Den norske Forfatterforening (DnF) – deutsch: Der norwegische Autorenverband – ist ein als Verein organisierter norwegischer „Berufsverband für Autoren von Belletristik“. Der 1893 zum Schutz der wirtschaftlichen Interessen der Autoren gegründete Verband nimmt nur Schriftsteller auf, die mindestens ein Buch für Erwachsene mit literarischer Qualität veröffentlicht haben. Damit sind Autoren von Sachbüchern und Unterhaltungsliteratur nahezu ausgeschlossen.

DnF vertritt die Autoren gegenüber den öffentlichen Stellen und den Berufsverbänden der Verleger. Er vergibt verschiedene Stipendien und für Debütanten den Vesaasprisen. Noch wichtiger ist, dass er die Empfänger von fremden Stipendien wie dem Bokhandelens forfatterstipend des Buchhändlerverbands und dem Statens kunstnerstipend des Kulturministeriums bestimmt, was seit einigen Jahren von neu entstandenen konkurrierenden Autorenvereinigungen heftig kritisiert wird.

DnF pflegt die internationale Zusammenarbeit und ist u. a. Mitglied im European Writers Council, dem europäischen Dachverband von Autorenvereinigungen. Besonders eng sind die Kontakte zum belarussischen und zum ungarischen Schriftstellerverband. Seit 1993 vergibt DnF jährlich den Ytringsfrihetprisen (Meinungsfreiheitspreis) an Autoren, die sich in ihrem Heimatland für Meinungsfreiheit und Toleranz eingesetzt haben.

Organisation Organe Die Leitung des Vereins erfolgt durch den Vorstand, der aus dem Vorsitzenden und seinem Stellvertreter sowie aus weiteren sechs Mitgliedern besteht. Die Wahlperiode beträgt zwei Jahre, wobei jährlich vier Mitglieder neu gewählt werden. Eine Wiederwahl ist möglich.

Der Literaturrat berät den Vorstand in allen literarischen Fragen. Er besteht aus sieben Mitgliedern, die ebenfalls für zwei Jahre mit jährlicher Teilerneuerung gewählt werden. „Um eine angemessene Fluktuation zu gewährleisten, kann niemand mehr als zweimal nacheinander wiedergewählt werden.“ Der Rat soll in Bezug auf Alter, Sprachvariante und „literarische Ansichten“ ausgewogen zusammengesetzt sein. Beide Sprachvarianten müssen mit mindestens zwei Mitgliedern vertreten sein. Maximal ein Mitglied kann von außerhalb des Vereins stammen.

Der Literaturrat macht Vorschläge über die Vergabe der Preise und Stipendien, sowohl über die vom Verein dotierten als auch über die vom Buchhändlerverband oder dem Ministerium ausgelobten. Bei der Beurteilung von Werken berücksichtigt der Literaturrat verschiedene Gesichtspunkte, vor allem sprachliche und handwerkliche Beherrschung, Realitätsbezug, intellektueller Gehalt, Glaubwürdigkeit, Engagement, Originalität, literarisches Niveau, Aktualität, Risikofreude. „Der Rat hat jedoch die Erfahrung gemacht, dass ein Werk mehrere dieser Eigenschaften vermissen lassen kann und dennoch literarischen Wert hat.“

mini|Ingeniørenes hus, Kronprinsens gate 17, Sitz des DnF seit 2019 Der Aufnahmeausschuss bearbeitet die Mitgliedsanträge an den Verein. Er besteht aus fünf Mitgliedern, die für zwei Jahre gewählt werden, wobei eine einmalige Wiederwahl möglich ist. Die Einführung dieses Ausschusses erfolgte durch die Jahresversammlung im Juni 2020. Vorher war für die Beurteilung der Mitgliedsanträge ausschließlich der Literaturrat zuständig.

Der Finanzrat verwaltet die Mittel des Vereins. Er besteht aus dem Vorstandsvorsitzenden und zwei gewählten Mitgliedern, die keine Vereinsmitglieder sein müssen. Weitere Organe sind der Wahlausschuss (sechs für ein Jahr gewählte Mitglieder), der Rechnungsprüfer und der externe Wirtschaftsprüfer.

Die Jahresversammlung findet spätestens Ende April statt. Auf ihr werden Jahresbericht und Rechnungsabschluss behandelt und die Mitglieder sämtlicher Vereinsorgane gewählt.

