Vorhaben 51 ist ein im Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) verankertes Netzausbauprojekt für Hochspannungsleitungen in Norddeutschland. Es umfasst Maßnahmen an bestehenden Leitungen im Raum Hamburg sowie den Neubau einer 380-kV-Freileitung vom Umspannwerk Hamburg Ost bis zum Netzverknüpfungspunkt Sahms in Schleswig-Holstein. Ziel ist die Stärkung der Übertragungskapazität, insbesondere zur Integration von Offshore-Windparks und zur Sicherung der Versorgung in der Metropolregion Hamburg. Zuständig für das Verfahren ist die Bundesnetzagentur, Vorhabenträger ist die 50Hertz Transmission GmbH. Das Vorhaben ist Teil des Netzentwicklungsplans 2037/2045 und steht in Zusammenhang mit weiteren Netzausbauprojekten. In den betroffenen Regionen ist das Projekt umstritten und hat zu öffentlichen Diskussionen und Bürgerprotesten geführt.
Hintergrund Das Vorhaben ist seit 2022 im Bundesbedarfsplangesetz ausgewiesen; die Bedarfslage wurde im Netzentwicklungsplan (NEP) bestätigt. Ziel ist u. a. die Erhöhung der Übertragungskapazität zur Integration erneuerbarer Energien im norddeutschen Raum.
Planung und Verfahren Der Abschnitt Ost befindet sich in der Bundesfachplanung. In diesem Schritt wird ein durchgehender, bis zu 1000 m breiter Trassenkorridor zwischen Anfangs- und Endpunkt ermittelt. Eine endgültige Korridorentscheidung steht noch aus. Schon in frühen Beteiligungsformaten äußerten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger Kritik an den vorgeschlagenen Korridoren, insbesondere wegen naturschutzfachlicher Konflikte und möglicher Belastungen für die Wohnbevölkerung.
Am 29. August 2023 fand die Antragskonferenz im Besenbinderhof (Hamburg) statt; dort wurde der Untersuchungsrahmen festgelegt. Ein Erörterungstermin nach § 10 NABEG wurde am 17.–18. September 2025 in Elmenhorst durchgeführt (nicht öffentlich; teilnahmeberechtigt u. a. Einwender und Träger öffentlicher Belange).
Technische und rechtliche Einordnung Vorhaben 51 ist als 380-kV-Wechselstrom-Freileitung konzipiert; der Abschnitt West umfasst u. a. Modernisierungen mit witterungsabhängigem Betrieb bzw. dem möglichen Einsatz von Hochtemperaturleitern (HTLS). Eine Erdverkabelung ist im Abschnitt Ost nicht vorgesehen, da das Projekt im BBPlG keine „F-Kennzeichnung“ trägt. Diese Kennzeichnung erlaubt Pilotvorhaben für Drehstrom-Erdkabel. Von Bürgerinitiativen wird wiederholt gefordert, für das Projekt eine solche Kennzeichnung einzuführen, um zumindest abschnittsweise Erdverkabelungen zu ermöglichen. Das Bundesverwaltungsgericht stellte 2022 klar, dass außerhalb solcher Pilotvorhaben Erdverkabelung bei AC-Freileitungen nicht als zumutbare Alternative gilt.
Mitnahme einer 110-kV-Leitung Im Zuge von Vorhaben 51 ist vorgesehen, zusätzlich eine bestehende 110-kV-Leitung der SH Netz AG auf die neuen 380-kV-Masten „aufzusatteln“. Dieses Vorhaben wurde bereits bei der Antragskonferenz 2023 diskutiert und in Unterlagen der Bundesnetzagentur sowie durch Einwendungen thematisiert. Durch die kombinierte Trassenführung ergeben sich Auswirkungen auf die Dimensionierung der Masten (z. B. größere Bauhöhen, teilweise Drei-Ebenen-Masten) sowie auf die optische Wirkung und die elektromagnetische Feldbelastung. Befürworter sehen darin eine Bündelung von Infrastrukturen, Kritiker eine zusätzliche Belastung der Region.
