Die Bahnstrecke Namyao–Bawdwin (auch: Burma Mines Railway) war eine Schmalspurbahn in Myanmar, die für den Transport von Erzen zu der Schmelzhütte in Namtu genutzt wurde.

Geografie Die Strecke verläuft von Namyao, an der Bahnstrecke Mandalay–Lashio der Myanma Railways, über Namtu nach Bawdwin und ist etwa 78 Kilometer lang. Das Gelände, das die Strecke durchmisst, ist überaus anspruchsvoll und verläuft fast ausschließlich im Gebirge.

Parameter Die Bahnstrecke wurde mit einer Spurweite von 610 mm (2 Fuß) gebaut. Der minimale Kurvenradius beträgt 30 m, der maximale Gradient 40 ‰.Hettler, S. 127

Geschichte Im Bereich um Namtu wurde bereits seit dem 15. Jahrhundert Bergbau auf Silber betrieben. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts der Grundwasserspiegel erreicht war, bedeutete das zunächst das Ende des Bergbaus. Als die Briten 1885 auch Oberbirma besetzten, stießen sie auf die Überreste des Bergbaus, zu dem auch riesige Abraumhalden gehörten, die zwar kein Silber mehr enthielten, aber abbauwürdige Anteile von Blei, Zink und Kupfer. Dies abzubauen aber lohnte nur, wenn ein preiswertes Mittel zur Verfügung stand, das Material einer Verhüttung zuzuführen. Das war gegeben, nachdem 1903 der letzte Abschnitt der Bahnstrecke Mandalay–Lashio eröffnet wurde.Hettler, S. 121Sao Sanda Simms: Great Lords of the Sky: Burma's Shan Aristocracy. AHP 48, Asian Highlands Perspectives, 2017, S. 180.

1906 wurde die Burma Mines, Railway and Smelting Co. Ltd. gegründet, die in der Folgezeit mehrfach ihren Namen wechselte. Der wurde zunächst in Burma Mines Ltd. verkürzt, Burma Mines Ltd. Registered 6th March, 1906, as Burma Mines Railway and Smelting Company, Limited. In: The Stock Exchange Official Intelligence, Band 30, S. 1264. 1913 in Burma Corporation geändert und dann in Burma Corporation Ltd.Hettler, S. 124 Das Betriebskonzept bestand zunächst darin, den vorgefundenen Abraum aus dem historischen Bergbau mit einer Schmalspurbahn an die Bahnstrecke Mandalay–Lashio heran und auf dieser nach Mandalay zu fahren, wo das Metall herausgeschmolzen wurde. Der Bau dieser Schmalspurbahn, der Bahnstrecke Namyao–Bawdwin, setzte im Bahnhof Manpwe an. Die Verwaltung der Bahn nahm ihren Sitz in Namtu. Der Baufortschritt gestaltete sich wie folgt:

Abschnitt Inbetrieb-nahme Strecken-kilometer Manpwe–Namsy Januar 1908 20,1 Namsy–Tiger Camp Dezember 1908 63,4 Tiger Camp–Baldwin Dezember 1909 70,2 Manpwe–Namyao 15. April 1915 - 6,4

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug anfangs 13 km/h und wurde 1911 auf 16 km/h erhöht. Der Tunnel – im Streckenkilometer 5 – war mit einer Holzverschalung ausgekleidet, die 1910 in Brand geriet, worauf ein Teil des Tunnels kollabierte und neu gegraben werden musste.Hettler, S. 123

Um nicht so viel taubes Gestein bis nach Mandalay fahren zu müssen, verlegte die Gesellschaft 1911 ihre Verhüttungsanlage nach Namtu und nahm dort 1912 auch eine zweite Anlage in Betrieb. Außerdem begann sie, neben dem Abbau des historischen Abraums auch wieder mit Bergbau. Die Bahn setzte neben dem Materialtransport von Anfang auch auf Personenverkehr. 1917 wurde mit der Burma Railways (BR) darüber verhandelt, die Strecke bis Namtu auf die bei der BR übliche Meterspur umzuspuren. Das Projekt kam aber nicht zustande.

mini|Oberleitung im Tiger-Tunnel 1921 wurde ein kurzer Abschnitt der Strecke, der in Namtu die Zerkleinerungsanlage („Mill“) und die Schmelzöfen verband und den stärksten Verkehr auf der gesamten Strecke aufwies, elektrifiziert.Hettler, S. 125

Um 1925 wurden täglich bis zu 2000 Tonnen Erze auf der Strecke transportiert.

