Abd al-Qādir Haidara ist ein malischer Bibliothekar und Bewahrer der Timbuktu-Handschriften, der durch die Rettung eines großen Teils dieser Bestände während der Besatzung der Stadt durch islamistische Milizen 2012–2013 internationale Bekanntheit erlangte. Er leitet die Mamma-Haidara-Gedenkbibliothek in Timbuktu und steht der malischen Nichtregierungsorganisation SAVAMA-DCI (Sauvegarde et Valorisation des Manuscrits pour la Défense de la Culture Islamique) vor, welche die Bewahrung privater Handschriftenbibliotheken koordiniert. Im August 2025 begann die malische Regierung mit der Rückführung erster Kisten aus Bamako nach Timbuktu, nachdem die Manuskripte dort über ein Jahrzehnt lang gelagert worden waren.

Leben Haidara stammt aus einer Gelehrtenfamilie in Timbuktu; sein Vater Mohammed „Mamma“ Haidara (1897–1981) war ein anerkannter Gelehrter und Sammler, der eine große Familienbibliothek begründete. Nach dem Tod des Vaters wurde der 17-jährige Haidara 1981 vom staatlichen Ahmed-Baba-Institut als Hauptsammler berufen und vergrößerte den Bestand des Instituts durch ausgedehnte Reisen erheblich. 1993 verließ er das Institut, professionalisierte die Mamma-Haidara-Bibliothek und warb zum Aufbau weiterer Privatbibliotheken internationale Unterstützung ein.

Im Frühjahr 2012 besetzten Milizen aus dem Umfeld von Ansar Dine und AQMI Timbuktu; Haidara organisierte daraufhin das heimliche Verpacken der Manuskripte in Metallkisten und ihre Verlagerung in sichere Häuser innerhalb der Stadt, um sie der drohenden Zerstörung zu entziehen. Anschließend ließ er die Bestände in Etappen – etwa über den Niger – nach Bamako bringen. Kurz vor ihrem Rückzug verbrannten die Milizen im Ahmed-Baba-Institut etwa 4.200 Manuskripte; dennoch blieb der Großteil der Bestände erhalten. Zeitgenössische Berichte sprachen davon, dass mehr als 95 % der Manuskripte unversehrt geborgen werden konnten. Für seine Verdienste verlieh ihm die École normale supérieure de Lyon am 11. Oktober 2012 die Würde eines Doctor honoris causa. Er ist zudem Träger des Deutschen Afrika-Preises (2014).

Wirken Als Präsident von SAVAMA-DCI koordiniert Haidara die Unterstützung dutzender privater Bibliotheken, die Ausbildung lokaler Fachkräfte und die konservatorische Betreuung der Bestände. Seit Dezember 2013 arbeitet seine Organisation mit der Hill Museum & Manuscript Library (HMML) in Bamako an einer großangelegten Digitalisierung; das Vorhaben schuf lokale Arbeitsplätze und professionalisierte die Sicherung der Bestände. Der heimliche Evakuierungseinsatz wie auch die spätere Digitalisierung wurden u. a. durch den niederländischen Prince-Claus-Fonds und weitere Partner finanziell unterstützt. Reportagen zeichneten Haidaras diskrete Führungsrolle nach – von der Beschaffung der Metallkisten bis zu Boots- und Geländewagenkonvois, mit denen die Handschriften in Sicherheit gebracht wurden. Kommentatoren würdigten seine Arbeit als Symbol des intellektuellen Erbes Timbuktus und als Gegenentwurf zu kulturzerstörerischem Extremismus. Mit der seit August 2025 begonnenen Rückführung einzelner Kisten nach Timbuktu rücken Fragen der klimaangepassten Lagerung und der öffentlichen Zugänglichkeit vor Ort erneut in den Vordergrund.

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