Die Belagerung von Port Hudson war eine militärische Operation im Amerikanischen Bürgerkrieg, die vom 22. Mai bis 9. Juli 1863 bei Port Hudson in Louisiana stattfand. Sie war Teil der Bemühungen der Unionsstreitkräfte, den Mississippi zu kontrollieren.

Die Nordstaaten hatten 1862 entlang des Flusses mehrere Erfolge errungen. Im Frühjahr 1863 verblieben daher nur noch Port Hudson und das weiter nördlich gelegene Vicksburg als konföderierte Bastionen, die den Fluss für die Union sperrten und der Konföderation den Transit von Waren und Truppen über den Fluss erlaubten. Unionstruppen unter Generalmajor Nathaniel Prentiss Banks umschlossen die von Generalmajor Franklin Gardner befehligte konföderierte Garnison im Mai 1863. Zwei Sturmangriffe der Nordstaaten am 27. Mai und 14. Juni scheiterten, aber Gardner kapitulierte nach einer 48-tägigen Belagerung schließlich am 9. Juli 1863.

Zusammen mit dem Erfolg General Ulysses S. Grants bei Vicksburg machte der Sieg bei Port Hudson den Mississippi entlang seiner gesamten Länge wieder für die Nordstaaten schiffbar und zerschnitt die Konföderation in zwei Teile. Zugleich markierte der Sturmangriff am 27. Mai den ersten größeren Einsatz schwarzer Soldaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Er unterstrich ihre militärische Leistungsfähigkeit und beschleunigte die Aufstellung weiterer Einheiten für das Unionsheer.

Vorgeschichte Vormarsch der Union entlang des Mississippi mini|Karte des Mississippi, auf der die konföderierten Befestigungen Columbus, New Madrid, Island No. 10, Fort Pillow, Vicksburg und Port Hudson zu sehen sind. Ebenfalls zu sehen ist der Red River, der zwischen Vicksburg und Port Hudson in den Mississippi mündete. Die Kontrolle des Mississippi war im Amerikanischen Bürgerkrieg für beide Seiten von großer Bedeutung. Für die Nordstaaten des Mittleren Westens bot der Fluss über den Hafen New Orleans Zugang zu den Weltmärkten. Die Sezession der Mississippianrainer Arkansas, Louisiana, Tennessee und Mississippi Anfang 1861 gefährdete diesen Marktzugang und die gesamte landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft des Mittleren Westens. Hewitt, Port Hudson, Confederate Bastion on the Mississippi, S. 1 Die Sorge um diesen Marktzugang führte im Mittleren Westen während des Krieges teilweise zu Forderungen, sich dem Süden anzuschließen oder zumindest einen Separatfrieden zu verhandeln. James McPherson, Battle Cry of Freedom. Oxford University Press, New York 1988, ISBN 0-19-503863-0, S. 593 Die Kontrolle des Mississippi war deswegen sowohl wirtschaftlich als auch politisch wichtig für die Nordstaaten. Sie bot außerdem die Chance, die abtrünnigen Konföderierten Staaten von Amerika in zwei Teile zu spalten. Dadurch würde die Lieferung von Kriegsmaterial über Mexiko und Texas zu den Hauptkriegsschauplätzen in Tennessee und Virginia verhindert. Cunningham, The Port Hudson Campaign 1862–1863, S. 3f. Die Bedeutung des Flusses war auch den Konföderierten bewusst. Sie errichteten eine Reihe von Befestigungsanlagen, die sich von Columbus in Kentucky über New Madrid, Island No. 10, Fort Pillow in Tennessee und Vicksburg in Mississippi bis unterhalb von New Orleans erstreckten. Hewitt, Port Hudson, Confederate Bastion on the Mississippi, S. 2

