Das Kurhaus Preussenhof ist ein Hotelbau im Ostseebad Zinnowitz auf der Insel Usedom. Das Gebäude entstand 1880 als „Strandhalle“ und entwickelte sich zu einem der bedeutenden Häuser der Bäderarchitektur an der Zinnowitzer Strandpromenade.Ortschroniken MV: Historische Bauwerke – PreussenhofWalter Dreisner (Fotos), Fritz Fischer (Text): Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J.

Geschichte

19. Jahrhundert Bereits 1860 ließ der Gastwirt Wolf nahe der Seebrücke ein Haus für warme Bäder errichten, das den Status von Zinnowitz als Seebad stärkte.Robert Burkhardt: Geschichte von Zinnowitz (Seebad), 1309–1909. Zinnowitz 1909. 1880 folgte an derselben Stelle die Errichtung der „Strandhalle“, die ab 1886 auch Übernachtungen ermöglichte. Ab 1904 wurde das Gebäude als Kurhaus Strandhotel bezeichnet.Ortschroniken MV: Fortlaufende Zeittafel

Ausbau und kulturelle Bedeutung (1900–1938) mini|Historische Postkarte mit Ansicht des Kurhauses Preussenhof in Zinnowitz (Insel Usedom, Mecklenburg-Vorpommern), vermutlich um 1920 Um die Jahrhundertwende geriet das damalige „Kurhaus Strandhotel“ in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde hoch verschuldet. Am 12. Januar 1903 kam es deshalb zur Zwangsversteigerung, bei der Engelhard Klaar, Direktor des Viktoria-Hotels in Stettin, mit einem Gebot von 140.500 Mark den Zuschlag erhielt.Ortschronik Zinnowitz – Zeittafel, 1903

Unter Klaars Leitung wurde das Haus modernisiert und erhielt als eines der ersten Hotels in Zinnowitz einen Telefonanschluss.Ortschroniken MV: Historische Bauwerke – Preussenhof Im Jahr 1910 ließ er einen Erweiterungsbau errichten, wodurch die Kapazität auf 75 Zimmer mit 130 Betten anstieg.

Klaar förderte zudem das kulturelle Leben im Badeort: Im großen Saal des Hotels entstand das Kurtheater Zinnowitz, das rund 500 Besuchern Platz bot. Zwischen 1910 und den 1930er Jahren fanden dort regelmäßig Theateraufführungen, Konzerte, Tanzturniere und gesellschaftliche Bälle statt.Führer durch den westlichen Teil der Insel Usedom. Inselklub Usedom-West, ca. 1920, S. 29–31.

Nach weiteren Modernisierungen erhielt das Haus 1925 den Namen Kurhaus Preussenhof, nachdem es von der Stettiner Preußenhof A.G. übernommen worden war. Zu den Neuerungen gehörten eine repräsentative Hotelhalle mit Terrasse, ein Personenaufzug, Autogaragen sowie das Café Preussenhof mit eigener Konditorei. Das Haus zählte damit zu den bedeutendsten Kurhotels auf Usedom.Ortschroniken MV: Historische Bauwerke – Preussenhof

Auch in Hotelverzeichnissen jener Zeit wurde das Haus als renommiertes Strandhotel geführt.Hotel-Adreßbuch für das Deutsche Reich, 1928.

Mit Beginn der Sperrzone um Peenemünde 1938 wurde der Badebetrieb eingestellt; das Gebäude diente fortan der Unterbringung von Mitarbeitern der Heeresversuchsanstalt.Zinnowitz Geschichte – m-vp.de

DDR-Zeit (1947–1990) mini|Ansicht des Hotels Glückauf in Zinnowitz in der DDR-Zeit Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die IG Bergbau Sachsen-Anhalt das Haus und nutzte es ab 1947 als „Bergarbeitererholungsheim Glückauf“. Von 1953 bis 1990 war es im Besitz der IG Wismut, die bis zu 550 Gäste gleichzeitig beherbergte. Der große Saal diente als Veranstaltungsort, das Tanzcafé bot 110 Plätze. 1961 kamen die ersten Winterurlauber nach Zinnowitz, 1972 erfolgte eine umfassende Sanierung, bei der Mobiliar und Fenster erneuert sowie bauliche Veränderungen an der Fassade vorgenommen wurden.Ortschroniken MV: Zeittafel

Der Preussenhof war damit über Jahrzehnte eines der zentralen Ferien- und Kulturhäuser des Badeortes.Walter Dreisner, Fritz Fischer: Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J.

