Sirinumu Dam ist ein Infrastrukturprojekt in Papua-Neuguinea und versorgt das Stromnetz der Hauptstadt Port Moresby mit Wasser und elektrischer Energie. Der Staudamm selbst befindet sich außerhalb von Port Moresby in der Zentralprovinz. Seine Wasserkrafterzeugung deckt den größten Teil des Strombedarfs der Stadt. Wird der Staudamm abgeschaltet, etwa aufgrund von Streitigkeiten mit lokalen Landbesitzern oder wegen niedrigem Wasserstand, kommt es in der Stadt zu Wasser- und Stromengpässen.
Der Staudamm wurde von den australischen Behörden, die damals das Territorium Neuguinea verwalteten, von 1958 bis 1963 gebaut. Er wurde auf dem bis heute traditionellen Land des Volkes der Koiari errichtet, nach Vereinbarungen mit den Landbesitzern. Seit den 1970er Jahren behaupten lokale Landbesitzer, dass die Vereinbarungen weder von der australischen Regierung noch von späteren Regierungen Papua-Neuguineas eingehalten wurden und dass sie selbst keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Trinkwasser und elektrischer Energie haben.
Geographie Der Staudamm befindet sich in der Central Province, in einem Becken, das südlich von Sogeri von Bergen umgeben ist. Das aufgestaute Gebiet wird vom Laloki-Fluss und einer Reihe seiner Nebenflüsse gespeist, wodurch der Sirinumu-See entstanden ist. Einige der neu entstandenen Inseln im See sind bewohnt. Die Busfahrt vom Haupthafen am See nach Port Moresby dauert etwa eine Stunde. Ein Teil des Bodens, auf dem der Damm errichtet ist, besteht aus Laterit.Robin Fell, Patrick MacGregor, David Stapledon, Graeme Bell, Mark Foster: Geotechnical Engineering of Dams. CRC Press 2014: S. 164. ISBN 978-0-203-38731-3 google books
Geschichte Das vom Staudamm überflutete Land war von mehreren Clans bewohnt; späteren Angaben zufolge waren es sechs: Wanowari, Orari, Monitori, Magibiri, Tuiya und Bemuri. Einer anderen Behauptung zufolge lebten dort zuvor die Wakai in vier Dörfern: den beiden größeren „Yoadabu“ und „Gebodabu“ sowie den kleineren „Araidabu“ und „Sabetana“. Teile des überfluteten Landes wurden als Plantagen für Kautschukaanbau genutzt.T. Petr: Interactions Between Fish and Aquatic Macrophytes in Inland Waters: A Review. Food & Agriculture Organization (FAO) 2000. ISBN 978-92-5-104453-7 google books
Die australischen Behörden, die damals Papua-Neuguinea verwalteten, verhandelten mit den Landbesitzern über den Bau des Staudamms. Der Bau begann 1958. Die erste vollständige Vereinbarung wurde 1961 getroffen. Der Staudamm wurde am 7. September 1963 vom damaligen australischen Premierminister Robert Menzies offiziell eröffnet. Kurz nach der Fertigstellung des Staudamms wurden Tilapia, Schlangenhautgurami und Bidyanus bidyanus (Silver perch) in den neu entstandenen See eingesetzt. Der Riesengurami (Osphronemus goramy) wurde 1966 eingeführt, jedoch mit geringem Erfolg.K. Roger Uwate: A Review of Aquaculture Activities in the Pacific Islands Region. Pacific Islands Development Program, East-West Center 1984: S. 14–27, 14–38. google books
Am 31. Januar 1992 genehmigte die Regierung jährliche Pachtzahlungen in Höhe von 130.000 Kina bis 1995. 1996 gründete die Regierung durch PNG Power die Sirinumu Development Company, um die Zahlungen an die Landbesitzer abzuwickeln. Die Landbesitzer empfanden dies jedoch als nicht erfolgreich. Die Sirinumu Development Company und die Koiari Development Authority sind die Institutionen, über welche die Regierung die Pachtzahlungen leistet.