1862 gelang es den Nordstaaten, die Südstaatler entlang des Flusses sowohl von Norden als auch Süden her zurückzudrängen. Aufgrund der Erfolge von Ulysses S. Grant in den Schlachten von Fort Henry und Donelson im Februar mussten die Konföderierten Columbus räumen. Der Schutz des Mississippi von Norden her fiel nun Island No. 10 zu. Dieses wurde jedoch am 7. April von John Pope zur Aufgabe gezwungen, wobei 7.000 Südstaatler in Gefangenschaft gingen. Fort Pillow wurde geräumt, nachdem die Südstaatler Corinth evakuieren mussten, und am 6. Juni besiegte eine nordstaatliche Flottille die Konföderierten bei Memphis und besetzte die Stadt. Von Süden her hatte unterdessen Flaggoffizier David Glasgow Farragut mit seiner Flotte am 24. April die konföderierten Sperren flussabwärts von New Orleans durchbrochen und die Kapitulation der Stadt erzwungen. Landtruppen unter General Benjamin Butler besetzen New Orleans, während Farragut weiter flussaufwärts fuhr und auch die Kapitulation von Baton Rouge und Natchez erzwang. James McPherson, Battle Cry of Freedom. Oxford University Press, New York 1988, ISBN 0-19-503863-0, S. 396–403, 415, 417–420. Damit war entlang des Mississippi nur noch Vicksburg in konföderierter Hand. Die Stadt widerstand jedoch einem Bombardement der US-Flotte am 26. Juni. Unterstützt von dem neu gebauten Panzerrammschiff CSS Arkansas konnten die Uferbatterien der Konföderierten die US-Flotte im Juli zum Abbruch des Angriffs bringen. Cunningham, The Port Hudson Campaign 1862–1863, S. 5

Kampf um Baton Rouge und die Befestigung von Port Hudson mini|Karte von Port Hudson (Bildmitte) und Umgebung. Von Port Hudson aus ist die Eisenbahnlinie nach Clinton eingezeichnet. Flussaufwärts von Port Hudson ist Bayou Sara mit der Eisenbahnlinie nach Woodville zu sehen, am oberen Bildrand die damalige Mündung des Red River in den Mississippi. Südlich von Port Hudson ist Springfield Landing eingezeichnet, und weiter flussabwärts Baton Rouge. Die Initiative ging nun wieder auf die Konföderierten über. General Earl Van Dorn, der konföderierte Befehlshaber in Vicksburg, wollte seine Position stärken und befahl einen Angriff auf Baton Rouge durch die Truppen der Generäle Daniel Ruggles und John Cabell Breckinridge. Der Angriff scheiterte am 5. August, und Breckinridge musste sich zurückziehen. Auf seine Anweisung besetzten die Konföderierten jedoch das Dorf Port Hudson, etwa 40 Kilometer nordwestlich und flussaufwärts von Baton Rouge. Hewitt, Port Hudson, Confederate Bastion on the Mississippi, S. 3f.

Port Hudson war eine kleine Hafensiedlung am Ostufer des Mississippi, der hier eine 150-Grad-Biege machte. Pro Jahr wurden in dem Dorf etwa 30.000 Ballen Baumwolle umgeschlagen, und dank dieses Handels war es auf etwa 200 Einwohner angewachsen. Neben der Anlegestelle für Dampfschiffe gab es im Ort auch eine Fähre ans Westufer und eine Eisenbahnverbindung ins rund 30 Kilometer nordöstlich gelegene Clinton. Straßen führten unter anderem nach Clinton, Bayou Sara und Baton Rouge. Hewitt, Port Hudson, Confederate Bastion on the Mississippi, S. 4f. Auch im Krieg blieb Port Hudson ein wichtiger Handelsplatz: Salz, Zucker, Tabak und andere Güter wurden hier angelandet, mit der Eisenbahn nach Clinton gebracht und von dort mit Ochsenkarren nach Jackson weitertransportiert. Aufgrund seiner geographischen Lage war der Ort außerdem ausgezeichnet für eine Befestigung geeignet: Zum einen lag er an einer markanten Flussbiegung, zum anderen auf einem 18–25 Meter hohen Steilufer, das das Westufer dominierte und den Ort zu einer natürlichen Festung machte. Der Fluss verlief hier außerdem so, dass Schiffe sich bei der Umrundung der Biege nah am Ostufer halten mussten. Auch strategisch war Port Hudson eine äußerst günstige Position: Hier konnte das 180 km flussaufwärts gelegene Vicksburg vor Angriffen aus Süden geschützt werden, und zwischen den beiden Orten lag die Mündung des Red River Vor 1872 mündete der Red River nicht in den Atchafalaya River, sondern in den Mississippi. Siehe Marion Bragg (1973): Historic names and places on the lower Mississippi River, Mississippi River Commission, Vicksburg, Mississippi, S. 193f. die dadurch abgeschirmt war. Cunningham, The Port Hudson Campaign 1862–1863, S. 6ff. Diese Mündung war von hoher Bedeutung: Güter westlich des Mississippi wurden zumeist an den Red River transportiert. Von dort führte die Route in den Mississippi, nach Vicksburg und dann mit der Eisenbahn in den östlichen Teil der Konföderation.Shea und Winschel, Vicksburg is the Key, S. 18

