mini|Ausgrabungen auf dem Tell el-ʿAdschūl (Sommer 1932) Die Archäologie im Gazastreifen befasst sich mit dem Territorium des Gazastreifens, das als solches zwar erst 1949 geschaffen wurde, aber als historische Landbrücke zwischen Afrika und Asien – ein Abschnitt der Via Maris – besonderes Interesse beanspruchen kann.
Alle aus dem Gazastreifen bekannten Inschriften wurden 2014 im Band 3 der Reihe Corpus Inscriptionum Iudaeae/Palaestinae (CIIP) publiziert. Das epigraphische Material ist damit sehr gut erschlossen. Viel schlechter steht es um die Grabungsdokumentation. Sie liegt zwar bei den Ausgrabungen in der britischen Mandatszeit (1920–1949) vor, entspricht aber nicht den modernen Standards. Unter ägyptischer Verwaltung (1949–1956 und 1957–1967) wurde im Gazastreifen kaum gegraben. Bei den von israelischen Institutionen seit 1967 durchgeführten Grabungen fehlen vielfach abschließende Berichte. Nicht besser sieht es bei den seit ihrer Gründung 1994 von der palästinensischen Altertümerverwaltung (zusammen mit internationalen Partnern) durchgeführten Grabungen aus.
Archäologische Fundplätze Die folgende Liste führt die im Jahr 2025 bekannten oder vermuteten Fundplätze des Gazastreifens in nord-südlicher Reihenfolge auf.Vgl. Wolfgang Zwickel: Grabungen im Gazastreifen – eine publizistische Spurensuche. In: Welt und Umwelt der Bibel, Band 30/3 (2025), S. 62–65. Bild KoordinatenPalestine Grid, eine für die Region Palästina optimierte Cassini-Soldner-Projektion, die 1922 eingeführt wurde. In Israel wird sie bezeichnet als ICS (Israeli Cassini-Soldner) Archäologische Stätte Ausgrabung oder Beschreibung Ausgräber oder Report Jahr Befunde1018.1114Tell esch-SchuqafIsraelische AltertümerverwaltungYaacov Huster1991 Badehaus und künstliche Fischteiche.A. O’Sullivan: Byzantine Church Discovered in Gaza Strip. In: The Jerusalem Post, 8. März 1999; Yaacov Huster: Tell Shekef à Gaza: La maison de saint Jean. In: Le Monde de la Bible 134 (2001), S. 62.1018.1114Tell esch-SchuqafIsraelische AltertümerverwaltungYaacov Huster1999Spätantik-frühbyzantinischen Kirche mit Mosaikfußboden. Die archäologische Stätte liegt unmittelbar südlich der Grenze zu Israel. Abbruch der Ausgrabung wegen der Nähe zu einem Armeeposten.A. O’Sullivan: Byzantine Church Discovered in Gaza Strip. In: The Jerusalem Post, 8. März 1999; Yaacov Huster: Tell Shekef à Gaza: La maison de saint Jean. In: Le Monde de la Bible 134 (2001), S. 62; CIIP 3 (2014), Nr. 2432.A Digital Corpus of Early Christian Churches and Monasteries in the Holy Land: 18666 - Ḥof Shiqma; Tell esh-Shuqaf - Church1026.1066Bēt LahiyāPalästinensische Altertümerverwaltung, École bibliqueFasl al-Atal, René Elter2022Rettungsgrabung: Römische Nekropole.1037.1063Tell el-Chirbe2007 oder früherMosaik.Wolfgang Zwickel: Grabungen im Gazastreifen – eine publizistische Spurensuche. In: Welt und Umwelt der Bibel, Band 30/3 (2025), S. 62–65, hier S. 63: „Offenbar wurde hier vor 2007 ein Mosaik ausgegraben.“0974-0990.1055-1070al-Balāchīya–Georg Gatt1884Großes Ruinenfeld mit Scherbenhaufen, Säulentrümmern und -kapitellen auf einem die Küstenlinie etwa 10 Meter überragenden Plateau.Georg Gatt: Bemerkungen über Gaza und seine Umgebung. