Die schmalspurigen Tenderlokomotiven der Bauart Typ Deutschland waren von der Firma Henschel in Kassel hergestellte Industrielokomotiven der Bauart B n2t. Sie wurden vorrangig in der Spurweite von 900 mm von 1912 bis 1922 hergestellt. Einige wenige Exemplare wurden auch in anderen Spurweiten (810 mm, 1000 mm) gefertigt.
Die Lokomotiven waren bis ungefähr 1960 im Einsatz. Ein Exemplar der Baureihe ist nicht erhalten geblieben.
Geschichte Die Bauserie Typ Deutschland stammt aus einer Reihe von Henschel-Bau-Lokomotiven für die Feuerung mit Braunkohle, sie wurden vom Hersteller als Vorrat gefertigt und vorrangig an Unternehmen des Braunkohletagebau verkauft. Unter dieser Reihe von Lokomotiven war die Henschel Typ Deutschland die kleinste typmäßig genannte Lokomotive.Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Tafel 3
Die erste gefertigte Lokomotive mit der Fabriknummer 11571 wurde 1912 in der Spurweite 1000 mm an die Siebenbürger Holzhandels AG im heutigen Brașov verkauft.Auflistung der von Henschel gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) 1948 war sie noch bei den Căile Ferate Forestiere vorhanden und trug die Nummer CFF 1004.301. 1912 wurde mit der Fabriknummer 11572 eine Lokomotive an die Hoch- und Tiefbau AG und zwei Lokomotiven an die Trifailer Kohlenwerke verkauft.
Bekannte Lokomotiven
Auf Grund ihrer Bauweise wurden die Loks vorrangig für den Betrieb in Braunkohletagebauen verwendet. 1914 wurden zwei Lokomotiven für den Betrieb in der Gewerkschaft Hürtherberg und drei Lokomotiven für die Gewerkschaft Roddergrube im Rheinischen Braunkohlerevier geliefert, denen 1915 und 1916 noch drei weitere Lokomotiven folgten. Die Lokomotiven wurden dort in den Gruben im Abraumbetrieb verwendet, eine Betriebsnummer der Rheinbraun hat keine der acht Lokomotiven erhalten. Sie sind vor 1960 ausgemustert worden.
1915 wurden vier weitere Exemplare an die Hoch- und Tiefbau AG geliefert. Die Henschel 13595 gelangte zu einem nicht genannten Zeitpunkt zum Helmstedter Braunkohlerevier. Die Lokomotive war 1952 im Tagebau Wulfersdorf. Der weitere Verbleib der Lokomotive ist nicht bekannt.Joachim Ihme, Heinz-Jürgen Weist: Die Bahnen der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke (BKB) Helmstedt, Verlag Barteld, Berga/Elster 2021, ISBN 978-3-935961-25-7, Seite 205
Weitere Lokomotiven
1917 und 1919 gelangten vier Lokomotiven in der Spurweite 900 mm in den Bestand der Eintracht Braunkohlenwerke und Brikettfabriken AG und eine zur Prelitzer Braunkohlen AG bei Meuselwitz. Die Maschinen werden im Hilfsfahrbetrieb Verwendung gefunden haben, bis sie durch Diesellokomotiven ersetzt werden konnten.Frank Barteld, Kohlebahnen im Bornaer Revier, Verlag Barteld Berga/Elster, 2011, ISBN 978-3-935961-14-1, Seite 194
Eine weitere Maschine wurde für die Spurweite 1000 mm für die Westdeutschen Sprengstoffwerke Dortmund und zwei Lokomotiven für die Spurweite 810 mm wurden an Schöttle & Schuster geliefert. Beschafft wurden die Lokomotiven bis 1922, danach wurden nur noch stärkere Dampflokomotiven für Braunkohlenfeuerung wie die Typen Döring & Lehrmann, Lausitz oder Hindenburg beschafft.
Konstruktion
Die Lokomotiven zählten zu der Regelbauart von Henschel-Baulokomotiven für die Braunkohlenfeuerung und wurden im Beschaffungskatalog mit einem geringen Beschaffungspreis, kurzen Lieferfristen, schneller Beschaffung von Ersatzteilen und einem geringen Ersatzteillager angeboten. Die Lokomotiven stimmen maßlich mit der Henschel Typ Döring & Lehrmann überein, besitzen aber eine kleinere Dampfmaschine mit geringerem Zylinderdurchmesser und weniger Leistung sowie daraufhin auch geringerer Masse.
Die Lokomotiven besaßen einen Blechrahmen mit einer Stärke von 20 mm, der gleichzeitig als Wasserkastenrahmen im Bereich der ersten Achse ausgelegt war. Außerdem führten sie lang vorgezogene seitliche Wasserkästen mit, die zur besseren Wartung der Federn und der Aufwurfhebel der Steuerung in diesem Bereich eine große Ausklinkung besaßen. Der Rahmen war mit den stabil ausgebildeten Pufferbohlen und mehreren Querträgern vernietet, in ihm waren die beiden Achsen gelagert und oberhalb der Achslager mit Blattfedern abgefedert. Als Kupplung wurde eine Mittelpuffer-Kupplung verwendet, die an der Pufferbohle beidseitig abgefedert war.
Die Lokomotiven hatten einen Kessel mit einer Stahl-Feuerbüchse. Der Schornstein war zur Vermeidung von Funkenflug mit einem Funkenfänger ausgerüstet. Der Kessel bestand aus zwei Schüssen, auf dem ersten saß der Dampfdom, auf dem zweiten der Sandkasten. Von ihm gingen jeweils vor das vordere und hinter das hintere Rad ein Sandfallrohr hinab. Auf dem Hinterkessel saß ein Sicherheitsventil der Bauart Ramsbottom. Die Steuerung der Dampfmaschine wurde mit der Heusinger-Steuerung und Flachschieber durchgeführt, sie wurde mit einem großen Handhebel gesteuert, der Kreuzkopf wurde zweischienig auf der Gleitbahn geführt.
Sie besaßen eine Handbremse, die als Gewichtsbremse mit Ratschenhebel ausgeführt war und Hand-Sandstreuer. In der Normalausführung waren sie mit einer mittleren Stirnlampe an der Rauchkammertür bzw. Führerhausrückwand als Petroleumbeleuchtung ausgerüstet. Sie konnten mit der Geschwindigkeit von 10 km/h in der Ebene eine Last von 945 t befördern, auf einer Steigung von 10 ‰ waren es 298 t, bei 25 ‰ 120 t und bei 50 ‰ noch 63 t.
Siehe auch Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel Liste von Schienenfahrzeugen im Helmstedter Braunkohlenrevier
Literatur Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Seite 52
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge B Kategorie:Schienenfahrzeug (Henschel) Kategorie:Triebfahrzeug (Helmstedter Braunkohlerevier)