Hyopsodus ist eine Gattung aus der ausgestorbenen Familie der Hyopsodontidae, welche wiederum innerhalb der Höheren Säugetiere der umfangreichen, jedoch in sich nicht geschlossenen Gruppe der „Condylarthra“ zugewiesen wird. Die Gattung trat im Verlauf des Eozäns vor gut 56 bis 36 Millionen Jahren auf. Nachweise liegen sowohl aus Nordamerika als auch aus Eurasien vor. In letzterer Region sind Funde eher spärlich und verteilen sich fleckenhaft über Ostasien und Westeuropa. Dagegen nimmt Hyopsodus in ersterer einen hohen Anteil im Fossilaufkommen verschiedener Fundstellen ein. Das Fundgebiet erstreckt sich hier in einem Streifen von New Mexico im Süden bis nach Saskatchewan im Norden.

Das überwiegende Material setzt sich aus Gebissfragmenten und isolierten Zähnen zusammen, vollständige Skelette sind selten. Anhand der Funde lässt sich ein igel- bis murmeltiergroßes Tier rekonstruieren, dessen Körperproportion mit einem gestreckten Körper und kurzen Gliedmaßen der eines Wiesels entsprach. Der Bewegungsapparat war wenig spezialisiert. Allgemein wird eine bodenlebende Fortbewegung geschlussfolgert, wobei auch gewisse Grab- und Kletterbefähigungen nicht auszuschließen sind. Vermutlich kamen die Tiere entsprechend ihres Fundaufkommens in zahlreichen Landschaftstypen zurecht. Aufgrund einzelner Charakteristika im Gehirnaufbau und der Struktur des Innenohrs ist eine Befähigung zur Echolokation in Diskussion. Die Gattung erhielt im Jahr 1870 ihre wissenschaftliche Erstbeschreibung. Im Verlauf der Forschungsgeschichte wurde teilweise eine nähere Beziehung zu den Primaten angenommen. Gegenwärtig sind rund zwei Dutzend Arten anerkannt.

Merkmale Hyopsodus ist durch zahlreiches Fundmaterial vertreten, überwiegend handelt es sich allerdings um Gebissfragmente und Einzelzähne mit nur wenigen vollständigen Schädeln oder Skeletten. Der Schädel war eher kurz und breit gebaut. Insgesamt ähnelte er dem eines Igels, wies aber ein vergleichsweise längeres und schlankeres Rostrum auf. In Aufsicht schnürte er hinter der Orbita markant ein und verbreiterte sich dann im Gehirnbereich zunehmend, so dass etwa am Schläfenbein die maximale Breite erreicht wurde. Wiederum in Seitenansicht zog das Hinterhaupt deutlich nach hinten und oben aus, wodurch eine markante Eindellung in der Profillinie am Hirnschädel entstand. Die Jochbögen waren in Aufsicht ausladend und in Seitenansicht relativ dick. In gleicher Perspektive ragte der Mittelkieferknochen hoch auf und traf sich etwa auf der Hälfte der Länge des Nasenbeins mit dem Oberkiefer. An letzterem öffnete sich auf Höhe des dritten Prämolaren das Foramen infraorbitale. Über das Stirnbein verliefen zwei schwach ausgeprägte Temporallinien, die sich etwa bei der postorbitalen Einschnürung zu einem niedrigen Scheitelkamm vereinten. Auf der Schädelunterseite war der Gaumen langgestreckt, am vorderen Ende gerundet und seitlich weit nach hinten bis zum hintersten Mahlzahn ragend. Die Glenoidgrube zur Gelenkung mit dem Unterkiefer bestand aus einer schwachen, seitlich orientierten Eindellung.

Der Unterkiefer maß bei einem vollständigen Exemplar 5,1 cm. Der horizontale Knochenkörper verjüngte sich nur mäßig nach vorn, bei einigen Formen vor allem im Bereich der bis zum dritten Prämolaren ausgedehnten Symphyse am vorderen Ende. Die Unterkante verlief etwas gewellt. Häufig öffneten sich zwei bis drei Foramen mentale unterhalb des Abschnittes zwischen dem ersten und letzten Prämolaren. Der Kronenfortsatz stieg mit einem gewölbten vorderen Rand auf, der hintere war hingegen senkrecht. Dadurch wirkte er nicht so zurückgelehnt wie bei Meniscotherium. Der Winkelfortsatz war recht groß, aber nicht ganz so nach hinten ausladend wie im Vergleich zu Meniscotherium. Der Gelenkfortsatz saß deutlich vor dem Winkelfortsatz, wies keinen Hals auf und verfügten über eine breite Gelenkfläche. Am aufsteigenden Ast endete die Fossa masseterica vorn auf Höhe des letzten Mahlzahns. Sie wurde hier durch eine markante Knochenkante begrenzt.