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins, Band 7 (1884), S. 1–14, hier S. 5–7; Götz Schmitt: Siedlungen Palästinas in griechisch-römischer Zeit, Wiesbaden 1995, S. 56.0974-0990.1055-1070al-BalāchīyaPalästinensische Altertümerverwaltung, École bibliqueMoain Sadeq, Jean-Baptiste Humbert1995–1996Massive neuassyrische Lehmziegelbefestigungen; römische Häuser, Warenlager; villa maritima; hellenistische Nekropole; zwei byzantinische Kirchen; byzantinische Nekropole.Jean-Baptiste Humbert: Gaza mediterranéenne, Paris 2000, S. 105–119; Moain Sadek: An Overview of Iron Age Gaza in Light of the Archaeological Evidence, Winona Lake 2014; Abdalla J. Nabulsi, Jean-Baptiste Humbert, Ahmad Said, Moain Sadeq: Excavations at the Blakhiya Byzantine Cemetery in Gaza. In: Revue Biblique, Band 117 (2010), S. 602–613; 246–248; CIIP 3 (2014), Nr. 2439–2442; Jean-Baptiste Humbert: À Gaza, une archéologie abandonnée, Wiesbaden 2021, S. 189–198.140x140px0974-0990.1055-1070al-BalāchīyaPalästinensische Altertümerverwaltung, École bibliqueMoain Sadeq, Jean-Baptiste Humbert2005Zwei hellenistische Wohnhäuser mit bemalten Wänden, „gut erhalten und flankiert, wie es scheint, von einem öffentlichen Platz … ein seltenes Beispiel eines aristokratischen Viertels, das man im Übergang von der Ptolemäer- zur Seleukidenherrschaft datieren muss.“Jean-Marie Dentzer: Rapport sur la vie et des activités de l’École biblique et archéologique de Jérusalem pour l’année 2005–2006. In: Comptes rendus des séances de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 2006, S. 1811 (Online) Ausführlich: Jean-Baptiste Humbert: À Gaza, une archéologie abandonnée, Wiesbaden 2021, S. 223–237.Mittelmeer nahe al-Balāchīya––2017Hortfund mit Münzen des 4. Jahrhunderts v. Chr.0975.1042Götz Schmitt: Siedlungen Palästinas in griechisch-römischer Zeit, Wiesbaden 1995, S. 166.al-Mīnā–Georg Gatt1884Östliche Stadtmauer von Maioumas: etwa drei Meter breit, wurde als Baumaterial nach Gaza abtransportiert, ebenso wie zersägte Säulen, zehn Kapitelle lagen noch nahe der alten Stadtmauer.Georg Gatt: Bemerkungen über Gaza und seine Umgebung. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins, Band 7 (1884), S. 1–14, hier S. 4.0965.1043Götz Schmitt: Siedlungen Palästinas in griechisch-römischer Zeit, Wiesbaden 1995, S. 166.al-MīnāÄgyptische Altertümerverwaltung1965Mosaik.NEAEHL 2 (1993), 464–467.140x140px0965.1043Götz Schmitt: Siedlungen Palästinas in griechisch-römischer Zeit, Wiesbaden 1995, S. 166.al-MīnāIsraelische AltertümerverwaltungAsher Ovadiah1967Synagoge von Gaza-Maiumas; industrieller Komplex (Färberei?); massive spätantike Befestigung; falls Stadtmauer von Gaza-Maioumas, lag die Synagoge außerhalb derselben.NEAEHL 2 (1993) 464–467; Asher Ovadiah: Excavations in the Area of the Ancient Synagogue at Gaza (Preliminary Report). In: Israel Exploration Journal, Band 19 (1969), S. 193–198; Asher Ovadiah: Les mosaïstes de Gaza dans l’antiquité chretienne. In: Revue Biblique, Band 82 (1975), S. 552–557. Vgl. zu den Funden im Kontext der Synagoge: CIIP, Band 3: Nr. 2460 Stifterinschrift; Nr. 2461 hebräische Inschrift „David“ neben dem Harfespieler; Nr. 2462 griechische Inschrift eines in der Nähe gefundenen fragmentarischen Marmorbeckens, die Roubelos, Isses und Beniamin nennt; das Objekt befindet sich heute im Rockefeller Museum. Nr. 2463 Fragment einer marmornen Schranke, dessen griechische Inschrift den Holzhändler Isses nennt; das Objekt soll 1967 im Bereich der Synagoge gefunden worden sein, ist aber verschollen.0965.1043Götz Schmitt: Siedlungen Palästinas in griechisch-römischer Zeit, Wiesbaden 1995, S. 166.al-MīnāArchäologischer Stabsoffizier der Militärverwaltung des GazastreifensAsher Ovadiah1976Großes Gebäude (4./5. Jahrhundert) unter der Synagoge von Gaza-Maioumas; in der Nachbarschaft ein Badehaus mit verputztem Becken (keine Mikwe); etwa 650 Meter nördlich der Synagoge direkt an der Küste eine massive Befestigung des 4./5. Jahrhunderts, vielleicht ein Wachtturm.Asher Ovadiah: Gaza Maiumas, 1976. In: Israel Exploration Journal, Band 27 (1977), S. 176–178; Asher