Am 15. August bezogen die ersten Truppen unter Brigadegeneral Ruggles Stellung in Port Hudson und begannen schon kurz darauf mit den Schanzarbeiten. General Breckinridge wurde mit einem Großteil seiner Truppen nach Kentucky beordert, sodass Ruggles am 18. August den Befehl über Port Hudson erhielt. Er verfügte zu diesem Zeitpunkt über rund 1.500 Mann, aber kaum schwere Geschütze. Eine Verteidigungslinie wurde geplant, die aus mehreren Lünetten bestand, die etwa 400 Meter voneinander entfernt waren und sich gegenseitig unterstützen konnten. Die Südstaatler profitierten davon, dass die Landstreitkräfte der Nordstaaten in Louisiana zu diesem Zeitpunkt zu schwach für Offensivaktionen waren. Die Nordstaatler zogen sich stattdessen sogar aus Baton Rouge zurück, sodass die Konföderierten es am 20. August wieder besetzen konnten. Hewitt, Port Hudson, Confederate Bastion on the Mississippi, S. 6, 10ff.

Am 29. August 1862 wurde Ruggles nach Mississippi beordert, und Brigadegeneral William Beall übernahm den Befehl über Port Hudson. Hewitt, Port Hudson, Confederate Bastion on the Mississippi, S. 14 Unter ihm gingen die Arbeiten weiter, und bis Oktober hatten die Konföderierten 14 schwere Geschütze in Port Hudson konzentriert, darunter ein 42-Pfünder, eine 10-Zoll-Coumbiad und eine 8-Zoll-Columbiad. Daneben verfügten sie über vier Batterien mit 22 Feldgeschützen. Cunningham, The Port Hudson Campaign 1862–1863, S. 12f. Organisatorisch bildete Bealls Kommando ab Oktober 1862 das dritte Distrikt des Wehrbereichs Mississippi und Ostlouisiana. Das Distrikt war für die Verteidigung von Südwestmississippi und von Louisiana östlich des Mississippi verantwortlich, der Schwerpunkt war jedoch Port Hudson. Bealls Vorgesetzter war General John C. Pemberton, der Kommandeur des Wehrbereichs Mississippi und Ost-Louisiana. Unter Beall wurde eine neue Verteidigungslinie konzipiert: Die ursprünglich geplante Lünetten-Linie wäre fast 13 Kilometer lang gewesen und hätte etwa 35.000 Mann zur Verteidigung benötigt. Beall entschied sich dagegen für eine kürzere Linie von etwa 7 Kilometern, die aus einer durchgängigen Brustwehr mit Graben bestand. Auch diese kürzere Linie erforderte 18.000–20.000 Soldaten. Beall verfügte im Oktober 1862 allerdings nur über rund 2.500 Mann in Port Hudson. Hewitt, Port Hudson, Confederate Bastion on the Mississippi, S. 10, 16f., 19f. In den folgenden Monaten verstärkten die Konföderierten die Garnison jedoch weiter. Im Dezember 1862 wurde Generalmajor Franklin Gardner zum neuen Kommandeur des Distriktes ernannt, und im März konnte er über vier Brigaden unter den Generälen William Beall, Samuel B. Maxey, John Gregg und Albert Rust verfügen. Cunningham, The Port Hudson Campaign 1862–1863, S. 19, 21 Im selben Monat meldete Gardner eine Verpflegungsstärke von rund 20.000 Mann. Official Records, Serie 1, Band 15, S. 1032

mini|Konföderierte Geschützstellung bei Port Hudson