Das Gebiss setzte sich aus der vollständigen Anzahl der Zähne der Höheren Säugetiere zusammen, insgesamt also 44 mit folgender Zahnformel: . Die Zähne standen geschlossen ohne auffällige Zahnlücken mit Ausnahme der vorderen Zähne der oberen Gebissreihe. Die oberen und unteren Schneide- und Eckzähne sowie der jeweils erste Prämolar waren einfach gestaltet und zumeist nagel- oder spatelartig geformt. Abseits des vergrößerten inneren oberen Schneidezahns besaßen sie eine jeweils gleiche Größe. Die oberen Molaren wiesen niedrige (brachyodonte) Zahnkronen und ein buckeliges (bunodontes) Kauflächenmuster auf, ausgestattet mit vier Haupt- und zwei größeren Nebenhöckern. Die vier Haupthöcker bildeten auf der Wangenseite der Metaconus und der Paraconus, auf der Zungenseite der Protoconus und der Hypoconus. Erstere drei waren relativ gleich groß und bildeten das typische und eher ursprüngliche trituberculäre Dreieck, letzterer stand außerhalb dieses und fehlte auf dem hintersten Molaren. Auf den unteren Mahlzähnen dominierten auf dem höher gelagerten Trigonid das Protoconid und das Metaconid als spitz aufragende Höcker, auf dem niedrigeren Talonid das Hypoconid und das Entoconid. Diese Höcker waren durch Scherleisten miteinander verbunden, die den Zähnen ein eher mondsichelförmiges (selenodontes) Kauflächenmuster verliehen. Sowohl bei den oberen wie bei den unteren Mahlzähnen war der jeweils zweite vergrößert. Hierbei erwies sich vor allem die Größe des unteren zweiten Molars als taxonomisch bedeutend. So besaßen frühe Formen von Hyopsodus Molarenlängen von 3,0 bis 4,0 mm, bei späteren bezifferte sich dies auf 4,8 bis 5,6 mm. Die gesamte untere Backenzahnreihe vom ersten Prämolar bis zum letzten Molar erstreckte sich über eine Länge von 20,1 bis 26,5 mm.

Das Körperskelett ist von mehreren Individuen überliefert. Die Wirbelsäule liegt bisher unvollständig vor, bekannt sind 7 Hals-, 20 Brust-, wenigstens drei Lenden- und 4 Kreuzbeinwirbel zuzüglich zweier Schwanzwirbel. Auffällig waren die etwas gestreckten Halswirbel und die vergleichsweise hohe Anzahl an Brustwirbeln. Die Gliedmaßen zeigten einen insgesamt kurzen und stämmigen Bau. Am Oberarmknochen lag der Gelenkkopf weit oben, der seitlich davon stehende große Knochenvorsprung erreichte nahezu dessen Höhe, war aber weniger deutlich entwickelt als bei Meniscotherium. Der kleine Knochenvorsprung zeichnete sich eher schwach ab. Über die Hälfte der Schaftlänge erstreckte sich die deltopectorale Leiste. Das untere Gelenkende lud nur wenig aus, typischerweise trat zudem eine Knochenöffnung oberhalb der Gelenkrolle auf, wie es heute auch bei den Nagetieren oder Raubtieren der Fall ist. Die Unterarmknochen waren kurz, an der Elle setzte ein großes, etwas überhängendes Olecranon an. Der Oberschenkelknochen charakterisierte sich durch einen abgeflachten Gelenkkopf auf kurzem Hals. Der Große und Kleine Rollhügel waren eher schwach entwickelt, der Dritte Rollhügel saß recht niedrig am Schaft. Das Schienbein erreichte nicht ganz die Länge des Oberschenkelknochens und war nicht mit dem Wadenbein verwachsen. Über die oberen zwei Fünftel des Schaftes verlief eine markante Knochenrippe. Hände und Füße besaßen jeweils fünf Strahlen, in beiden Fällen war der Mittelstrahl am stärksten ausgebildet, gefolgt von den innen und außen anliegenden Strahlen. Die einzelnen Glieder besaßen eine kurze und breite Gestalt. Die jeweilige Endphalanx lief in einer stumpfen Spitze aus und war seitlich nicht verschmälert.

Fossilfunde mini|hochkant|Zeitliche Verbreitung der verschiedenen Arten von Hyopsodus in Nordamerika und Eurasien Hyopsodus ist mit zahlreichen Funden aus Nordamerika und Eurasien belegt. Im westlichen Teil Nordamerika gehört die Gattung zu den häufigsten Säugetieren des Paläogens und stellt an einigen Lokalitäten 10 bis teils über 30 % des dokumentierten Fundmaterials. Der Großteil der Fossilreste beschränkt sich allerdings auf Gebissfragmente und Zähne, während vollständige Skelette die Ausnahme bilden. Das die Gattung definierende Material stammt mit einem Unterkieferfragment aus der Bridger-Formation im Bridger-Becken im südwestlichen Teil des US-Bundesstaates Wyoming und wurde bereits im Jahr 1870 vorgestellt. Es repräsentiert die Art H. paulus, die eine vergleichsweise lange Präsenz im Fossilbericht des westlichen Nordamerikas zeigt und vom entwickelten Unteren Eozän vor gut 52 Millionen Jahren bis über weite Abschnitte des Mittleren Eozäns bis vor knapp 45 Millionen Jahren nachweisbar ist. Allein das Bridger-Becken erbrachte mehrere hundert Zahn- und Gebissfunde, zudem auch einzelne Schädel und postcraniale Skelettreste. Weitere Fossilien der Art in Form von einzelnen Zähnen sind etwa aus den oberen Abschnitten der Willwood-Formation im weiter nördlich gelegenen Bighorn-Becken des gleichen Bundesstaates berichtet worden, die aber als etwas älter eingestuft werden müssen als das Typusmaterial. Dem gegenüber lassen sich einige wenige Funde aus der Tepee-Trail-Formation im nordwestlichen Wyoming nur allgemein dem Mittleren Eozän zuordnen. Etwa zeitgleich zu den Funden aus dem Bridger-Becken sind einzelne Zähne aus der Huerfano-Formation im südlich an Wyoming anschließenden Bundesstaat Colorado, während jene aus der Kishenehn-Formation im Kishenehn-Becken des nördlicher gelegenen Bundesstaates Montana etwas jünger datieren.