Ovadiah: Gaza Maiumas. In: Revue Biblique, Band 84 (1977), S. 418–422. al-Mīnā (Umgebung)––1872Marmorblock mit einer samaritanischen Inschrift ( in samaritanischer Rezension und ) in einem Kontext mit zwei weiteren beschrifteten Steinen und drei Marmorsäulen. Letztere wurden umgehend als Baumaterial verwendet. Der Marmorblock wurde 1930 in Jerusalem identifiziert und publiziert.Gottfried Reeg: Die samaritanischen Synagogen (= Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients, Reihe B, Nr. 12/2). Reichert, Wiesbaden 1977, S. 585–587; W. R. Taylor: Rediscovery of a Samaritan Inscription. In: Journal of the Palestine Oriental Society, Band 10 (1930), S. 18 f. Er befindet sich heute im Jerusalemer Haus Tabor (Schwedisches Theologisches Institut).Wolfgang Zwickel: „Er vergisst nicht den Bund mit deinen Vätern“: Samaritanische Inschrift aus Gaza wiederentdeckt. In: Welt und Umwelt der Bibel Nr. 112 (2024), S. 69.1007.1045en-Nazla (Dschabaliya)Palästinensische Altertümerverwaltung, École bibliqueMoain Sadeq, Jean-Baptiste Humbert1996–2000Byzantinische Kirche mit Mosaikfußboden und großer Nekropole.Wolfgang Zwickel: Grabungen im Gazastreifen – eine publizistische Spurensuche. In: Welt und Umwelt der Bibel, Band 30/3 (2025), S. 62–65, hier S. 63; Moain Sadeq: Christian Topography of Byzantine Gaza. In: International Journal of Humanities and Social Science, Band 5/12 (2015), S. 47–54, hier S. 50: “Remains of a massive Byzantine Church in a basilica layout associated with a large cemetery were excavated between 1996 and 2000 on both sides of Salah ad-Din road. These remains occupy, most likely, the center of the village of Asalea. All its parts are paved with high quality colored mosaic pavements depicting series of images such as hunt scenes, human figures, animals, birds, floral and geometrical elements, mounds and rivers.” (Online)1010.1040Ard-al-Moharbin (Dschabaliya)École bibliqueRené Elter, Fadel al-Otul2023Große römische Nekropole auf einem Areal von etwa 2700 Quadratmetern. Im September 2023 waren 135 Bestattungen untersucht worden, darunter zwei mit Weinlaub bzw. mit Delphinen verzierte Bleisarkophage. Skelette wurden zur Untersuchung ins Ausland gebracht.Gaza, inventaire d’un patrimoine bombardé: n° 037 – Nécropole romaine d’Ard-al-MoharbeenTantur Ecumenical Institute, News & Events: Unearthed: Gaza's Largest Cemetery Reveals Rare Lead Sarcophagi (26. September 2023) Abbruch der Ausgrabung nach Beginn des Krieges in Israel und Gaza im Oktober 2023.140x140px1001.1034al-Muchetim (Dschabaliya)Palästinensische Altertümerverwaltung, Direction générale des relations culturelles, scientifiques et techniques (DGRCST)1996–1997Mosaikfußboden einer spätantik-frühbyzantinischen Kirche mit Baptisterium.Catherine Saliou: Gaza dans l’antiquité tardive: Nouveaux documents épigraphiques. In: Revue Biblique, Band 107 (2000), S. 390–411; CIIP 3 (2014), Nr. 2443–2459; Jean-Baptiste Humbert: Gaza Mediterranéenne, Paris 2000, S. 121–127A Digital Corpus of Early Christian Churches and Monasteries in the Holy Land: Jabaliyah; el-Mkheitim - ChurchGaza, inventaire d’un patrimoine bombardé: n° 56 – Complexe ecclésiastique de Mukhaytim-JabaliyāScheich Radwan (Gaza-Nord)–Victor Guérin1869Grabmonument des Walī Scheich Radwan auf einem Hügel, erbaut mit antiken Spolien, darunter Teilen von Marmorplatten; möglicherweise war hier ein spätantik-frühbyzantinisches Kloster.Yizhar Hirschfeld: The Monasteries of Gaza, Leiden / Boston 2004, S. 75; Victor Guérin: Description géographique, historique et archéologique de la Palestine, Band 10: Judée. Paris 1869, S. 221 f. (Digitalisat)0995.1014Tell Harūbe