Etowah County ist ein County im US-Bundesstaat Alabama. Es wurde 1868 gegründet und liegt im nordöstlichen Teil von Alabama nahe der Staatsgrenze zu Georgia. Etowah County zählt zum nördlichen, wirtschaftlich strukturschwachen Teil des Bundesstaats. Verwaltungssitz (County Seat) ist Gadsden.

Das County wird vom Office of Management and Budget zu statistischen Zwecken als Gadsden, AL Metropolitan Statistical Area geführt.

Lage, Geografie und Besiedlung mini|links|Lage des Cumberland-Plateau (beige) mini|Coosa Bridge im County-Verwaltungssitz Gadsden mini|Ortskern von Attalla mini|Interstate 59 zwischen Birmingham und Gadsden Die im nordöstlichen Teil von Alabama gelegene Verwaltungseinheit hat eine Fläche von 1421 Quadratkilometern, wovon 36 Quadratkilometer Wasserfläche sind. 60 Kilometer entfernt von der Bundesstaatsgrenze zu Georgia, grenzt Etowah County im Uhrzeigersinn an folgende Countys: DeKalb, Cherokee, Calhoun, St. Clair, Blount und Marshall. Die Luftlinien-Entfernung zu Birmingham beträgt 78 Kilometer, die zur Bundesstaats-Hauptstadt Montgomery 175 Kilometer, die zu dem an der Golfküste gelegenen Hafenstadt Mobile 406 Kilometer und die zu Georgias Hauptstadt Atlanta 146 Kilometer. Von der Flächenausdehnung her ist Etowah – wenn auch nur knapp – das kleinste County Alabamas.

Die geografische Oberfläche der Verwaltungseinheit wird im Nordwesten und im Zentrum vom Cumberland-Plateau bestimmt. Südlich daran an schließt sich das den Appalachen vorgelagerte und vom Terrain her etwas gleichförmigere Piedmont-Plateau. Die Trennlinie bildet das Tal des Coosa River, welcher das County von Nordosten kommend in Richtung Südwest durchzieht und – auch aufgrund seiner Eigenschaft als wesentlicher Zufluss des Alabama River – die dominierende Wasserstraße ist. Zufluss und zweitgrößtes Fließgewässer im County ist der nördlich-parallel zum Coosa River verlaufende und in diesen einmündende Big Wills Creek. Die durchschnittlichen Ortshöhen variieren zwischen 150 und 350 Metern über dem Meeresspiegel. Die Landschaft ist hügelig und bewaldet. Die Böden gelten im Hinblick auf landwirtschaftliche Nutzung als weniger ergiebig; stattdessen finden sich im County zahlreiche Mineralien und Gesteinsarten. Ebenso wie der gesamte Norden Alabamas liegt auch Etowah County in der subtropischen Klimazone. Die Durchschnittstemperaturen schwanken – gemittelt aus Maximal- und Minimalwerten – zwischen rund 5 °C im Winter und über 25 °C im Sommer. Die Niederschlagsmenge beträgt gleichmäßig rund 120 mm pro Monat; lediglich in den Sommermonaten sinkt sie auf unter 100 mm ab (siehe auch Klimatabelle für Gadsden am Ende des Abschnitts).Climate Gadsden – Alabama. U.S. climate data, aufgerufen am 30. Dezember 2017 (Engl.)

Besiedlungszentrum des Countys ist südliche Gebietsausbuchtung beidseits des Coosa River mit Gadsden als Mittelpunkt. Ansonsten prägt Streusiedlungsweise das Terrain mit einem entsprechend hohen Anteil an Unincorporated Areas – Ansiedlungen, die rein zu Verwaltungszwecken zusammengefasst sind und von der nächsthöheren Verwaltungsebene mitverwaltet werden. Größere Städte sind Attalla (Einwohnerzahl im Jahr 2010: 6.048), Boaz (lediglich mit südlichen Ausläufern in Etowah County hineinragend: 9.551 Einwohner), der County-Verwaltungssitz Gadsden (36.856 Einwohner), Glencoe (5.160), Hokes Bluff (4.286), Rainbow City (9.602) und Southside (8.412). Kleinere Ortschaften sind Altoona (933), Reece City (653), Ridgeville (112), Sardis City (1.704) und Walnut Grove (698). Hinzu kommen 15 nichtkorporierte Verwaltungseinheiten. Das Gebiet der größten – Ivalee – weist laut US-Zensus 2010 eine Einwohnerzahl von 12.349 auf. Die Einwohnerzahlen der restlichen 14 (darunter beispielsweise Anderson unmittelbar südwestlich von Gadsden) schwanken zwischen statistisch nicht erfasst und 2.137 (Carlisle-Rockledge). Tiefstgelegene Gemeindung ist mit 165 Meter über dem Meeresspiegel die County-Hauptstadt Gadsen, die höchste mit 339 Metern ein im Etowah County gelegener Ortsteil der Stadt Boaz mit der Bezeichnung Mountainboro.Incorporated Cities, Towns & Census Designated Places in Etowah County. Infoseite von alabama.hometownlocator.com, aufgerufen am 30. Dezember 2017 (Engl.)