Netztechnischer Zusammenhang Vorhaben 51 verbindet die Umspannwerke Hamburg Nord und Hamburg Ost mit dem Netzverknüpfungspunkt Sahms in Schleswig-Holstein und soll die Aufnahme und Weiterleitung großer Mengen erneuerbarer Energien, insbesondere aus Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee, verbessern. Durch die Leitung wird die Übertragungskapazität im Hamburger Raum erhöht und Engpässe werden reduziert. Das Projekt ergänzt zentrale Netzausbauvorhaben wie den SuedOstLink (HGÜ-Verbindung von Sachsen-Anhalt nach Bayern) und den NordOstLink (HGÜ von Schleswig-Holstein nach Mecklenburg-Vorpommern). Insgesamt trägt Vorhaben 51 damit zur Netzstabilität in Norddeutschland und im europäischen Verbundsystem bei.
Zeitleiste Im Jahr 2022 wurde das Vorhaben 51 in den Bundesbedarfsplan aufgenommen. Am 29. August 2023 fand eine Antragskonferenz im Besenbinderhof in Hamburg statt. Der Erörterungstermin nach § 10 NABEG fand am 17. und 18. September 2025 in Elmenhorst statt. Ab 2026 folgt die Fortführung der Bundesfachplanung und anschließendes Planfeststellungsverfahren (abhängig vom Verfahrensfortschritt). Laut 50Hertz soll die Inbetriebnahme im Jahre 2031 erfolgen.
Kontroversen Diskutiert werden insbesondere Eingriffe in Schutzgebiete (u. a. Sachsenwald und Billetal), die Nähe zu Wohngebieten sowie Fragen der kommunalen Planungshoheit. Zudem werden mögliche gesundheitliche Auswirkungen elektromagnetischer Felder und potenzielle Wertverluste von Immobilien in Trassennähe thematisiert. Diese Punkte prägen auch den Widerstand in den betroffenen Gemeinden.
Einwendungen Im Rahmen der öffentlichen Auslegung und des Erörterungstermins wurden zahlreiche Einwendungen erhoben. Wiederkehrende Themen sind u. a. die Nähe geplanter Korridore zu Wohngebieten und sozialen Einrichtungen, naturschutzrechtliche Konflikte (u. a. Arten- und Biotopschutz im Bereich von Sachsenwald und Billetal), mögliche Beeinträchtigungen des Landschaftsbilds sowie Vorsorgeaspekte hinsichtlich elektromagnetischer Felder. In den Verfahren wurde zudem eine abschnittsweise Erdverkabelung (z. B. als Bohrtunnel) als Alternative gefordert, wofür eine F-Kennzeichnung im BBPlG diskutiert wird. Weitere Kritikpunkte an der gesetzlichen Grundlage wurden unter anderem in der Regionalpresse und durch Gemeindeverwaltungen geäußert.
Bürgerproteste Im Zusammenhang mit dem Erörterungstermin in Elmenhorst wurde über eine spürbare Beteiligung aus den betroffenen Gemeinden berichtet. Aufgegriffen wurden insbesondere die unter „Kontroversen“ genannten Kritikpunkte sowie Forderungen nach alternativen Korridoren oder technischen Lösungen (z. B. Bohrtunnel). Teilweise wurde gefordert, das Verfahren an den Gesetzgeber zurückzugeben, um eine F-Kennzeichnung zu prüfen und damit abschnittsweise Erdverkabelungen zu ermöglichen. Insgesamt zeigt sich, dass der Bürgerprotest nicht nur punktuell, sondern über mehrere Gemeinden hinweg organisiert ist. Überregionale Medien berichteten ebenfalls über die Proteste.
Weblinks Projektseite Vorhaben 51 – Bundesnetzagentur Vorhaben 51 – 50Hertz Transmission GmbH
Einzelnachweise
Kategorie:Energiepolitik (Deutschland)