1929 wurde der gesamte obere Streckenabschnitt zwischen Namtu und Wallah Gorge neu trassiert, wo ein Kreisviadukt jetzt eine doppelte Spitzkehren ersetzteHettler, S. 128, um dem ständig zunehmenden Verkehr gewachsen zu sein. Der Höhepunkt des Verkehrs war 1930 erreicht, als die Bahn mehr als 2 Mio. t Material beförderte.Hettler, S. 125f Die anschließende Weltwirtschaftskrise ließ den Verkehr auf der Bahn bis 1932 um 25 % schrumpfen.Hettler, S. 126

Der letzte verbliebene Personenverkehr auf der Strecke wurde 2009 eingestellt.Hettler, S. 134

2010 übernahm die Win Myint Mo Company die Bergbauaktivitäten und den Bahnbetrieb vom Staat. 2011 wurde ein Teil der Bahntrasse zwischen Tiger Camp und Bawdwin nach schweren Monsunregen durch Erdrutsche zerstört. Der Abtransport der Bergbauprodukte wurde daraufhin auf die Straße verlagert. Offiziell wurde der Verkehr auf der Bahnstrecke 2012 eingestellt. Der Abschnitt zwischen Namtu und Tiger Camp wird gelegentlich befahren. Zwei betriebsfähige Dampflokomotiven werden für Sonderzüge bereitgehalten.

Fahrzeuge mini|Bagnall 1’C’1 Dampflok Zwischen 1907 und 1928 wurden mindestens 47 Dampflokomotiven beschafft. Der Betrieb auf dem Streckenabschnitt bei Namtu wurde mit vierzehn zwischen 1920 und 1975 beschafften Elektrolokomotiven abgewickelt.

mini|Selbstentladewagen 1917Frederick C. Coleman: Narrow Gage Steel Hopper Car. In: Railway Mechanical Engineer, Band 91, Nr. 12, Simmons-Boardman Pub. Co, New York, Dezember 1917, S. 692–964. Trotz der schmalen Spurweite kamen auch extra stabile rund 8700 mm lange Selbstentladewagen mit 6 t Eigengewicht und 20 t Lademasse zum Einsatz.Narrow Gage Steel Hopper Car In: Railway Mechanical Engineer Vol. 91, No. 12, Dezember 1917, S. 692–694, abgerufen am 10. März 2024. Diese wurden anfangs bei Blake Boiler Wagon and Engineering Co. in Großbritannien gekauft, nach dem Zweiten Weltkrieg auch bei der US-amerikanischen Pressed Steel Car Company.

Anfang der 1980er-Jahre wurde die Traktion auf der Strecke allmählich von Dampf- auf Dieselbetrieb umgestellt. Orenstein & Koppel lieferte dafür 1978 zehn Diesellokomotiven.Eine Übersicht zu den eingesetzten Fahrzeugen findet sich bei Hettler, S. 130–133.

