Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Heiligen Stuhl blicken auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Erste diplomatische Kontakte reichen bis ins späte 18. Jahrhundert zurück, wurden jedoch im 19. Jahrhundert durch antikatholische Stimmungen in den USA unterbrochen. Im 20. Jahrhundert intensivierten sich die Verbindungen, besonders unter Theodore Roosevelt junior und später während des Kalten Krieges, als die USA und der Vatikan im gemeinsamen Kampf gegen den Kommunismus eng kooperierten. Die Katholische Kirche nimmt zudem dank der im 20. Jahrhundert erfolgten politischen und wirtschaftlichen Emanzipation der Katholiken in den USA eine wichtige gesellschaftliche Rolle ein. Nach den mehrheitliche katholischen Ländern Brasilien, den Philippinen und Mexiko gehören die USA zu den Ländern mit den meisten Katholiken weltweit. 2025 wurde mit Leo XIV. erstmals ein US-Amerikaner zum Papst gewählt.

Geschichte

Frühe Beziehungen Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Heiligen Stuhl begannen bereits im 18. Jahrhundert, als der Papst noch weltlicher Herrscher des Kirchenstaates in Mittelitalien war. Schon 1797 entsandten die USA einen Konsul nach Rom, um die Handelskontakte mit dem Kirchenstaat zu pflegen. Unter Präsident James K. Polk ging man noch einen Schritt weiter. 1847 genehmigte der US-Kongress offizielle diplomatische Beziehungen zum Kirchenstaat und richtete dafür eine Gesandtschaft (Legation) in Rom ein. Der erste amerikanische Chargé d’Affaires beim Heiligen Stuhl trat sein Amt 1848 an. Im 19. Jahrhundert wurden die offiziellen Kontakte zwischen Washington und dem Vatikan jedoch noch stark von antikatholischen Stimmungen in den USA überschattet. Viele amerikanische Protestanten standen einer offiziellen Anerkennung des Papstes skeptisch bis feindlich gegenüber, da sie einen Verstoß gegen die Trennung von Kirche und Staat befürchteten. Diese Vorbehalte führten 1867 dazu, dass der Kongress die Finanzierung der US-Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl abrupt einstellte.

Auslöser waren Berichte, der Vatikan habe Protestanten die Abhaltung von Gottesdiensten in der amerikanischen Botschaft in Rom untersagt, Gerüchte, die den Antikatholizismus weiter anfachten. Zugleich belastete der Fall der zum Katholizismus konvertierten Mary Surratt, einer Mitverschwörerin bei der Ermordung Abraham Lincolns, das öffentliche Klima: Ihre Hinrichtung 1865 schürte in weiten Kreisen Misstrauen gegen die katholische Kirche. Infolge dieser Spannungen brachen die formellen diplomatischen Beziehungen 1867 vollständig ab. In den folgenden Jahrzehnten unterhielten die USA und der Heilige Stuhl lediglich informelle Kontakte; erst 1893 richtete der Vatikan mit Francesco Satolli einen apostolischen Delegaten in Washington ein, der jedoch keine offizielle Anerkennung seitens der US-Regierung besaß.

Intensivierte Kontakte im 20. Jahrhundert mini|Nancy und Ronald Reagan mit Papst Johannes Paul II. (1979) Nach über 60 Jahren ohne offizielle Verbindung näherte man sich im 20. Jahrhundert wieder an. Nach dem Ersten Weltkrieg besuchte Woodrow Wilson 1919 als erster US-Präsident den Vatikan und traf dort Benedikt XV. US-Präsident Franklin D. Roosevelt entsandte 1939, wenige Monate nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, erstmals einen persönlichen Vertreter zum Heiligen Stuhl. Roosevelt erhoffte sich über den Vatikan wertvolle Informationen zur Lage in Europa, da der Papst ein globales Nachrichtennetz von Bischöfen und Diplomaten unterhielt. Myron C. Taylor, ein Vertrauter Roosevelts, diente bis 1950 als persönlicher Gesandter des Präsidenten beim Vatikan und erwies sich als wichtige inoffizielle Verbindung, so sehr, dass Präsident Harry S. Truman 1951 sogar versuchte, die Beziehung auf Botschafterebene zu heben. Truman nominierte General Mark W. Clark als ersten US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, musste die Ernennung jedoch wegen innenpolitischer Widerstände protestantischer Kreise zurückziehen. In den folgenden Jahren vermieden es auch Präsident Dwight D. Eisenhower und der (erste) katholische Präsident John F. Kennedy, neue Schritte in Richtung offizieller Vatikan-Beziehungen zu unternehmen. Erst Präsident Richard Nixon knüpfte 1970 wieder an die Roosevelt-Tradition an und benannte mit Henry Cabot Lodge Jr. erneut einen hochrangigen Sonderbeauftragten beim Vatikan, was unter Gerald Ford und Jimmy Carter fortgesetzt wurde.