Wichtigste überregionale Verbindungsstraße ist die Interstate 59, welche von Norden nach Süden durch das County hindurchführt. Weitere wichtige Straßen sind die Bundesstraßen US-11 und US-411; beide verlaufen parallel zur Interstate 59. In Ost-West-Richtung verläuft die US-278, von Nordwesten nach Südosten die US-431.Etowah County. Patricia Hoskins Morton, Encyclopedia of Alabama, 29. August 2007 (Engl.)

Geschichte Bis Ende des 19. Jahrhunderts mini|links|Um 1830: Gebiet der Cherokee und Creek im östlichen Alabama mini|Perspektivischer Stadtplan von Gadsden (1887) Die weiter von der Golfküste weggelegenen Gebiete des heutigen Alabama waren bis Ende des 18. Jahrhunderts Stammesgebiet der Creek und Cherokee sowie der weiter westlich siedelnden Chickasaw und Choctaw. Politisch war das Territorium zwischen Golfküste, Mississippi und Appalachen vage als Teil von Georgia definiert. Erste strukturierende Maßnahmen erfolgten erst nach dem Ende des Unabhängigkeitskriegs. 1798 gründeten die USA das Mississippi-Territorium. Zunächst nur ein schmaler Streifen im Süden der heutigen Bundesstaaten Mississippi und Alabama, wurde es 1804 nach Norden bis zur Grenze zu Tennessee erweitert. Als letztes Teilstück kam 1812 die südwestliche Ecke Floridas mit der Hafenstadt Mobile hinzu. Bis zum Ende des Britisch-Amerikanischen Kriegs blieb Alabama Indianerland. Das nordöstliche Drittel – inklusive des Territoriums des späteren Etowah County – gehörte zum Stammesgebiet der Cherokee, die Gebiete südlich davon zum Territorium der Upper und Lower Creek.Maps of Alabama. interaktive Map zur Country-Formierung in Alabama, aufgerufen am 30. Dezember 2017 (Engl.)

Größere Veränderungen ergaben sich Andrew Jacksons Krieg gegen die Creek von 1813 bis 1814, welcher das Gebiet von Alabama großflächig für weiße Siedler erschloss.. Gadsden Messenger, 10. April 2014 (Engl.) 1819 wurde das (zuvor vom Mississippi-Territorium abgetrennte) Alabama-Territorium regulärer US-Bundesstaat. Im Gebiet des späteren Etowah County hatten sich nach dem Krieg gegen die Creek erste Besiedelungsaktivitäten entwickelt. Zunächst beschränkt auf die West- und Südwestecke des späteren County-Gebiets, erweiterte sich das zur Besiedlung freigegebene Terrain im Verlauf der 1830er-Jahre auf das gesamte County-Gebiet. Verknüpft war diese Gebietsfreigabe mit der Zwangsumsiedlung der in Ost-Alabama verbliebenen Cherokee und Creek ins Indianerterritorium.

In den 1840ern wurden auch die bislang noch unerschlossenen Gebiete im Nordosten und Osten des späteren County zunehmend besiedelt. Als nächstgelegene Zentren fungierten in dieser frühen Phase Montgomery und Selma sowie Wetumpka am unteren Coosa River. 1836 erfolgte die Gründung der Poststation Double Springs. Nach der Überwindung logistischer Hindernisse – vor allem der zahlreichen Wasserfälle – wurde in den 1840er-Jahren auch der obere Teil des Coosa River für den Schiffsverkehr erschlossen. Auswirkung: ein verbesserter Anschluss an die in Georgia gelegenen Regionalzentren Augusta und Rome.. Danny Crownover, Gadsden Messenger, 9. Februar 2012 (Engl.)

mini|U.S. Post Office in Gadsden (ca. 1910) Double Springs war zwischenzeitlich zur beherrschenden Ansiedlung in dem Gebiet avanciert. 1846 wurde auf dem Gebiet die Stadt Gadsden gegründet. Lokalhistorische Quellen weisen als Begründer der Stadt die drei Expropriatoren Gabriel Hughes, Joseph Hughes und John S. Moragne auf. Die Stadtbenennung erfolgte nach James Gadsden – einem ehemaligen Offizier und Indianerkriegs-Veteran, der sich stark für eine südliche Transkontinental-Eisenbahnroute engagiert hatte und nach dem auch der Gadsden Purchase von 1853 benannt wurde.

