Das Unternehmen Karneval war eine von Heinrich Himmler autorisierte Mission zur Ermordung des Aachener Oberbürgermeisters Franz Oppenhoff, der von den Amerikanern im Oktober 1944 ernannt worden war, nachdem diese die Kontrolle über die Stadt übernommen hatten. Hitler persönlich hatte an dieser Ernennung Anstoß genommen und ordnete Oppenhoffs Beseitigung an.
Gruppe Die vom Generalinspekteur für Spezialabwehr Hans-Adolf Prützmann, der von Himmler mit der Aufgabe betraut wurde, zusammengestellte Gruppe bestand aus:
dem SS-Untersturmführer Herbert Wenzel dem österreichischen SS-Unterscharführer Josef „Sepp“ Leitgeb dem ehemaligen Grenzschutzbeamten Karl-Heinz Hennemann dem ehemaligen Grenzpolizisten Georg Heidorn dem 16-jährigen Werwolf Mitglied Erich Morgenschweiss der BdM-Führerin Ilse Hirsch.
Plan Der Plan der Gruppe sah vor, ihr erstes Basislager in einem dichten Waldgebiet an der deutsch-belgischen Grenze zu beziehen. Morgenschweiss und Hirsch, die die Stadt gut kannten und als Führer fungierten, würden in die Stadt eindringen und ihr Ziel ausfindig machen. Nachdem sie einen Tagesablauf ermittelt hatten, gaben sie die Informationen an Wenzel und Leitgeb weiter. Nach dem Attentat würde sich das Team in Richtung Osten auf die eigenen Leute zubewegen. Sie sollten sich an den Plan halten, auch wenn sie getrennt würden. Sie reisten ausschließlich nachts und versteckten sich bei Tageslicht in Förster- und Wildhüterhütten. Alle trugen gefälschte Papiere bei sich, die sie als Mitglieder der Organisation Todt des Reiches auswiesen. Wenn sie gefangen genommen wurden, sollten sie ihre Vernehmer davon überzeugen, dass sie an den nahe gelegenen Grenzanlagen arbeiteten.
Mordauftrag mini|hochkant|Denkmal für den getöteten 20-jährigen Grenzsoldaten Jeu Saive Am 20. März 1945 wurde die Gruppe in einer erbeuteten Boeing B-17 Flying Fortress vom Flugplatz Hildesheim bei Hannover in die Nähe des Dorfes Gemmenich geflogen, wo sie mit dem Fallschirm absprangen. Bei der Landung wurden sie von dem 20-jährigen niederländischen Grenzsoldaten Jeu Saive entdeckt, den sie erschossen.
Die Ortskundige Ilse Hirsch kundschaftete das Ziel eigenständig aus und führte die Mitglieder des Kommandos am Abend des 25. März zur Eupener Straße 251, wo Oppenhoff mit seiner Frau Irmgard und den drei Kindern wohnte. Da er auf einer Feier war, baten sie die Haushälterin, nach ihm zu schicken. Als Oppenhoff eintraf, verlor Wenzel, der die Schüsse abgeben sollte, die Nerven. Leitgeb ergriff die Pistole und erschoss Oppenhoff.
Auf der Flucht mit Leitgeb trat Hirsch auf eine vergrabene Landmine; sie wurde am Knie verwundet und Leitgeb getötet.
Leben danach Nach dem Krieg wurden die überlebenden Mitglieder dieser Werwolf-Gruppe ausfindig gemacht. Bei einem Prozess im Jahr 1949 wurden sie für schuldig befunden, Oppenhoff getötet zu haben und zu 1 bis 4 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Der Aachener Rechtsanwalt Hans-Werner Fröhlich fand 2013 heraus, dass der Vorsitzende Richter der Aachener Kammer seit 1937 Mitglied der NSDAP und Angehöriger eines von den Nationalsozialisten eingerichteten Sondergerichts war; auch ein Beisitzer des Schwurgerichts war Mitglied der NSDAP gewesen. Hirsch wurde freigesprochen, und ein weiteres Mitglied der Gruppe wurde nie angeklagt.
Nach Recherchen des Historikers Hannes Heer soll Wenzel in Südwestafrika, dem heutigen Namibia, in der noch aus Kolonialzeiten bestehenden großen Gruppe deutscher Bauern und Siedler untergetaucht sein. Er habe unter dem Namen Fritz Brandt gelebt, bis er 1981 verstorben sei.
Hirsch heiratete und bekam zwei Söhne. In späteren Verfahren wurden die Strafen der verurteilten Mitglieder reduziert und schließlich nach dem Straffreiheitsgesetz 1954 wegen „Befehlsnotstand“ vollständig aufgehoben.Bernhard Poll: Franz Oppenhoff. In: Edmund Strutz (Hrsg.): Rheinische Lebensbilder. Band 1, Köln 1983
Einzelnachweise
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