Modrzejewo (deutsch Moddrow) ist ein Dorf in der Gemeinde Tuchomie im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage Das Dorf liegt im östlichen Hinterpommern, etwa elf Kilometer westsüdwestlich der Stadt Bytów und 2,5 Kilometer südwestlich des Kirchdorfs Chotkowo.

Östlich des Dorfs befindet sich der Jezioro Chotkowskie (Kathkower See). Westlich des Dorfkerns fließt aus südöstliche Richtung kommend nach Nordwesten der Bach Kamienica (Kamenz), der östlich des Dorfs Kołczygłowy in die Słupia mündet.

Geschichte Modrzejewo wurde im Jahr 1345 gegründet; überlieferte Ortsbezeichnungen sind muderaw (1385), Modrow (1438) und Mudderow (1515).Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Moddrow (buetow-pommern.info, PDF) Erster Besitzer von Moddrow war Heinrich Rosen,Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 174–175 (Google Books).Werner Reinhold: Chronik der Stadt Stolp, Kölling, Stolp 1851, S. 205 (Google Books). dessen Nachkommen noch in Lehnbriefen des 16. Jahrhunderts als Anteilseigner erwähnt werden, dann aber ganz verschwinden.Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Erster Teil: Die Geschichte, Königsberg 1858, S. 123 (Google Books). Schon im Jahr 1515 waren in Moddrow die Familien Miscine, Stendeck und Mark sesshaft.Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 175–176 (Google Books). Die Familie Mark war auch 1724 in Moddrow begütert.Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band V, Voigt, Leipzig 1864, S. 129 (Google Books).

Um 1756 besaßen laut Vasallen-Tabelle Johan Friedrich von Mark einen Anteil von Moddrow, der sechs Jahre lang im Regiment Anhalt-Zerbst gedient hatte,Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 389, Ziffer 122 (Google Books). sowie Michael Ernst von Stendeck und Thomas Ludwig von Stendeck.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 395, Ziffer 198–199 (Google Books). Anteile an Moddrow besaßen um 1782 Thomas Ludwig von Stendeck, der Lieutenant Friedrich Wilhelm von Wedelstedt, Ludwig Wilhelm von Mark und der Lieutenant Michael Martin von Lipinski.Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1087–1088, Ziffer (9) (Google Books). Die Vasallen-Tabelle von 1804 weist den 84 Jahre alten Thomas Ludwig von Stendeck als Besitzer von Moddrow ARobert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 496, Ziffer 142 (Google Books). aus, eine Frau von Chamier geb. v. Mach als Besitzerin von Moddrow CRobert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 486, Ziffer 15 (Google Books). und den 69 Jahre alten Michael Mathias von Lipinski als Besitzer von Moddrow D.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 491, Ziffer 81 (Google Books). Am 1. Januar 1862 befanden sich laut den Verzeichnissen der Pommerschen Ritterschaft Robert Ludwig Scheunemann im Besitz von Moddrow A.C.D., der das Gut 1842 für 36.000 Taler erwarb,Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 570, Ziffer 59 (Google Books). und Wilhelm Heyer im Besitz von Moddrow B, der das Gut 1833 für 10.000 Taler gekauft hatte.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 567, Ziffer 20 (Google Books). Im Jahr 1884 besaßen die Gebrüder Max und Ernst Scheunemann Moddrow A.C.D., während Moddrow B sich im Besitz des Kreisabgeordneten Emil Heyer befand.P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 18–19 (Google Books). 1892 gehörte Moddrow A.C.D. dem Alexander Hampe aus Badresch bei Oertzenhof in Mecklenburg, und auf Moddrow B saß Emil Heyer, Hauptmann a. D.Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).

