht auf die Freundschafts- und Städtepartnerschaftsinitiative Nürnberg-Córdoba, eine Initiative des seit 1961 bestehenden Centro Español Nürnberg e. V., zurück.Ayuntamiento de Córdoba (2010): Córdoba hacia el 2016, „Córdoba en el Mundo“. S. 142, 143.

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