Im Verlauf des Amerikanischen Bürgerkriegs fanden in der Region 1863 einige größere Gefechte statt zwischen Unionstruppen unter Abel Streight und Konföderierten-Einheiten unter dem Kommando von Nathan Bedford Forrest, welche den Unionsvorstößen Richtung Süden hinhaltenden Widerstand entgegensetzten. Am 7. Dezember 1866 wurde das Etowah County offiziell begründet. Zusammengesetzt aus Gebieten umliegender Countys (vorwiegend Cherokee und DeKalb), firmierte es zunächst unter dem Namen Baine County. Da die Namenswahl – nach dem Konföderierten-General David W. Baine – unmittelbar nach Ende des Bürgerkriegs als Provokation empfunden wurde, annullierte das von Republikanern dominierte Staatsparlament von Alabama die County-Bezeichnung und begründete die Verwaltungseinheit am 3. Dezember 1868 als Etowah County neu. Die Namensherkunft leitet sich aus dem Cherokee ab, wobei die Bedeutung des Wortes Etowah nicht gesichert ist. Möglicherweise lautet die Übersetzung des Begriffs „Kiefern“.Charles Curry Aiken, Joseph Nathan Kane: The American Counties: Origins of County Names, Dates of Creation, Area, and Population Data, 1950–2010. 6. Auflage. Scarecrow Press, Lanham 2013, ISBN 978-0-8108-8762-6, S. 97.

Erste Industrialisierungversuche hatte es in der hügelig-bewaldeten, für Landwirtschaft nur bedingt geeigneten Region bereits vor dem Beginn des Bürgerkriegs gegeben. 1845 wurde in Gadsden die erste Eisenhütte errichtet – die Coosa Furnace (später: Gadsden Furnace; 1911 stillgelegt). Die County-Hauptstadt selbst war bis 1888 auf 5000 Einwohner angewachsen. In den 1970ern wurde das County an das Eisenbahnnetz der Alabama Great Southern Railroad angeschlossen. Ende des 19. Jahrhunderts setzte die großflächigere industrielle Erschließung ein – vor allem der Abbau von Kohle sowie anderer Mineralien und Baustoffe wie Eisen, Mangan, Marmor, Schiefer und Kalkstein. Eine der bedeutendsten Kohleabbau-Gesellschaften war die Underwood Coal Company, die im östlichen Countyteil rund um die Kleinstadt Altoona elf Minen unterhielt. Eine für die Ökonomie des Countys bedeutende Gründung war die Baumwollspinnerei Dwight Mill in Alabama City, einem Nebenort von Gadsden. Flankierend hinzu kam 1903 der Bau eines Wasserkraftwerks am Big Wills Creek, welches die Stadt Attalla mit Strom versorgte. William Patrick Lay, der Erbauer, war einer der Mitbegründer von Alabamas wichtigstem Stromversorger – der Alabama Power Company.

20. und 21. Jahrhundert mini|Schwimmbad von Gadsden (Postkarte, circa 1930) In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gesellten sich zu den bereits vorhandenen weitere Industrieansiedlungen. 1903 eröffnete die Gulf States Steel ein neues Stahlwerk im County. Zum größten wie auch beständigsten Arbeitgeber der Region avancierte der Reifenhersteller Goodyear Tire & Rubber Company. Ein herausragendes Ereignis der Lokalgeschichte war ein von Goodyear ausgerichteter Zeppelinflug 1930. Bei der wetterbedingten Notlandung des Zeppelins in Gadsen wurde ein Mitglied des Anseil-Teams hoch in die Luft gezogen und stürzte daraufhin tödlich ab. Während des Zweiten Weltkriegs war Etowah County ein wichtiger Rüstungsindustrie- und Ausbildungs-Stützpunkt – zum einen wegen der Granatenfabrik Gadsden Ordnance Plant, zum anderen wegen Camp Sibell, einem Trainingscamp des Chemical Warface Centers (CWC). Benannt war das Camp nach einem Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs. 1945 – nach Kriegsende – wurde es deaktiviert.