Während der Dürre in Papua-Neuguinea im Jahr 1997 wurden die Kraftwerke des Staudamms abgeschaltet, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen.Bryant J. Allen, R. Michael Bourke: The 1997-98 Drought in Papua New Guinea: Failure of Policy or Triumph of the Citizenry? In: Ronald James May: Policy Making and Implementation: Studies from Papua New Guinea. ANU Press 2009: S. 325. ISBN 978-1-921536-69-4 google books Ein starkes El-Niño-Southern-Oscillations-Ereignis von 2014 bis 2015 reduzierte den Füllstand des Staudamms auf 35 %, was in Port Moresby eine Wasserrationierung erforderlich machte.The Report: Papua New Guinea 2014. Oxford Business Group 2014: S. 114. ISBN 978-1-910068-10-6 google booksShu-Qing Yang: Coastal Reservoir Technology and Applications. Elsevier 2022: S. 197. ISBN 978-0-323-91118-4 google books
Nutzung Port Moresby erhält weniger Niederschlag als die meisten anderen Festlandgebiete von Papua-Neuguinea, und aufgrund der großen und wachsenden Bevölkerung der Stadt ist Wasser ein bedeutendes wirtschaftliches und politisches Thema. Der Sirinumu-Staudamm ist der einzige Staudamm, der die Stadt mit Wasser versorgt, obwohl er außerhalb der Stadtgrenzen liegt. Selbst mit diesem Staudamm ist der Wasserzugang in Port Moresby gering, und der Staudamm selbst hat regelmäßig niedrige Wasserstände.
Zusätzlich zur Stromerzeugung an der Sirinumu Hydropower Plant, direkt am Damm, wird auch in einem Elektrizitätswerk in der Rouna Gorge Stram erzeugt. Dazu wird Wasser aus dem See abgeführt. Das kleine Werk Sirinumu („Sirinumu Toe-of-Dam“) produziert 1 MW, „Rouna 1“ und „3“ produzieren jeweils 12 MW, „Rouna 2“ 24 MW und „Rouna 4“ 40 MW. Der Strom wird in das Port Moresby-Stromnetz eingespeistThe Report: Papua New Guinea 2012. Oxford Business Group 2012: S. 77. ISBN 978-1-907065-62-0 google books und deckt mehr als die Hälfte des Netzbedarfs. 2017 wurden dafür ca. 10 bis 19 m³ Wasser pro Sekunde benötigt.
Der See dient heute der Erholung und wird zum Kajak- und Kanufahren genutzt. Es gibt dort Tilapia-Zuchtbetriebe, die von Touristen besichtigt werden können. Außerdem dient er als Ausgangspunkt für Wanderungen zu den umliegenden Wasserfällen.
Koiari landowners Der Damm steht auf Stammesland (customary land). Die Landbesitzer sind Angehörige des Koiari-Volkes, und die Frage der Zahlungen und Entschädigungen ist nicht nur für die Landbesitzer des Staudamms, sondern auch für die Landbesitzer der Flussquellen und der Gebiete, in denen die Rohrleitungen verlaufen, ein häufiges Thema. Im Jahr 2013 setzte die Regierung erfolglos einen Ministerausschuss ein, um eine langfristige Vereinbarung zu erzielen. Forderungen nach Entschädigung reichen mindestens bis in die 1970er Jahre zurück. Die lokale Bevölkerung gibt an, dass Versprechen bezüglich der Infrastruktur, wie beispielsweise einer Ringstraße um den See, nie eingelöst wurden. Sie gibt außerdem an, dass es vor Ort an einer zuverlässigen Trinkwasserversorgung und Stromversorgung mangelt. Es bestehen Beschwerden sowohl über die historische Behandlung durch die australische Regierung als auch über die spätere Behandlung durch die unabhängigen Regierungen von Papua-Neuguinea.
Die Forderungen nach Entschädigung für die Nutzung des Staudamms gehen mit Drohungen zur Schließung des Damms einher. Dies führte bereits mehrfach zur Schließung des Damms, unter anderem in den Jahren 2015, 2017 und 2019. Bei einer Abschaltung des Damms wird die Stromerzeugung sechs Stunden später eingestellt. Die Handelskammer von Port Moresby (Port Moresby Chamber of Commerce and Industry) argumentiert, dass solche Abschaltungen gegen das Gesetz über lebenswichtige Dienstleistungen (Essential Services Act) verstoßen.
Viele der Landbesitzer leben von Subsistenzwirtschaft und sind der Ansicht, dass die Nutzung ihrer Landressourcen zur Kapitalbeschaffung besser kompensiert werden sollte. Der Bau des Staudamms erzwang einen Wandel von der Jagd und dem Sammeln hin zu einer Lebensweise, die auf Fischfang basiert. Heute bilden der Eigenanbau von Lebensmitteln, Fischfang und Tourismus die Grundlage des lokalen Einkommens. Einige der Landbesitzer haben eine unabhängige, eingetragene Gesellschaft gegründet, um ein formelleres Entschädigungssystem zu etablieren, das von der Sirinumu Development Company unabhängig ist.
Weblinks Diagrams of Sirinumu Dam. google books. 1960 geological report d28rz98at9flks.cloudfront.net ()
Einzelnachweise
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