Reh im Walde II ist der Titel eines expressionistischen Gemäldes von Franz Marc aus dem Jahr 1912. Es entstand in engem Zusammenhang zu seinem publizistischen Engagement für den Blauen Reiter und soll die dort vertretene moderne Kunstauffassung besonders anhand seiner Tierdarstellungen illustrieren. Das Gemälde gehört seit 1965 zur Sammlung des Münchner Lenbachhauses.

Beschreibung Das Bild hat die Maße 110 × 81 cm, ist in der Maltechnik Öl auf Leinwand ausgeführt und unten rechts mit signiert. Der Kunstsammler und Mäzen Bernhard Koehler kaufte es vom Künstler; nach Koehlers Tod erbte sein Sohn die Sammlung und nach dessen Tod 1964 kamen die nach Kriegsverlusten noch vorhandenen Werke der Sammlung als Schenkung der „Bernhard und Elly Koehler Stiftung“ 1965 an das Lenbachhaus (Inventarnummer G 13 321).

In einer Mulde, links von einem das Bild diagonal teilenden Baumstamm, liegt ein schlafendes Reh auf einem Boden mit perspektivisch angedeuteten geometrischen Flächen, die auf den tiefgreifenden Einfluss des Kubismus auf Franz Marcs Werk hinweisen. Durch diese Art der Darstellung war es möglich, das Tier in seine Umgebung so zu integrieren, dass es nicht sofort entdeckt wird. Der dichte Wald kann zwar einen gewissen Schutz liefern, wirkt aber auch bedrohlich, denn die Äste der umgebenden Nadelbäume (wahrscheinlich Fichten) neigen sich dem Tier mit ihren Spitzen entgegen, was der Kunsthistoriker Frederick S. Levine als verschlüsseltes apokalyptisches Symbol sieht.Frederick S. Levine: The Iconography of Franz Marc’s Fate of the Animals. In: The Art Bulletin. Band 58, Nr. 2, 1976, , S. 269 ff.

Die Farben, die der Künstler in diesem Bild verwandte, sind gelb für das Reh, nachtblau für den kleinen Ausschnitt des Himmels, die Bodenflächen erscheinen in unterschiedlichen Rottönen und die Vegetation dazu als komplementäre Kontraste. Ausgewählte Konturen führte Franz Marc in reinem Schwarz aus. In diesem nächtlichen „Märchenwald“ scheint es zu stürmen, denn sich schlängelnde weißliche Zweige wehen auf das schlafende Tier herab.Helmut Friedel, Annegret Hoberg: Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München. Prestel Verlag, München 2007, S. 166 f.

Hintergrund Seit sich Franz Marc in Sindelsdorf niedergelassen hat, stellte er fast ausschließlich nur noch Tiere dar. Marc schrieb zu seinem Werk: Nach seiner Hochzeitsreise 1911 entstand die erste Version des Bildes Reh im Walde (Reh im Walde I Galerie Stangl, München). Die Formen sind noch nicht so kontrastreich herausgearbeitet wie in der zweiten Version. Dieses erste Bild war zusammen mit der gelben Kuh (Die gelbe Kuh) der Anlass für die Auseinandersetzungen, die zum Austritt Marcs und Wassily Kandinskys aus der Neuen Künstlervereinigung München (NKVM) führten.Brief an Paul Marc. In: Franz Marc: Briefe, Schriften, Aufzeichnungen. Gustav Kiepenheuer, Leipzig 1989, S. 59–60 (zeno.org).

Ähnliche Motive Die zwischen 1909 und 1914 entstandenen Rehbilder zeigen eine Entwicklung von der realistischen hin zur expressionistischen Darstellung.

Ausstellungen (Auswahl) 7. bis 31. Juli 1912: Zweite Ausstellung des Modernen Bundes im Kunsthaus Zürich (zusammen mit dem Mädchen mit Katze II) September 1912: Im Kunstsalon Ludwig Schames, Frankfurt am Main (Nr. 16) 21. Januar bis 26. Februar 1950: Der Blaue Reiter 1908–1912 – Wegbereiter und Zeitgenossen: Kandinsky, Marc, Macke, Klee in der Kunsthalle Basel (Nr. 206) 30. September bis 30. Oktober 1960: The Blue Rider Group : an exhibition … arranged jointly with the Royal Scottish Academy and the Arts Council of Great Britain in der Galerie The Tate in London (Edinburgh International Festival Nr. 179)

Literatur

Weblinks

Reh im Walde II von Franz Marc lenbachhaus.de

Einzelnachweise

Kategorie:Gemälde (20. Jahrhundert) Kategorie:Kunstwerk des Expressionismus Kategorie:Gemälde von Franz Marc Kategorie:Reh in der Kultur Kategorie:Tiermalerei