Die Industriestahlbau Leipzig GmbH war ein Stahlbauunternehmen in Leipzig-Mockau bis zu seiner Stilllegung im Jahre 1998. Tätigkeitsfelder waren insbesondere die Planung, Konstruktion, Fertigung und Montage von Stahl- und Metallkonstruktionen.
Geschichte Gemäß dem am 1. März 1990 von der Volkskammer der DDR beschlossenem Treuhandgesetz zur Umwandlung volkseigener Betriebe in Kapitalgesellschaften wurden die 13 Werke des Metalleichtbaukombinates (MLK) sowie das Ingenieurbüro, das Forschungsinstitut und der Projektierungsbetrieb Plauen am 15. Juni 1990 auf der Grundlage des Treuhandgesetzes in selbständige Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelt. Die Industriestahlbau Leipzig GmbH mit Sitz in Leipzig-Mockau, Rosenowstraße 24, hatte ein Stammkapital in Höhe von 14 Mio. Mark und wurde im Handelsregister beim Amtsgericht Leipzig mit Bezug auf den Gesellschaftervertrag vom 15. Juni 1990 unter der Registernummer HRB 973 am 8. September 1990 eingetragen. Mit Wirkung vom 1. Juli 1990 wurde im Zuge der Währungsunion mit der Bundesrepublik Deutschland (BRD) die Neubewertung der Grundstücke, Gebäude, Vorräte sowie Maschinen und Anlagen in einer DM-Eröffnungsbilanz vorgenommen und das Stammkapital mit 1,65 Mio. DM durch die Gesellschafterversammlung vom 29. Juni 1992 neu festgesetzt. Gleichzeitig erfolgte die Bildung der Mitteldeutschen Industrieanlagen und Stahlbau GmbH (MIAS) als Holdinggesellschaft, der neben der Industriestahlbau Leipzig GmbH drei weitere Unternehmen aus dem Bestand des MLK angehörten. Zur Beschleunigung der Umstrukturierung in den Unternehmen und zur Verbesserung der Voraussetzungen für eine Privatisierung hatte der Vorstand und Verwaltungsrat der Treuhandanstalt (THA) Ende 1992 beschlossen, sanierungswürdige Betriebe in fünf Management-Kommanditgesellschaften unter Leitung sanierungserfahrener Unternehmerpersönlichkeiten zu organisieren. Mit dieser Konsequenz wurden 1993 die Industriestahlbau Leipzig GmbH sowie die Betriebe in Niesky, Ruhland und Parey als Werke der Mitteldeutschen Industrieanlagen und Stahlbau GmbH in die EREL Verwaltungs GmbH & Management Co. KG übernommen. Mit dem Sanierungskonzept der EREL zur Schaffung wettbewerbsfähiger Fertigungsstandorte für ingenieurtechnisch anspruchsvollen Stahlbau und die Entwicklung zum Generalunternehmen für komplette Bauleistungen wurden für das Werk in Leipzig die Finanzierung von Investitionen im Umfang von 17 Mio. DM gesichert - davon allein 7 Mio. DM für den Neubau einer Konservierungshalle. Bereits im Jahr 1995 konnte die neue Halle für den Korrosionsschutz nach umfangreichen Baumaßnahmen in Betrieb genommen werden. Die Neuordnung der Fertigungsabläufe folgte im Wesentlichen dem in der Ingenieurabschlussarbeit an der Ingenieurschule Roßwein vom Werkstattleiter Manfred Walussek sowie Winfried Linkert erarbeiteten Konzept. Damit war eine moderne spezialisierte Stahlbauwerkstatt für den Industriestahlbau entstanden.
Auftragsrealisierung Mit Beginn der 1990er Jahre erhielt die Industriestahlbau Leipzig GmbH den Auftrag zur Lieferung und Montage der verzinkten Stahlkonstruktion einer Acetylenanlage im Auftrag der Chemischen Werke Hüls AG in Marl. Aus Kapazitätsgründen wurde die Bearbeitung der Werkstattzeichnungen durch den damaligen Technischen Direktor Jürgen Brückner fremdvergeben. Die fehlerbehafteten Fertigungsunterlagen führten zu erheblichen Störungen im Bauablauf und aufwendigen Nacharbeiten an der verzinkten Konstruktion.
Mit der Anschaffung einer Brenn- und Schneidanlage für Gehrungsschnitte an Rohren waren die Voraussetzungen für die Fertigung der Stahlkonstruktionen zum Neubau der Leipziger Messe in Arbeitsgemeinschaft mit der Stahlbau Plauen GmbH gegeben. Das Richtfest für die fünf Ausstellungshallen erfolgte am 25. November 1994.
Für die Lieferung und Montage der verzinkten Stahlkonstruktion der Acetylenanlage im Auftrag der Dow Chemical Company am Standort Böhlen im Jahr 1995 konnten erstmals die 3D-CAD-Software BOCAD für die Erstellung der Fertigungsunterlagen genutzt werden. Die Freigabe der Werkstattzeichnungen erfolgte durch Dow Houston Operations per Datenübertragung nach Houston (Texas) und eröffnete völlig neue Methoden der Fertigungsvorbereitung.
In Kooperation mit der Hoch-Tief AG, Niederlassung Leipzig erfolgte nach der Lieferung und Montage der Stahlkonstruktion für die geometrisch anspruchsvolle Dachkonstruktion des Städtischen Kaufhauses in Leipzig die Realisierung des Auftrages für den Neubau des Abfertigungsgebäudes (Terminal B) am Flughafen Leipzig/Halle, welches am 3. März 1996 eingeweiht werden konnte.