DampflokomotivenJames Waite: The Burma Mines Railway, February 2006; abgerufen am 27. September 2025. Nr. Bauart Hersteller Werks-Nr. Baujahr Anmerkungen 1 B'1 n2t Dick, Kerr & Co 1907 1930 umgebaut in B'2 n2t mit Satteltank 2 3 4 5 6 B'2 n2t John Fowler 1942 1891 Mit Satteltank, 1907 gebraucht erworben vom Shevbo Mining Syndicate 7 C n2t North British 18672 1908 1930 umgebaut in B'2 n2t mit Satteltank 8 18673 9 18674 10 B n2t Kerr, Stuart, &, Co 1904 Vorbesitzer unbekannt, mit Satteltank 11 150pxB'1 n2t 1264 1914 Tatoo-Klasse, mit Satteltank 12 B'1 n2t 1284 1913 Huxley-Klasse 13 B'1 n2t 2383 1914 14 150pxB'1 n2t 1288 1915 Tatoo-Klasse, mit Satteltank 15 150pxB'1 n2t 1289 1915 Tatoo-Klasse, mit Satteltank 16 C n2t North British 21105 1915 17 21106 18 21107 19 C n2t O&K 2876 1908 Gebraucht erworben von Fraser & Chalmers Ltd SingapurRoland Bude, Klaus Fricke und Martin Murray: O&K-Dampflokomotiven: Lieferverzeichnis 1892–1945. Verlag Railroadiana, Buschhoven 1978, ISBN 3-921894-00-X. 20 2877 21 4350 1910 Gebraucht erworben von The Burmah Stone Company, Rangoon 22 B'1 n2t Eigenbau Gebaut im Namtu-Werk der Burma Mines Railway unter Verwendung von Ersatz­teilen, die von Dick, Kerr & Co geliefert worden waren 23 2'C n2t Hunslet 1326 1918 Zuvor WD Nr. 2354 24 1327 Zuvor WD Nr. 2353 25 1328 Zuvor WD Nr. 2355 26 1'C'1 n2t W. G. Bagnall 2164 1922 27 2165 28 2179 29 B n2t Andrew Barclay 1731 1921 Geliefert über Parry & Co 30 B'1 n2t Kerr, Stuart & Co 4281 1923 Tatoo-Klasse, mit Satteltank 31 4282 32 4139 1924 Huxley-Klasse 33 4140 34 4141 35 1'C'1 n2 W. G. Bagnall 2251 1921 Umgebaut in 1'C'1 n2t 36 2252 37 2253 38 B'1 n2t Kerr, Stuart & Co 4142 1926 Huxley-Klasse 39 4385 40 4393 1927 41 1'C'1 n2 W. G. Bagnall 2322 1927 42 2338 1928 43 B'1 n2t Kerr, Stuart & Co 4410 1926 Huxley-Klasse 44 4411 1927 45 1'C'1 n2 W. G. Bagnall 2378 1928 46 2379 47 2380 Elektrolokomotiven Nr. Bauart Hersteller Werks-Nr. Baujahr Anmerkungen 1 150px GE 8046 1920 2 8047 3 8048 Bo Baldwin 53929 1920 53930 57734 1924 60156 1927 Bat-Bo GE 4743 1963 Geliefert über Burma Mines Ltd, London 1963 1963 1963 5820.A 1970 B0470.A 1975 B0470.B 1975 Diesellokomotiven Nr. Bauart Hersteller Werks-Nr. Baujahr Anmerkungen DC205 Cdh O&K 26891 1979 DC203 26892 DC303 26895 DC304 26896 DC305 26897 26898 26899 26900 DC201 Hettler, S. 132 26944 DC204 26945 DC306 Diema 5232 1992 verschrottet DC307 5229 DC308 Changzhou Mining & Locomotive Plant 9620203 1996 Triebwagen Nr. Bauart Hersteller Werks-Nr. Baujahr Anmerkungen NBRTE1 LKW-Umbau Hino 1988 NBRTE2 NBRTE3 Bawmech 2 Schienenbus Wickham 4 5 7 ARC3 Ambulanz

Literatur Bill Alborough: The Burma Mines Railway. In: Locomotives International. Skipton September / October 2000, S. 5–12. Dieter Hettler: Railways of Burma/Myanmar. Frank Stenvall, Malmö 2024. ISBN 978-91-7266-207-0

Weblinks James Waite: The Burma Mines Railway, February 2006; abgerufen am 22. September 2025. Rob Dickinson: The Burma Mines Railway 1999; abgerufen am 22. September 2025. Bernd Seiler: The Burma Mines Railway in Namtu: The Wallah Gorge Spiral. Steam in Myanmar (Burma): The Burma Mines Railway 11/12 – 21/12/2013; abgerufen am 22. September 2025. Andreas Illert: Asien als Diorama. Fern Express, 1/2012; abgerufen am 26. September 2025. Burma Mines Railway auf FIBIwiki

Anmerkungen

Einzelnachweise

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