Am 1. Dezember 1913 wurden auf dem 693,7 Hektar großen Gutsbezirk Moddrow A.C.D. 29 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 72 Pferde, 235 Stück Rindvieh, vier Schafe und 138 Stück Borstenvieh hielten.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 138–139, Ziffer 54 (Google Books). Zur gleichen Zeit wurden auf dem 395,3 Hektar großen Gutsbezirk B 18 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen ein Pferd, 170 Stück Rindvieh und 62 Stück Borstenvieh hielten.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 138–139, Ziffer 55 (Google Books). Am 11. Dezember 1924 wurden die Gutsbezirke Moddrow A und Moddrow B zur Landgemeinde Moddrow zusammengeschlossen;.am 28. September 1926 erfolgte die Umbenennung des Restgutes Moddrow in Eigenbrodt.Amtsbezirk Kathkow (Territorial.de)

Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Moddrow eine Flächengröße von 11 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 48 bewohnte Wohnhäuser an vier verschiedenen Wohnplätzen: Forsthaus und Waldarbeitergehöfte Eigenbrodt Moddrow Moddrowermühle Vorwerk Moddrow Um 1935 hatte Moddrow unter anderem einen Gasthof, einen Gemischtwarenladen, eine Mühle, eine Schmiede und zwei Stellmachereien.Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1073 (Google Books).

Bis 1945 bildete Moddrow eine Landgemeinde im Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Die Gemeinde Moddrow war dem Amtsbezirk Kathkow zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Kathkow.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im März 1945 durch die Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde Moddrow zusammen mit ganz Hinterpommern Teil Polens und in Modrzejewo umbenannt.

Der Ort gehört heute zur Landgemeinde Tuchomie.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – adliges Gut, mit sieben Vorwerken (Höfen), einer Gastwirtschaft, einer Wassermühle, einer Schmiede, einem Schulmeister, 33 Feuerstellen (Haushaltungen), Eichen-, Buchen- und Fichtenholzungen, zwei Seen, eingepfarrt zu Groß Tuchen und in vier Besitzanteile unterschiedlicher Familien aufgeteiltLudwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1087–1088, Ziffer (9) (Google Books). 1818 137 davon 130 im Adelsdorf und sieben bei der Mühle, zum Kirchspiel Groß Tuchen gehörigAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 209, Ziffer 2133–2134 (Google Books). 1825 143 mit der Büdnerwohnung Borrowe und einer WassermühleFriedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 291, Ziffer 8 (Google Books). 1852 313 DorfTopographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 397 (Google Books). 1855 304 am Jahresende, sämtlich EvangelischeHermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Bütow 1858, Anhang, Beilage 1, Ziffer 42 (Google Books)1864 348 am 3. Dezember, zwei Gutsbezirke (Moddrow A, C und D und Moddrow B)Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 2. Kreis Bütow, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 34–35 (Google Books). 1867 334 am 3. Dezember, zwei Gutsbezirke 1871 325 am 1. Dezember, zwei Gutsbezirke (314 Evangelische, elf Katholiken)Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, XII. Kreis Bütow, S. 176–177, Ziffer 52–53 (Google Books). 1885 324 am 1. Dezember, zwei Gutsbezirke (323 Evangelische, ein Katholik)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 192–193, Ziffer 58–59 (Google Books). 1895 332 am 2. Dezember, zwei Gutsbezirke (321 Evangelische, elf Katholiken)Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 198–199, Ziffer 58–59 (Google Books). 1910 333 am 1. Dezember, zwei Rittergüter (Moddrow A, C und D mit 184 Einwohnern, Moddrow B mit 149 Einwohnern),Moddrow, zwei Rittergüter, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Moddrow (meyersgaz.org). 1925 426 Landgemeinde, in 77 Haushaltungen, davon 395 Evangelische und 31 KatholikenDie Gemeinde Moddrow im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011) 1933 447 1939 547 2011 443 GUS 2011: Ludność w miejscowościach statystycznych według ekonomicznych grup wieku (polnisch), 31. März 2011, abgerufen am 26. Juni 2017

Kirche In Moddrow stellten bis 1945 evangelische Christen die Bevölkerungsmehrheit. Diese waren nach Groß Tuchen eingepfarrt. Die Katholiken wurden ebenfalls von Groß Tuchen aus betreut. Die seit 1945 anwesende Einwohnerschaft gehört mit seltenen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an. Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.

Weblinks Die Gemeinde Moddrow im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011) Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Moddrow (buetow-pommern.info, PDF)

Fußnoten

Kategorie:Ort in Pommern Kategorie:Ort der Woiwodschaft Pommern Kategorie:Gmina Tuchomie