Wendezeit und Sanierung (1990–1998) mini|Strand- und Wellnesshotel Preussenhof in Zinnowitz, Ansicht von der Strandpromenade, 2024

Nach 1990 fiel das Gebäude an die Treuhandanstalt, die es zunächst an das Bildungszentrum Nordost verpachtete. 1994 erwarb die Zinnhotel Preussenhof KG das Haus, ließ es denkmalgerecht sanieren und 1998 als Strand- und Wellnesshotel Preussenhof wiedereröffnen.Ostsee-Zeitung: Vom kleinen Dörfchen Tzys zum mondänen Ostseebad der heutigen Zeit

Während der Sanierung wurden historische Elemente wie die Türme anhand alter Postkarten rekonstruiert.Führer durch den westlichen Teil der Insel Usedom. Inselklub Usedom-West, ca. 1920.

Bis 2007 war im Haus das erste Heimatmuseum von Zinnowitz untergebracht, in dem Besucher die Geschichte des Gebäudes und des Badeortes nachvollziehen konnten.Ortschroniken MV: Weiterführende Themen Zugleich wurde ein Museumscafé eröffnet, in dem Angestellte zeitweise in nachgeschneiderten Badeanzügen der 1920er Jahre arbeiteten. Dort waren zahlreiche historische Postkarten und Fotografien ausgestellt. Im Jahr 2025 wurde das Museumscafé in Restaurant Lineti umbenannt; Teile der Ausstattung und der historische Flair blieben jedoch erhalten.

Architektur Das Gebäude ist ein Beispiel der Bäderarchitektur des späten 19. Jahrhunderts mit rekonstruierten Türmen und historischer Fassade.Walter Dreisner, Fritz Fischer: Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J. Besonders markant ist der große Saal, der zunächst als Theatersaal für Aufführungen genutzt wurde und bis heute erhalten ist.

Nutzung Der traditionsreiche Saal wird weiterhin für Konferenzen, kulturelle Veranstaltungen und politische Treffen genutzt.Ortschroniken MV: Historische Bauwerke – Preussenhof Das Hotel wird heute von der Unternehmensgruppe Schöner Inseln betrieben, die in Zinnowitz mehrere Hotels und Ferienwohnungen verwaltet.

Bekannte Gäste Im Laufe seiner Geschichte beherbergte das Haus zahlreiche Persönlichkeiten, darunter den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, den Schriftsteller Walter Kempowski, den Theologen Friedrich Schorlemmer, Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, Dunja Rajter, Emil Stoewer, Erich Loest sowie weitere Künstler und Politiker.Transkribierte Audiochronik Preussenhof, 2025.

Bedeutung Das Kurhaus Preussenhof war im frühen 20. Jahrhundert eines der gesellschaftlichen Zentren von Zinnowitz und ist bis heute ein prägendes Bauwerk der Strandpromenade. Seine wechselvolle Nutzung vom Kurhaus über ein Ferienheim bis hin zum modernen Hotel macht es zu einem kulturhistorisch bedeutsamen Zeugnis der Ortsgeschichte.Walter Dreisner, Fritz Fischer: Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J.

Literatur

Robert Burkhardt: Geschichte von Zinnowitz (Seebad), 1309–1909. Zinnowitz 1909. Führer durch den westlichen Teil der Insel Usedom. Inselklub Usedom-West, ca. 1920. Walter Dreisner (Fotos), Fritz Fischer (Text): Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J. Hotel-Adreßbuch für das Deutsche Reich, 1928.

Weblinks

Einzelnachweise

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