Ein grundlegender Wandel erfolgte in den 1980er Jahren. Ronald Reagan trat sein Amt 1981 mit dem Vorsatz an, die Beziehungen zum Heiligen Stuhl zu normalisieren. Er ernannte zunächst seinen Freund William A. Wilson zum persönlichen Vatikan-Gesandten und suchte bald das direkte Gespräch mit Papst Johannes Paul II. Bei ihrem ersten Treffen im Juni 1982 waren sich Reagan und der polnische Papst einig, gemeinsam den Einfluss des Kommunismus einzudämmen. Später wurde diese Verbindung als eine „heilige Allianz“ der Supermacht USA mit dem Vatikan bezeichnet, die wesentlich zur friedlichen Überwindung der Ost-West-Konfrontation beitragen sollte.The Holy Alliance: Ronald Reagan and John Paul II Time Reagan instruierte nach der Audienz sein Außenministerium, eng mit der päpstlichen Diplomatie zusammenzuarbeiten. Im November 1983 hob der Kongress schließlich das seit 1867 geltende Verbot der Botschaftsfinanzierung auf. Daraufhin vereinbarten Reagan und Johannes Paul II. am 10. Januar 1984 offiziell die Aufnahme diplomatischer Beziehungen auf Botschafterebene.

Nach der Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen mini|Papst Franziskus mit Barack Obama im Weißen Haus (2015) Seit 1984 hat sich die Zusammenarbeit zwischen Washington und dem Heiligen Stuhl auf vielfältige Bereiche erstreckt. In den letzten Jahren des Kalten Krieges arbeiteten die Reagan-Regierung und der Vatikan eng zusammen, insbesondere um die oppositionelle Gewerkschaft Solidarność in Polen zu unterstützen und damit den Einfluss der Sowjetunion in Osteuropa zu schwächen. Über geheime Kanäle wurden Ausrüstung, Geld und Informationen nach Polen geschleust, ein gemeinsames Unterfangen von CIA, päpstlicher Diplomatie und Gewerkschaften, das Solidarność bis zur Wende 1989 am Leben erhielt und zum Fall des Eisernen Vorhanges beitrug. Der Heilige Stuhl erwies sich für die USA als wertvoller Partner, da er in nahezu allen Ländern der Welt vertreten ist und ein weitreichendes diplomatisches Netzwerk unterhält. Auch unterstützen die USA und der Vatikan gemeinsam Anliegen wie Religionsfreiheit und der Heilige Stuhl bemühte sich häufig um eine Vermittlerrolle in internationalen Konflikten.

Gleichzeitig gab und gibt es auch Spannungen und Meinungsunterschiede. So lehnt der Vatikan einige Positionen der Vereinigten Staaten entschieden ab. Ein prominentes Beispiel ist der Irak-Krieg 2003: Papst Johannes Paul II. versuchte durch intensive Diplomatie den US-geführten Militäreinsatz zu verhindern. Als die US-Regierung unter George W. Bush die Invasion dennoch startete, kam im Vatikan Unmut auf und dieser sah das Prinzip des gerechten Krieges verletzt. Diese Episode führte zu einer spürbaren Abkühlung der Beziehungen: Beobachter stellten fest, dass hohe Vatikanvertreter der US-Politik in jenen Jahren sehr skeptisch gegenüberstanden. Auch in Fragen der Entwicklungs- und Bevölkerungspolitik (z. B. Verhütung und Schwangerschaftsabbruch) kam es gelegentlich zu Differenzen zwischen dem Heiligen Stuhl und verschiedenen US-Regierungen.

