Steinhögl ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Anger im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land. Das Kirchdorf liegt nordöstlich des Kernortes Anger an der am westlichen Ortsrand vorbei führenden Vachenlueger Straße.

Geschichte Der Steinhögl zählt zu den ältesten Siedlungsplätzen auf dem Höglrücken. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung bereits in vorgeschichtlicher Zeit. Im Bereich des heutigen Kirchdorfes wurden Steinbeile aus der Jungsteinzeit sowie weitere Funde aus der Bronzezeit entdeckt. Auch aus der Römerzeit liegen Nachweise einer Besiedlung vor. Im Umfeld des Ortes wurden Mauerreste mit Hypokaustenheizung freigelegt, die auf einen römischen Gutshof oder eine kleinere Siedlung schließen lassen. Die genaue Ausdehnung dieser Anlage ist bislang nicht bekannt.

Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte nach Angaben des Heimatforschers Josef Streibl um das Jahr 1170 in der Form „Steinhigl“. Eine weitere frühe Erwähnung findet sich in einer Ablassurkunde vom 2. Mai 1443, die während des Basler Konzils ausgestellt wurde. Der Ortsname verweist vermutlich auf die steinernen Baureste einer älteren Befestigungsanlage auf dem Högl.

Nach örtlicher Überlieferung befand sich am Standort der heutigen Kirche St. Georg der Sitz der Edlen von Högl. Dieses Ministerialengeschlecht erscheint seit dem 12. Jahrhundert in den Quellen und stand in enger Verbindung zu den Salzburger Erzbischöfen. Nach dem Aussterben der Familie verfiel die Burganlage. Beim Bau und den späteren Erweiterungen der Kirche wurden offenbar Teile der vorhandenen Mauern weiterverwendet. Die ungewöhnlich starken Mauern des romanischen Langhauses sowie verschiedene Geländestrukturen in der Umgebung werden als Hinweise auf die ehemalige Burg gedeutet.

Im Mittelalter entwickelte sich Steinhögl zu einem kleinen Kirchdorf mit mehreren Bauernhöfen. Die Höfe gehörten überwiegend zum Erzstift Salzburg und waren verschiedenen Grundherrschaften abgabepflichtig. Die Landwirtschaft bildete über Jahrhunderte die wirtschaftliche Grundlage des Ortes. Neben Ackerbau und Viehzucht spielte die Nutzung der Wälder des Högls eine wichtige Rolle.

Zu den ältesten Anwesen des Dorfes zählten nach den Untersuchungen von Josef Streibl einige Hofstellen in unmittelbarer Nähe der Kirche. Die Besitzverhältnisse wechselten im Laufe der Jahrhunderte durch Erbteilungen, Verkäufe und Heiraten mehrfach. Viele der Anwesen lassen sich anhand von Urbaren, Steuerlisten und Kirchenmatrikeln bis in die frühe Neuzeit zurückverfolgen.

Während der napoleonischen Neuordnung Europas gehörte der Högl zeitweise zu verschiedenen Verwaltungsgebieten. Nach mehreren Herrschaftswechseln fiel das Gebiet 1816 endgültig an das Königreich Bayern. Mit dem bayerischen Gemeindeedikt entstand 1818 die politische Gemeinde Högl, deren historischer Mittelpunkt Steinhögl bildete.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert blieb der Ort überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Die Zahl der Hofstellen veränderte sich nur geringfügig. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zusätzliche Wohngebäude. Die historische Siedlungsstruktur mit der Kirche als Mittelpunkt des Dorfes blieb jedoch weitgehend erhalten.

Archäologische Bedeutung Der Bereich um Steinhögl gehört zu den archäologisch bedeutendsten Fundlandschaften des Högls. Neben vorgeschichtlichen Einzelfunden wurden in der Umgebung Reste römischer Bebauung sowie sogenannte Hochäcker nachgewiesen. Diese heute noch im Gelände erkennbaren Ackerterrassen werden als Zeugnisse einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung in vorgeschichtlicher oder mittelalterlicher Zeit angesehen.

Historische Höfe Das historische Kirchdorf bestand aus mehreren bäuerlichen Anwesen, die sich um die Kirche St. Georg gruppierten. Nach Josef Streibl gehörten zum traditionellen Ortsbereich unter anderem die Anwesen Oberstein, Unterstein, Pölzl, Lackner, Obermayer und Schmidhäusl. Zusammen mit dem benachbarten Weiler Vachenlueg bildeten sie den historischen Kern der Siedlung.

Die Hofnamen blieben über Jahrhunderte erhalten und dienen bis heute als wichtige Orientierungspunkte für die Ortsgeschichte und die genealogische Forschung im Bereich des Högls.

Baudenkmäler In der Liste der Baudenkmäler in Anger (Berchtesgadener Land) sind für Steinhögl sechs Baudenkmäler aufgeführt, darunter die römisch-katholische Filialkirche St. Georg, das Bauernhaus, Steinhögl 26, und das Bauernhaus, Steinhögl 28.

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Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Berchtesgadener Land Kategorie:Geographie (Anger, Berchtesgadener Land) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Berchtesgadener Land) Kategorie:Gemeindeauflösung 1978