mini|Milo Anstadt (1970) Samuel Marek „Milo“ Anstadt (* 10. Juli 1920 in Lemberg, Zweite Polnische Republik; † 16. Juli 2011 in Amsterdam, Niederlande) war ein polnisch-niederländischer Schriftsteller, Journalist, Fernsehregisseur und Programmproduzent jüdischen Glaubens.
Leben Anstadt lebte bis 1930 in seiner Geburtsstadt Lemberg (damals Polen, heute Ukraine). Er wuchs in einer assimilierten jüdischen Familie auf. In seinem Buch Polen en Joden beschreibt er, wie seine Mutter stark polnisch orientiert war und ihm eine doppelte Loyalität einflößte, die nicht der Meinung der meisten Polen über Juden und der meisten Juden über Polen entsprach. Im Alter von zehn Jahren wanderte er mit seinen Eltern und seiner Schwester Sera Anstadt in die Niederlande aus. In den Niederlanden schloss er die Grundschule ab.
Mit vierzehn Jahren begann Anstadt in der Transformatorenfabrik Besra in Amsterdam zu arbeiten. Er besuchte regelmäßig Anski, einen Kulturclub, der sich vorwiegend an jüdische Einwanderer aus Osteuropa richtete. Dort besuchte er Vorlesungen, unter anderem zu politischen Themen, und entwickelte sich beruflich weiter.
1941 heiratete er Lydia Bleiberg. Im März 1942 kam Tochter Irka zur Welt. Nach dem Krieg bekamen sie zwei weitere Töchter (* 1949 und 1953). Die Ehe wurde 1955 geschieden.
Während des Zweiten Weltkriegs mussten Anstadt und seine Frau untertauchen. Ihre Tochter Irka kam bei einer Pflegefamilie in Beverwijk unter. Anstadt engagierte sich in der Widerstandsbewegung der Vrije Groepen Amsterdam. In den letzten Kriegsjahren freundete er sich mit Joop den Uyl an. Durch ihn wurde er Journalist bei Vrij Nederland, wo er von 1945 bis 1950 arbeitete. Anschließend arbeitete er für den für die Rundfunknachrichtenabteilung des ANP (Algemeen Nederlands Persbureau) und schrieb Hörspiele.
1953 erhielt Anstadt die niederländische Staatsbürgerschaft.
1955 wurde er Regisseur und Produzent bei VARA. Er drehte Dokumentarfilme über Osteuropa und Sendungen wie De televisierechtbank, Spiegel der Kunsten oder auch De bezetting mit dem Historiker Loe de Jong.
1960 erhielt er vom Verlag Het Wereldvenster die Anfrage, ein Buch über Polen zu schreiben. Das Buch erschien 1962 unter dem Titel Polen, land, volk, cultuur. 1977 schloss er sein Jurastudium an der Universität Amsterdam mit Schwerpunkt Kriminologie ab.
Als Mitarbeiter beim NRC Handelsblad verfasste Anstadt zahlreiche Meinungsbeiträge.
1959 heiratete er Flory ten Camp, mit der er bis 1970 verheiratet blieb. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Von 1975 bis zu seinem Tod war Anstadt mit Els van der Holst verheiratet. Sie war bis 2005 Produzentin beim Fernsehsender VARA.
Anstadt wurde auf dem Zorgvlied-Friedhof in Amsterdam-Zuid beigesetzt.https://zorgvlied.amstelveen.nl/sites/default/files/2024-10/Overzicht_bekend_en_begraven_op_Zorgvlied.pdf
Übersicht seiner Funktionen 1945–1950: Redakteur bei Vrij Nederland 1951–1955: Chefredakteur bei der Rundfunknachrichtenabteilung des ANP 1955–1971: Regisseur für Dokumentationssendungen bei VARA 1960–1965: Produktion und Regie bei der Sendung De bezetting für die NTS (Nederlandse Televisie Stichting) 1971–1983: Sekretär des VARA-Vorstands
Auszeichnungen mini|Milo Anstadt (rechts) bei der Preisverleihung des Prins Bernhard Cultuurfonds (1960) 1960 erhielt Anstadt einen Preis des Prins Bernhard Cultuurfonds. 1967: ANWB-Preis für die Osteuropaserie bei VARA 1994 wurde er zum Ritter des Ordens von Oranien-Nassau ernannt. 2000 wurde ihm ein polnischer Staatspreis, der Andrzej-Drawicz-Preis, für die Förderung der Beziehung zwischen Polen und anderen Völkern verliehen. 2004: Ritterkreuz des Verdienstordens, verliehen von der Republik Polen für die Förderung der Beziehungen zwischen Polen und Juden Posthum wurde Anstadt 2011 das Kommandeurskreuz der Republik Polen für die Förderung der polnischen Kultur und Geschichte in den Niederlanden verliehen.
Bibliografie Sachliteratur 1962: Polen, land, volk, cultuur 1968: hongarije tsjecho-slowakije polen nu 1969: joegoslavië roemenië tsjechoslowakije nu 1973: Op zoek naar een mentaliteit 1977: Met de rede der wanhoop 1982: Kind in Polen 1989: Polen en Joden 1933: Scheuren in de heksenketel: een historische schets van Joegoslavië en de Balkan 1995: Jonge jaren 1996: De verdachte oorboog 1999: Servië en het westen 2000: Kruis of munt: autobiografie 1920-1945 2003: Is Nederland veranderd?: essays 2003: Een Ander Joods Geluid
Romane 1985: De opdracht 1992: Niets gaat voorbij 1998: De wankele rechtsgang van Albert Kranenburg 2001: Alles wat het geval is
Weblinks
Essays von Milo Anstadt in De Groene Amsterdammer (niederländisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Hörspielautor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Journalist (Niederlande) Kategorie:Fernsehregisseur Kategorie:Träger des Ordens von Oranien-Nassau (Ritter) Kategorie:Person (niederländischer Widerstand 1940–1945) Kategorie:Polnischer Emigrant in den Niederlanden Kategorie:Niederländer Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 2011 Kategorie:Mann