mini|Petre Ozcheli und einige seiner Entwürfe auf georgischen Briefmarken (2018) Petre „Petja“ Grigorewitsch Ozcheli (; ; wiss. Transliteration ; * in Kutaissi, Russisches Kaiserreich, heute Georgien; † 2. Dezember 1937 in Moskau, Sowjetunion)პეტრე ოცხელი In: Biografisches Lexikon Georgiens. war ein georgisch-sowjetischer Kostüm- und Bühnenbildner. Seine Arbeiten sind der georgischen Avantgarde zuzuordnen und enthalten Elemente von Futurismus, Konstruktivismus, Surrealismus, Art déco und kaukasischer Folklore. Am bekanntesten sind seine Entwürfe für den Film Der geflügelte Maler (Крылатый маляр / Mprinawi mghebawi) von Leo Essakia.: Der Spielfilm Der geflügelte Maler handelt von der Beziehung zwischen einer selbstbewussten Pilotin und einem Anstreicher, der zur Ausbildung als Fallschirmspringer verpflichtet wird. Der Schwarzweißfilm von 1937 enthält viele Flugszenen und auch Flugstunts. Ozcheli wurde während des Großen Terrors der kommunistischen Diktatur verhaftet und von einer Troika wegen angeblichen Verrats verurteilt und erschossen.Convent of execution, NKWD, 1937 bei Kunstpalast Georgiens – Kulturhistorisches Museum.
Leben mini|Die Kostümbildnerin Elene Achwlediani (links) und Petre Ozcheli (rechts, 1930) Petre Ozcheli kam 1907 in Kutaissi, der Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements (Imeretien), in einer Familie georgischer Katholiken und Händler zur Welt. Die Familie war wohlhabend und weltoffen, der Theaterbesuch gehörte ebenso zum Familienleben wie der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes am Sonntag.. Seit frühester Kindheit war Petjas Leidenschaft das Malen und Zeichnen.
Aus beruflichen Gründen zog der Vater Grigori Petrowitsch Ozcheli vor dem Ersten Weltkrieg mit seiner Familie nach Moskau. Der junge Petja besuchte von 1914 bis 1918 das an die katholische Kirche angeschlossene französische Gymnasium Saint Philip Neri. Nach der Oktoberrevolution wurde die Familie von den Bolschewiki enteignet und kehrte verarmt in eine kurzzeitig unabhängige Republik Georgien zurück. Hier besuchte Petja die Realschule seiner Geburtsstadt Kutaissi und wurde von Iwane Tscheischwili im Zeichnen unterrichtet.George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit. Berlin 2019, S. 26–28.
Petre musste wegen einer Knochentuberkulose (3-45 Wirbel) lebenslang ein Korsett tragen und war auch vom Wehrdienst befreit.George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit: Verhörprotokoll und Beschluss der Troika 1937. Berlin 2019, S. 154. Im Jahr 1926 wechselte er an die Akademie der Schönen Künste in Tiflis und studierte unter anderem bei Iossif Charlemagne. Die Akademie der Künste galt im 20. Jahrhundert als die beste Kunstschule der Region. Bereits 1927 erhielt Ozcheli die Gelegenheit, am Tifliser Arbeitertheater eine Inszenierung von Anatoli Lunatscharskis Stück Die Brandstifter zu gestalten. Seine Arbeit fiel dem renommierten Theaterregisseur Konstantin „Kote“ Mardschanischwili (1872–1933) auf, der die Vorstellung besuchte.George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit. Berlin 2019, S. 36.
Mardschanischwili vertraute dem 22-jährigen Bühnenbildner 1929 die Gestaltung des Stücks Uriel Acosta von Karl Gutzkow an. Damit begann eine fruchtbare Zusammenarbeit. Ozcheli gestaltete fast alle folgenden Inszenierungen des Regisseurs am Dramatischen Theater in Kutaissi. Ab 1931 verlagerte sich Mardschanischwilis Arbeitsschwerpunkt in die sowjetische Hauptstadt Moskau, wo er mit dem Zweiten Dramaturgischen Theater ein eigenes Haus leitete. Ozcheli wohnte bei seinen Aufenthalten in Moskau bei seinem Bruder Leon.George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit: Verhörprotokoll und Beschluss der Troika 1937. Berlin 2019, S. 158. Die Skizzen für die drei Stücke von 1933 – Hamlet, Othello und Spartakus – gelangten aufgrund des überraschenden Tods von Kote Mardschanischwili im Jahr 1933 nicht mehr zur Aufführung.George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit. Berlin 2019, S. 48.
Im Jahr 1936 zeichnete Ozcheli Entwürfe für den Spielfilm Der geflügelte Maler von Leo Essakia. Dabei entstand auch sein markantester Entwurf, das Bild eines selbstbewussten Piloten mit drei am Himmel schwebenden Flugzeugen. Der Film handelt von einem Anstreicher, der unverhofft zum Fallschirmspringer ausgebildet wird und dabei auf eine selbstbewusste Pilotin trifft..
