Ursina Tossi (* 1973 in Heidelberg) ist eine deutsche Choreografin und Tänzerin, deren Arbeiten queerfeministische Diskurse mit intensiver Körperlichkeit und aesthetics of access verbinden. Zu ihren bekannten Arbeiten zählen Revenants (2020), Swan Fate (2022) und Hell (2023). Für Hell erhielt sie 2024 den Kölner Tanztheaterpreis. Für Fux (2021) wurde sie 2023 mit dem 2. Preis des Hamburger Kindertheaterpreises ausgezeichnet.

Leben Tossi wuchs in den 1980er-Jahren im Rhein-Neckar-Raum nahe Heidelberg auf. Im Alter von 25 Jahren begann sie eine klassische Tanzausbildung an der Ballettakademie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen und studierte zeitgleich Philosophie. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihr Abitur nachgeholt und war alleinerziehende Mutter einer siebenjährigen Tochter. Anfang der 2000er-Jahre zog sie nach Hamburg, arbeitete zunächst in der Altenpflege und unterrichtete an der Contemporary Dance School Hamburg sowie an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Ihre ersten Produktionen entstanden an der freien Hamburger Bühne Sprechwerk, später zeigte sie ihre Arbeiten regelmäßig auf Kampnagel. Im Jahr 2014 schloss sie den Masterstudiengang Choreografie an der ArtEZ University of the Arts in Arnheim ab. Residenzen und Stipendien führten sie zum Vienna ImPulsTanz Festival und ans Tanzhaus Zürich. 2019 wählte die Fachzeitschrift tanz sie in ihrem Jahrbuch zur „Hoffnungsträgerin“.

Wirken Tossi nennt ihr Ensemble Excessive Showing; mit ihm befasst sie sich mit Konzepten von Geschlecht, Spezies, Bild und Körper und setzt das Publikum oft ebenerdig mit auf die Bühne, nah an Bewegungen und Emotionen. Ein Schwerpunkt ihrer Praxis liegt auf Barrierefreiheit und Zugänglichkeit (aesthetics of access), etwa durch künstlerische Audiodeskription und Einsätze Deutscher Gebärdensprache.

In Revenants (2020) rief sie Figuren aus Geschichte(n) und Popkultur aus feministischer Perspektive auf und zeigte das Stück etwa in Hamburg bei Kampnagel. Swan Fate (2022) arbeitete kanonische Bilder des klassischen Balletts und die darin liegende Gewalt aus einer feministischen Perspektive neu auf. Hell (2023) verdichtet infernale Zustände zu einer immersiven Komposition aus zeitgenössischem Tanz, integrierter Audiodeskription und Deutscher Gebärdensprache und wurde in Hamburg und Köln gezeigt. Für diese Arbeit erhielt Tossi 2024 den Kölner Tanztheaterpreis. Für ein junges Publikum entwickelte sie Fux (2021), das 2023 mit dem 2. Preis des Hamburger Kindertheaterpreises ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2025 initiierte sie gemeinsam mit Jenny Beyer und Antje Pfundtner das Modell für Gemeinschaftsarbeit Shared Leadership in Dance; im Rahmen dessen entsteht am Jungen Schauspielhaus Hamburg die Produktion Fühler (Premiere ab 30. Oktober 2025). Ebenfalls 2025 veröffentlichte sie gemeinsam mit Maximilian Probst den Band Die Philosophie des Tanzens im Mairisch Verlag.

Einzelnachweise

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