Beispiele von Auftragsrealisierungen
Besonders herausgestellt werden muss die digitalisierte Bearbeitung der Fertigungsunterlagen für den Neubau der Schiffswerft Wismar mit ca. 20.000 t unter der Gesamtkoordination von Peter Schmalzried in Leipzig unter Mitwirkung der Technischen Büros in Parey und Niesky. Der Anteil der Industriestahlbau Leipzig GmbH an den Lieferungen umfasste sämtliche Kranbahnträger in der Schiffbauhalle mit einer Spannweite von 15 m.
Als weiteres Beispiel für die Realisierung einer anspruchsvollen Stahlkonstruktion kann auch die vom amerikanischen Architekten Siah Armajani entworfene Verbindungsbrücke für das Finanz-Center der Sparkasse Leipzig im Löhrs Carré gelten.
Als Geschäftsführer der Industriestahlbau Leipzig GmbH wurden berufen: Hans Rohkrämer von 08.09.1990–04.11.1991 Gerd Hönemann von 07.11.1990–04.11.1991 Hans-Dieter Daniel von 04.11.1991–15.10.1995
Privatisierung und Stilllegung Mit Gesellschafterbeschluss vom 1. August 1994 wurde die Mitteldeutsche Industrieanlagen und Stahlbau GmbH (MIAS) auf die Industriestahlbau Leipzig GmbH verschmolzen. Der neue Name der Gesellschaft wurde als Mitteldeutsche Industrieanlagen- und Stahlbau GmbH im Handelsregister beim Amtsgericht Leipzig unter HRB 873 registriert. Gleichzeitig wurden die Zweigniederlassungen Industriestahlbau Leipzig, Stahlbau Niesky, Stahlbau Parey und Lausitzer Stahlbau Ruhland errichtet. Als Geschäftsführer der Mitteldeutschen Industrieanlagen- und Stahlbau GmbH, deren Umbenennung auf Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 21. März 1995 in Mitteldeutsche Stahlbau GmbH am 19.04.1995 im Handelsregister eingetragen wurde, wurden berufen: Roland Keßler vom 19.10.1994 bis 19.10.1997 Hans Johne vom 19.10.1994 bis 18.04.1998 Reiner Linhard vom 15.10.1995 bis 27.03.1996 Wolfgang Teerling vom 15.10.1995 bis 27.03.1996. Jürgen Meyer vom 19.10.1997 bis 15.10.1998 Martin Krankmann vom 19.10.1997 bis 15.10.1998
Die Mitteldeutsche Stahlbau GmbH wurde auf Grund des Verschmelzungsvertrages vom 28. August 1998 und der Gesellschafterbeschlüsse beider Gesellschaften vom selben Tage mit der Stahlbau Plauen GmbH mit Sitz in Plauen/Vogtland (Amtsgericht Chemnitz HRB 1005) verschmolzen. Die Verschmelzung wurde am 9. September 1998 in das Handelsregister der übernehmenden Gesellschaft eingetragen.
Damit wurde im Ergebnis der Privatisierung durch die EREL Verwaltungs GmbH & Management Co. KG im Auftrag der Treuhandanstalt am Standort Leipzig, Rosenowstraße 24 die Stahlbaufertigung und damit ein potentieller Marktkonkurrent stillgelegt. Etwa 150 Personen verloren ihren Arbeitsplatz und nur 12 Mitarbeiter wurden zur Abwicklung des Auftragsbestandes befristet in Plauen übernommen. Die aus Steuergeldern finanzierten Anlagen (Säge-Bohr-Automaten, Schweiß- und Brennportale, Brückenlaufkrane, Strahlmaschine, CAD-Bearbeitungsstationen etc.) wurden durch Stahlbau Plauen veräußert. Schließlich wurden die im Grundbuch als Eigentum der Industriestahlbau Leipzig GmbH eingetragenen Grundstücke mit dem Gebäuderestbestand an die von dem Unternehmer und Immobilienentwickler Christoph Gröner gegründete Gröner Group GmbH verkauft. Auf Grund finanzieller Schwierigkeiten musste diese Gesellschaft im November 2024 beim Amtsgericht Insolvenz beantragen.
Literatur Wolfgang Hocquél: Die Architektur der Leipziger Messe. Kaufmannshof, Messepalast, Passage, Messegebäude. Verlag für Bauwesen, Berlin 1994, ISBN 3-34500575-1. Hans Johne/Peter Schmalzried/L. Greiner: Planung, Fertigung und Montage Kompaktwerft MTW Wismar.II. Bauabschnitt Stahlbau der Halle 60 (Dockhalle) In: Stahlbaunachrichten 3/96 Deutscher Stahlbauverband (DStV) S. 13–17. Hans Johne: Stahlbaubetriebe in der DDR am Beispiel des Metallleichtbaukombinates. In: Stahlbau (89) Heft 9, S. 740–748 Verlag Ernst & Sohn, ISSN 0038-9145.
Weblinks Einsatz CAD - System Luftbilder Leipziger Messe, Hallen 1 bis 5 gebaut von Mitteldeutschen Stahlbau Leipzig GmbH in Gemeinschaft mit Stahlbau Plauen GmbH
Einzelnachweise
Kategorie:Stahlbauunternehmen (Deutschland) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Leipzig) Kategorie:Unternehmensgründung 1990 Kategorie:Aufgelöst 1998