Auch unter der ersten Amtszeit von Donald Trump ab 2016 kam es gelegentlich zu Streitigkeiten (z. B. beim Thema Migration) mit Papst Franziskus, der noch im Wahlkampf Trumps Plan einer Grenzmauer zu Mexiko offen als „nicht christlich“ verurteilt hatte. Trumps Nachfolger Joe Biden (der zweite katholische US-Präsident) verlieh Franziskus dagegen die Presidential Medal of Freedom. Kurz nach dem Beginn der zweiten Amtszeit von Trump wurde mit Robert Francis Prevost (Papst Leo XIV.) im Mai 2025 erstmals ein US-Amerikaner zum Papst gewählt. Ein aggressiver verbaler Angriff Trumps auf Leo XIV. nach dessen Friedensaufruf im Kontext des Iran-Kriegs stellte laut einem Interview mit Tassilo Wanner einen historischen Tiefstpunkt in den Beziehungen seit dem Zweiten Weltkrieg dar.

Katholizismus in den USA mini|Kirchenprovinzen und Bistümer in den USA Die römisch-katholische Kirche stellt eine der größten Religionsgemeinschaften in den Vereinigten Staaten dar. Etwa 20 % der erwachsenen US-Bevölkerung bezeichnen sich heute als katholisch (Stand 2024). Damit ist der Katholizismus nach den Protestantismen die zweitgrößte Glaubensrichtung des Landes und die mitgliederstärkste Einzelkirche. In absoluten Zahlen entspricht dies rund 53 Millionen katholischen Erwachsenen. Die USA verfügen damit – nach Brasilien, Mexiko und den Philippinen – über die viertgrößte katholische Bevölkerung der Welt. Allerdings ist ihr Anteil in den letzten Jahrzehnten leicht gesunken (2007 lag er noch bei etwa 24 %) und demografisch im Wandel. War der US-amerikanische Katholizismus im frühen 20. Jahrhundert noch maßgeblich von irischen und italienischen Einwanderern dominiert, stellen hispanische Amerikaner eine wachsende Gruppe innerhalb der Kirche dar (rund 36 % der US-Katholiken sind Latinos, häufig mexikanischer Abstammung). Insgesamt sind über 40 % der Katholiken in den USA Einwanderer der ersten oder zweiten Generation.

Institutionell ist die katholische Kirche landesweit präsent. Sie umfasst 177 lateinische Diözesen (Bistümer) und Erzdiözesen sowie mehrere orientalisch-katholische Eparchien in den USA. Zusammen betreibt die Kirche ein weitverzweigtes Netzwerk von Pfarreien (rund 17.000) und karitativen Einrichtungen. Bildung und Gesundheit sind zwei traditionelle Schwerpunkte katholischen Engagements: Katholische Schulträger unterhalten knapp 6.000 Schulen (überwiegend Grund- und Mittelschulen) mit fast 1,8 Millionen Schülern im Schuljahr 2023/24. Auch viele Hochschulen (wie die University of Notre Dame oder die renommierte Georgetown University) stehen in katholischer Trägerschaft. Im Gesundheitswesen spielen katholische Organisationen eine bedeutende Rolle, es bestanden 2014 645 katholische Krankenhäuser im Land. Darüber hinaus betreibt die Kirche Altenheime, Waisenhäuser, Beratungsstellen und eines der größten sozialen Hilfswerke (Catholic Charities), das jährlich Millionen bedürftige Amerikaner unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit unterstützt.

Obwohl Katholiken in den USA lange Zeit eine diskriminierte religiöse Minderheit stellten, haben sie einen nachhaltigen Einfluss auf Gesellschaft und Politik entwickelt. Im 19. Jahrhundert integrierten sich katholische Einwanderer aus Europa in das gesellschaftliche Leben. Katholiken bildeten einen wichtigen Teil der städtischen Arbeiterbevölkerung und engagierten sich früh in der Gewerkschaftsbewegung und im Kampf für soziale Reformen. So stellten amerikanische Katholiken einen Kernbestandteil der New-Deal-Koalition unter Präsident Franklin D. Roosevelt dar und unterstützten sozialpolitische Maßnahmen zur Bewältigung der Weltwirtschaftskrise. Ein Meilenstein der politischen Emanzipation war die Wahl von John F. Kennedy 1960 zum Präsidenten. Kennedy wurde damit der erste Katholik im höchsten Amt der USA und durchbrach eine jahrzehntelange Barriere des Misstrauens gegenüber Katholiken. In der Wählerschaft gelten Katholiken heute als wichtige „Swing Voter“. Mit rund einem Viertel Anteil an den US-Wahlberechtigten stellen sie eine begehrte Stimmengruppe dar.

Verdeckte Zusammenarbeit während des Kalten Krieges