Mitgliedschaft § 5 der Satzung des DnF besagt: „Ein Autor, der in Norwegen lebt oder norwegischer Staatsbürger mit Wohnsitz im Ausland ist, kann Mitglied des Norwegischen Autorenverbands werden. Die Mindestvoraussetzung ist, dass die betreffende Person ein Buch für Erwachsene geschrieben und veröffentlicht hat. Dieses muss literarische Qualität aufweisen.“

Seit 2020 wird die Empfehlung zur Aufnahme vom Aufnahmeausschuss ausgesprochen. Über diese entscheidet der Vorstand endgültig (eventuell erst, nachdem er weitere Berater konsultiert hat.) Eine Ablehnung muss mit der fehlenden literarischen Qualität begründet werden.

Standort Zwischen 1970 und 2018 war Den norske Forfatterforening im sogenannten Garmanngården in der Rådhusgata 7 untergebracht. In diesem kurz nach dem Stadtbrand von 1624 errichteten, seit 1927 denkmalgeschützten Gebäude befand sich 1734 bis 1843 das Rathaus von Kristiania. Anschließend diente es hundert Jahre lang (1866–1963) als Polizeistation.

2019 zog DnF an den jetzigen Standort in das Ingeniørenes Hus in der Kronprinsens gate 17 um. Das von Eyvind Moestue und Ole Lind Schistad im funktionalistischen Stil entworfene Geschäfts- und Bürogebäude wurde 1931 erbaut. Während der Besatzung befanden sich hier Büros der Deutschen Kriegsmarine.

Sowohl Garmanngården als auch Ingeniørenes Hus sind mit dem blauen Schild von Oslo Byes Vel als Gebäude von kulturgeschichtlicher Bedeutung gekennzeichnet.

Tätigkeit mini|Garmanngården, Rådhusgata 7, Sitz des DnF 1970–2018 Der Verband vertritt die Interessen der Autoren gegenüber Verlagen und Behörden durch Teilnahme an Verhandlungen über Themen wie Bibliotheksvergütungen, Einkaufsregelungen, Preisbindungen, Stipendienregelungen usw. Der Literaturrat „hat Entscheidungsbefugnis bei einer Reihe von öffentlichen Stipendien- und Förderprogrammen.“ Der Verband verfügt auch über eigene Fonds und er finanziert seine Tätigkeit hauptsächlich durch kollektiv erhobene Vergütungen, wie der Bibliotheks- und der Kopiervergütung.

Er vergibt an seine Mitglieder (aber auch an Nichtmitglieder) Arbeitsstipendien (für bis zu fünf Jahre) oder einmalige Zuschüsse für Reisen oder Projekte. Er bewilligt jährlich vier Stipendien für Studienreisen nach Dänemark, Finnland, Island oder Schweden von jeweils 20.000 NOK, die vom Parlament bewilligt werden müssen. Der Literaturrat entscheidet auch über die Vergabe des Staatlichen Künstlerstipendiums.

Der Verband vergibt jährlich den mit 60.000 NOK dotierten Tarjei-Vesaas-Debütantenpreis an den besten Debütanten des Vorjahres im Bereich Belletristik (der möglichst nicht älter als 40 Jahre sein sollte.) Als Tarjei Vesaas für sein Buch Is-slottet (Das Eis-Schloss) 1964 den Literaturpreis des Nordischen Rates erhalten hatte, stiftete er das Geld für den nach ihm benannten Preis. Jury ist der Literaturrat des DnF, die Verleihung erfolgt in der Regel auf der Jahresversammlung.

Internationales Engagement „Der norwegische Autorenverband hat sich auch aktiv für die internationale Solidarität mit verfolgten Autoren eingesetzt.“ In auswärtigen Angelegenheiten wird der Vereinsvorstand von einem von ihm ernannten Internationalen Komitee beraten, und dieses Komitee schlägt Kandidaten für den Meinungsfreiheitspreis (Ytringsfrihetprisen) vor, der anschließend vom Vorstand zugesprochen wird.

Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens am 15. November 1993 erhielt der DnF vom Kulturministerium eine jährliche Spende in Form eines Preises für freie Meinungsäußerung. Der Preis von 200.000 NOK „wird jedes Jahr an einen norwegischen oder ausländischen Autor verliehen, der sich in besonderem Maße für Meinungsfreiheit und Toleranz im weitesten Sinne eingesetzt hat.“

mini|Arne Garborg (1851–1924), erster Vorsitzender für Belletristik + Meinungsfreiheitspreis (Ytringsfrihetprisen)Preisträger der letzten Jahre Jahr Preisträger Nationalität 2016 Jael Uribe Dominikanische Republik 2017 Asli Erdoğan Türkei 2018 Sumaya Jirde Ali Norwegen 2019 Dareen Tatour Palästina2020 Dmitri Strotsev Belarus Hanna Komar2021 Ahmet Altan Türkei Ilhan Çomak 2022 Tsitsi Dangarembga Simbabwe2023 Salman Rushdie Großbritannien Victoria Amelina Ukraine2024 Adania Shibli Palästina Mosab Abu Toha Von den dreizehn Ausgezeichneten waren acht Frauen und fünf Männer.

