Wildnis in Deutschland (kurz InWiD) ist eine Initiative von 22 Naturschutzorganisationen, die sich gemeinsam für mehr großräumige Wildnis in Deutschland einsetzen. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V. initiierte die Gründung der Initiative.
Geschichte Im Jahr 2015 kam erstmals unter der Leitung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt 1858 e.V. eine Gruppe aus Naturschutzorganisationen in Berlin zusammen. 2017 waren es 16 Naturschutzorganisationen, die sich zur Initiative Wildnis in Deutschland zusammenschlossen. Zu den großen Meilensteinen von Wildnis in Deutschland gehört die Einrichtung des staatlichen Förderprogramms Wildnisfonds im Jahr 2019, den die Initiative von der Bundesregierung zum Schutz von Arten und Lebensräumen gefordert hatte. Weiterhin haben einige der Mitgliedsorganisationen der Initiative selbst Wildnisgebiete geschaffen: So erwarb die NABU Stiftung Nationales Naturerbe im Jahr 2018 rund 1300 Hektar im Naturschutzgebiet Anklamer Stadtbruch. Die Deutsche Wildtier Stiftung schuf 2022 durch den Ankauf von Flächen das Wildnisgebiet Aschhorner Moor. Auch weitere Mitgliedsorganisationen der Initiative Wildnis in Deutschland sind kontinuierlich darum bemüht, ihre Wildnisgebiete auszubauen, beispielsweise die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg – die Wildnisstiftung, die die vier Wildnisgebiete Heidehof, Jüterbog, Lieberose und Tangersdorf betreut. Seit 2022 gehören 21 Naturschutzorganisationen dem Verbund an. 2023 wurde das Wildnisbüro Deutschland in Berlin von den drei Trägerorganisationen Zoologische Gesellschaft Frankfurt 1858 e.V., der Naturstiftung David und der NABU Stiftung Nationales Naturerbe eingerichtet, in dem unter anderem auch das Koordinationsteam der Initiative Wildnis in Deutschland sitzt. 2025 wuchs die Initiative auf 22 Mitglieder an: die Dieter Mennekes Umweltstiftung trat der Initiative bei.
Ziele Als „Wildnis“ charakterisiert das Bundesamt für Naturschutz Landschaftsteile, in denen natürliche Prozesse dauerhaft ohne menschliche Steuerung ablaufen können. Im Jahr 2007 beschloss die Bundesregierung eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt mit dem Ziel bis 2020 zwei Prozent der Landesfläche als großflächige Wildnis-Gebiete auszuweisen. Eine 2024 veröffentlichten BilanzstudieBilanzierung großflächiger Wildnisgebiete in Deutschland (pdf) von Wildnis in Deutschland kam zu dem Ergebnis, dass Deutschland erst 0,62 Prozent erreicht hatte, die Wildnis-Ziele von allen Bundesländern deutschlandweit verfehlt wurden.Loréne Gensel: Zu spät und zu wenig - Wildnis-Ziele in Thüringen und deutschlandweit verfehlt, MDR, 9. Dezember 2024. Das Zwei-Prozent-Ziel soll nun bis 2030 verwirklicht werden. Hinzu kommen weitere Kriterien. Zum Beispiel sollen sich fünf Prozent der Waldfläche ohne menschliche Eingriffe entwickeln können.Merlin Ole Menze: Darf die Natur machen, was sie will? aus Zeit Wissen Nr. 01/2025, 4. Februar 2025.
Laut der Studie hat Deutschland Platz für Entfaltungsräume, in denen sich Tiere und Pflanzen ungesteuert entwickeln können. Bundesweit gäbe es mindestens acht Gebiete von mehr als tausend Hektar Fläche, darunter der Saarkohlenwald bei Saarbrücken.Verena Müller: Zurück zur Wildnis, Welt am Sonntag, 11. Januar 2025, S. 53. Die Initiative setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, dass große, möglichst unzerschnittene Wildnisgebiete geschaffen und gesichert werden und hat dafür Handlungsempfehlungen veröffentlicht, die die verschiedene Aspekte von Wildnis beschreiben.
Organisationen Zu dem Verbund gehören der Bundesverband Beruflicher Naturschutz, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die BUNDstiftung, die Deutsche Umwelthilfe, die Deutsche Wildtier Stiftung, die Dieter Mennekes Umweltstiftung, EuroNatur, Greenpeace e. V., die Gregor Louisoder Umweltstiftung, die GRÜNE LIGA Landesverband Berlin, die Heinz Sielmann Stiftung, die Loki Schmidt Stiftung, die Michael Succow Stiftung, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, der Nationale Naturlandschaften e. V., der Naturstiftung David, die Naturwald Akademie, die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg – Die Wildnisstiftung, Vogelschutz-Komitee e. V., WWF Deutschland und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt e. V.
Weblinks Website Wildnis in Deutschland Ich suche Wildnis, Podcast in der Sendereihe Meine Challenge, MDR, 1. Oktober 2021. Neue Wildnis in Deutschland. 3sat Wissenschaftsdoku, ZDF Mediathek, Januar 2021.
Einzelnachweise
Kategorie:Naturschutzorganisation (Deutschland) Kategorie:Umweltprojekt Kategorie:Vereinsgründung 2015