mini|350px|Eingang zum Friedhofsgelände Der Neue Friedhof in Służew (polnisch: Nowy cmentarz na Służewie) ist ein Begräbnisplatz im Warschauer Stadtteil Mokotów. Auf dem Friedhof befinden sich bedeutende Gedenkstätten und Gräber der Opfer des Zweiten Weltkriegs und der stalinistischen Verbrechen in der Nachkriegszeit.
Lage Der Friedhof liegt zwischen den Straßen Ulica Noskowskiego, Ulica Wałbrzyska und Ulica Bacha. Der Zugang erfolgt von der Ulica Wałbrzyska. Der etwa dreieckige Friedhof hat eine Fläche von knapp 4 Hektar. Über die Ulica Dominikańska (Verlängerung der Ulica Noskowskiego) erreicht man das Dominikanerkloster in Służew nach 150 Metern.
Geschichte Vermutlich wurden an der Stelle des heutigen Friedhofs schon früher Bestattungen durchgeführt; so sollen hier Gefallene des Kościuszko-Aufstands beerdigt worden sein. Von 1900 bis 1903 wurde der Friedhof auf Initiative des Prälaten Zygmunt Skarzyński auf einem von dem Großgrundbesitzer Ksawery Branicki (1864–1926) gestifteten Grundstück angelegt. Die Gestaltung der Anlage übernahm Stanisław Płonkowski. Ursprünglich hatte der Friedhof einen ländlichen Charakter, auf dem Friedhofsgelände wurden Bäume gepflanzt. Heute liegt er innerstädtisch und ist gestalterisch wenig bemerkenswert.
In den Jahren 1944 bis 1948 – während der Zeit stalinistischer Unterdrückung und „Säuberung“ in Polen – wurden hier, wie auch in der Umgegend, heimlich Menschen begraben, die Großteils im Gefängnis Mokotów ermordet worden waren. Eine Erweiterung des Friedhofs erfolgte im Jahr 1955; ebenfalls 1955 wurde eine Begräbnisstätte für diese Opfer der kommunistischen Repressionen eingerichtet – dazu wurden in Mokotów gefundene und ausgegrabene sterbliche Überreste von Ermordeten umgebettet. Bei einer erneuten im Jahr 2014 vom Instytut Pamięci Narodowej initiierten Ausgrabung wurden weitere Leichen exhumiert und der Staatsanwaltschaft gemeldet. Der Friedhof in Służew ist neben dem Powązki-Militärfriedhof und dem Bródno-Friedhof die größte Begräbnisstätte für Opfer des Kommunismus in Polen.IPN zakończył poszukiwania ofiar komunizmu na warszawskim Służewie, Interia Historia, 11. Juli 2014 (polnisch, abgerufen am 24. September 2025)
Der Friedhof wird – ebenso wie der ältere Friedhof von Służew – von der Pfarrgemeinde der Katharinenkirche in Warschau-Ursynów verwaltet. Die Dominikaner des nahegelegenen Klosters, die die Pfarrgemeinde Służews auf der Seite Mokotóws betreuen, dürfen Beerdigungen durchführen.
mini|Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs und des Kommunismus mini|Bestattungsplatz der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs mini|Gedenkkreuz für die Opfer stalinistischer Unterdrückung in der Nachkriegszeit mini|Grabstein für jüdische Opfer der Luftwaffenangriffe auf Warschau 1939
Grabstätten Der Friedhof diente seit seiner Eröffnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Bestattung von Einwohnern der vormaligen Ortschaften Służew und Mokotów. Teile des Friedhofes sind speziellen Personengruppen gewidmet. Etwa mittig des Friedhofs steht ein von Tadeusz Wyrzykowski (1925–2017) entworfenes Denkmal am Rand eines etwa 110 × 25 Meter langen Grasstreifens, das den Opfern des Zweiten Weltkriegs (Gefallene des Schlacht um Warschau sowie des Warschauer Aufstandes) und Opfern der kommunistischen Verfolgung der Nachkriegszeit gewidmet ist. Auf dem Grasstreifen stehen Grabsteine für die hier bestatteten rund 1800 Gefallenen des Krieges, die teilweise namentlich genannt werden.
In der Südspitze des Friedhofes befindet sich an der Friedhofsmauer eine kleine (weitere) Gedenkstätte der Opfer des Stalinismus. Eine Tafel vermerkt dort: Zum Gedenken an die Opfer des kommunistischen Regimes, die in den 1940er und 1950er Jahren illegal verurteilt und ermordet und heimlich auf diesem Friedhof begraben wurden.im Original: Pamięci Ofiar reżimu komunistycznego bezprawnie skazanych i zamordowanych w latach 40 i 50. potajemnie pochowanych na tym cmentarzu
Auf dem Friedhof gibt es auch einen Bereich für verstorbene Dominikaner, in dem Mönche aus den Klöstern in Służew und der Warschauer Neustadt (Hyazinthkirche, Ulica Freta) begraben sind.
Unter den Gräbern befindet sich das symbolische Grab des seliggesprochenen Paters Maksymilian Binkiewicz, der am 24. Juni 1942 im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde. Seine sterblichen Überreste sind nicht erhalten.
Auf dem Friedhof liegen Professoren der nahegelegenen Warschauer Naturwissenschaftlichen Universität begraben, darunter: Antoni Kleszczycki (1906–1974) Roman Kobendza (1886–1955) Roman Kuntze (1902–1944) Jerzy Ważny (1927–2010) Alfons Zielonko (1907–1999)
Weitere hier bestattete Persönlichkeiten: Waldemar Baszanowski (1935–2011) – polnischer Gewichtheber und Olympiasieger Józef Birkenmajer (1908–1942) – polnischer Literaturhistoriker und Dichter Ernest Bryll (1935–2024) – polnischer Dichter Dariusz Fikus (1932–1996) – polnischer Journalist Magdalena Gross-Zielińska (1891–1948) - polnische Bildhauerin, die eine der vom Warschauer Zoodirektor Jan Żabiński versteckten Verfolgten des Besatzungsregimes war.Tomasz Urzykowski, Spacerownik po Służewie. Nowy Cmentarz Służewski i kościół św. Dominika, 29. Mai 2015, Gazeta Wyborcza (polnisch, abgerufen am 25. September 2025) Maria Hiszpańska-Neumann (1917–1980) – polnische Künstlerin Jerzy Kolendo (1933–2014) – polnischer Archäologe und Hochschullehrer Josepha Kodis (1865–1940) – polnische Philosophin und Frauenrechtlerin Halina Krahelska (1892–1945) – polnische Publizistin und Sozialaktivistin Jadwiga Lipińska (1932–2009) – polnische Archäologin Katarzyna Łaniewska (1933–2020) – polnische Theater- und Filmschauspielerin Witold Wirpsza (1913–1985) – polnischer Dichter Jerzy Wojnar (1930–2005) – polnischer Rodelsportler Janusz Wójcik (1953–2017) – polnischer Fußballtrainer
Einzelnachweise
Weblinks
Website des Friedhofs (polnisch) Cmentarz Służewski (Nowy), Atlas Warszawy, iwaw.pl (polnisch)
Służew Kategorie:Mokotów Warschau