Der DnF nimmt an der Zusammenarbeit der Nordischen Länder teil und ist Mitglied in der Dachorganisation der Europäischen Schriftstellerverbände (European Writers Council).

Geschichte Gründung Die Gründung des Forfatterforening 1893 geschah auf Initiative einiger junger Intellektueller aus dem Kreis der pjolterintelligentsia um Gunnar Heiberg und Carl Nærup: Erik Lie, Jens Thiis, Nils Kjær und Vilhelm Krag waren noch keine dreißig Jahre alt, als sie den Verband gründeten, deren Ehrenvorsitz die älteren Kollegen Arne Garborg (für die Belletristik) und Gustav Storm (für die Fachliteratur) übernahmen. Die eigentliche Arbeit des Vorsitzenden wurde von Andreas Aubert erledigt.

Seit 1896 gibt es nur mehr einen Vorsitzenden für beide Sparten, wobei (wegen des Kriteriums der literarischen Qualität) nur selten Fachbuchautoren in den Verband aufgenommen werden.

Zweiter Weltkrieg Im ab 1940 besetzten Norwegen verhängte die deutsche Verwaltung und die NS-Regierung Quisling die Zensur, führte Werbekampagnen für ideologisch gewünschte Bücher und besetzte leitende Stellen in den Buchverlagen und Zeitungsredaktionen mit ihren Handlangern. Autoren, die sich widersetzten, wurden inhaftiert. Auch Alex Brinchmann, der den Forfatterforening seit 1941 leitete, wurde schließlich im Januar 1945 verhaftet und saß im Polizeihäftlingslager Grini ein.

Andere Autoren schlossen sich der Nasjonal Samling an oder unterstützten zumindest dessen völkische Kulturpolitik. „Nach der Befreiung 1945 forderte die Heimatfront (Hjemmefronten) alle Künstlerorganisationen auf, ihre Mitglieder wegen sogenannter unnationaler Aktivitäten zur Rechenschaft zu ziehen, und der norwegische Schriftstellerverband schuf ein Ehrengericht.“ 18 Mitglieder des DnF wurden wegen ihrer NS-Mitgliedschaft dauerhaft ausgeschlossen. Gegen 17 minder belastete Mitglieder wurden befristete Ausschlüsse, Sperren oder Geldstrafen verhängt, darunter André Bjerke, Alf Larsen und Herman Wildenvey.

Sprachenstreit mini|Gustav Storm (1845–1903), erster Vorsitzender für Fachliteratur In der Nachkriegszeit amtierte Hans Heiberg fast zwanzig Jahre als Vorsitzender. In seine Amtszeit fiel der Sprachenstreit (språkstriden) von 1952, als 32 Mitglieder aus dem DnF austraten und den Gegenverband Forfatterforeningen av 1952 gründeten, dessen Vorsitz Arnulf Øverland übernahm. Der Konflikt entstand durch die Entsendung eines Vertreters des DnF in den neu gegründeten Norwegischen Sprachrat (Norsk språknemnd, später Norsk språkråd), dessen Zielsetzung es war, die norwegischen Sprachvarianten Bokmål und Nynorsk zu der einheitlichen Schriftsprache Samnorsk zu verschmelzen. Als klar wurde, dass die Zielsetzung nicht erreicht werden würde, und nachdem die sogenannte Vogt-Kommission am 23. März 1966 ihren Bericht über die Sprachfrage veröffentlicht hatte, wurde der Streit beigelegt und die beiden Verbände wieder vereint.

Erfolg als Branchenverband Im Laufe seiner mehr als hundertjährigen Existenz, und vor allem in den Jahren nach 1945, hat der Forfatterforening einen bedeutenden kulturpolitischen Einfluss erreicht. In Norwegen ist der Interessensabgleich zwischen repräsentativen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden, der sogenannte (liberale, da freiwillige) Korporatismus, die Norm. In politischen Fragen wird dieser Dialog durch die Einbeziehung von Regierungsvertretern zum Tripartismus erweitert.

Als Konsequenz aus dieser Situation sind die norwegischen Verbände der Verleger, Verfasser und Übersetzer „vom Wettbewerbsgesetz über Preisabsprachen ausgenommen, damit die Verbände in ihren Einkaufsverträgen mit dem Norwegischen Kulturrat (Norsk kulturråd) Teile der Vergütungen und Honorare der Verlage, Autoren und Übersetzer festlegen können.“ (Entscheidung der Norwegischen Wettbewerbsbehörde, 1999)