In den 1930er Jahren wirkte Ozcheli viel in Moskau. 1937 gewann er eine Ausschreibung von Konstantin Stanislawski zum Bühnenbild der Verdi-Oper Rigoletto. Die Aufführung erlebte er jedoch nicht mehr.George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit. Berlin 2019, S. 114.
Tod mini|hochkant|Der Mitangeklagte Sergo Amaghlobeli Am 27. November 1937, einen Monat nach seinem 30. Geburtstag, wurde Ozcheli von einer Gerichtstroika des NKWD verhört. Die Mitschriften des Verhörs und das Protokoll des Urteils vom 29. November sind in Kopien erhalten geblieben; die Originaldokumente sind 1999 im KGB-Archiv verbrannt.George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit: Verhörprotokoll und Beschluss der Troika 1937. Berlin 2019, S. 150–167. Im Urteilsprotokoll mit der Nummer 56 heißt es:
Das auf konstruierten Anschuldigungen basierende Urteil der Troika lautete: „Erschießen. Seinen Besitz beschlagnahmen.“Convent of execution, NKWD, 1937 bei Kunstpalast Georgiens – Kulturhistorisches Museum. Das Todesurteil wurde am 2. Dezember 1937 vollstreckt.George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit: Verhörprotokoll und Beschluss der Troika 1937. Berlin 2019, S. 151. Der mitangeklagte Theaterdirektor Sergo Amaghlobeli wurde ebenfalls erschossen.Petre Otskheli bei Art.gov.ge vom 8. September 2022. Weitere namhafte georgische Intellektuelle, die 1937 im Rahmen der sogenannten Großen Säuberung erschossen wurden, waren der Schriftsteller Micheil Dschawachischwili (1880–1937), der Maler Dimitri Schewardnadse (1885–1937), der Theaterdirektor Sandro Achmeteli (1886–1937), die Dichter Paolo Iaschwili (1894–1937) und Tizian Tabidse (1895–1937), der Dirigent Ewgeni Mikeladse (1903–1937) sowie der georgisch-abchasische Dramatiker Samson Tschanba (1886–1937).
Ehrungen
In seiner Geburts- und Heimatstadt Kutaissi erinnert seit 2022 eine Leuchtstoffröhren-Installation in der Innenstadt an Petre Ozcheli. An der Schota-Rustaweli-Avenue ist seine ikonischste Arbeit, ein Entwurf für den Spielfilm Der geflügelte Maler von 1936, als neongelbe Leuchtröhre zu sehen.
Im Empfangsgebäude des Flughafens von Kutaissi werden ankommende Fluggäste von einer lebensgroßen Reproduktion des Fliegenden Malers inklusive einer Petre-Ozcheli-Ausstellung begrüßt.
Werke (Auswahl) 1925: Porträt einer chinesischen Frau 1926: Porträt eines Jungen 1929: Kostümentwürfe und Bühnenbilder für Uriel Acosta von Karl Gutzkow 1929: Kostümentwürfe für Die Weißen von Demna Schengelaia 1930: Kostümentwürfe für The Cenci von Percy Bysshe Shelley 1931: Entwürfe für Der brave Soldat Schwejk von Jaroslav Hašek 1931: Entwürfe für Baumeister Solness von Henrik Ibsen 1932: Kostümentwürfe für Die Brandstifter von Anatoli Lunatscharski 1932: Kostümentwürfe für Die Räuber von Friedrich Schiller 1933: Kostümentwürfe für Othello von William Shakespeare 1936: Kostümentwürfe für Kabale und Liebe von Friedrich Schiller 1936: Entwürfe für Der geflügelte Maler von Leo Essakia (1890–1969), Filmstudio Georgian-Film. 1937: Entwürfe für Rigoletto von Giuseppe Verdi
Galerie
Literatur Buch der Eindrücke. Buch zur Ausstellung P. Otskheli, Kutaisi 1963. George Kalandia (Hrsg.): Petre Otskheli – In Flammen der Zeit. Georgien, Theater, Moderne. Aus dem Russischen von Christiane Hauschild. Merve Verlag, Berlin 2019, ISBN 9783945867181.
Siehe auch Erschossene Renaissance der Ukraine Erschießung belarussischer Kulturschaffender (1937)
Weblinks
Petre Otskheli bei Art.gov.ge (englisch) Petre Otskheli – Ewig modern bei Art Palace of Georgia – Museum of Cultural History Petre Otskheli – A Sophisticated Master of the Art Deco Epoch bei ATINATI vom 26. Februar 2025 (englisch)
Einzelnachweise
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